24) Kurzstrecke

Verlassen wir das in Berlin schwer belastete Themenfeld des Rad-Verkehrs für den Moment. Kommen wir noch einmal zum ÖNPV, diesmal geht es mir aber weniger um die oft sehr egoistischen Nutzer, sondern eher um die Betreiber selbst. Die BVG ist zwar ganz vorn dabei, wenn es um markige Sprüche und hippe Marketing-Videos geht, aber der Alltag gestaltet sich manchmal ganz un-hipp. Nach einem Stadtbummel zu zweit, waren uns die Füße zu müde und wir beschlossen, die letzte Strecke mit dem Bus zu fahren. Also gingen wir in Richtung nächster Bus-Haltestelle. Auf dem Weg dorthin kaufte ich mit der BVG-App schon mal ein Kurzstrecken-Ticket. Ich hatte gehört, dass man das besser ein paar Minuten vor dem Einsteigen machen sollte, um Stress mit Kontrolleuren zu vermeiden. Gut. Gar kein Problem. Das war exakt 19:19 Uhr. Als wir auf die Haltestelle zuliefen, schloss ein Bus gerade die Türen und machte sich auf seinen Weg. Das war ca. 19:23 Uhr. Kein Problem, nehmen wir halt den nächsten Bus. Wir hatten ja Zeit. Der nächste Bus sollte 10 Minuten später abgehen, also ca. 19:33 Uhr. Zunächst passiert eine Weile gar nichts, dann entfiel der Bus komplett. Der nächste gelbe Schlenki war für 19:43 Uhr angezeigt. Auch kein Problem. Um ca. 19:43 Uhr hielt der Bus vor uns und öffnete zischend die Türen. Ich zückte mein Handy und drückte den Button „aktuelle Tickets“. Doch das soeben gekaute Ticket verschwand auf einmal und ich stand etwas sprachlos vor dem Fahrer. So, als gehörte ich zu den Nutzern, die erst dann ein Ticket kaufen, wenn der „Konti“ schon in der Tür steht. Zunächst dachte ich, meine App spinnt oder ich bin einfach zu doof, mein Handy zu bedienen. Um die Situation schnell zu klären, kaufte ich mit ein paar Münzen eine zweite Kurzstrecke. Auf der Fahrt beschäftige ich mich mit der BVG-App und siehe da, mein Ticket war noch da, aber in den Ordner der „abgelaufenen“ Tickets verschoben worden. Exakt um 19:39 Uhr. Also genau 20 Minuten nach Kauf. Ehrlich gesagt, habe ich nie gewusst, dass eine Kurzstrecke an den unmittelbaren Fahrtantritt gebunden ist und ich bezweifele, ob das für die Papier-Varianten auch gilt. Ich gehe in Gedanken meine BVG-Karriere zurück und kann mich nicht daran erinnern, jemals Stress mit einer Kurzstrecken-Karte gehabt zu haben. Liebe BVG, wenn Ihr mit eurer App eure Kosten optimiert, in dem Ihr zunehmend auf Automaten und Kassen verzichtet, dann sollte das Ganze auch funktionieren! Erst Recht, wenn ich alles „richtig“ gemacht habe und eurer Bus ausfällt. Wären wir doch gleich gelaufen oder hätten einen Fahrausweis „Normal“ für zwei Stunden gezogen. Selbst dann, wäre ich deutlich günstiger gefahren als mit zwei Kurzstrecken. Grmpf.

