Beitrag 198 – Vom Anfang

Neulich mal ein wenig in WordPress herumgeklickt, sah ich doch, dass ich hier schon 197 Beiträge veröffentlicht habe. Seit Sommer 2018. Gar nicht so übel eigentlich.

Da mag sich so manch Robo-Blogger schlapp lachen, allerdings kann ich mit reinem Gewissen behaupten: „Alles selbst getippt, jedes Wort mehrfach überlegt, nix geklaut, und jeden Schreibfehler mit Bedacht erschaffen.“ Das dauert nun mal 😉

Wusste ich als Blog-Spätzünder in 2018 noch nicht genau, wohin mich das Format „Blog“ führen würde, kann ich heute feststellen, dass ich es ganz gern mag. Ich kann Gedanken loswerden, Botschaften platzieren und Menschen eine Freude machen. Einigen zumindest.

In den letzten Wochen, habe ich mich auf das Feld der fiktiven Geschichten gewagt und festgestellt, dass das noch einen Zacken anspruchsvoller ist. Respekt denen, die ganze Romane schreiben. Die neue Kategorie „Fiction“ ist nun geboren und steht noch ganz am Anfang. Und ich kann mir mehr davon vorstellen.

Beim Scrollen durch die WordPress-Statistiken sah ich aber auch, dass frühere Beiträge kaum wahr genommen wurden. Aber so schlecht sind die nun auch wieder nicht, Mensch!

Beschluss also: Bis Beitrag 200, kriegen jeweils 5 Beiträge eine Bühne, die noch etwas Aufmerksamkeit benötigen:

Viel Spaß beim Lesen

54) CCTV – bitte lächeln

Wer mit offenen Augen durch Flughäfen, U-Bahnen und Supermärkte geht, wird immer mehr Video-Überwachung wahrnehmen.

Selbiges Erlebnis folgt auf öffentlichen Plätzen, Tankstellen, Bahnhöfen oder am Rande von Baustellen. Man kann auch CCTV dazu sagen. Klingt niedlicher. Nun will ich hier keine Diskussion vom Zaun brechen und schon gar nicht Hardliner der konträren Lager an den schreib.blog bitten. Nein, dass will ich nicht, ich werde mich auch nicht daran beteiligen. Ich stelle nur für mich fest, was ich beobachte und dabei fühle.

  • Ja, in manchen Situationen beruhigen mich diese elektronischen Augen. Zum Beispiel abends, unterwegs mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuß in bestimmen Ecken Berlins, wo man nur schnell vorbei will. WO?
  • Aber dann ist ja in diesem Moment nicht nur meine Visage festgehalten, sondern eben auch Situationen. Und zu diesen Situationen gehören auch andere Menschen wie Familien, Kollegen oder Freunde. WER?
  • Zusätzlich zu den zwischenmenschlichen Beziehungen des Moments, kommen meine Emotionen, Verhalten, Macken, Ticks, Vorlieben und Routinen auf die Festplatte des großen Bruders. WIE?
  • Dazu noch die Tätigkeit, die ich in dem Moment der Aufnahme eben so tue. Welches Buch ich lese, ob ich mir an der Bar ein Bier bestelle oder mir einfach nur mal am Hintern kratze. WAS?
  • Und letztlich kommen noch all die quantitativen Daten wie Überweisungen, Kontostände, Treuepunkte, Herzen, Meilen, Kilo, Schritte und Stockwerke hinzu. WIEVIEL?

Jedes „W“ für sich allein, scheint für uns zunächst entbehrlich. Da kann man gern sagen, „scheiß drauf … ich habe nichts zu verbergen … sollen die das doch wissen“. Wenn ich doch aber nichts Böses im Schilde führe, frage ich mich … WARUM?

PS: Liebe Leser, das Thema polarisiert vermutlich. Persönliche Kommentare sind gern gesehen, aber verschont mich mit Zitaten aus Wahlprogrammen von Links, Rechts, Oben, Unten, Blau oder Gelb 😉

53) Humanoide Tür-Roboter

Wir alle lieben doch diese tollen Vorrichtungen, die Türen vor uns aufstoßen. Wir müssen keinen Griff anfassen, fangen uns also keine Seuchen ein und können die Hände in den warmen Hosentaschen lassen. Großartige Technik.

