314) Corona-Lektionen 118

Macht’n der Virus eigentlich so?, mag man ab und zu denken. Tja, sieht so aus, als würde er sich in die Sommerpause verabschieden. Der Anteil der Maskenträger im Supermarkt sinkt deutlich und auch in Bus und Bahn hängt das Textil schon wieder häufiger auf Halbmast. Großveranstaltungen sind wieder erlaubt und unser Gesundheitssystem steht noch. Na bloß gut. Wenn man sich anschaut, was in Shanghai und Peking schon wieder abgeht, möchte ich nicht tauschen.

Ein paar Gedanken der letzten Tage:

Halbwissen:
Ach was haben wir nicht alles gelernt in den letzten zwei Jahren. Wir haben uns zum Hobby-Drosten und Freizeit-Chanasit entwickelt, konnten die Inzidenzen der Nachbarschaft herunterbeten und haben das Testbesteck so routiniert genutzt, wie die Fixer im Park das Ihre. Aber dieses Wissen ist erst einmal nichts mehr wert. Nun müssen wir umschulen. Die Waffengattung der Bundeswehr auswendig lernen oder uns mit militanter Zoologie beschäftigen, mit Mardern, Leoparden und Geparden. Und um unser Skillset zukunftsfähig zu machen, wäre sicher ein thematischer Abstecher in die deutsche Energieversorgung von Vorteil, ein Semester Photovoltaik, Möglichkeiten der NLG-Verschiffung und die neuesten Entwicklungen in der Wasserstofftechnik sollte man auch draufhaben. Sonst ist man am Stammtisch schnell abgehängt.

Events:
Letzte Woche waren wir auf einem Konzert. Nach 2,5 Jahren mal wieder. Drinnen! Mit anderen Menschen. Circa 1.500. Also das war schon gruselig. Während des Einlasses standen die Besucher noch vorsichtig und etwas verloren im Saal und hielten viel Abstand zu einander. Als aber der Gig begann, waren alle Freiräume mit warmen Aerosolen gefüllt. Wir entschieden uns für FFP2-Schmuck, fühlten uns dabei zwar irgendwie wie Außerirdische, war mir aber egal. Zwei Tage später meldete sich die Corona-App mit einem roten Ticket. Ei, Ei, Ei.

Gestern dann noch eine Sportveranstaltung, 8.500 Leute in der Berliner Max-Schmeling-Halle, auch mit FFP2 vor der Nase. Genug provoziert, jetzt verbarrikadiere ich mich für die nächsten Tage erst einmal in meiner Höhle und dünste aus. Schließlich wollen wir Ende Mai wegfliegen. Fliegst du weg mit deinem Sohn, vermeide nun das Omikron 😉

Rückblick:
Heute ist der 1. Mai, Tag der Arbeit. Vor zwei Jahren ungefähr, da wurde gerade die Maskenpflicht in Supermärkten eingeführt und man öffnete zögerlich die Baumärkte, damit die Kerle etwas zu tun bekamen. Klingt alles verdammt lang her und irgendwie verrückt wenn man das heute so liest.

Kleine Zeitreise gefällig?

Schönen Sonntag!

<— Corona-Lektion 117

–> Corona-Lektion 119

313) The flying locus: Jetzt im Doppelpack

Irgendwie hatte ich in den letzten Tagen keine Lust, etwas zu schreiben. Ich hatte viel um die Ohren, dann die Nachrichtenlage da draußen, alles nicht so inspirierend. Aber bevor ich nun in eine essentielle „Schreib.Blogade“ abrutschte, schenkte mir der Kranführer von der Baustelle gegenüber heute einen herrlichen Schnappschuss, den ich einfach nicht unkommentiert lassen kann.

Lest also hier nun die Fortsetzung von >The Flying Locus 😉

Was ist eigentlich die Mehrzahl von Locus?

Diese Frage kam mir in den Sinn, als die zwei P(r)acht-Toiletten am blauen Berliner Himmel erschienen. Sind das dann etwa „Locen“, „Locata“ oder gar „Locusse“? Auflösung: Es ist Latein und demnach sind es wohl die „Loci“ oder „Loca“. Kein Wunder, dass die Deutschen das Wort „Klo“ erfunden haben. Aber das soll ja hier kein Latein-Seminar werden.

Also was war da wohl wieder los?