23) Fahrrad-Spuren

Habe ich doch kürzlich erst übers Bike-Sharing geschrieben, muss ich schon wieder an das Thema „Radfahren“ ran. Man könnte meinen, ich habe etwas gegen Radler. Habe ich aber gar nicht. Ab und zu fahre ich auch Rad und bin dabei eigentlich ganz gut klargekommen. Autofahrer und Radler können herrlich aufeinander losgehen und sich gegenseitig verteufeln.  Da will ich mich gar nicht beteiligen, aber hier geschieht gerade etwas, was mich nicht in Ruhe lässt. Ich gehe auch soweit, das Thema schon jetzt als „Wahnsinn“ zu klassifizieren, noch bevor der Artikel hier endet. Was ist geschehen? In den letzten Wochen, haben Straßenbau-Kommandos hier komplette Fahrspuren mittels weißer Farbe zu Rad-Spuren erklärt. Es ist aber noch dieselbe Straße, die die Radler dann befahren. Es ist noch derselbe rechte Rand, den sie schon vorher befuhren. Das Einzige was nun anders ist, ist ein weißer Streifen und eine fehlende Spur für die Autos. Diese Streifen sind auch nicht baulich abgesetzt, was ja vielleicht zu mehr Schutz der Radler führen würde. Nein, die Sicherheit wird nun durch einen 10 cm weißen „Farbaufstrich“ gewährleistet. Selbst auf kleinen Kreuzungen hier in der Nachbarschaft, findet man nun weiß „gemalte“ Radwege und sogar Haltelinien für Radler. Aber nicht in den Straßen vor oder nach der Kreuzung. Nein, nur auf der Kreuzung. Ich frage mich, was das alles soll. Wem hilft das? Das ist eine große Leistung und ein bedeutender Schritt in Erfüllung von Quoten! In der Presse wurde die Maßnahme als Teil des „Mobilitätskonzepts“ diskutiert. Vermutlich habe ich im letzten Wahlkampf nicht genau zugehört, aber ich hoffe, dass in diesem „Konzept“ noch etwas mehr steckt, als durch Raumverknappung und Frontenbildung die Stimmung unter den Verkehrsteilnehmern weiter anzuheizen.

Ein paar Fragen bleiben unbeantwortet:

  • Wer wird diese Streifen denn im Winter nutzen, wenn die Räder in den Kellern stehen? Hundeschlitten oder Biathleten vielleicht?
  • Werden die Streifen dann auch von Schnee befreit, damit man die weißen Linien weiterhin sieht?
  • Warum habe ich nicht vor Jahren in Aktien von Firmen investiert, die Straßenfarbe herstellen?

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22) Bikesharing

Der hier nun nachfolgend beschriebene Trend in unserer Stadt basiert gleich auf zwei egoistischen Fundamenten. Zunächst begann alles mit Bikesharing-Anbietern, die ihre Fahrräder an entsprechenden Stationen, quer im Stadtgebiet verteilt, anboten. Eigentlich eine tolle Idee. Kann man doch zu einer Station in der Nähe gehen und auf ein Fahrrad umsteigen. Dann, es war wie über Nacht, wurde die Stadt auf einmal von orangenen Fahrrädern überschwemmt, die plötzlich an jeder Ecke standen. Wer hatte die da alle abgestellt? Wo kommen die alle auf einmal her? Und kurz darauf folgten dann noch grüne Räder und dann auch noch gelbe Ausführungen. Und zwar in echten Mengen bzw. Massen. Die Räder waren technisch so ausgestattet, dass man sie quasi überall anmieteten und dann, dank eines integrierten Ständer, wieder stehen lassen konnte. Egal wo man wollte. Sie waren nicht mehr an eine Station gebunden. Für die einen war das vielleicht super-bequem und hip. Andere empfanden es wiederum als das größte Metallwaren-Lager der Stadt. Ich würde mich zur letzteren Gruppe zählen. Natürlich braucht eine Großstadt neue Konzepte, um den Verkehr zu meistern, aber so etwas planloses und ignorantes? Die Anbieter stellen ihre Räder einfach auf öffentlichem Straßenland ab und überlassen das Metall sich selbst und der Schwarm-Intelligenz der Kunden. Die Fahrer, die anscheinend pro Kilometer bezahlen, scheuen jeden weiteren Meter zu einer geeigneten Abstellgelegenheit zu fahren und lassen das Rad am Platz ihrer Ankunft einfach stehen. Wenn es an einer Hauswand oder an einem Baum abgestellt wird, kann man noch von Glück reden. Bei uns im Viertel stehen die Räder mitten auf der Wiese, in bunter Mischung vor dem Kino oder auf Verkehrsinseln. Manchmal sehe ich sie auch hochkant in Müll-Tonnen stecken, im Park-Teich schwimmen oder völlig demoliert im Gebüsch liegen. Wer hat das genehmigt? War die Entwicklung nicht abzusehen? Und werden all die Räder jemals einen Kunden finden? Hat bei der Stadt jemand eine Öko-Quote zu erfüllen?