Vor der Spaßkasse um die Ecke, stehen jetzt sogar schon humanoide Tür-Roboter. Die sehen aus wie echte Menschen. Voll abgefahren. Vom Äußeren her wirken die so, als hätten sie kein Dach über dem Kopf, keinen Job und auch sonst nicht viel zu tun.

Kontinuierlich öffnen sie mit der einen Hand die Tür, während sie mir mit der anderen Hand einen Kaffee-Becher reichen. Da ist aber gar kein Kaffee drin, sondern nur ein paar kleine Münzen. Einen Kaffee würde ich ja nehmen, aber kleine Münzen will ich nicht. Eigentlich will ich ja Scheine aus dem Automaten holen.

Während die alten mechanischen Türöffner störungsanfällig und nicht wirklich kältebeständig sind, wirken die humanoiden Tür-Roboter da viel zuverlässiger. Selbst bei Minus-Graden stehen sie ihren Mann vor der Spaßkasse. Manche setzen sich auch hin und ziehen die Tür mit dem Schal oder Gürtel auf. Ziemlich schlau, oder?

Die humanoiden Tür-Roboter können sogar sprechen. Sie beherrschen ein paar Worte Deutsch, wie zum Beispiel „Hallo“ oder „Gutten Tak“ oder „Biite“. Meistens können die sogar ein oder zwei Fremdsprachen. Voll krass. Die herkömmlichen mechanischen Dinger dagegen sagen gar nichts, sondern brummen nur leise. Ziemlich unfreundlich.

Auch die System-Architektur scheint bei den humanoiden Tür-Robotern viel ausgereifter zu sein. Während die konventionellen Dinger bereits nach 2 Jahren den Geist aufgeben, können die Roboter bereits noch vor Abschluss der Schule den Dienst aufnehmen und dann locker 30 Jahre Türen öffnen. Bis sie von der monotonen Bewegung einen Tennisarm kriegen. Dann ist Schluss. Eine BU-Versicherung haben die noch nicht.

Bei den mechanischen Türöffnern muss auch ständig der teure Service kommen. Bewegungen einstellen, Gelenke ölen und alle 6 Monate ein Funktionstest machen. Die humanoiden Türöffner sind dagegen völlig genügsam. Sie bringen ihr weniges Essen mit oder schnorren es vor Ort. Steckt ihnen ein freundlicher Passant mal etwas zu, dann teilen sie sich das gut ein. Echt beachtlich.

Immer wenn ich meine großen Scheine von der Bank hole frage ich mich:

  • Sollte ich vielleicht doch lieber selber die Tür aufmachen?
    Aber der lässt mich ja kaum, ich habe ja gar keine Chance an den Tür-Griff zu gelangen.
  • Sollte ich ihm etwas Geld in seinen Kaffee werfen?
    Aber dann motiviert ihn das noch mehr. Dann wird das noch sein Einkommen. Dann werden irgendwann die mechanischen Türöffner nicht mehr gebraucht und die Türöffner-Firma geht noch pleite. Im schlimmsten Fall müssten dann die Mitarbeiter der Türöffner-Firma solche Türen von Banken noch per Hand öffnen….

Aber, wo kommen wir denn da hin?

52) Schon wieder Oktober

Der Oktober ist ein Monat der Rituale und Wiederholungen. Ich habe das Gefühl, alles schon einmal erlebt zu haben. Hänge ich vielleicht in der Zeit fest? So wie Bill Murray in „Und täglich grüßt das Murmeltier“?

