764) Zunehmend enger

Mit Blick auf die angeschlagene Demokratie und die politische Großwetter-Lage, habe ich mir neulich den Oscar-Gewinner in der Rubrik „Dokumentation“ reingezogen.

Und zwar Ein Nobody gegen Putin“ (Originaltitel: Mr. Nobody Against Putin)

Kann ich nur empfehlen, sollte zum Standardprogramm in deutschen Schulen werden und ist meiner Meinung nach viel wichtiger als Kinder mit Süßwasserpolypen zu quälen und Klassenarbeiten darüber zu schreiben, ob die nun bevorzugt nach links oder nach rechts wandern oder gar in der Lage sind einen Purzelbaum zu machen.

Aber zurück zum Thema. … ZUM WEITERLESEN TITEL KLICKEN

 

Stark vereinfacht, haben Menschen vermutlich eine der drei folgenden Demokratie – Erfahrungen gemacht.

  • Sie haben nie in einer Diktatur/Autokratie gelebt, sondern nur in mehr oder weniger Demokratie. Schwein gehabt. Glückwunsch! Ihr habt nichts verpasst.
  • Sie sind in einem solchen System großgeworden sind, haben dann aber durch  Flucht, Migration oder System-Sturz den Weg in eine Demokratie gefunden. Dreifaches „Glückwunsch!“
  • Sie sind in Freiheit großgeworden und dann werden ihnen schrittweise Freiheits-Rechte weggenommen, das politische System nimmt immer mehr Einfluss auf Alltag, Meinung, Schule, Medien und Internet. Minderheiten werden gegängelt und ausgrenzt, Partei-Funktionäre machen Karriere und begünstigen ihre Vetter.

Wenn ich mir den Film anschaue schnürt es mir die Kehle zu, mir wird der Kragen eng und längst vergessene Erinnerungen kommen wieder hoch.

Das ist kein Witz, keine Orwell-Dystopie aus dem Fernsehen und das ist auch nicht nur „da weit weg in Russland“ so … sondern das käme genauso … und wir täten gut daran aufzupassen, dass so etwas nie wieder passiert.

Liebe Mitbürger, die ihr in den nächsten Monaten eure Landtage wählen dürft, denkt bitte dreimal drüber nach, wo ihr eure Kreuz setzt.

Ein paar Zahlen:

Das Durchschnittsalter in Sachsen Anhalt liegt bei 48,2 Jahren und ist damit die älteste Bevölkerung Deutschlands. (vdek.com).

Es gibt ca. 1,79 Millionen Wahlberechtigte (Quelle),

Circa 1,1 Millionen davon sind über 50 (ca. 61%). Sie dürften also noch ganz gute Erinnerungen an die späten Achtziger Jahre der DDR haben. Wollt ihr euch und eure Kinder (wenn sie noch nicht weggezogen sind) freiwillig in solch ein System zurückwünschen? Diesmal nicht „sozialistisch“ angestrichen, sondern „rechts-nationalistisch“ … aber im Grunde doch wieder … gleich? Nur halt mit Mallorca und Bananen? 

Ernsthaft?

Glaubt ihr allen Ernstes daran, dass die sogenannte AfD an bezahlbarem Wohnraum, ehrlich finanzierten Energiekosten und prosperierender Zukunft interessiert ist? Dass es wirtschaftlich bergauf geht, wenn man ein Land abschottet, öffentlich-rechtliche Medien zurückbaut und zugezogene Arbeitskräfte „remigriert“?

Dann wird Sachsen Anhalt zu einem Transit-Land verkommen. Man fährt nur schnell durch oder am besten außenrum.

 

PS: Titelbild via KI

77) Welches Programm wollen wir? – Dienstag

Jeden Morgen 5:30 Uhr bin ich im Bad und höre nebenbei die Früh-Nachrichten.

Manchmal frage ich mich, wie es wäre, wenn plötzlich ein neues Programm ausgestrahlt wird und nichts mehr so ist wie am Tag zuvor. Mit dieser kleinen Serie will ich zusammen mit KI darüber nachdenken und mögliche Nachrichten konstruieren.

„Guten Morgen. Es ist Dienstag, 05:30 Uhr. Hier sind die Kurznachrichten.

Die neu eingesetzte Militärverwaltung hat in der Nacht mehrere Anordnungen erlassen.