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19) Kleinkrieg im Sandkasten

Ein vorerst letzter Griff in die Erinnerungen, bevor wir das Feld der Jung-Familien wieder verlassen. Ein Spielplatz ist ein Platz zum Spielen. Das ergibt sich allein schon aus dem Namen. Spielen klingt nach Friede, Freude und Sandkuchen. Ich persönlich gehe da aber nicht so gern hin. Warum? Ja, weil es eben auch ein riesiger Konflikt-Herd ist. Eigentlich habe ich nichts gegen kleine Konflikte zwischen Kindern. Sie lernen dann mit so etwas umzugehen, auch wenn mal eine Träne fließt. Wenn sich der Konflikt aus der Interaktion der Kinder miteinander ergibt, sollen sie das auch irgendwie lösen. Meine Toleranz zur offenen Streitkultur zwischen den Kindern hört aber dann auf, wenn andere Eltern durch ihre antiautoritäre Erziehung oder ihren Egoismus diese Konflikte unter den Kids anzetteln. Spulen wir den Film wieder etwas zurück. Wir waren auf dem Spielplatz, meine Tochter turnt auf dem Klettergerüst herum, mein Sohn saß allein vergnügt im Sand und spielte mit seinem Buddelzeug. Er war voll in seinem Element, abgelenkt von all dem Trubel um ihn herum. Er war glücklich, mit sich allein. Eine Mutter betrat mit ihrem Sohn den Spielplatz und ihr Sohn klagte laut, dass sie gar kein Buddelzeug dabei hatten. Die Mutter begriff so langsam, dass sie ein Problem hatte und statt den Sohn in irgendeiner Form abzulenken oder zu ermutigen, etwas anderes zu unternehmen, sagte sie vorwurfsvoll. „Tja, Jonathan, das ist nun nicht meine Schuld. Dann hättest du dran denken müssen. Es ist ja nicht mein Buddel-Zeug“. Als der Wind diese Worte zu uns herüber trug, wackelte ich mit Kopf, wie ein Dackel auf der Hut-Ablage eines alten Audi A100. Die Lösung war für die Mutter ganz einfach. Sie rief über den ganzen Spielplatz: „Jonathan, dann geh‘ doch zu dem Jungen da, der hat ganz viel Buddelzeug dabei!“. Sie griff sich ihr Buch und begann zu lesen. „Cut! Stopp!“ rief der Regisseur mitten in den Film hinein. „Was soll das, wir wissen doch wie das ausgeht!“. Sie blätterte in ihrem Buch und vor meinen Augen entwickelt sich genau das, was der Regisseur vermutet hatte. Mein Sohn fühlte sich gestört und beraubt. Der Streit eskalierte. Ich schaute mir das ein paar Minuten an und griff dann ein. Jonathans Mutter las immer noch in ihrem Buch. Klar hätte ich nicht den Polizisten spielen müssen, die Jungs hätten sich auch etwas raufen und dabei ihre Hörner abstoßen können. Quasi als Einstieg auf die spätere Hackordnung. Aber musste denn das so sein? Warum hat Jonathans Mutter an ein Buch für sich gedacht, aber nicht an eine Schippe für ihren Sohn. Das könnte mir eigentlich egal sein, aber dass sie ihre Nachlässigkeit zu unseren Lasten austrägt, ist mies.