  • Und wieder feiern wir einen Mädchen-Geburtstag
    Die Girls sind junge Damen geworden, ich erkenne die kaum wieder. Sie verschanzen sich im Zimmer, man sieht sie kaum. Unser WLAN haben sie dieses Mal zwar nicht blockiert, dafür aber die Bäder und Spiegel.
  • Und wieder irren wir durch die Wohnung und stellen die Zeit um
    In der Zeitung schreiben sie über die Geschichte der Zeitumstellung, die fraglichen Effekte in der Energieversorgung und die anhaltenden Diskussionen in der EU dazu. Zu guter Letzt folgen verschiedene Eselsbrücken, wie man sich denn merken könne, ob man die Uhr nun vor-oder zurückstellt.
  • Und wieder erlebt man die letzten Tage der DDR
    Herr Genscher spricht vom Balkon der Prager Botschaft, David Hasselhoff und Klaus Meine beanspruchen für sich, die Mauer zum Einsturz gebracht zu haben und zwei Minuten später wird Günter Schabowski verdattert über den Brillenrand gucken und dann stammeln, dass die neue Reiseregelung … nach seiner Kenntnis … sofort …. unverzüglich … in Kraft tritt.
  • Und wieder haben die anderen Bundesländer einen Feiertag mehr
    Die einen feiern Reformationstag, die anderen feiern Allerheiligen. Berlin feiert nichts. Am Reformationstag werden die Brandenburger zum Shoppen nach Berlin strömen, zu Allerheiligen kann ich endlich mal in Ruhe arbeiten, weil aus Bayern keine Anrufe, E-Mails und Chat-Nachrichten kommen. Mein persönlicher Feiertag.
  • Und wieder feiern die Kids ihr Halloween
    Es werden kleine Monster durch die Straßen spuken und an den Wohnungstüren mit „saurem“ drohen, wenn’s nix „süßes“ gibt. Oder gern auch Bargeld. Der neueste Trend sind anscheinend Messer- und Beil-Attrappen die man den Kindern an den Kopf steckt. Sieht voll echt aus. Großartig, in der heutigen Zeit. Ich lege mir schon mal einen kleinen Vorrat an Süßigkeiten an, manch andere werden sich im hinteren Teil ihrer Wohnung verstecken, nur damit man zur Straße hin kein Licht sieht. Wieder andere hängen einen Zettel an die Tür. „Wir geben nix“.
  • Und sonst so?
    Ui Ui, die Zeit rennt davon. Termin für Reifenwechsel vereinbaren, Datsche dicht machen, Wunschzettel nicht vergessen und mit der Sippe verhandeln, ob man sich nun am ersten oder zweiten Weihnachts-Feiertag sieht. Und was machen wir eigentlich zu Sylvester?

Oah nee … was freue ich mich auf den Frühling!!

Frühere Beiträge

51) Fußball im Radio

Am Samstag spielte der Lieblingsverein des Sprösslings auswärts gegen Freiburg. Wenn man aber nun mal kein Sky empfängt und auch nicht bis 18:00 Uhr auf die Sportschau warten will, gibts nur einen Weg halbwegs „dabei“ zu sein. Auf irgendeine App glotzen oder eben Radio hören. Ich schlage ihm das Radio vor und verweise auf dieses „Gerät“, was er mal geschenkt bekommen hat und seitdem wenig genutzt in seinem Zimmer steht. Ein blauer CD-Player mit Radio. Kompakt. Einfach zu bedienen. Alle funktionieren doch irgendwie gleich. Denke ich mir so.

  • „Wie war das noch mal … wo macht man hier Radio an?“
    Den Drehknopf da unten ganz nach rechts drehen, bis er auf „Radio“ zeigt.
  • „Aber da kommt ja dann immer Musik zwischendurch.“
    Wir können auch einen Nachrichtensender einstellen, da wird dann nur gesprochen. Dann kriegst du mehr vom Spiel mit.
  • „Oh ja, das machen wir!“
    Dann müssen wir mal kurz „googeln“ welche Frequenz der Radio-Sender hat. Weiß ich auch nicht aus dem Kopf, warte mal … ähhhm … 93.1
  • „Kann man den nicht einfach auswählen?“
    Nee, du musst die Pfeiltasten nach unten drücken, bis irgendwann 93.1 auf dem Display steht.
  • „So, jetzt bin ich bei 93.1!“
    Prima dann kann’s ja los gehen.
  • „Die sprechen da aber so langweilig!“
    Gut, dann drücke die Pfeiltasten nach oben, bis du wieder bei 95.8 bist
  • „Ok, hab ich gemacht. Papa, Tooooooooor!“
    Großartig, Juhuu. Ist doch ganz spannend per Radio dabei zu sein, oder?
  • Ja schon, aber ich schaue mal schnell in die App, ob das auch stimmt“
    … Grmmpf.

Was war ich froh über mein erstes Radio. Ohne CD-Player. Einfach nur Radio…

 

Auszug Titel „Radio“ von Rammstein:

…Radio, mein Radio
Ich lass‘ mich in den Äther saugen
Meine Ohren werden Augen…

Mit rrrrrrrrollendem RRRRRR natürlich

Mehr zu Hören im Radio 😉

50) Autobahn

Die Ferien sind zu Ende Leute, ab geht‘s nach Hause! Ab auf die Autobahn. So fahren wir da hin und ich denke mir meinen Teil.

