290) Gedanken zum Frühling

Heute war Feiertag in Berlin. Der Internationale Frauentag. Den gibts übrigens auch in Russland und in der Ukraine. Die russische Regierung hat sich dieses Jahr für die ukrainischen Frauen etwas ganz Besonderes ausgedacht.

Sie dürfen ihren Ehrentag mit ihren Kindern auf den Straßen gen Westen verbringen. Widerlich! Schämt euch! Wenn sie Glück haben sind sie bereits in Rumänien, Ungarn, in der Slowakei oder in Tschechien.

Nach Osten:
Ich lade meine Brut ins Auto und fahre nach Osten. Zur Datscha. Keine Sorge, da biegt man noch vor der Oder rechts ab. Aber die Richtung ist ganz klar in den Nationalfarben der Ukraine ausgeschildert. Yes!

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Ich halte noch schnell an der Tanke und lege mal eben 122 EUR auf den Tresen. Danke Herr Präsident! Darf ich ihnen die Rechnung schicken?

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Auf der Rückfahrt lag der Liter Diesel bereits bei 2,23 EUR. Ok, dann habe ich am Morgen ja ein echtes Schnäppchen geschossen. An den Ampelstopps entlang der Ausfallstraße gab es dann genügend Gelegenheiten zum Nachdenken.

Selbstgespräche:
Während der Corona-Zeit stand ich fast jeden Abend vor dem Badspiegel, schaute in die müden Augen meines Gegenübers und flüsterte ihm ein finales „Was für eine Scheiße“ entgegen.

Im Vorfeld der Eskalation in Ukraine, beruhigte ich mich oft selber mit Sätzen wie „Das macht der nicht“ oder „Das kann der nich‘ machen“. Formulierungen die ich nun aus meinem Repertoire streichen werde. Denn er kann. Und er tat. Und wir können zwar Fähnchen winken, Wodka ins Klo kippen oder die Heizung runterdrehen, aber das spielt einfach keine Rolle.

In den letzten Tagen, wenn ich mich aus virtuellen Meetings verabschiedet habe, rufe ich „Was mache ich hier eigentlich“ durch mein Höhlen-Office. Ich meine, ich reiße mir den Arsch auf, versuche Kollegen irgendwo auf der Welt zu bestimmten Aktivitäten zu bewegen und zeitgleich kriege ich Push-Nachrichten über die Lage in der Ukraine aufs Handy. „Was tue ich hier?“

Krieg:
Ja, es ist „Krieg“. Mag die russische Regierung, es nennen wie sie will. Bei uns sagt man dazu „Krieg“.
Krieg, Krieg, Krieg.
Ich sehe „Fahnen“ wo keine sind, sogar auf dem Sportplatz. Eat this!

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Ich sehe „Krieg“ wo gar keiner ist. So fahre ich beim Burger-Bräter vorbei und lese aus dem Augenwinkel den Schriftzug „Krieg des Monats“. Ich werfe noch mal einen Blick über die Schulter. Ach nee. „King“ des Monats. Puh. Na, dann. Guten Appetit.

Flucht:
Die ausländischen Auto-Kennzeichen werden mehr in der Stadt, finde ich. Es sind keine Franzosen, Italiener oder Portugiesen. Eher Slowaken, Rumänen und Polen. Und ich habe auch schon ukrainische Kennzeichen gesehen. Welcome! Ich möchte mir nicht vorstellen, was es heißen würde, wenn wir uns mal auf den Weg machen müssten.

Aber ich will den Beitrag nicht so negativ abschließen. Vielleicht eher so.

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Sehe ich da eine blau-gelbe Fahne? Ja. Ich schon.

11) Berliner Frauentag-Nachlese

Berlin 8. März. Heute hatten wir nun also unseren niegel-nagel-neuen Feiertag. Den Frauentag. Seit diesem Jahr in Berlin arbeitsfrei. Er fühlte sich noch etwas unhandlich an und hat uns doch alle sehr überrascht. Mein früherer Beitrag „Berliner Frauentag“ war sehr gut besucht und wurde auch eifrig kommentiert. Danke noch einmal dafür. Heute möchte ich einen kurzen Nachtrag liefern.

Aber zunächst wünschen ich allen weiblichen Lesern hier „Alles Gute!“ Aber das klingt irgendwie doof. „Herzlichen Glückwunsch“ macht’s auch nicht wirklich besser, oder?

Also sage ich es mal so: Macht weiter so, kämpft für eure Rechte und ihr Kerle da draußen, ihr setzt euch gefälligst auch dafür ein, dass für Frauen gleiche Rechte und Gehälter gelten!

So, und wie haben wir den Tag nun erlebt?

Zunächst musste ich trotzdem früh raus. Ein Meeting mit Kollegen in Asien stand noch an. Das konnte ich nicht mehr absagen. Und siehe da, auch in Singapur und Malaysia war der Frauentag heute ein Thema.  Die Kollegen aus Indien hielten sich da etwas zurück. Da werde ich nächste Woche noch einmal „nachhaken“.