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14) Tiefgarage

Mit der neuen Wohnung, sollte sich endlich die Möglichkeit ergeben, einen festen Parkplatz zu erhalten. Großartig. Nieder wieder Kreise im Kiez drehen auf der Suche nach weißen Rückfahrleuchten, die sich langsam auf die Straße schieben. Auf dem Bauplan für die Tiefgarage waren die Parkplätze im Wesentlichen so angeordnet, dass immer drei Parkplätze nebeneinander folgten und dann eine Säule. Mit viel Respekt vor den Säulen und der Angst vor Beulen im eigenen Blech, wählten wir den Mittelplatz von den drei Plätzen. Mir schien das sehr durchdacht. Also entschieden wir uns für diesen Platz und machten ihn zum Teil des Kaufvertrags. Leider war das ein Fehler, wie sich aber erst im Alltag herausstellte. Benennen wir hier unseren mittleren Platz zum besseren Verständnis als „Nummer zwei“. Den Platz rechts von uns nennen wir einfach „Nummer drei“. Diese „Nummer drei“ gehört einem Niederländer. Leider haben Niederländer, zumindest dieser eine, höllische Angst vor Beton-Säulen. Also hält er ordentlich Abstand von seiner rechten Säule und drückt dabei deutlich in Richtung Platz „Nummer zwei“. Also unserem. Den Platz links von uns nennen wir hier mal „Nummer eins“. Auf Platz „Nummer eins“ steht üblicherweise ein Passat Kombi. Dessen Eigentümer kann durchaus gut parken und kommt auch mit der Säule zu seiner linken ausreichend klar. Normalerweise würde der Besitzer vorwärts einparken damit er den Platz hinter der Säule als Schwenkbereich für seine Fahrertür nutzen kann. Blöderweise steht hinter der Säule immer ein Moped. Und das gehört dem Eigentümer des Platzes zu seiner Linken. Nennen wir ihn hier „Platz null“. Daraus lässt sich nun eine sehr einfache Gleichung für meinen täglichen Ärger aufstellen. Wenn das Moped von „Platz Null“ hinter der Säule steht, kommt der Besitzer von „Platz eins“ schlecht aus seinem Auto. Also parkt er rückwärts ein. Da er wegen seiner Kinder auch nicht mit der Beifahrerseite allzu dicht an den Pfosten will, rutscht er etwas in Richtung „Platz zwei“. Dass der A4 Kombi aus Holland grundsätzlich zu weit in Richtung „Platz zwei“ rückt, habe ich oben schon ausgeführt. Aus der Situation rechts und links von unserem Platz ergibt sich konsequenterweise, dass ich es mit meinem Auto durchaus noch auf meinem Platz passe, leider müsste ich aber im Auto übernachten oder komme am frühen Morgen kaum noch in mein Auto hinein. Dieses offensichtliche Missverhältnis muss auch den Fahrern von „Platz eins“ und „Platz drei“ bewusst sein. Das geht gar nicht anders. Das ist offensichtlich. Vermutlich denkt Besitzer von „Platz drei“, dass Besitzer von „Platz eins“ etwas für mich tun könnte. Der Besitzer von „Platz eins“ schiebt die Verantwortung dem Holländer auf „Platz drei“ in die Holz-Schuhe. Vielleicht denken auch alle an das blöde Moped von „Platz null“. Der ist ein großer Mitverursacher dieses Konflikts. An mich aber denkt keiner.

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13) Hausordnung

Weitere wunderbare Aufregbarkeiten ergeben sich aus Hausordnungen. Der Begriff klingt wie eine Legende aus dem letzten Jahrtausend. Vermutlich wurden Hausordnungen in Deutschland oder Österreich erfunden, die einzigen beiden Länder auf der Welt, deren Einwohner solche Regelwerke in den Eingangsbereich der Wohnhäuser nageln. Ich finde diese Werke eigentlich gar nicht so dumm, insbesondere dann, wenn sie mit Augenmaß formuliert sind. Kurz nach dem Einzug in unsere neue Wohnung, hatte ich auf einer Eigentümerversammlung die einzigartige Gelegenheit, an der Schaffung einer solchen Hausordnung mitzuwirken. Ein Wahnsinnsgefühl. So als würde man die Verfassung eines frisch gegründeten Staates erschaffen. Die Haus-Verwaltung moderierte diesen Prozess und erklärte zunächst Sinn und Zweck einer solchen Werkes und was im Normal-Fall darin geregelt wird. Ein durchaus nachvollziehbares Anliegen der Hausverwaltung, war der Verbot von sämtlichen Brandlasten in den Fluren und in der Garage. Gemeint waren Schuhe oder kleine Regale vor den Wohnungstüren und Chemikalien oder Reifen in der Garage. Ich fand das in Ordnung, man kann die Dinge sicherlich woanders unterbringen. Ein weiterer Paragraph zum Verschluss von Kellertüren und Garagenzugängen hätte für meinen Geschmack nicht sein müssen. Jeder ist eigentlich alt genug zu wissen, dass das eine Selbstverständlichkeit ist, wenn man nicht vor geknackter Keller-Tür stehen will und in die leeren italienischen Wein-Kartons blicken möchte. Anschließend fragte die Hausverwaltung, was der Eigentümergemeinschaft denn sonst noch wichtig wäre. Ich hatte noch ein sehr unbeliebtes Thema auf der Zunge, hielt es aber noch etwas zurück. Vielleicht gab es ja noch wichtigere Dinge der anderen Teilnehmer. Die erste Wortmeldung folgte: „Das Grillen im Hof sollte doch bitte erlaubt sein, natürlich nur in Maßen“. Na prima, das sind also die Themen, die unsere Nachbarn bewegen. Per Mehrheitsbeschluss wurde die Regelung in die Hausordnung Ordnung formuliert. Egal, auch das wird nicht jeden Tag sein. Nun war es Zeit mein Thema anzubringen. Mir war es durchaus wichtig, aber auch klar, dass ich damit nicht zum Held des Abends werde. Unweit neben mir saß eine junge Mutter, sie schien auch ein Anliegen zu haben aber sie brachte es nicht raus. Also nutzte ich die Gelegenheit. Ich fragte, wie ist denn um Ruhezeiten stünde. Sofort ging ein Raunen durch die Menge. Wir seien „ja nicht im Kindergarten“. Die junge Frau unweit von mir nickte aber eifrig und deutete ihre Unterstützung für meinen Vorschlag an. Na prima, das ist ja ein toller Einstand hier. Nach einigem Gerangel, ließen wir uns auf eine Mittagsruhe am Wochenende herunterhandeln. Bedingung war aber, dass die mit dem Einzug verbundenen Bauarbeiten in den Wohnungen noch nicht dieser Hausordnung unterliegen. Also konnten die Bosch-Bohrhammer noch viele weitere Löcher bohren. Das war für mich in Ordnung, denn auch ich hatte noch genügend Bohraufträge meiner Ehefrau vorliegen. Und wie ist es nun circa fünf Jahre nach Einzug? Bitte raten! In den Fluren stehen Schuhe, manchmal kleine Holzregale oder Skate Boards. In der Garage stehen Winterreifen, Öl-Flaschen und Schlitten. Die Tür zum Keller ist meistens unverschlossen, die Garagen-Tür eigentlich immer. Wenn es um die „hart erkämpfte“ Ruhezeit geht, drehen die Bosch-Bohrhammer ihre Runden.  Vorzugsweise nach dem IKEA Einkauf am Stamstag ab 13:00 Uhr oder kurz vor dem Tatort am Sonntagabend.