  • Ein großes Schild am Straßenrand gratuliert dem Raser des Monats. Erster Platz zwar, aber tot. Von hinten kommt ein Bolide mit Lichthupe angeflogen. Es scheint, als wollte da noch jemand auf‘s Treppchen.
    Ich mach’ ihm mal Platz
  • Wir haben Durst und halten an einer Tanke. Ein Sprudel-Wasser, ein Wasser mit Apfelgeschmack und ein Kaffee zum mitnehmen. Macht dann 10,27 EUR.
    Ist ja ein Schnäppchen. Vielen Dank auch
  • An einer Baustelle werden gigantische Landmassen bewegt. Hier türmen sie Abfahrten, Auffahrten und riesige Erdwälle auf. Alles sieht sehr künstlich aus, als wäre es mit der Maurerkelle erschaffen oder mit einem Laser planiert.
    Der Architekt war bestimmt schon als Kind ein Meister im Sandburgen-Bauen.
  • Unzählige Windräder säumen die Strecke. Kleine und große. Wahnsinn wie viele das mittlerweile sind. Kaum möglich ein Landschafts-Foto zu machen, ohne ein Windrad drauf zu haben.
    Irgendwann sieht das Land aus wie ein riesiger Käseigel
  • Wir fahren in die nächste Baustelle ein. Rechts tuckeln LWK einer nach dem anderen, links gibt es noch eine schmale Spur für den restlichen Verkehr. Ich fahre links und überhole. Neben den Trucks steigt der Puls und die Hände werden feucht.
    Hoffentlich haben die Driver ihre Hände am Lenkrad
  • Rechts zieht ein Rastplatz an uns vorbei. Alles ist NATO-grün dort und militärisches Gerät steht herum. Die Bundeswehr macht wohl eine Bewegungsfahrt oder ist auf dem Weg zu einer Übung. „Coooooooool“, tönt es hinter mir.
    Also Kids, früher, also ich noch Kind war … da war … ach egal …
  • Ein Kombi vor uns hat eine Dachbox und vier Fahrräder geladen. All das Zeug wackelt bedrohlich im Fahrtwind. Satteltaschen und anderes Equipment schlackert umher und sucht die Freiheit
    Na hoffentlich fliegt mir jetzt keine Klingel durch die Scheibe.
  • Ich greife mir die durchgeschüttelte Wasserflasche, klemme sie mir zwischen die Beine und drehe den Verschluss auf. Zisch … alles gut gegangen, Hose noch trocken. Nach ein paar Schluck will ich die Flasche wieder verschließen. Gar nicht so einfach … na …, wirst du wohl … klick, klack macht’s. Und der Deckel verschwindet im Fußraum.
    Na Großartig
  • Wir steuern den nächsten Rastplatz mit WC an. Wieder so ein Metall-Klo, deren Türen man besser nur mit dem Knie öffnet. Aber auch hier läuft alles in Camouflage herum. Eine Kolonne mit Raketenwerfern stoppt zum Massen-Pissen. Das erste Mal in meinem Leben erlebe ich eine lange Schlange am Herren-Klo. Der Sohn wählt einen Busch. Bei den Damen ist alles frei.
    Ich fordere einen höheren Frauenanteil in der Bundeswehr!

Endlich zurück zu Hause.
Oaaahhhh, und wer macht jetzt die ganzen Mücken da weg?

Präventives Geständnis zur Vorbeugung eines Shit Storms:

Ja, es war ein Kaffee zum Mitnehmen. Mit Plastik-Deckel. Und Plastik-Rührstäbchen. Und die Wasserflasche war aus PET. Und ja, Individualverkehr ist doof. Wir wissen auch von der Nitratbelastung durch übermäßige Gülle auf den Feldern und versprechen Besserung. Und Armeen sind natürlich auch nicht „cool“.

49) Deutsch an Kasse und Theke

Der Sub-Italiener hier im Ferienort wirbt für seine Speisen. Mit dem ein oder anderen Ausrutscher auf dem nun wirklich sehr glatten Parket der deutschen Sprache. Er gibt sich aber große Mühe in Preisgestaltung und Schriftbild. Und immerhin schreibt er mehr als zwei Worte auf die grünen Tafeln vor seiner Casa Touristica. Damit ist er ja schon eher eine Ausnahme heutzutage.

