327) Die kriegs‘t du nich‘ Alter

Gestern war Energie-und Wirtschaftsminister Robert Habeck im Interview beim Heute Journal und hat mir zu später Stund‘ dann doch noch einen Schenkelklopfer beschert.

Zunächst sprach er über die aktuellen Verknappungen und Maßnahmen im Energiebereich. Inhaltlich will ich da gar nicht weiter drauf eingehen, könnt ihr euch ja selber anschauen.

https://www.zdf.de/nachrichten/heute-journal/habeck-schmerzhafte-entscheidungen-100.html

Zum Ende bekommt er die Frage gestellt, ob man das Energie-Sparen im Privatbereich über eine Energiesparprämie anreizen könne. Geld vom Staat weil man Energie spart? What? Prompt sitze ich aufrecht.

Habeck argumentiert sachlich, dass die aktuell hohen Preise doch schon Anreiz genug zum Sparen seien.

Und dann später

… dass er nicht in einem Land leben will wo man sich nur noch bewege, wenn es Geld dafür gibt …

noch etwas später mit Augenrollen

… „und wenn dann jemand sagt, ich helfe nur, wenn ich noch mal 50 Euro kriege, dann würde ich sagen … die kriegst du nich‘ Alter.“

Hah! Großartig. You made my day Robert.

Nun kann man drüber diskutieren, ob die Wortwahl nun so passend für einen Bundesminister ist, aber ich fand’s super. Wirklich.

Es zeigt, wie angespannt die Lage ist und wie angenervt man sein kann, von einer Anpruchs-und Nehmerkultur, die hier eingezogen ist. 

288) Von Brennglas und Beschleunigung

Keine Sorge, ich werde nicht aus dem Physikbuch zitieren

Mir geht es heute um einschneidende Ereignisse der letzten Jahre, wo dann immer ein magisches „Brennglas“ zum Einsatz kam, um eklatante Missstände sichtbar zu machen. Dann folgten auf einmal erstaunliche Entscheidungen, Kehrtwenden und Beschleunigungen, die es eigentlich auch ohne dieses ominöse Brennglas hätte geben können.

Ausgewählte Beispiele:

  • Vor Japan bebt die Erde, ein AKW geht in Flammen auf. Es braucht gar kein Brennglas mehr, denn das ist ja schon vor Ort. Quasi über Nacht verkündet unsere Regierung den Ausstieg aus der Atomenergie. Eine richtige Entscheidung, auch wenn die noch nicht ganz zu Ende gedacht ist.
  • Flüchtende Menschen ertrinken im Mittelmeer, sie ersticken in Lastwagen oder hausen in Lagern entlang der EU-Außengrenzen. Ein toter Junge wird an den Strand gespült, eine Kameralinse fängt den Moment ein. Manche Länder ringen sich durch, beschleunigen die Aufnahme von flüchtenden Menschen, andere Staaten schalten eher auf Durchzug oder „pushen“ hilfesuchende Menschen zurück. Das nächste Brennglas wird aus der Tasche gezogen. Es zeigt, wie unentschlossen und selbstsüchtig es in der EU doch zugehen kann. Kein gutes Omen beim Blick auf kommende Herausforderungen.
  • Waldbrände, Naturkatastrophen und düstere Klimaprognosen richten das Brennglas auf jahrelange Versäumnisse in der Klimapolitik. Immerhin kapieren wir, dass wir nicht nur das Klima unserer Kinder und Kindeskinder versauen, sondern auch unser eigenes. Wir verstehen, dass wir mittlerweile 90 bis 100 Jahre alt werden können und auch als Hochbetagte noch etwas von dem Schlamassel haben werden. Also klotzen wir Windräder in die Landschaft und erzeugen immer mehr Strom mit Sonnenlicht. Wer hätte das mal gedacht.
  • Ein neuer Virus hält uns in Atem. Er richtet gleich mehrere Brenngläser auf prekär bezahlte Jobs, auf verschleppte Digitalisierung, ein klappriges Bildungssystem und die mangelnde Geschwindigkeit bei der Umsetzung von Maßnahmen. Es führt uns vor Augen, dass wir abhängig von asiatischen Fabriken sind, es zeigt wie schnell Mitmenschen die Ellbogen anspitzen wenn das Papier für den eigenen Arsch knapp wird. Uns es bringt uns zum Nachdenken, ob wir als „Exportweltmeister“, als „Land der Dichter und Denker“, als „Technologieführer“ an vielen Stellen nicht doch ziemlich mittelmäßig unterwegs sind.
  • Und nun noch ein Angriffskrieg in Europa. Gar nicht weit weg von hier. Die nächsten Brenngläser werden aus der Tasche gezogen und wir entdecken „völlig neue“ Sachlagen. Auf einmal sind wir abhängig von russischem Gas, die Bundeswehr ist in fragwürdigem Zustand und das ukrainische Lwiw und das weißrussische Brest sind gerade mal 8-9 Autostunden von hier. Ach nee. Schluck. „Kompanieeeeee …. kehrt!“ 100 Milliarden EUR Sonderbudget für die Bundeswehr, jährlicher Wehretat von mindestens 2% des BIP, nochmalige Beschleunigung bei den erneuerbaren Energien, um die Abhängigkeit vom Gas zu reduzieren. Die EU handelt geeint, bei den Sanktionen gegenüber dem Kriegstreiber Putin und der Aufnahme von flüchtenden Ukrainern. Da geht es auf einmal.