12) Wagenburgen

Eine weitere Form von Ignoranz, insbesondere im Berliner Prenzlauer Berg, sind Mütter die mit ihren riesigen Kinderwagen auf den Gehwegen unterwegs sind. Das allein ist natürlich nicht das Problem, denn wo sollen sie denn sonst fahren? Gerade Gehwege wurde ja eigens dafür geschaffen, dass sie von Menschen benutzt werden, warum nicht also auch von Kinderwagen und deren Besitzern. Und wenn sie dabei also einfach nur geradeaus gehen würden, hätte ich damit auch gar kein Problem. Ich könnte sie locker auf der linken Spur überholen. Schwierig wird das Ganze, wenn sich aber zwei Mütter auf einander zu laufend begegnen und sich dann auch noch kennen. Beide Mütter werfen unverzüglich einen Anker ins Berliner Pflaster hinter sich. Abrupt kommen Sie zum Stehen und beginnen ihre Begrüßungszeremonie. Leider stehen sie sich dabei nicht gegenüber, sondern bleiben auf ihrer jeweiligen Gehwegseite stehen. Der schmale gepflasterte Fußweg ist komplett in beide Richtungen blockiert und zur Talkshow befördert worden. Mein Lauffluss und andere Fußgängerströme kommen zum Erliegen. Das scheint den beiden Müttern aber herzlich egal zu sein. Schließlich haben sie sich seit gestern nicht mehr gesehen und haben viel austauschen. Andere Passanten scheinen sie dabei überhaupt nicht zu existieren. Statt sich an die Seite zu begeben, eröffnen sie das Geplapper. Manche Passanten schütteln nur den Kopf, andere äußern ihren Unmut laut. Ich habe eigentlich gar keine Zeit mich aufzuregen, sondern taxiere mögliche Wege, diesem Bollwerk auszuweichen. Am liebsten würde ich direkt durch ihr Gespräch marschieren und es somit auch etwas stören. Vielleicht würden sie durch diese Aktion etwas vom Gespräch abgelenkt und ihre Aufmerksamkeit fällt auf die vielen Cafés in der Straße, wo man gemütlich plaudern kann. Dort gibt es sogar ihr Lieblingsgetränk, Latte Macchiato. Leider ist der Platz zwischen den beiden Wagen zu schmal für meine Hüften. Ich kann also nicht mitten hindurch marschieren. Also bleibt nur der Weg außen herum. Auch wenn der Weg für mich sehr riskant ist, da die Seitenstreifen der Berliner Fußwege gerne als Latrine für die Hunde dient.  Das allein ist schon eine Episode wert. Mal sehen, vielleicht später.

