776) Suche Tele-Haushälter m/w/d

Es ist schon beachtlich und faszinierend, was humanoide Roboter wie Atlas, G1, Optimus & Co. inzwischen draufhaben. Sie bewegen sich durch schwieriges Gelände, heben Lasten, schlagen Saltos und absolvieren sogar einen Halbmarathon. Künftig sollen diese Maschinen in Fabrikhallen arbeiten oder bei Katastropheneinsätzen helfen. Letzteres klingt noch halbwegs vernünftig. Dass sie uns irgendwann vielleicht auch den Hintern abwischen werden, scheint ebenfalls denkbar. Und dass sie eines Tages Waffen tragen könnten, liegt leider genauso nahe. „Dual Use“ gilt eben auch für diese Technologie.

Schade finde ich, dass dieser ganze Hightech-Fortschritt die privaten Anwendungsbereiche scheinbar links liegen lässt. Für den Haushalt waren die letzten großen Innovationen die Saug-, Wisch- und Mähroboter. Und selbst die stellen sich oft erstaunlich dämlich an.

Ansonsten hantieren wir im Jahr 2027 immer noch mit Wasch- und Geschirrspülmaschinenkonzepten, die im Kern aus den 1960er-Jahren stammen. Klar, Wasserverbrauch, Energieeffizienz und Lautstärke wurden verbessert. WLAN haben die Geräte inzwischen auch. Aber warum müssen wir immer noch klamme Wäsche aus der Trommel ziehen und Sockenpaare zusammensuchen?

Wo sind die Roboter, die das Geschirr aus der Spülmaschine nehmen und in die Küchenschränke einsortieren? Wo sind die Maschinen, die das Auto von innen reinigen? Oder den Grillrost und die käseverkrustete Auflaufform schrubben? Oder den Müll sortieren und fachgerecht entsorgen? Oder auf einen Hocker steigen, um dem Rauchmelder eine neue Batterie zu verpassen? Oder die Balkonpflanzen gießen? Oder … oder … oder.

Die Maschinen machen es sich ganz schön bequem. Sie übernehmen die einfachsten Arbeitsschritte und überlassen uns den ganzen Rest, den sie nicht auf die Reihe kriegen. Dabei wäre genau das doch die eigentliche Hilfe im Alltag.

Warum ist das nicht möglich? Nun, das Innere privater Haushalte ist schlicht zu komplex. Jeder Mensch lebt anders, jeder räumt anders auf, und überall lauern unvorhersehbare Hindernisse. Das kann ich bestätigen. Ein Atlas würde vermutlich schon an der ersten herumliegenden Socke scheitern, ausrutschen und anschließend wie ein hilfloser Käfer auf dem Rücken liegen.

Und weil die Robotikbranche das natürlich weiß, denkt man bereits über andere Modelle nach. Denkbar wären Roboter, die zwar bei uns zu Hause herumfahren, aber nicht wirklich autonom arbeiten. Stattdessen werden sie aus der Ferne gesteuert. Ganz kostengünstig von einem „Arjun“ im fernen Kalkutta.

Ein Tele-Haushälter quasi … wartet mal ab …

PS: Titelbild via KI, womit sonst

723) Besinnungsloses Couch-Einkommen

Der hochbezahlte Amazon-Chef hat mal wieder etwas zu KI und der Auswirkung auf die Arbeit gesagt: Hier ein Abriss auf Spanisch (https://www.eleconomista.es/) und hier auf Deutsch (https://www.msn.com)

Beide sagen aber im Prinzip in Kurzform:

„Routine- und Ausführungsaufgaben sind gefährdet, aber menschengemachte Kreativität und Erfindungsgeist bleiben unersetzlich.“

Also, um so ein flaches Ding rauszuhauen, da muss man kein Multi-Milliardär sein, da hätte ich auch noch hingekriegt.