Sie gelten ab sofort.

1. Verwaltung und Kontrolle

Für die Stadt Berlin wurde ein militärischer Stadtverwalter eingesetzt. Die zivile Stadtregierung ist nicht mehr im Amt. Alle Behörden unterstehen ab sofort dem Militärkommando.

2. Öffentlicher Raum

Im gesamten Stadtgebiet gelten Sicherheitszonen. Der Wechsel zwischen den Sicherheitszonen setzt einen gültigen Passierschein voraus. In den Bezirken Mitte, Friedrichshain und Neukölln ist der Aufenthalt zwischen 22 und 5 Uhr untersagt.

3. Präsenz der Streitkräfte

Militärische Patrouillen sichern Bahnhöfe, Brücken und Regierungsgebäude. Kontrollpunkte wurden eingerichtet. Anweisungen der Einsatzkräfte ist Folge zu leisten.

4. Kommunikation

Der Rundfunk dient ab sofort ausschließlich der Übermittlung amtlicher Informationen. Andere Programme werden nicht ausgestrahlt. Im Internet werden Interaktive Angebote und Kommentarfunktionen abgeschaltet.

5. Versammlungen und Bildung

Öffentliche Versammlungen und Demonstrationen sind bis auf Weiteres untersagt. Zuwiderhandlungen werden aufgelöst. In Schulen wird ab kommender Woche ein täglicher Morgenappell eingeführt.

6. Infrastruktur

Flughäfen, Bahnhöfe, Energie- und Wasserversorgung stehen unter militärischem Schutz. Der zivile Betrieb wird fortgeführt, Bewegungen können eingeschränkt werden. Das Verweilen und Fotografieren im Bereich dieser Anlagen ist untersagt.

7. Kultur

Für Sonntag ist im Stadtzentrum eine militärische Parade angekündigt. Die Bevölkerung wird zum zahlreiches Erscheinen aufgerufen. Winkelemente werden bereitgestellt.

Weitere Informationen werden bei Bedarf bekannt gegeben.

Damit zum Sport.

Der organisierte Sportbetrieb wird fortgeführt, Fun- und Ballsportarten werden aber eingestellt. Stattdessen wird Zehnkampf zum neuen Nationalsport erklärt. Entsprechende Programme in Schulen und Verbänden werden vorbereitet.

Und hier ist das Wetter.

In der Nacht hat es geschneit und in den nächsten Wochen ist mit eisigen Winden aus Ost zu rechnen. Männer mit ungeradem Geburtsdatum werden ab 06:30 Uhr zum Schneeräumen am Parade-Platz herangezogen.

Im Musik-Programm mit geht es nun weiter mit einem Marsch.“

.

Nun, es liegt an uns was wir hören werden.

PS1: Nachrichtentext mit Unterstützung von ChatGPT

PS2: Titelbild via ChatGPT

<— 76) Welches Programm wollen wir? – Montag

—> 78) Welches Programm wollen wir? – Mittwoch

728) Die Autokraten-Ente

Die meisten Familien überlegen sich dieser Tage, was sie zu Weihnachten kochen werden. Autokraten, Diktatoren und andere Despoten sind da keine Ausnahme. Auch sie schätzen Traditionen – vor allem solche, die sich bewährt haben. In ihrem Fall: die AutokratEnte.

Hier ein mögliches Rezept:

Ente abspülen, trockentupfen. Allen herumstehenden klarmachen, da man le Chef ist und dieses ein great meal wird. 1 EL Apfelsaft mit Salz, Pfeffer, Piment würzen, die Ente damit innen und außen einreiben. Die Küche flächendeckend mit Kameras ausstatten, Ofen auf 200° vorheizen, Rost zuvor herausnehmen. Im Anschluss Ansprüche aufs Nachbarküche erheben, weiträumig ausräumen und nach Belieben neu einrichten.

Zwiebeln schälen und würfeln. Die Herkunft aller Zutaten erneut gründlichst überprüfen. 3 Äpfel waschen, ohne Kernhaus in Spalten schneiden, mit Zwiebeln, Maroni, 75 g Cranberrys und Rosmarin in die Ente füllen. Hände gründlich waschen und wirre Gedanken auf Social Media posten. Ente mit Zahnstochern zustecken, das Tablet starten, grünes Land suchen und mit weiterem Zahnstocher festpinnen.