Der Tag in Berlin startete grau und regnerisch. Die Geschäfte sollten geschlossen haben, auf den vietnamesischen Blumenladen um die Ecke war aber zum Glück Verlass. So wie bereits im Februar vorhergesagt. Und da das Wetter bis zum Nachmittag so bleiben sollte, taten wir konsequenterweise auch das, was ich im Februar schon in Aussicht stellte. Wir gingen shoppen. Der Kaufpark Eiche lud zum „Ladies Shopping Day“. Da der Kaufpark bereits zu Brandenburg gehört, sollten die Geschäfte dort geöffnet sein. Bei unserer Ankunft dort, war der Parkplatz schon gut gefüllt. Alle Autos mit Berliner Kennzeichen natürlich. 

Wir stürzten uns in das Getümmel:

  • Beim großen Elektro-Laden gab es für die Damen am Eingang ein Glas Sekt
  • Der Drogerie-Markt verschenkte zur Begrüßung weiße Rosen an das starke Geschlecht
  • Ein älteres Pärchen vor uns stritt sich über irgendetwas. Darauf packte der Kerl die Frau an der Schulter und schupste sie vor sich her

Bleibt also noch viel zu tun…

Frühere Beiträge zu Frauentag und Shopping (Beziehung rein zufällig ;-):

 

8) Berliner Frauentag

Wer die Nachrichten in den letzten Tagen verfolgt hat, wird mitbekommen haben, dass Berlin einen neuen arbeitsfreien Feiertag bekommt. Den Frauentag am 8. März. Ab wann? Bereits dieses Jahr, also in sechs Wochen. Wenn es dazu eine breite Diskussion im Vorfeld gab, ist die irgendwie an mir vorbeigegangen. Liegt es vielleicht daran, dass ich kürzlich im Arabischen Raum (früherer Beitrag) unterwegs war? Dort war das keine Nachricht wert. Warum nur? In meiner Wahrnehmung kam der Entschluss des Berliner Innenausschuss erst letzten Montag aus dem Radio-Lautsprecher. Der finale Beschluss durch das Abgeordneten-Haus sei nur noch ein formaler Akt, hieß es. Aha. Und was sagt das Berliner Wahl-Vieh dazu? Hätte ich vielleicht die Wahlprogramme der Berliner Parteien gründlicher lesen sollen, so wie bereits beim Mobilitätskonzept (früherer Beitrag)? 

Aber nun ist er da, der Feiertag. Zunächst ist das natürlich im Bundesvergleich ganz nett. Gehört doch Berlin zu den Bundesländern mit den wenigsten Feiertagen. 

Trotzdem bleiben Fragen:

Kommen wir erst einmal zu Sinn und Zweck des Feiertages. In den Medien spricht man von dem „Frauentag“. Aber ist das nicht irreführend? Es geht doch gar nicht um die „Frau“ an sich, sondern um ihre Rechte, Stellung in der Gesellschaft, Nachteile in Karriere, Einkommen und Rente. Zumindest in Europa. Oder? Dann sollte der Tag aber noch ganz schnell umbenannt werden in „Tag der Frauenrechte“ oder so. Sonst erwarte ich die ersten Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht, dass auch „andere“ einen arbeitsfreien Feiertag erwarten. Wäre es nicht viel zeitgemäßer, stattdessen einen gemeinsamen „Feiertag gegen Benachteiligung aufgrund Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht, Sexualität, Gesundheitszustand“ usw. zu veranstalten? Natürlich muss weiterhin für die Frauenrechte gekämpft werden, ohne Frage. Da gibt es noch viel nachzuholen, nur ist Benachteiligung eben mittlerweile vielfältig und es gibt sie überall.

Nun zum Zeitpunkt. Ein gesetzlicher Feiertag soll doch zum Innehalten, zum Nachdenken und vielleicht sogar zum Demonstrieren dienen. Deshalb ist er ja arbeitsfrei. Dazu ist der 8. März nun aber nicht gerade geeignet. Im besten Falle gibt es keinen Frost mehr, vermutlich regnet es den ganzen Tag. Ich bin gespannt, wie die Organisatoren diverser Veranstaltungen das Volk von Glotze, Netflix und Prime weg und an die frische Luft kriegen wollen. Ich glaube, es wird also eher ein Couch-Tag, wenn man mal ehrlich ist. Vielleicht fahren auch alle zum Shoppen nach Brandenburg. Oder es wird Wäsche gewaschen und gebügelt (im besten Falle von Männern). Aber ist das denn gerechtfertigt und dem Hintergrund des Feiertages angemessen?

Es ist aber nun mal beschlossene Sache, also haben wir ganz spontan Anfang März einen Tag frei. Praxen, Ämter, Schulen und andere Dienstleister werden geschlossen haben. Dumm für diejenigen, die einen Termin beim Zahnarzt, Standesamt oder Scheidungsanwalt haben. Die geraten nun in Hektik und müssen ein paar Telefonate führen. Ich werde heute Nachmittag auch alle Meetings für den Frauentag am 8. März absagen. Die Inder werden sich über den Hintergrund wundern, die Araber auch, aber die haben Freitags eh frei. Die merken das gar nicht. In 2020 liegt der Feiertag auf einem Sonntag, das ist also alles wieder beim Alten.

Bevor wir hier zum Ende kommen, eine Frage noch:

Erlaubt das Berliner Ladenschlussgesetz eigentlich das Öffnen von Blumen-Läden an Feiertagen? Oder gibt’s dann am 8. März lange Schlangen bei ARAL, TOTAL, SHELL und beim Späti um die Ecke?

Ich freue mich über Kommentare und eine angeregte Diskussion.