Es ist schon erstaunlich, wie schnell Entscheidungen fallen können, wenn die Kacke mal so richtig am Dampfen ist. Ich würde mir wünschen, dass wir andere Herausforderungen genauso finanzkräftig unterstützen. Aber eher selbstbewusst und weitsichtig, aus eigenem Antrieb, weniger als Reaktion aufs Weltgeschehen. Die Schule der Tochter ist zum Beispiel seit 20.02.2022 gesperrt. Ein Sturmtief hat die alten Dachziegel abgeräumt, aufs Klo wollen die Schüler da schon lange nicht mehr gehen, deshalb trinken sie weniger. Die letzte grundlegende Sanierungsmaßnahme erlebte das Haus in den frühen 50-er Jahren, als Folge der Zerstörung Berlins.

Kriegen wir das vielleicht etwas eher, und im besten Falle auch ohne Katastrophe, hin?

Schönen Sonntag.

284) Vom Rüsten

Schreibt einen Brief an Reagan
Ganze Klasse, sie schreiben alle
Geht um Pershing, um Cruise Missile
Frieden schaffen, ohne Waffen!

Muss zum Winken, alle winken
Im Oktober marschiert die NVA
Panzer auf der Karl-Marx-Allee
Raketen auf‘m Strausberger Platz

Winkt wieder, Gorbi in der Stadt
Mauer niedergerissen
Ceaușescu erschossen
Zeichen auf Entspannung

Steht vor der US-Botschaft
Geht um Öl, um Kuwait und Irak
Jugoslawen kommen in den Kiez
Ihm egal, hat anderes im Kopf

Soll nun zum Bund, ran an die Waffe
Alle müssen da hin, gehört sich so
Verweigert es, macht was anderes
Keine Waffen, keine Waffen!

Sieht Europa, wächst gen Osten
Neue Sterne auf blauem Grund
Grenzen fallen, Schranken öffnen
Es sieht gut aus, da kann was werden!

Liebe Leser,
Klingt alles etwas wirr und reimt sich nicht, ich weiß. Aber genau so ist es.
Man spricht nun wieder über Truppenstärken, Waffensysteme und Deutsche Infanterie. Mehr Geld soll in die Rüstung fließen, ein „Paradigmenwechsel in der deutsche Außen-und Sicherheitspolitik“.

Ich hatte gehofft, wir würden endlich etwas Anderes diskutieren können.