Ente in den Bratschlauch packen, diesen verschließen und einstechen. Bratschlauch erneut überprüfen, dass nichts unkontrolliert einsickern kann, was nicht zu den Zutaten gehört. Auf den Rost legen und in den Ofen (Mitte, Umluft 180°) schieben. Nach 1 1/2 Std. den Schlauch öffnen und nach Aufenthaltsstatus fragen. Kann der nicht erbracht werden, den Braten umgehend vor die Tür setzen. Den Fond in eine Pfanne ablassen, die Ente in einem Bräter in weiteren 30 Min. offen knusprig braten. Nun Stärke aus dem Schrank holen und breit grinsend herumzeigen.

Vom Fond das Fett abschöpfen. Der jungen Küchenkraft ein schlüpfriges Kompliment machen und bei Gelegenheit an den Hintern fassen (lässt sich anderweitig kombinieren). Vorsicht Bitte, könnte heiß sein, unbedingt vermeiden in dokumentierten Akten zu landen.

Übrigen Apfel waschen, ohne Kernhaus in schmale Spalten schneiden, in 1 EL Entenfett andünsten und die Nationalhymne anstimmen. Restliche Beeren und Fond zugeben, die Sauce mit Apfelsaft und Schmand verfeinern. Das Rezept neu schreiben, das ganze ausländische Zeugs streichen und mit Zutaten aus der Heimat ersetzen.

Nun zu Tisch bitten, dem Herrgott für all die Gaben danken, Guten Appetit und frohes Fest!

PS1: Titelbild via ChatGPT

PS2: Basis-Rezept von Chefkoch.de

 

61) Mauerfall im Dreierpack

Der 9. November gilt allgemein als Schicksalstag der Deutschen. Denn mehrere geschichtsträchtige Ereignisse hat es an 9. November-Tagen in der Vergangenheit gegeben, im Guten und im Schlechten. Ich würde mich mit fremden Federn schmücken, wenn ich die jetzt hier nenne und beschreibe. Das können andere sicherlich besser. Ohne die Ereignisse jetzt in ihrer Dramatik, Bedeutung oder Abscheulichkeit vergleichen zu wollen, wird mir persönlich der 9. November in erster Linie mit dem Mauerfall in Verbindung bleiben.

Und eigentlich hatte ich vor, mich heute mal an eine Fortsetzung meiner kurzen Mauerfall-Trilogie zu setzen, aber wenn ich so auf die Uhr schaue, dann wird das wohl nichts mehr heute.

Also re-launche ich einfach die drei Beiträge aus November 2019 noch einmal, mache ein Schleifchen drum und stelle sie als Dreierpack auf den digitalen Grabbeltisch. Machen Superstars auch so und verdienen sich dumm und dämlich, auch wenn sie schon tot sind. Keine Sorge, die hier kost‘n nüscht, Scorpions und Hasselhoff singen auch nicht.

Und ich mache jetzt mal die Glotze an, vielleicht gibt‘s heute mal wieder eine Pressekonferenz und etwas ganz Besonderes …und Positives … passiert.

PS: Na Mensch, jetzt stelle ich auch noch fest, dass die laufende Nummer dieses Beitrags in der Kategorie > Fiction die Nummer 61 geworden ist. Jahres des Mauerbaus. Was für‘n Zufall

Sonderangebot: 3 zum Preis von keinem

1) 30 Jahre Mauerfall – Teil 1

Etwas piept nahe seines Bettkissens, er wird endlich wach. „Oaah, was ist das für ein nervender Ton? Ah, ein Wecker. Komisches Teil. Egal.“ Wie immer, setzt er sich für einen…

2) 30 Jahre Mauerfall – Teil 2

Fortsetzung … … Auf dem Küchentisch liegt die Wochenendausgabe der Berliner Zeitung. Ein winzig kleiner Artikel, am Rande der Rubrik „Vermischtes“, sticht ihm sofort ins Auge. Er beginnt zu lesen.…

3) 30 Jahre Mauerfall – Teil 3

Fortsetzung … „Oder arbeite ich vielleicht sogar für den Staat… ?“ Bei dem letzten Gedanken wird ihm immer heißer.„Mein Beruf ist das eine, aber wie stehe ich eigentlich zum System? Schwimme…

274) Corona-Lektionen 111

Da war meine kleine Privat-Bloggerei hier gerade mal sechs Tage virenfrei und schon gibt es wieder so viel Neues, was ich gern notieren möchte.