  • Hat der Praktikant verstanden, dass man damit „time and money“ spart, wenn man zwei Klo‘s an den Haken hängt?
  • Wurde da vielleicht ein Corona-konformes Präsenz-Meeting abgehalten?
  • Sind „wie immer“ zwei Frauen gleichzeitig aufs Klo gegangen und haben sich festgequatscht (… sorry)
  • Hat sich die Gleichstellungskommission der Baustelle durchgesetzt, dass Herren-und Frauen-Klo paritätisch geliefert werden (uuups … schon wieder sorry)
  • Oder liefert die Firma nun schon mobile Beichtstühle (au wei … das gibt Ärger … noch mal sorry). Wartet mal … jemand ruft an … Vorwahl +379 … wer is‘n dis??

Und was da wohl als Nächstes fliegen mag?

  • Ein drittes Klo, für die Kollegen, die weder das eine noch das andere … (… ich höre besser auf …)
  • Fünf fliegende Klo‘s für Gruppenarbeit in reservierten „Breakout Rooms“ und „Save Spaces“?
  • Eine „Intim“-Building-Maßnahme? 😉 nach all der Vereinsamung im Homeoffice?
  • Ein Ruheraum für etwas mehr „Locus Time“ … ähm … „Focus Time“ im Think Tank?
  • Oder läuft da sogar bald Musik: „La Vida Loca“ vielleicht? Also vom „Leben auf dem Klo“?

Ich mache jetzt mal besser Schluss und freue mich auf den Shitstorm 😉 Nur zu.

Aber Spülen nicht vergessen!
Is‘ doch nich‘ so schwer!
Und Deckel runter!
Hände waschen!
Und Licht aus!
Mensch!
Na Also!
Man!

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Und gefallen? Ich meine der Beitrag, nicht das Klo.

Dann gibt‘s hier noch mal Teil 1 von > The flying locus

312) Gefühle und Erfahrungen

Neulich musste ich Ersatzteile für unseren >labilen Saugroboter bestellen und die kamen natürlich prompt, gefolgt von einer Zufriedenheitsabfrage.

„Hallo,
Ich freue mich sehr, Ihre Liebe zu unseren Produkten zu sehen!
Wir sammeln die Rückmeldungen und Vorschläge, um das Produkt … zu verbessern.
Könnten Sie uns bitte mehr Gefühle oder Erfahrungen mit der Verwendung der Artikel mitteilen?“

Also nach Erfahrungen mit Produkten oder Services wird man ja öfter mal gefragt. Aber nach Gefühlen? Ich? Mit einem Saugroboter?

Aber was könnte das sein?

  • Erleichterung? Weil jemand die Dreckarbeit macht, während ich die Füße hochlege?
  • Macht? Weil ich das Ding jederzeit irgendwo abstellen oder hinkommandieren kann?
  • Mitleid? Weil das Ding Arbeit verrichten muss, zu der ich zu faul bin?
  • Angst? Weil ich die Arbeit machen muss, sollte das Ding jemals versagen?
  • Skrupel? Weil ein Stück Plastik mit Akku durch die Bude fährt und Strom verbraucht?
  • Zweifel? Weil ich das vermutlich effizienter und günstiger machen könnte?
  • Triumph? Weil diese Maschinen noch nicht besser als wir Menschen sind?
  • Frust? Weil das Ding echt zu blöd ist, den augenfälligsten Dreck zu finden?
  • Hass? Weil der meine Schnürsenkel frisst und die Botten durch die Bude zieht?
  • Zuneigung? Weil der mich mit seinen Bürsten zart an den Füßen kitzelt?

Tja, ich weiß es nicht.
Keine Ahnung was die Frage soll.
W
elche Gefühle und Erfahrungen habt ihr mit Staubsaugern bzw Staubsauger:Innen  ;-)?

PS: Jetzt wo ich die Frage gestellt habe, bin ich mir nicht sicher, ob ich es wirklich wissen will. Aber mal sehen …

311) Kopfkino beim Bowling

Karfreitag, bewölkt, 10°C. Was kann man da machen? Bowlen zum Beispiel. Und wenn man zu fünft oder sechst spielt, hat man zwischendurch ausreichend Gelegenheit, die Spieler auf den anderen Bahnen zu beobachten. 

Ganz besonders dann, wenn sie nach ihrem Wurf zurück an ihren Tisch kehren. In den Gesichtern kann man dann alle möglichen Emotionen sehen. Euphorie, Glück, Stolz aber auch Frust, Zweifel und absolute Niedergeschlagenheit.

Aber es ist ja auch nur die Mimik, die wir da sehen, wer weiß was sie in dem Moment so denken.

