„Y-Tours – wir buchen, Sie fluchen.“ So hieß es bei uns Mitte der Neunzigerjahre. Gemeint war damit, dass die Bundeswehr gern hübsche Touren plante, ohne die jungen Reisenden vorher zu fragen, ob das überhaupt in deren Lebensplanung passte. Vielleicht war der Spruch auch schon älter. Gut möglich.
Heute lag jedenfalls eine Postkarte der Bundeswehr im Briefkasten. Natürlich im attraktiven Tarnfleck-Design. In der Mitte prangte der Nachname des Stammhalters auf einem olivgrünen, textilartig gestalteten Namensfeld.
Die Bundeswehr lässt also inzwischen personalisierte Grußkarten drucken. Plus 0,36 Euro für Versand per Dialogpost.
Wer genauer hinschaut, versteht den Marketing-Gag schnell. Wer dagegen nur im Vorbeigehen darauf blickt, reagiert womöglich etwas hektischer. So wie die „Ministerin für Familie, Kultur und Außenbeziehungen“, die beim Nachhausekommen kurz Schnappatmung bekam. Aus der Entfernung wirkte das Namensfeld nämlich eher wie ein Aufnäher oder Klettband für eine Uniform, in Realität ist es flach aufgedruckt.
Da weder Hundemarke noch Einberufungsbefehl beilagen, entspannte sich die Lage allerdings schnell wieder.
Ich verstehe schon, dass die Bundeswehr dringend Nachwuchs braucht. Aber diese Art der Ansprache finde ich doch etwas geschmacklos.
Ja, auf der Rückseite standen dann allerlei Informationen, ein paar flotte Botschaften und Hinweise auf Nachwuchsmessen und Karriereangebote. Rein sachlich betrachtet also erstmal nichts Besonderes.
Trotzdem hinterlässt diese Art der Inszenierung bei mir ein merkwürdiges Gefühl. Vielleicht, weil bewusst mit genau dieser kurzen Schrecksekunde gespielt wird. Vielleicht auch, weil man Personalmarketing und Tarnfleck-Romantik inzwischen derart professionell miteinander kombiniert.
Stüüüülgestaaaaaaaanden!
PS: Postkarte nachgestellt mit KI, aber genauso sieht sie aus, nur der Name ist natürlich anders