Ansonsten geht es im Alltag an deutschen Kassen und Theken ja eher wortkarg zu.

Die sieben beliebtesten deutschen Sätze scheinen mir da folgende zu sein:  

  1. Zum hier?
  2. Salat alles?
  3. Soße?
  4. Beleg?
  5. Getrennt?
  6. Postleitzahl?
  7. Payback-Punkte?

Erwartungsvoll hebe ich dann manchmal die Brauen, um dem Rest der Frage die volle Aufmerksamkeit und den nötigen Raum zur Entfaltung zu schenken. Aber das war es dann schon. Das Fragezeichen schwebt laut hörbar im Raum und manifestiert damit das Ende. 

Das Ende des Satzes. 

PS: Alle Schreibfehler, die ich selber hier verzapft habe, sind inclusive.

48) Von WLAN und anderen Geschäften

„Waaaas, kein WLAN?“ So tönte es schon zwei Tage vor der Abfahrt zur Ferienwohnung an der See. 

„Ja, Leute kein WLAN.“ Also wird mal etwas weniger nett „geflixt“, nichts ist in der „Tube“ für euch, aus „Prime“ wird wieder eine Primzahl und „Äppel“ bringen keine Musik, sondern Vitamine. „Streamen“ kann nur das Wasser da oben am Strand. „Wir gehen in die Natur und für den Abend gibt es einen Fernseher. Und zwei Buchläden gibt es da übrigens auch“. Old School.

  • Die Glotze in der FeWo bietet hunderte Programme, sie sind alphabetisch sortiert. Doof wenn man eher ARD und ZDF schaut und üblicherweise vorwärts zappt. Manchmal ist ein Schritt zurück aber eben auch ein Schritt nach vorn 😉
  • Gleich hinterm Kinder-Sender Toggo folgt der „Traumfrauen TV“. Vor dem Disney-Channel halten im „Deutsche Girls 2 TV“ reifere Damen ihre Oberweiten und Telefonnummern in die Kamera. 
  • Irgendwann gelangen wir bei einem privaten Kinder-Sender in die Werbung. Bausteine, Video-Games und das übliche Zeug. Kurz darauf kam ein Spot für ein Tisch-Spiel namens „Tschakka Alpaka“. Dabei muss man ein Kamel-ähnliches Lastentier mit Plastik-Zeug beladen. Slogan: „Langsame Stapler werden bespuckt“. Aha.
  • Aber dann kam’s liebe Leser. Das neueste Brettspiel heißt …? Na …? Spannung steigt … .Törööööö! Es heißt „Kacka-Alarm“. Slogan: „Drück den Pümpel bis Mister Kacka rausspringt!“ „Oaaaahh bitte, macht das weg“, flehe ich. Mehr will ich hier gar nicht drüber schreiben, wer Bock auf das Spiel hat, findet es im schlechtsortierten Fachhandel.

„Mir reicht‘s!“. Die nächste FeWo hat wieder WLAN!

PS: sorry für die Produkt-Namen hier … eigentlich nicht so mein Ding … aber ohne ging es nicht. Ganz klar, keine Kaufempfehlung!

Frühere Beiträge zum Thema:

47) Hongkong

Neulich, in den Abend-Nachrichten, liefen Video-Aufnahmen von Straßenschlachten in Hongkong.  Da gingen Demonstranten und die dortige Polizei aufeinander los. Der Sohnemann sollte eigentlich schon im Bett sein, hatte dann aber doch noch ein paar Bilder im Vorbeigehen erhascht.

Er: „Papa, was ist da los?“
Ich: „Das ist etwas kompliziert, erkläre ich Dir morgen. Versprochen“

Und wie die Kids halt so sind, vergessen sie so ein Versprechen  nicht. So stand er dann den Tag darauf vor mir und verlangte eine Erklärung. „Hol mir mal ein Blatt Papier und einen Stift, ich muss da bestimmt etwas malen“.