Tjaaa, das gibt genügend Raum zur Spekulation. Aber lest selbst 😉

Bahn 1: 
„Beim letzten Mal, da war ich doch noch Niederlassungs-Champion. Die Bahn ist schuld, ganz klar. Voll schief das Ding, das sieht doch ein Blinder. Es geht bergab mit dem Land. Kacke man.“

Bahn 2:
„Hah, Strike. Ja ich bin der Obermacker. Mein Kopf sieht aus wie eine Bowling-Kugel, meine Plauze auch, aber ich kann‘s halt, ne? Yippie ya ya yippie yeah Schweinbacke, mir scheint die Sonne aus dem Arsch. Is‘n das für‘n Schlumpf da auf Bahn 1?“

Bahn 3: 
„Mhm, keine Ahnung wie das Ding da hinten angekommen ist und alles abgeräumt hat, aber wenn die alle jubeln, dann freue ich mich mal auch und zucke verlegen mit den Schultern.“

Bahn 4: 
„Hi Hi Hi, sind die hier ja alle blöd und wie sich da so affig bücken an der Linie. Man muss doch dieses „Ball-Dings mit Löchern“ hier nur weit genug werfen. Weeerfäään, man. Meine Güte, sind die alle doof.“

Bahn 5:
„Also die Mutti da auf Bahn 3, das ist ja schon ein scharfer Feger. Und wie die spielt. Wow. Wenn ich doch nur auf Bahn 2 spielen könnte, aber die ist durch so einen breitbeinigen Stiernacken belegt, der sich ständig um die Brust trommelt.“

Bahn 6: 
„Was macht die denn da auf Bahn 4? Wir sind doch hier nicht beim Kugelstoßen. Da dreht sich ja jedem Fußbodenleger der Magen um!“

Bahn 7:
„Ui, Ui, Ui, mir ist ja auf einmal so schwummerig … was ist nur los? Vielleicht sollte ich doch mal langsam auf Wasser umsteigen?“

Bahn 8:
„Mensch, ich kriege heute aber heue auch gar nichts gebacken, ich schüttle mal besser die Hand, schreie „Autsch“ und schiebe das, für alle hörbar, auf die Büroarbeit.“

Bahn 9:
„Oahhhh, was. Noch 45 Minuten? Was mache ich hier nur? Ich könnte so schön auf der Couch liegen und Sportschau gucken!“

Bahn 10:
„Meine lieber Scholli, hatte ich vor Corona auch schon solche Schweißfüße? Also meine Schuhe sollten sie dann besser nicht gleich wieder verleihen.“

… So oder so ähnlich wird‘s wohl gewesen sein

PS: Die Bahnnummern sind rein willkürlich gewählt, ich braucht da nicht anrufen, um nachzufragen auf welcher Bahn wir gespielt haben. Aber Bahn 10 war es nicht 😉

Ähnliche Beiträge:

310) Kann Spuren von Weichteilen enthalten

Wer mal etwas Abstand zum Nachrichtengeschehen sucht, kann Bücher lesen oder was ich ganz gern‘ mal mache, Produktverpackungen studieren 😉

Hier ein paar schöne Fundstücke der letzten Wochen:

1) Fangen wir mal mit den visuellen Klassifizierungen an, die das Konsumenten-Leben ja eigentlich einfacher machen sollten:

Zum Beispiel dem „Nutri-Score“:
Je mehr rechts und orange/rot und weiter hinten im Alphabet, um so mehr doof … glaube ich.

Dann das EU-Energielabel:
Umso weiter oben und grüner und kürzer der Balken, umso mehr nachhaltig … verstehe ich.

Anders beim „Haltungsindex“:
Umso mehr links, und rot und umso geringer die Zahl, umso weniger gut … vermute ich.

… Oahhh mein Kopf.

2) Weiter geht’s mit mehrdeutigen Texten:

Da steht zum Beispiel:
„Mit Schweinefleisch aus der EU“
Ist das nun besser? Da kommt das Schwein nicht tiefgefroren aus Fernost sondern mit dem LKW aus Rumänien oder was?

Auf einer Käsepackung steht:
„Neuer Inhalt“
Na, da gehe ich doch mal von aus oder? Stünde da „Alter Inhalt“ würde das doch keiner kaufen

Der 6-er Pack Eier kommen mit der Aufschrift:
„Aus Bodenhaltung“
Mhm, also ich find die Haltung von Eiern in Regalen zwar irgendwie praktischer, aber bitte, macht nur.

Auf der Schachtel Cookies steht geschrieben:
„Mit 40% Schokolade“
„70% weniger Plastik“

Na lecker, magst‘n Keks?

Auf der ungarischen Salami finde ich:
„Csökkentett Müanyag Felhasznalas“.
Also das ist mir irgendwie auch wichtig.