Ein paar Gedanken der letzten Tage:

Corona-Macke:
Steigen wir zunächst locker ein. Kennt ihr das? Ihr geht mit einem Auge an einem Schriftzug vorbei und euer Auge liest im Vorbeigehen etwas, was da gar nicht geschrieben steht? So ging es mir kürzlich. Auf einem Transporter stand „Colonia Umzüge“, auf einem Desinfektionsspender stand „Ulticom“. Ihr könnt euch sicher gut vorstellen, was ich in dem Moment gelesen habe. Ich habe eine Corona-Macke, keine Frage.

Demonstration:
Gestern, Montag, war ich auf einer Demo. Es war eigentlich keine Anti-Demo zur Anti-Anti-Corona-Maßnahmen-Demo, sondern eine Demo „pro“ Demokratie. An einem geschichtsträchtigen Ort in der Nähe, an dem vor über 30 Jahren Menschen friedlich gegen das DDR-Regime demonstriert haben und der nun zum wiederholten Male von herumwandelnden Frischluft-Fanatikern instrumentalisiert wird. Es ging darum klarzustellen, dass wir in einer Demokratie leben und es sollte auch ein Zeichen gegen dieses „Wir-sind-auf-dem-Weg-in-eine-Diktatur“-Gejammer gesetzt werden. Das war mal eine interessante Erfahrung. Mein Demo-Gefährte und ich standen also bei den FFP2-maskierten Demonstranten auf der einen Straßenseite, ein paar „nichtangemeldete“ Bürger ohne Mund-Nasen-Textil auf der anderen Seite der schmalen Straße. Bis auf ein paar überflüssige Kommentare und einem plötzlich auftretenden Leierkastenmann, der die Stimme „unseres“ Sprechers übertönte, lief das aber recht ordentlich ab. Als das zeitliche Ende unserer Demo erreicht war, ergriff auf der anderen Straßenseite jemand ein Megaphon und erinnerte die Polizei daran, dass unsere Demonstrationszeit nun beendet sei und wir damit in einem nicht legalen Umfeld unterwegs wären und übrigens die Abstände bei „uns“ nicht eingehalten würden. Mhm. Na ja. Ein bisschen albern irgendwie, aber gut. Recht ist Recht und Pflicht ist Pflicht, wir lösten uns auf.

Noch ein Hinweis: Die Berliner Polizei veröffentlicht >alle angemeldeten Demonstrationen online. Die Menge der täglichen Veranstaltungen finde ich schon sehr beachtlich. Da soll mal keiner jammern, jeder kann hier gegen/für alles Mögliche demonstrieren, jeder kann sich irgendwo einreihen.

Wortwahl:
Gestern hieß es in den Abend-Nachrichten, dass von Corona genesene Menschen ihren „2G- Status“ eher verlieren könnten, als bisher angenommen. Jetzt will ich das gar nicht virologisch kommentieren, aber die Wortwahl ist schon etwas bizarr. „2G-Status“. Klingt so als wäre es der Silberstatus einer Luftlinie, der einem Zugang zu elitären Kreisen ermöglicht, da gibt’s dann Schnittchen, Prio- Boarding und einen schicken Koffer-Anhänger, während der Pöbel hinten in der Holzklasse sitz. Solche Formulierung sollte man vielleicht bei der aktuellen angespannten Lage überdenken. Das ist nicht zielführend.

Schule:
Gestern Abend dann der Knaller. Über Nacht wurde in Berlin die Präsenzpflicht an den Schulen ausgesetzt. Eltern sind überrascht, Lehrer noch mehr. Wissentlich, dass Berlin in vier Tagen in die Ferien geht, muss doch dieses Chaos nun echt nicht sein und wieder gehen vier Unterrichtstage verloren. Denn Eltern können nun selber entscheiden, ob die Kinder zur Schule gehen und an welchen Tagen. Jeden Tag aufs Neue. Die Lehrkräfte können überhaupt nicht planen und man kann raten, wie das ausgeht. Ich wage mal ein paar Prognosen

A) Kinder gehen in die Schule, weil sie einen Sinn drin sehen oder die Eltern hinterher sind

B) Kinder entscheiden sich für Netflix-und Playstation-Unterricht, weil es den Eltern Wurscht ist

C) Kinder sind schon längst mit ihren Eltern über alle Berge und warten am Ski-Lift.