11) Volkspark Mumbai

Wenn ich mich nun auf die nächste Aufregbarkeit stürze, bin ich damit sicher nicht allein. Ich hoffe es zumindest. Wohnt man in Berlin an der Grenze von Prenzlauer Berg und Friedrichshain kennt man den gleichnamigen Volkspark. Eine Oase mitten in der hektischen Innenstadt. Ein paar Fotos: Kornelius nutzt die vielen Wege im Park, um sich auf seinen Halbmarathon vorzubereiten. Julia und Thorben knutschen frisch verliebt auf dem Rasen und können sich kaum noch zurückhalten. Vater Peter und Mutter Marie bringen Sohn Julian das Radfahren bei. Weiter hinten, unterhalb der großen Eiche, meditiert Conny zu fernöstlichen Klängen. Max der Personal Trainer legt gerade diverse Sportgeräte auf dem Rasen aus und hofft auf Kundschaft. Eine Kindergartengruppe nutzt den Tag für ihren Wandertag und erkundet die reichhaltige Berliner Flora und Fauna. Was für ein friedlicher Anblick. Diese Harmonie hält so lange an, bis aus der Straßenbahn M10 die ersten Grill-Nomaden aussteigen und mit Bierkiste auf einem Fahrrad-Hänger in den Park einmarschieren. Insbesondere am Wochenende fliegen die Brutzler ein wie die Heuschrecken. Mal abgesehen davon, dass nach kurzer Zeit der Rauch in den Baumwipfeln hängt und der Park oben aussieht wie nach einem Agent-Orange-Angriff, gleicht der Boden kurzerhand eher einer Müllhalde in Mumbai. Flaschen, Verpackung und Pappteller liegen überall herum. „Ach wie schön ist es doch im Grünen zu grillen. Da hat man gleich mehr Appetit“. Die Müllbehälter stehen zwar in Sichtweite, doch wer will schon wegen jedem Stück Alufolie die 100m zurück liegen. „Man kann ja erst einmal sammeln und den Müll später zu den Behältern bringen“. Versteht sich von selbst. Für mich. Für uns. Aber nicht für den Großteil der Grillen dort. Irgendwann lässt die Glut in dem Grill nach und die Bäuche sind voll. Es wird Zeit, noch etwas durch die nahen Clubs zu ziehen und das fettige Stück Fleisch abzutanzen. Da wären Grill und Kühltasche etwas hinderlich. Da das Grill-Equipment für wenige Euro überall und jederzeit zu haben ist, lassen sie einfach dort einfach stehen. Und da der Müllbehälter leider überhaupt nicht auf dem direkten Weg zur Straßenbahn liegt, bleibt auch der Müll an Ort und Stelle liegen. „Sollen sich doch die 1-Euro-Jobber am Montag darum kümmern“. „Um die Flaschen werden sich bestimmt ein paar arme Schweine kümmern. Da tut man ja indirekt ja noch was Gutes“. „Außerdem machen es alle anderen auf der Wiese ja genauso. Wer nun am nächsten Tag zum Joggen, Radfahren, Knutschen oder Meditieren in den Park kommt trifft auf diese Hinterlassenschaften. Reste vom Schweinekamm oder wahlweise auch Fisch, Scherben, Kronkorken und Verpackungen. Aufgrund der exzellenten Kost, haben sich die Ratten wahrscheinlich über Nacht verdoppelt. Was für ignorante Vollidioten sind das nur? Grillen im Grünen? Ich lach mich tot! Was hat man denen zu Hause beigebracht? Würden sie in Muttis Garten genauso wüten? Vermutlich nicht. Aber Mutti ist ja zum Grillfest auch nicht eingeladen. Das ist ja auch etwas ganz anderes.