Ein Herren-Deo trägt einen Englischen Titel:
„Collision Leather & Cookies“.
Vorbei die Zeiten, wo Schweißbremsen noch ganz profan „Sport“ oder „Flowers“ hießen. Heute muss es ein Zusammenstoß aus Tierhaut und Feingebäck sein.

Oder hier auf‘m Schafskäse:
„Täglicher Weidegang für unsere Schafe*
Später dann das Kleingedruckte:
*) Sobald das Wetter es zulässt und Weidegras verfügbar ist, weiden unsere Schafe täglich im Freien.
Meine Güte, das Kleingedruckte ist doppelt so lang

3) Und noch zwei herrliche Beschriftungen fürs flüchtige Lesen:

Auf einer Packung Fisch fand ich:
„Von Hand gecancelt“
What? Cancel Culture in der Fischwirtschaft?
Ach nee, da steht:
„Von Hand geangelt“
Na dann.

Auf einer Asia-Sauce stand:
„Kann Weichteile, Krebstiere, Fisch, Weizen, Soja, Sesam und Ernüsse enthalten“
Waaas? Weichteile? Ekelhaft! Also die essen da aber auch wirklich alles oder?
Ich lese besser noch einmal.
„Kann Weichtiere, Krebstiere, Fisch … und so weiter“
Ach soooooo.

In diesem Sinne …

Frohe Ostern!

Andere Beiträge zum Thema:

309) Und bring‘ Senf mit, wenn‘s gibt

Liebe Heike, ich schreibe dir mal besser wieder Briefe, denn der Strom für e-Mail und WotsÄpp ist so teuer geworden. Der Sprit ja auch. In Köpenick wird sogar der Senf knapp. Was is‘ hier nur los? Haben die Unioner zu viel Stadionwurst gegrillt? Oder sind die Russen schon wieder über die Oder?

Also Heike, bring‘ bitte Senf mit, wenn‘s gibt. Gerne auch gleich mehr. Am liebsten den mit dem orangen Deckel, den extra scharfen aus Bautzen. Aber is’ eigentlich auch egal. Kann auch der aus dem Westen sein. Hauptsache Senf, weißt du?

Wir könnten euch dafür Mehl abgeben. Aber nur das dunkle Mehl, so Bio-Zeug halt. War sauteuer, aber besser als nix, weißt ja. So eigenartige Spaghetti aus Dinkel gab’s auch noch, ganz hinten im Regal, für 4,50 EUR die Packung. Essen eure Kinder so was? Kannst ja viel weiße Sauce drauf machen und alte Wurst anbraten, dann merken die das gar nicht, oder meinst du etwas doch? Käse gibt‘s durchaus noch. Habe ich selber gesehen. Nix aus Holland, aber Käse von hier. Besser als nichts. Musst‘ du halt den Rand abschneiden, aber dann kann man den noch essen. Geht schon.

Is’ ja wie im Osten oder? Aber damals hatte sich halt die Ilse drum gekümmert. Die hatte ja Zeit zum Anstehen, so als Frührentnerin. Die konnte stundenlang vor dem Fernseh-und Radiogeschäft warten und dann halt vier Farbfernseher kaufen, wenn‘s welche gab. An Fernsehern fehlt‘s jetz‘ nich‘ mehr, wir haben in jedem Zimmer so ein flaches Ding aus China stehen. Aber die kann man halt nich‘ essen.

Oder erinnerst du dich noch an diese Schaumdinger mit Schokoladenguss drüber … ja genau … diese „Negerküsse“. Soll man heute nich‘ mehr sagen, schon klar. Aber wenn sie eine Stiege davon ergatterte, dann fuhr sie von Pankow nach Hohenschönhausen und Prenzlauer Berg, um die halbwegs heil unter den Enkeln zu verteilen. Und selbst wenn die schon matsch waren, haben sich die Kinder gefreut. Immer.

Ach und wenn‘s bei Kohli‘s Gemüseladen mal Erdbeeren gab, da wuchs die Familie schnell mal an, weil es nur einen Korb pro Haushalt gab. Aber den Anstehkindern haben sie halt auch oft die vergammelten Erdbeeren angedreht oder die Kirschen mit Viehzeug drinne. Weißt‘ de noch? Zuteilung! Dit‘ is‘ hier wie früha‘ auf einmal.