Natürlich hat er recht, dass KI deutliche Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt haben wird. Ganze Berufe oder Tätigkeitsfelder werden ersetzt, da besteht gar kein Zweifel. Aber das ist auch nicht gleich morgen der Fall und ganz so neu ist das dann auch alles wieder nicht. Gezielte Automatisierung, besonders in der (Serien-)Fertigung, gibt’s seit Jahrzehnten schon, natürlich wird heute kein Auto mehr per Hand aus einem Stück gemeißelt, das machen Roboter, mit viel besserer Qualität und höherer Stückzahl. Und standen die Kfz-Schlosser am nächsten Tag alle beim Arbeitsamt? Nein, weil das ein Prozess ist, der sich hinzieht und im besten Fall geht er synchron mit dem Ausscheiden älterer Arbeitnehmer einher. In Büro’s gab es auch schon immer Automatisierung, seit Erfindung der ersten Großrechner oder PCs erledigt Software repetitive Tätigkeiten. Niemand wird diese Errungenschaften ernsthaft zurück drehen wollen.

Die generative KI, die nun auf der Matte steht, ist dahingehend besonders, weil sie einen extremen Wissensschatz hat, sehr wortgewandt ist und eigene Lösungsstrategien entwickeln kann. Und auch die Robotik wird lern-und selbständiger und macht erste Schritte auf unbekanntem und chaotischem Terrain. Ihr könnt ja in der Suchmaschine des Vertrauens mal nach „Unitree* Roboter“ suchen

Damit steigen die Chancen, nach Fensterputz-und Saugrobotern und auch endlich einen Socken-Robo, Geschirrpül-Bot und Bügel-Assistant zu bekommen. Dann gibts nur noch was für die Kreativen zu tun, der ganze Rest  kriegen endlich das Grundeinkommen und kann sich den ganzen Tag durch die Shopping-Portale klicken.

PS1: Unitree Robotics ist eine Roboter-Firma. Ich kriege keine Geld von denen oder stehe in irgendeiner Beziehung zu dem Laden. Zumindest noch nicht …

PS2: Titelbild via ChatGPT

15) Labile Roboter

In der Robotik beschäftigt man sich mittlerweile auch damit, den Maschinen menschliche Züge zu verpassen. Dabei geht es um das reine Aussehen, aber auch um Bewegungsabläufe und die Mimik der künstlichen Wesen. Und dann gibt es da noch die emotionale Komponente, also Empathie, Ethik und auch verschiedene Stimmungslagen, die Roboter irgendwann beherrschen sollen. Wenn ich mir unseren Saug-Roboter so anschaue, sieht der zwar immer noch aus wie R2-D2 in platt, aber Stimmungsschwankungen hat der heute schon, wie ein Mädel in der Pubertät. Sorry, dafür. An guten Tagen rollt er zielstrebig durch die Wohnung und bearbeitet jede Fläche mit Leidenschaft. Man könnte meinen, eine Eiskunstläuferin dreht elegant ihre Runden im Wohnzimmer, so schön und akkurat ist das anzusehen. Das Ergebnis bestätigt die Investition. In der Familie heißt er dann liebevoll „Robi“. An manchen Tagen allerdings, scheint er in ein Stimmungs-und Leistungstief zu fallen. Kurz nach dem Abdocken von der Basis-Station, reißt er dann die Kabel der Station mit sich und wickelt sich damit ein. Danach fährt er völlig planlos größer werdende Kreise, bis er endlich eine Wand berührt, die ihm wieder etwas Orientierung verschafft. An solchen düsteren Tagen, steuert er auch gern die Fläche unter dem Küchentisch an, bis er zwischen all den Stuhlbeinen fasst die Kraft verliert. Bloß gut, dass wir keine Treppen in der Wohnung haben, sonst müsste ich mir Sorgen machen, dass er sich da hinunterstürzt. Ich würde ihn dann am liebsten unter die Höhen-Sonne legen, damit er sich wieder fängt und aus seiner Robo-Depression herauskommt. Wenn er mir dann noch ständig hinterherkommt und zwischen die Füße fährt ist Schluss mit “Robi“. Dann werde ich laut: „Du Scheiß-Roboter, siehst du denn nicht, dass ich hier stehe. Fahr’ doch woanders lang, Platz ist doch genug“! Wenn er dann schon nach 45 Minuten zurück zur Station fährt und mit einer Fanfare vermeldet, dass er „fertig“ ist, schicke ich ihn zur Strafe gleich wieder los. Reiss dich zusammen mein Freundchen! Wenn wir hier alle so arbeiten würden, dann könnten wir gleich dicht machen! Vielleicht sollte ich hier im Kiez mal nach einem Coaching-Laden für Roboter Ausschau halten?

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