Kapier‘ ich nicht.

Nachtrag 18:40 Uhr: Es ist wohl so, dass die Eltern bis Freitag entscheiden sollen, ob das Kind bis Ende Februar in die Schule geht oder nicht. Also etwas mehr planbar für die Schule durchaus, aber nicht unbedingt besser, weil nicht online unterrichtet wird, sondern nur Aufgaben über anwesende Mitschüler verteilt werden.

Bei der Gelegenheit möchte ich noch mal auf den Beitrag >269) Digitales Lernen 1 – Eine Bestandsaufnahme verweisen

<— Corona-Lektionen 110

–> Corona-Lektionen 112

230) Ruf nach Freiheit – Teil 2

In meinem Beitrag > Ruf nach Freiheit, habe ich Beobachtungen entlang der Freiheits-Demo-Schnitzeljagd vom 29.08.2021 notiert. Der Beitrag endete etwas ratlos, mit vielen Fragezeichen. Also habe ich weiter drüber nachgedacht und mit anderen diskutiert.
Spoiler: Es gibt noch mehr Fragezeichen.

Also wer sind sie, was könnte sie antreiben, was ihr Motiv sein?

  • Leben sie vielleicht sonst in einer Kuschelweich-Comfort-Zone und müssen nun zum ersten Mal unangenehme Einschränkungen erleben? Sind sie deshalb so verunsichert und schreien „Diktatur“, wenn es darum geht ein Stück Zellulose vor der Futter-Luke zu tragen und eine Zeit lang mehr Spielregeln zu folgen als sonst?
  • Oder geht es ihnen wirklich so dreckig? Haben sie in den letzten Monaten erhebliche Nachteile erlitten? Wirtschaftlich, gesundheitlich, vielleicht jemanden verloren, der ihnen nahestand? Haben daraus einen Frust gegenüber der Regierung aufgebaut und wollen diesem nun lautstark Luft machen?
  • Haben sie selbst schon einmal ein diktatorisches System erlebt und wissen noch gut, wie das war? Halten sie sich dadurch für qualifiziert zu erkennen, dass wir angeblich schon wieder auf dem Weg in eine „Diktatur“ sind? Spüren sie einen Erfahrungsvorteil und meinen daher ganz besonders zu wissen, worüber sie reden?
  • Eventuell sind es aber auch Charaktere, die von Geburt an echte Freigeister waren, die es schon immer schwer hatten, sich in Regelwerke einzufügen? Aber wie stellen sie sich das vor, wenn hier jeder maximale Freiheit anstrebt? Oder würden sie dann „ganz unter sich“, ein neues gemeinsames Verständnis von Freiheit aushandeln? Und wären sie dann eigentlich wirklich „frei“?
  • Oder sind es Köpfe, die mit all ihrer Freiheit überfordert sind? Das Leben in Freiheit ist ja auch anstrengend. Es gibt so viele Entscheidungen, man muss sie für sich treffen und kann im Nachgang niemanden dafür verantwortlich machen. Aber wenn sie da nun „Freiheit“ fordern und irgendwelchen Rattenfängern folgen, wünschen sie vielleicht insgeheim jemanden, der ihnen diese Entscheidungen, also die Freiheit, wieder abnimmt?
  • Möglicherweise fühlen sie sich auch von Komplexität überrollt? Die Dinge um uns herum werden immer komplizierter und das kann intellektuell überfordern. Zusammenhänge zu verstehen oder sogar noch anderen zu erklären, ist echt nicht ohne. Suchen sie vielleicht einfachere Antworten? Ist es da leichter, aus Fakten Fake zu machen und andere zu überzeugen, dahinter steckten elitäre Strippenzieher, die uns allen etwas vormachen? Aber sie können das nicht nachweisen, denn dazu bräuchten sie wiederum Fakten, die sie weder haben noch akzeptieren. Also bleibt dann doch nur, auf den Staat zu schimpfen und laut nach „Freiheit“ zu rufen?

Und damit sind wir schon wieder beim Anfang des Beitrags.

<— Ruf nach Freiheit – Teil 1