Ich glaube, wenn dein Torsten meinen Heinz ganz nett fragt, nimmt er ihn bestimmt mal in seine Garage mit. Der hat da so viele Schrauben, Nägel und Maschinen. Echt gute Qualität. Der leiht die dem Torsten bestimmt mal aus. Für eine Kiste Export-Bier. Aber der Heinz mag auch ganz dolle Rhabarberkuchen, aber dazu müsstest du irgendwie an weißes Mehl rankommen, das dunkle Mehl, das isst der nich‘. Kennst ja den Heinz, da ist der sehr eigen mit so neumodischem Zeugs.

Tja; so isses‘ wohl wieder 😉

Liebe Anke, danke für die Inspiration.

https://tuttopaletti.com/2022/04/07/sag-dich-schickt-antonio/

 

 

308) Digitales Lernen 4 – Konzepte

Nach dem ich den Beitrag >Digitales Lernen – Teil 3 zu Beginn des Jahres veröffentlicht hatte, begab ich mich auf Netz-Recherche. Ich wollte wissen, welche Maßnahmen dazu so in der „pipeline“ sind, zumindest mal hier in Berlin. Zeitgleich gab’s genügend nicht-Corona-bedingte Anlässe, mal wieder über digitales Lernen nachzudenken: 

Zum Beispiel die Freistellung der Schüler wegen Sturm, Gebäudesperrung wegen abstürzender Dachziegel, Schulräumung wegen Bombenfund, Unterrichtsausfall wegen Weiterbildung der Lehrer oder der Prüfungen der Abschlussklassen.

Irgendwann traf ich also auf diese Seite https://www.berlin.de/sen/bjf/service/presse/pressearchiv-2021/pressemitteilung.1114887.php und habe mir dann auch die 50 Seiten Digitalisierungskonzept des Berliner Senats reingezogen. Beruflich bedingt bin ich gewohnt, so etwas zu lesen. Der Bildungsbereich hat zwar so seine eigenen Begriffe, aber ich konnte eigentlich gut folgen.

Eröffnung:
Beim Vorwort der ehemaligen Senatorin war ich noch gut gelaunt, dann wurde es aber schnell sehr hölzern. Da wurden gekünstelte Formulierung gebracht, die sich dann im weiteren Verlauf permanent wiederholten. Da schrieb man zum Beispiel über das „Lehren und Lernen mit und über Medien“. Diese Worthülse kommt auf den 48 Seiten satte 21 mal vor. Die Formulierung „Schülerinnnen und Schüler“ immerhin 66 mal, „Erziehungsberechtigte sowie außerschulisches Personal“ fast genauso oft.

Hier mal nur ein Beispiel: „Das pädagogische Personal nutzt dienstliche Lösungen (z. B. E-Mail) für die ortsungebundene, schnelle und sichere Kommunikation und Zusammenarbeit mit der Schulaufsichtsbehörde, den Schulbehörden (Schulträger), dem Kollegium, den Erziehungsberechtigten, den Schülerinnen und Schülern sowie mit außerschulischen Kooperationspartnern (z. B. Ausbildungsbetrieben bei Lernortkooperationen).“

Also auf deutsch: Endlich E-Mail für alle Lehrer!

Und dann ging es eigentlich so weiter: „Lehren und Lernen mit und über Medien integriert digitale Lösungen zur digital gestützten Gestaltung von lernprozessbegleitender Diagnose und Förderung sowie von kompetenz- orientierter Standardsicherung“.

Wieder auf deutsch: Keine Ahnung. Aber ich nehme es!

Und dann später: „Als virtuellen Raum für das Lehren und Lernen mit und über Medien in der zweiten und dritten Phase der Lehrkräftebildung sowie in den Qualifizierungsmaßnahmen des Quereinstiegs nutzen die beteiligten Akteure orts-, zeit- und geräteunabhängig eine landesweite Lehr-/Lernumgebung.“

Nun mal auf Denglish: 24/7 from everywhere on any devices!

Konkretisierung:
Im weiteren Verlauf des Dokuments werden strategische Ziele in Steckbriefe und Prozesslandkarten, Arbeitspakete und Zuständigkeiten heruntergebrochen. Das ist alles sehr detailliert und es sind sogar Datumsangaben hinterlegt. Ab Seite 26 wird aber zunehmend das Datum „tt.mm.jjjj“ genannt. Hier zum Beispiel: „Bis zum tt.mm.jjjj sind sämtliche Schulstandorte der öffentlichen allgemeinbildenden Schulen mit W-LAN ausgestattet“.