  • Wir begannen unser Wimmelbild also mit der Kolonialisierung durch die Engländer, (… Portugiesen, Spanier, Holländer und Deutsche natürlich auch … aber das kürzten wir ab)
  • Anschließend streiften wir die beiden Weltkriege und machten mit dem Freiheitskampf Indiens weiter, bei dem die Engländer dann wieder vor die Tür gesetzt wurden.
  • Dann machten wir einen Abstecher zum Kalten Krieg, zu den Supermächten Russland und USA, und teilten Europa in Ost und West ein. Zack. Dicker Strich mitten durch Berlin.
  • Weiter ging es nach Fernost zu den britischen Kronkolonien Singapur und Hongkong, wo die Engländer noch etwas länger ihren 5-Uhr-Tee tranken, bevor sie wieder nach Hause fuhren.
  • Irgendwann landeten wir bei den heutigen Handelsströmen, wo die einen Länder die Ideen und Technologien haben und andere Länder die Werkbänke und Millionen von Arbeitskräften. Und mittlerweile auch das Geld. Und großartige Technologien, mit denen sie ihre Einwohner gängeln können…

Er: „Und was kann man da jetzt machen?“
Ich: „Puhh…“

46) Feiertag

Der Feiertag beginnt grau und nass. Die eigentlich geplante Rad-Tour muss wohl ins Wasser fallen, sonst fällt das Wasser auf uns und auf die Räder.

Was nun tun mit diesem Feiertag? 

Im Radio verfolge ich eine Sondersendung zur Stadt Berlin, den aktuellen Themen und Veränderungen. Ein Statistiker berichtet, dass die meisten Ur-Berliner in Reinickendorf wohnen, also am Rande der Stadt. Die Hinzugezogenen haben sich eher in der Innenstadt niedergelassen. Angeblich wohnen im Prenzlauer Berg die wenigsten gebürtigen Berliner.
Das glaube ich gern!

Ich schaue auf meine ToDo-Liste und nehme mir für heute die Dunstabzugshaube in der Küche vor. Dafür liegt seit Wochen ein Kohlefilter bereit, hatte bislang aber keine Zeit dazu. Ich brauche ein knappe Stunde, bis ich diesen blöden Plastikrahmen des Filters mit Taschen-Messer und Cutter so bearbeitet habe, dass er endlich in die Fassung passt.
Großartig, dem Normwesen sei Dank!

Ich öffne einen Brief vom Finanzamt. „Sehr geehrte Steuerzahlerin, sehr geehrte Steuerzahler, … das Finanzamt hat ihnen ….“ steht da geschrieben. Also das geht ja nun gar nicht! Das ist ja überhaupt nicht gender-neutral. Selbst bei der Verkehrswacht sprechen sie schon von „Zu Fuß gehenden“ statt von „Fußgängern“,  „Lehrer“ sind neuerdings „Lehrende“ und „Radfahrer“ heißen „Radfahrende“. Klaro? Also möchte ich vom Finanzamt bitte als … ja, wie nun … ähm … vielleicht … ach keine Ahnung.
Sollen die mich doch mit meinem Namen ansprechen!

Wir beschließen, ins Kino zu gehen. Karten kaufen wir online. Vor Ort ein Wasser, kleines Pop-Corn, kleine Gummi-Tiere und einmal Nachos mit Käse-Sauce. „19,20 EUR bitte.“ Oh ha. Heute lassen wir es krachen. Aber immerhin bediente uns da noch ein Mensch am Tresen. Unten in der Eingangshalle stehen schon Ticket-Maschinen, oben plopped Pop-Corn-Automaten. Dauert nicht mehr lange, dann gibt es Drehkreuze wie am Flughafen. Dann brauchen wir auch den Karten-Kontrolleur bzw. die Karten-Kontrolleurin … ach nein … „die Karten-Kontrollierenden“ nicht mehr. Ich setze mich in den Leder-Sessel und mache es mir bequem.
Geht‘s endlich los?

Die Werbung beginnt. Ein deutscher Bahn-Konzern bringt den ersten Spot und berichtet von seinem positiven Beitrag für die Umwelt. Als nächstes verpasst sich ein Schwedisches Energie-Unternehmen einen Öko-Anstrich. Zu guter Letzt verspricht uns ein Amerikanischer Hersteller von Eiscreme eine bessere Welt. „Unser Eis gibt‘s auch hier im Kino“. Na wer hatte das gedacht. Es wird dunkel, der Film beginnt. Die Lehne lässt sich nach hinten verstellen. Ich greife links und rechts nach den Gurten und will mich anschnallen …
Mann, es ist Feiertag!