3) Handy-Nacken und Ampel-Mann

Beobachtet man andere Menschen in Bus, Bahn oder Flieger, könnte man meinen, sie beten oder meditieren. Alle schweigen und schauen die ganze Zeit nach unten an sich herab. Auch Freunde oder Kollegen, die sich gegenüber sitzen, machen das häufig. Statt miteinander zu reden, blicken sie nach unten. Selbst ganze Familien folgen diesem Trend. Auch am Pool oder auf dem Kreuzfahrtschiff. Man muss bei dieser Form von Gebet oder Meditation anscheinend auch gar nicht mehr inne halten. Nicht mehr still sitzen und die Augen schließen. Man darf es sogar beim Laufen tun! Auf dem Fußweg, in öffentlichen Gebäuden oder gar auf der Kreuzung. Egal wie und wo. Wer hat denn da bloß so viel Missionsarbeit geleistet? Beim genauen Hinschauen waren es wohl Konzerne aus USA, Südkorea und China, die den Menschen viele Millionen von Smartphones vom Himmel geschickt haben. Auf den Smartphones laufen dann zig Apps, also kleine mehr oder weniger nützliche Progrämmchen, die das Leben vereinfachen oder auch vom Leben abhalten. Je nach dem, welche man nutzt. Befragt man die gängige Suchmaschine um einen Hinweis zu der neuen Körperhaltung, bekommt man schnell den Begriff „Handy-Nacken“ angezeigt, mit dem Ärzte vor den gesundheitlichen Folgen am oberen Ende der Wirbelsäule warnen und diverse Übungen zur Vorbeugung anbieten. Verkehrssicherheitsexperten schreiben von erhöhten Unfallzahlen, weil die Fußgänger nur noch aufs Handy schauen, statt nach vorn in das Verkehrsgeschehen hinein. Meine Tochter sagte neulich, es gäbe mittlerweile schon Städte, die versuchsweise Ampeln in den Boden einlassen, damit man sie beim Blick aufs Smartphone besser sieht.

Gute Idee eigentlich, aber ist das nicht schon wieder absolut analog gedacht? Mit Lichtern im Boden begegnet man doch nicht der Digitalisierung, oder? Das schafft zwar neue Arbeitsplätze und Umsätze für die Firmen, die das produzieren und einbauen. Aber ist das digital? Nein.

Wäre der konsequente Schritt nicht, all die herkömmlichen Ampeln abzuschaffen und komplett in das Handy zu integrieren? Wenn alle Autofahrer und Fußgänger eh permanent mit den Geräten herumhantieren, warum leuchtet das Gerät nicht einfach rot, wenn man stehen bleiben soll und grün, wenn man wieder gehen darf? Jeder hätte im Prinzip seine eigene Ampel „zum mitnehmen“, über Ortungsdienste weiß die Ampel-App die eigene Position und kann grünes oder rotes Licht geben. In weiteren Ausbaustufen fallen mir bei der Gelegenheit auch noch zusätzliche kostenpflichtige Addons ein, mit denen ich dann endlich Millionär werde.

Mit Diversity-plus können sich die Nutzer ihr eigenes Ampel-Männchen designen. Auf der Ampel kann nun auch mal eine Frau symbolisiert sein oder eben auch „ein/e diverse/r“. Soll sich niemand zurückgesetzt fühlen. Nicht auf diesem Blog hier! Auch Hautfarbe, Body Mass Index und andere „Properties“ kann man mit einem Schiebe-Regler anpassen, gar keine Frage.

Mit Avatar-plus lässt sich der Charakter aus der heimischen Spielkonsole direkt mit dem Ampel-Wesen synchronisieren. Auch andere Mii‘s aus dem Netzwerk können somit wahlweise auf die Ampel gebracht werden. Man kann die Wesen und ihren Service danach auch „sharen“, „liken“ oder mit Sternen bewerten.

Mit Travel-plus bekommt man nach Grenzübertritt das lokale Ampel-System per Update aufs Smartphone gespielt und schon ist man einsatzbereit. Es kann nichts mehr schief gehen. Man muss nur den Blick aufs Gerät halten, alle äußeren Eindrücke am besten ignorieren. Die bringen einen nur durcheinander und lenken vom wirklich wichtigen Verkehrsgeschehen ab.