Das Finale:
Auf Seite 43 endet das Dokument dann einfach so. Kein abschließender Satz, kein „Wir schaffen das“, keine „Gemeinsame Kraftanstrengung“ nichts dergleichen. So also wäre der/die Consultant:e auf ein anderes Projekt vermitteln worden. Nicht falsch verstehen, ich will nicht auf dem Dokument herumhacken, das hat inhaltlich sicher Hand und Fuß und da waren Profis beteiligt. Nur liest sich das Papier wie eine Last. Ein nicht enden wollender Aufgabenkatalog.

Teuer, Schwierig. Komplex. Stöhn.
Was ich vermisse ist Motivation und Vision!


Mal aus dem wirklichen Leben:
Laut Informationsblatt zur Abschlussprüfung, soll das Kind bitte den Vortrag als „…PowerPoint o.Ä. (Digitale Präsentationen) im PDF-Format auf einer beschrifteten (Name) CD-Rom oder einem beschrifteten USB-Stick zum dauerhaften Verbleib …“ und so weiter.

Kind fragt: „Papa, was ist eine CD-Rooom“

Das Kind trägt also einen Supi-Dupi-Powerpoint-Vortrag auf einem USB-Stick in die Schule, die schicken Animationen darin versagen aber, weil man vor Ort nur ein „freies“ No-Name-Billo-Office zur Verfügung hat. Aber wir sind ja auch selber Schuld. Im Informationsblatt steht schließlich geschrieben, dass digitale Präsentationen im PDF-Format mitzubringen sind.

Willkommen im Jahr 2022!

 

Die anderen Beiträge der Reihe

271) Digitales Lernen 3 – Ein paar Ideen

Mit >Beitrag 1 der Reihe habe ich die Situation zum Digitalen Lernen an unseren Schulen aufgenommen, in >Beitrag 2 dann überlegt, wo eigentlich das Problem liegt. Wer beide noch nicht…

307) Limit

Bei der Diskussion um Tempo-Limits auf der Autobahn, habe ich das Gefühl ich beobachte ein paar kleine Kinder, die sich in der Sandkiste um Schippe und Eimer kloppen. „Meine! Nein, meine! Ich hatte die zuerst! Nein ich! Ich hatte immer die gelbe Schippe!“ Plärr! Heul! Flenn. Meine Güte…

Ein paar Gedanken dazu:

  • Ja, ich bin „früher“ auch schnell gefahren da wo es ging, habe die Firmen-und Mietwagen getreten und bin mit erhöhtem Puls und feuchten Händen dann 20 Minuten eher angekommen. Unvernünftig, ganz klar, gar keine Frage. Erst später habe ich kapiert, dass es sicherheitstechnisch, ökonomisch und ökologisch völlig irre ist.
  • War ich ich dann mal in Frankreich, Schweiz, Schweden oder Dänemark, war ich angenervt von dem „Gezuckel“ da auf der Autobahn, aber letztlich bin ich auch angekommen und zwar viel relaxter. Und nachhaltiger für den eigene Pumpe, den Tank, die Reifen und die Bremsscheiben. Aber das konnte ich mir natürlich nicht so schnell eingestehen.
  • Aber man lernt ja dazu und kann irgendwann 4 Meter weiter denken, als das eigene Auto lang ist. Um so alberner eigentlich, wenn die Liberalen (… Achtung Wortspiel …) „wider besseren Wissings“ * krampfhaft nach Ausreden suchen, um gegen ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen zu kämpfen.

Also, wenn ich das schon höre:

  • „Wir haben ja gar nicht genug Schilder …“
  • „Das regelt doch der Preis an der Zapfsäule …“
  • „Ach ja … und nachts … was ist denn nachts …“
  • „Wer langsamer fahren will, kann es ja machen …“
  • „Ein Temporeduzierung bringt ja global auch nix …“

Was für ein blödes Geschwätz von Regierungsmitgliedern, die „by the (motor)way“ ihr Gehalt von Steuergeldern beziehen.

Ich kann es nicht mehr hören. Das ist ein absoluter No-Brainer. Annuschka hat in ihrem Beitrag >Limitiert … gestern auch drüber geschrieben und ich hatte dort kommentiert. Da sind 3 Ziffern in die StVO aufzunehmen, vielleicht noch ein paar Schilder an den Grenzen aufzustellen und ein paar Durchsagen übers Radio zu bringen und fertig. Also mal ehrlich! Die Probleme hätte ich gerne. „Jugend Forscht“ wäre mit solch einer Herausforderung arg unterfordert.

Wenn wir solch simple Maßnahmen nicht mit einem Fingerschnip hinkriegen und damit einen klaren Willen für weniger CO2-Emissionen bekunden, dann frage ich mich, wie wir eigentlich Raumordnungsverfahren, Energieerzeugung/speicherung/verteilung und all die andere dicken Bretter bohren wollen? Und womit?

