117) Das Leben ist ein Recyclinghof

Wer das Auf und Ab seiner Gefühle erleben will, sollte ab und zu mal zum Recyclinghof fahren. Tat ich gestern. Und es war wieder intensiv.

Dass natürlich gerade wieder Containerwechsel war, kürze ich ab. Das hatten wir schon mal. > Container-Wechsel. Und dass ich mir partout keine Containernummern merken kann, habe ich bestimmt auch schon mal geschrieben. Dann war ich endlich an der Reihe und schaltete in meinen charmanten und bewährten Recyclinghof-Modus.

Ick: Tach’chen, ick hätte zwei Zaunfelder, aber klein gemacht, einen Akkuschrauber und zwei winzige Regale.

Er: Der Akkuschrauber kommt inne 1, den Zaun müssen wa‘ uns mal ansehen.

Also öffnete ich den Kofferraum und zeigte auf den großen Gartensack.

Ick: Hier, allet schön kleen jemacht.

Er: Mhm … da is’ Faabe dran.

Ick: Ja, Holzschutz halt.

Er: Na, dann stell dein’ Sack mal da hinten uffe Waage. Kannst ooch rückwärts ranfahren, wenna zu schwer ist.

Mir lag ein schlüpfriger Kommentar auf den Lippen, aber den ließ ich besser mal stecken.

Ick: 26 Kilo zeigt’se.

Entweder folgt jetzt eine Belehrung, eine Rechnung oder ich werde vom Hof verwiesen.

Er: Pass mal uff, mein Lieber, bevor wa jetze hier alle verrückt machen, wirf dit Zeug mal da hinten inne Tonne und dann is’ jut.

Ick: Danke und schönen Tach’ noch!

Herrlich! Ich hätte ihm um den Hals fallen können. Es gibt doch noch Menschen, die Vernunft über Formalismus stellen. Ich habe wieder Hoffnung.

Aber das Hoch hielt nicht lange an.

Er: Aber mit den beeden Regalen da …

Ick: Ja, aber die sind ja so klein.

Er: Ja, aber der Container is jerade nich’ da. Kommt inna Viertelstunde.

Ick: Aber kann ick die nich’ … in ´nen anderen … Container …?

Er: Warte, ick frag’ mal.

Ick: Danke.

…

Er: Nee, jeet nich’. Musst ’de waaten.

Ick: Kann nich’ waaten, dann komm ick andan Mal wieder.

Er: Tut mir leid.

Ick: Kannst‘ nüscht für.

Also fuhr ich mit den beiden Mini-Regalen wieder vom Hof.

 

PS: Titelbild via KI

44) Container-Wechsel

Irgendwann sind die Kids den Dingen entwachsen, das gilt für die Wohnung, wie auch für das Wochenend-Häuschen. Dann bedarf es eines Befreiungsschlags. Kinderstühle und -Tische aus Plastik und Holz sollen zum Müll (… bitte keine Kommentare hier bezüglich „kann man ja noch brauchen“ und „Plastik im Allgemeinen“ … das Zeug ist nun mal leider da … und keiner von euch wollte es haben)

Ein kurzer Abriss der Geschichte:

  1. Ich hasse es, wenn Leute ihr Zeug auf der Straße abstellen. Bitte auch keine Kommentare dazu, ihr werdet mich nicht überzeugen. Nie und nimmer. Müll bleibt Müll und wird keine gutgemeinte Spende.
  2. Wir fahren zum Recycling-Hof der 11.000-Seelen-Gemeinde und ich grüße den Chef vom Dienst.
    Ich: „Tachchen … ich hätte da ein paar Kinder-Gartenmöbel“.
    Er: „ Das ist aber schlecht“.
    Ich: „Und was heißt das jetzt?“
    Er: „Nehm‘ wa‘ nich‘ mea‘, nur noch Kleinmengen hier … seit 1,5 Jahren schon“.
    Ich: „Aber Kindermöbel sind doch klein.“
    Er: „Is‘ ejal, und mit den‘ Berliner Kennzeichen eh schwierich‘.“
    Ich: „Und was kann ich nun tun?“
    Er: „Sperrmüll nur noch in Spindlersfeld und Köpenick, oder besser gleich nach Mahlsdorf mit den’ Kennzeichen da. Tut mia‘ Leid“.
    Ich: „Danke für den Tipp, kannst’e ja och nüscht füa‘“.
  3. Mein Kopf-Navi springt an. Spindlersfeld? Das ist doch locker eine Stunde Anfahrt … und auch noch mit einem Diesel! Ist das so gut für den Planeten?
  4. Besser also vielleicht doch nach Mahlsdorf. Um nicht exklusiv für den Müll dorthin zu düsen, verbinden wir das mit einer anderen Aktivität. Kurz vor 11:00 Uhr fahren wir beim Recycling-Hof vor. Noch nicht mal die Klappe geöffnet, sperrt ein Mann in Orange direkt vor uns die Zufahrt. „Container-Wechsel“.
  5. Über zwanzig Minuten beobachten wir nun, wie nur ein (!) LKW die Container tauscht. Die Schlange hinter uns reicht schon bis zurück zur Hauptstraße. Von den orangen Männern auf dem Gelände, ist nur noch einer zu sehen. Er sitzt im Häuschen und guckt uns aufs Nummernschild. Alle anderen sind bestimmt auf einer „Besprechung“.
  6. Ich schaue mich so um und sehe sofort zig Dinge, die man dort trotz Container-Wechsel tun könnte. Zum Beispiel den Hof fegen, schon mal die nächsten fünf Autos abfragen, was sie den zu bringen gedenken. Oder wenigstens eine Zigarette rauchen oder mal kräftig ins Brötchen zu beißen. Aber einfach nur „da sitzen und nichts tun“, macht mich selbst im Urlaub fix und fertig.
  7. Kurz vor halb zwölf dürfen wir endlich auf den Hof fahren. Eine Berliner Einweisung, wie immer sparsam an Worten: „Plastik zu die Hartkunststoffe links‘, dit‘ Holz zu den’ Altholz rechts.“ „Alles klar, verstanden“.

Wenn man seinen Schrott eben nicht in den Wald schmeißen oder vor die Tür stellen will, warum wird es einem so schwer gemacht, das Zeug vernünftig zu entsorgen …?

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