7) Bürger-Service

Das Feld Politik und Kommune will ich bald wieder verlassen. Aber vorher möchte ich noch ein paar Aufregbarkeiten bearbeiten, wo Politik und Kommune ein paar Meter mehr auf Familien zugehen könnte. Mir geht es jetzt nicht um Geldleistungen oder materielle Förderung. Die Unterstützung von Familien kann auch ganz direkt funktionieren bei Dienstleistungen, die der Staat direkt in der Hand hat. Nehmen wir ein Beispiel: Will eine Familie ins Ausland reisen, benötigt sie in der Regel Reise-Pässe. Um diese zu beantragen, müssen alle Familienmitglieder zum Amt! Was ist das für ein Unsinn? Damit man die Fingerabdrücke der Kinder nehmen kann, um sie vorsorglich mit Terror-Akten abzugleichen? Und wenn man es ganz genau nehmen würde, müsste ich eigentlich 4 Wartemarken ziehen oder 4 separate Termine online vereinbaren, um alle Anliegen vorzubringen. Ich würde die Tür des Zimmers mit meinem Pass-Antrag verlassen und sofort wieder umdrehen, klopfen und den nächsten Antrag für eines meiner Kinder einreichen. Zusätzlich muss man die Kids gegebenenfalls tagsüber aus der Schule reißen oder nach der Schule zum Amt eilen, damit man bis 18:00 das Ganze abgeschlossen hat. Warum müssen bei solchen Formalitäten Kinder anwesend sein? Und wenn sie wirklich anwesend sein müssen, warum gibt es im Bürgeramt keinen bevorzugten Familien-Service sondern nur die üblichen Wartemarken? Wer je mit einem Kind im Wartesaal eines Amtes gewartet hat, weiß wovon ich spreche. Den Sachbearbeitern mache ich gar keinen Vorwurf, die finden meistens praktikable Lösungen. Mir geht es um die Sensibilität der Institutionen an sich und deren Ignoranz gegenüber Familien.

6) Nach grün kommt tot

Ein einschneidendes Erlebnis, ist schon länger her, passt aber wunderbar in die Schublade „Ignoranz“. An einem Sonntag unternahmen wir einen kurzen Spaziergang in den nahegelegenen Park. Dazu mussten wir, wie immer, eine 6-spurige Straße überqueren und die zwei Tram-Gleise in der Mitte. Das Vorhaben wird durch drei Ampeln geregelt – eigentlich überhaupt kein Problem. Wie warteten an der roten Fußgänger-Ampel und als nun endlich grün war, betrat meine Tochter ein paar Milli-Sekunden vor uns Eltern und Großeltern die Straße. Ich bestätige hier noch einmal, für uns war grün. In diesem Moment bretterte ein Auto über die Kreuzung. Es fehlten ungefähr noch 30 Zentimeter, dann hätten wir eine Anzeige in der Lokalzeitung schalten können. „Schulplatz unverhofft abzugeben, Kinderbett und Spielzeug gibt’s gratis dazu“. Rein rechtlich, hätten wir Eltern wahrscheinlich sogar noch unsere Aufsichtspflicht verletzt, weil wir den Übergang nicht abgesichert hatten. Tja, da kann man nichts machen. Lautes Veto! Politik und Verkehrslenkung kann mehr tun, als Verkehrsinseln und Tempo-30-Zonen zu bauen. Bei jedem Verkehrsvergehen gegen Kinder, sollte das Bußgeld verdreifacht werden. Das tut bestimmt weh und ich wette, dass ist effektiver. Diese Inseln bieten zwar Zuflucht, wenn die Kinder-Beine kürzer als der noch vor ihnen liegende Weg sind, es schützt aber kaum vor Voll-Idioten, die Gas und Bremse verwechseln und bei Dunkel-Rot über eine Kreuzung knallen. „Das kann doch mal passieren, es war ja vermutlich auch nicht mit Absicht des Auto-Fahrers geschehen, oder?“ Da habe ich so meine Zweifel! Warum ist er ohne anzuhalten einfach weitergefahren? Weil ja eben „nichts“ passiert war? Hätte er nicht anhalten können, um sich wenigsten mal zu entschuldigen? Hätte er denn gehalten, wenn meine Tochter nach einem dumpfen Knall durch die Luft geflogen wäre? Wäre das dann ein angemessener Grund, die eilige Fahrt zu unterbrechen? Nun, ja. Meine Tochter war zumindest zutiefst verunsichert, schließlich hatte sie alles richtig gemacht. Äußerlich war sie zwar nicht verletzt, aber das Ereignis wirkt nach. Traue nie einer Ampel.

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