Das ist neben all den aktuellen Herausforderungen doch das aller-aller-einfachste.
Es ist so lächerlich, es verdient eigentlich nur Spott und faule Eier.

Also Leute, Fuß vom Gas!

*) Das Wortspiel „Wieder besseren Wissings“ kam mir so beim Schreiben und die Datenkrake kannte das noch gar nicht. Also betrachte ich mich mal als geistiger Urheber und verlange Tantiemen, wenn das jemand verwendet. Und dann kaufe ich mir einen fetten SUV und baller mal so richtig über die Deutschen Autobahnen!  Ach nee … geht ja bald nicht mehr … doof … irgendwie.

PS: Titel-Foto aufgenommen aus dem fahrenden Auto auf Dänemarks Autobahn, bei Tempo 200 hätte es vermutlich nur einen gelben Streifen gegeben. Gelb? Wieso gelb? Ach …

306) Brauch‘ ick‘ nich‘ – Vol 3

Kaum war >Brauch‘ ick‘ nich – Vol 2 veröffentlicht, flog mir schon die nächste Zeitungsbeilage ins Haus über die ich mich hätte lustig machen können. Aber ich habe die erst einmal beiseitegelegt, denn mein Blog hier soll sich ja schließlich nicht zu einer Verbrauchersendung entwickeln. Beim Blick in die Nachrichten ist mir aber heute irgendwie nach leichter Unterhaltung.

Schon auf Seite 2 gehts los:
„Noch kraftvoller. Noch ausdauernder (und schöner).“ „Elegantes 2-in-1-Design: Extra schlank, extra flach und ergonomisch. Empfohlen auch von „Aktion Gesunder Rücken““ … und weiter … „ das Powerpaket liegt leicht in der Hand und lächelt sich spielend manövrieren…“.

Um was geht’s denn hier eigentlich?
Um die grinsende Brünette, die da durch Küche und Flur wirbelt?

Ach, du schnittiges Powerpaket, du.
Aber jetzt kapiere ich. Es geht um den Staubsauger.

Und dann Seite 10:
„Praktischer Beistelltisch mit bequemen Transportgriff“. „Mühelos, mit einer Hand transportieren Sie Naschwerk und Kaffee oder Drinks und Snacks von der Küche zu Terrasse“.

Mhm, sieht aus wie ein kleiner Couchtisch mit Marterpfahl in der Mitte.
Du Hasi-Mausi, kannst du mir bitte etwas Naschwerk auf die Ost-Terrasse bringen? Vielleicht auf unserem schicken neuen Tablett-Tisch aus Amerikanischer Weißeiche? Ich hocke hier in einem Call, aus dem ich nicht rauskomme. Daaaaaaankööööö!

Seite 13:
„Serviettenring, Eierbecher und Teelicht zugleich.“ „Handgefertigt aus massivem Eichenholz. Mit individueller Maserung. Jeder Ring ein Unikat“. „Designed und gefertigt in Deutschland im wunderschönen Schwarzwald.“

Du, Schaaaa-aaatz, machst du uns ein Frühstücksei?
Nein, meine Liebe, du wolltest ein romantisches Teelicht haben. Jetzt muss du halt warten, bis das abgebrannt ist!

Seite 16:
„Diese ist 6 cm dick mit einem weichen Vlies aus 100% Polyester gepolstert. So liegen sie stundenlang bequem …“.

Eine Dame im hellblauen Bikini räkelt sich tiefenentspannt auf einer Liege am heimischen Teich. Ich sollte mal weiter blättern.

Seite 17:
„Dekorativ. Nachhaltig. Und um Nu verlegt. Die Medaillon-Trittplatten aus recycelten Autoreifen.“ „Die runden Trittplatten mit dem klassischen Relief-Dekor wirken wie aus Eisen gegossen …“, „ … und passen sich leichten Bodenunebenheiten flexibel an.“

Na klar und schon lege ich mir zerbröselnde Autoreifen in den Garten, die aussehen wie Berliner Gulli-Deckel oder was?

Seite 20:
Oh, ein Photo eines Mannes. Wie hat der das denn in den Katalog geschafft?

