114) Sanitär Wars: Die Klobürste schlägt zurück

In meinen letzten Beiträgen war ich ja eher innenpolitisch unterwegs. Nun muss aber mal wieder eine Widrigkeit des Alltags besprochen werden, denn die gibt es schließlich auch weiterhin. Reformen und Straße von Hormus hin oder her.

Heute geht es mal wieder um die Abteilung „Sanitär“. Die war durch meine frühreren Dienstreisen und Hotelaufenthalte schon oft ein Thema hier. Aber es kommen immer wieder neue Herausforderungen dazu. Man lernt eben nie aus.

Hotels haben den Nachteil, dass auf dem Porzellan schon viele Menschen unterwegs waren. Das ist im Prinzip nicht schlimm, wenn man ein paar Grundregeln einhält und sein Abendbrot nicht gerade auf dem Klodeckel verzehrt.

Es gibt aber Momente, in denen man nun einmal die Klobürste braucht. Die hängt häufig in einer Art Abtropfschale. Ist diese aus Glas oder Keramik, hat sie genug Eigengewicht und bleibt in der Halterung, wenn man die Bürste herauszieht. Alles gut.

Besteht sie allerdings aus Plastik oder leichtem Alu, hebt man dummerweise relativ oft gleich den ganzen Becher mit an. Möglicherweise wurde die Bürste irgendwann auch nachgerüstet und passt nicht mehr hundertprozentig in die Tropfschale.

Dann hat man im Prinzip zwei Möglichkeiten:

A) Man befreit die Bürste nachträglich und steht anschließend mit diesem blöden Plastikbecher in der Hand da. Unpraktisch

B) Man geht in die Knie, beugt sich zur Schale hinunter, hält den Plastikbecher fest und zieht dann die Bürste heraus.

Letzteres sollte man allerdings nur (!) dann tun, wenn man sicher weiß, dass sich im Plastikbecher kein Restwasser gesammelt hat. Denn dann schnellen die nassen Borsten zurück und transportieren Hunderte kleiner Tropfen mitten ins Gesicht. Lecker. 

Dann kann man erst mal duschen gehen.

Lesson learned: Man kann die Vorgehensweise nach Variante B) durchaus weiterentwickeln. Dann aber vielleicht lieber versuchen, den Becher mit der Schuhsohle zu fixieren.

779) Zwischen VoiceOver und Notruf

Vilnius, Sonntag 08:30 Uhr

Ich sitze in meinem Apartment in Vilnius, frühstücke und höre über das Handy etwas Radio aus Berlin.

Bei einem Song baut sich ein latentes Quietschen auf, das mir gehörig auf den Zeiger geht. Also will ich die Lautstärke reduzieren und drücke auf den Seitentasten des Telefons herum.

Blöderweise auf der falschen Seite.

Dadurch aktiviere ich den VoiceOver-Modus. Der ist für Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen gedacht. Jedes Element und jeder Knopf auf dem Bildschirm wird vorgelesen und die Bedienung des Smartphones ermöglicht. Eigentlich eine tolle Erfindung.

Das ist mir schon mehrmals passiert. Kein Drama. Man muss nur herausfinden, wie man den Modus wieder abschaltet.

Da kam ich aber ins Grübeln.War das dreimal drücken oder sogar viermal? Egal. Hauptsache drücken.

Blöderweise habe ich fünfmal gedrückt.

Was … dann … den … Notruf bei der hiesigen 112 auslöste.

Es folgte ein Countdown, und ich hätte den Notruf sogar noch abbrechen können. Allerdings war ich ja noch im VoiceOver-Modus gefangen. Die Tasten reagierten nicht wie gewohnt. Ein einfaches Tippen markiert nur ein Element. Um etwas auszuwählen oder zu bestätigen, muss man doppelt tippen. (Was ich jetzt weiß.)

Also wählte das Telefon den litauischen Notruf.

Tuuuut. Tuuuut.

Ich geriet in Panik. Die Hände begannen zu zittern. Das Telefon ließ sich nicht einmal ausschalten. Früher, im letzten Jahrtausend, konnte man einfach den Akku herausnehmen und das Gerät damit lahmlegen.

Stattdessen hatte ich plötzlich eine freundliche Dame am Telefon, der ich auf Englisch zurief, dass mein Handy gerade seltsame Dinge tut. Ich konnte die Dame natürlich nicht sehen, aber ich vermute, ihre Augen rollten sich langsam nach oben.

Gleichzeitig wurden sämtliche Notfallkontakte in Berlin aus dem Bett gerissen. Notrufe an Notfallkontakte werden nämlich auch im Nicht-stören-Modus mit besonders lautem Klingelton durchgestellt.

In Berlin war es wegen der Zeitverschiebung erst 7:30 Uhr.

Nun ja. Da hatten sie plötzlich mehr vom Tag.

Und wir wissen immerhin, dass die Technik funktioniert.

Im Nachgang habe ich etwas recherchiert und die Funktion „dreimal drücken für VoiceOver“ deaktiviert.

Das „fünfmal drücken für den Notruf“ habe ich dagegen aktiv gelassen. Kann ja nicht schaden.

Und irgendwie ist es auch praktisch, wenn man mal spontan mit allen Lieben zu Hause gleichzeitig sprechen möchte.

Meine Güte.

Voice Over … and out.