Seite 24:
„Ruck-Zuck akkurate Rasenkanten. Ohne Bücken. Ohne Kraftaufwand. Mühen Sie sich nicht länger mit Kantenscheren and anstrengendem Bücken. Die zeitsparende und rückenschonende Alternative ist dieser komfortable Kantenschneider mit Fußtritt.“

Also das ist ja der Knaller. Da läufst du also wie ein Olympiasieger auf geschliffenen Schlittschuhen durch deinen Garten und „kappst mühelos Kanten und wucherndem Wurzelwerk“. Geil. Musst du nur beim Gartenschlauch und Springseil der Tochter aufpas … uuuups.. 😉

Seite 26:
„Die schönere Fliegenklatsche: Gnadenlos zu Plagegeistern. Schonend zu Ihrer Einrichtung“. „Dicke Brummer, aggressive Wespen und gemeine Stechmücken: mit dieser Fliegenklatsche machen Sie nervenden Plagegeistern den Garaus.“ “Lautlos, mit gezieltem Schwung saust der 8mm dicke perforierte Filz auf das lästige Insekt. Und Sie müssen sich keine Sorgen über Kratzer an ihren wertvollen Möbeln, Bildern und Sammelobjekten machen“.

Och da bestelle ich doch mal gleich 20 Exemplare, für jeden Salon eine Klatsche.
Habt Ihr auch schon eine Klatsche??

Brauch‘ ick‘ allet‘ nich‘!

—> 353) Brauch‘ ick nich‘ – Vol 4

305) Corona-Lektionen 117

Eigentlich wollte ich ja die Auftritte des Corona-Virus hier etwas sanktionieren, aber es gab in den letzten Tagen zwei Entwicklungen, die mich sehr beschäftigen und bei denen ich bei bestem Willen und Nachdenken kein Verständnis finden kann.

Fallender Mund-Nasen-Schmuck

Es war wirklich nicht als Aprilscherz gedacht. Die Masken dürfen fallen. Im Supermarkt, in der Kneipe, im Fußball Stadion. Da können sogar zehntausende Fans wieder dicht an dicht stehen und ihre Vereine anfeuern. Ein befremdliches Bild. Auch im Klassenraum dürfen die Kinder im Prinzip wieder „oben ohne“ lernen. Lehrer appellieren an die Vernunft und bitten darum, noch ein paar Tage durchzuhalten, denn schließlich sind bald Ferien. Und da appelliere und applaudiere ich gleich mit, denn Ende Mai will ich vereisen und da habe ich echt keine Lust, dass wir uns kurz vorher noch das Virus einfangen, gegen das wir uns nun zwei Jahre lang erfolgreich gewehrt haben.

Mit Herz, Hirn und Hygiene

Mitte März erhielten wir Post von der Zahnärztin der Kinder. „Bis zur letzten Minute hatte ich gehofft, dass dieser Brief nicht geschrieben werden muss“ … so beginnt ihr Schreiben und informiert anschließend, dass sie den gemäß §20 Infektionsschutzgesetz nötigen Immunitätsnachweis nicht erbringen kann und deshalb ihre Zahnarztpraxis schließt.

„In den letzten zwei Jahren waren wir mit Herz, Hirn und Hygiene uneingeschränkt für Sie da ….“ setzt sie dann fort. Ursprünglich hatte ich an dieser Stelle weitere Zitate vorgesehen, aber ich kürze das ab. Ich möchte mich nicht daran abarbeiten, es macht müde.

Sie macht ihren Laden nun also dicht, es ist ihre Entscheidung. Ja, es ist ihr gutes Recht, diesen Weg zu wählen, aber m.E. auch genauso verantwortungslos. Ihre Mitarbeiter können nicht mehr arbeiten und Patienten müssen sich anderweitig umsehen. Noch mehr ärgert mich eigentlich, dass die Ärztin seit der Verfügbarkeit von Impfstoffen, also seit über einem Jahr, anderen Menschen körpernah im Gesicht rumgefummelt hat. Meinen Kindern übrigens auch.

Ist das reiner Zufall, dass ihre Formulierung „Mit Herz, Hirn und Hygiene“ abgekürzt ein „3H“ ergibt oder will sie uns damit erklären, dass sie bereits weiter denkt, als wir, die seit Monaten treudoof dem „herkömmlichen“ 3G-Modell hinterhertrotteln? Wenn es beabsichtigt war, dann war sie immerhin bei der Wortfindung sehr kreativ oder sie hat das aus irgendeiner Community übernommen, was ich noch mehr bedenklich finde.

Ich werde nun immer mit 100 km/h an Berliner Schulen vorbei rasen, denn ich fahre seit knapp 30 Jahren unfallfrei und halte mich für einen versierten, vernünftigen und vorsichtigen Fahrer. Also bin schon bei 3V.

Schönen Sonntag

<— Corona-Lektionen 116

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