Mit Germania-plus kann sich der  Deutsche Tourist das lokale Ampel-System einfach zurück in den „StVO-Standard“ übersetzen lassen. Egal ob es im Ausland also nun piept, gongt, bimmelt oder einen countdown in der Ampel gibt, für die Deutschen gibts auf dem Handy nur „rot“ oder grün“. Wie zu Hause auf dem Weg zum Büdchen.

Mit Zebra-plus, das teuerste unter allen Addons, lassen sich sogar Ampeln und Zebra-Streifen auf Handys generieren, wo es noch nie zuvor eine konventionelle Ampel gab oder sich jemand dran gehalten hätte. Man stelle sich vor, man läuft quer über über den Kreisel rüber zum Arc de Triomphe in Paris oder über den Connaught Place in Neu Delhi und die Autos halten alle an. Ich meine wirklich alle.

Aber wer weiß schon wie dass alles mal kommt. Vielleicht bleiben die Menschen künftig einfach zu Hause auf der Couch und bestellen Pizza und Bier online. Den Kreuzfahrt-Urlaub kann man sich doch bestimmt auch schon irgendwo herunterladen. Das wäre auch besser für die Umwelt, bei der Gelegenheit. 

Aber was ist dann mit meiner Ampel-Idee für die Fußgänger? Mhm…ich könnte die etwas umbauen und biete sie mal der Auto-Industrie an. Dann werde ich vielleicht sogar Multi-Millionär.

Frühere Beiträge zu Smartphone und Ampel:

32) Gelb macht aggressiv

Gelbe Linien im Straßenverkehr heben temporär die normalen weißen Linien auf. Das ist allgemein bekannt und in bestimmten Situationen macht das auch Sinn. Begründet ist das im §39 der StVO, der sich aber nicht zur Menge des zu verwendenden Materials äußert und auch nicht zu Art und Weise, wie das gelbe Zeugs zu verwenden ist. Das Straßenbau-Amt in Berlin scheint selber Großaktionär bei der Firma zu sein, die diese gelben Rollen herstellt. In Berlin da wird nicht gekleckert, da wird richtig geklotzt…ähhh…geklebt. Sogar einzelne kurze weiße Streifen werden sorgfältig mit einem preußisch akkuraten Kreuz überklebt. Auch Pfeile, Sonderzeichen und Haltelinien werden hübsch mit gelb verziert.

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Und da die Stadt Berlin in ihrem Fahrrad-Wahn derzeit massenhaft Radwege auf die Straßen malt (siehe hier), werden nun auch diese Rad-Spuren temporär mit gelber Farbe in neue Bahnen gelenkt.

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Meine Tochter sagte heute dazu: „Auf Korfu, da wo wir im Urlaub waren, da haben die noch nicht mal weiße Streifen auf der Straße“. Dem braucht man eigentlich nichts hinzufügen.

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Außer vielleicht doch noch ein paar Recherche-Ergebnisse, die ich über die gewöhnliche Suchmaschine gefunden habe.

  • 100 m Fahrbahnmarkierungsfolie, 120 mm breit = 265,90 EUR
  • 1 Folienandruckrolle für kurze Strecken = 98 EUR
  • 1 Folienverlegesystem für längere Wege = 1.720 EUR

Natürlich alles ohne Projektierung, Ausschreibung, Arbeitsleistung, Abnahme, späterer Entfernung und fachgerechter Entsorgung.

Die haben doch einen Knall!

Tippe ich in dieselbe Suchmaschine  „gelb macht…“ ein, bekomme ich die ersten zwei wie folgt:

  • Gelb macht glücklich
  • Gelb macht aggressiv

In dem Sinne…

29) Dieselfahrverbote

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht über die schlimmen Diesel-Autos berichtet wird. Da wir einen zehn Jahre alten Diesel fahren, beobachte ich die aktuellen Entwicklungen genau. Unser Auto wird in der Schadstoff-Klasse Euro 3 geführt. Also noch unter dem Standard, der aktuell im Rahmen der Diesel-Tricksereien diskutiert wird. Trotzdem hat mein Auto damals eine grüne Plakette an die Windschutzscheibe geklebt bekommen, mit der ich berechtigt bin, in die Innenstadtzone zu fahren. Das ist uns wichtig, denn dort wohnen wir. Das Auto steht aber häufig in der Garage, viele Wege erledigen wir zu Fuß oder nutzen dafür Bus und Bahn. Das ist unser Beitrag zum Umweltschutz, die Kids sollen sich auch gleich daran gewöhnen. Bei den jüngsten Diskussionen zu Fahrverboten geht es aber nicht mehr um den Umweltschutz, sondern um die gesundheitsschädlichen Emissionen unseres Diesels. Kurz und drastisch gesagt: Wir tun vielleicht Gutes für die Umwelt, aber ansonsten bringen wir Menschen um. Wissentlich. Vor ein paar Monaten kam dann die Diskussion möglicher Fahrverbote auf. Da ging es aber noch um die eh schon schwer belasteten Städte. Ein mögliches Fahrverbot in Stuttgart ging mir zunächst am Auspuff vorbei. Vielleicht auch etwas egoistisch von mir gedacht, mag sein. Dann ergaben sich die ersten Einschränkungen in Berlin. Die viel befahrene Leipziger Straße wurde kurzerhand zur „Tempo 30 Strecke“ erklärt. Unter die Tempo 30-Schilder wurden zusätzlicher Schilder mit der Aufschrift „Luftreinhaltung“ gehängt. Schon das ist eigentlich absurd, denn die Luft ist doch, denke ich, gar nicht mehr rein. Deshalb wurde die Maßnahme ja veranlasst. Was gibt es da also noch „reinzuhalten“? Eigentlich müsste auf dem Schild so etwas wie „Reinluft-Zurückerlangung“ oder „Aktuelle-Luftqualität-Erhaltung“ stehen. Aber das mag Wortklauberei sein. Viel realer sind aber die Effekte daraus. Da wo die Autos früher mit 60 KM/h im vierten Gang durchrollten, stauen sie sich nun und pusten vermutlich mit 40 KM/h im dritten Gang viel mehr Dreck in die Leipziger Straße. Die Zeit, die ein Diesel nun in dieser Straße verbringt, ist noch länger geworden. Aber diese Maßnahme war zunächst nur eine Einzellösung, mit der wir gut leben konnten. Vor einigen Wochen kam aber wieder Bewegung in die Diskussion. In den Medien hörten wir von abschnittsweiser Sperrung einzelner Straßen oder gar von Sperrung der kompletten Innenstadtzone. Bei der abschnittsweisen Sperrung, kann sich jeder ausmalen wo das hinführt. Entsprechende Auto-Fahrer nehmen die Nebenstraßen. Damit die aber nicht genauso verschmutzt werden, wird man die vermutlich auch gleich mit sperren. Wir werden also einen Schilderwald erleben und indirekt entstehen eben doch ganze Sperr-Zonen, auch wenn die Politik das aktuell noch verneint. Bei Sperrung der Innenstadtzone, hätten wir ein echtes Problem, denn die ist verdammt groß. Ist das nun auch schon wieder egoistisch von mir gedacht? Nein! Viel egoistischer finde ich, dass sich Politik, Umweltverbände und Fahrzeughersteller dieser Diskussion entledigen, in dem sie Fahrzeuge, die funktionstüchtig und von Wert sind, von der Straße verbannen. Außer Neukauf steht aktuell nichts zur Wahl. Aber allein von meinem schlechten Gewissen und von meinem innigen Wunsch, keinen Menschen mit meinen Auto-Abgasen zu vergiften, kann ich mir aber noch kein neues Auto kaufen. Will ich auch gar nicht. Das Auto ist auf unsere Familie zugeschnitten, es hat erst 150.000 km runter und wird sicherlich noch einmal die selbe Strecke fahren können. Weiterhin sehe ich nicht ein, wieso mein Auto, was oft in der Garage steht, genauso behandelt wird wie ein großer Stinker, der täglich in der Stadt unterwegs ist. Wenn der Diesel-Treibstoff doch wirklich so gefährlich ist, dann soll man doch die Sprit-Steuern für den Diesel deutlich erhöhen. Damit trifft man dann wenigstens alle Diesel-Autos. Man würde damit auch die individuelle Fahrleistung berücksichtigen und eben schrittweise alle Diesel von der Straße kriegen. Man bräuchte auch keine teuren Nachrüstungen mehr. Von mir aus, damit kann ich leben. Wenn man es schneller will, dann müssen den Herstellern halt vernünftige Tauschangebote abgerungen werden. Dann aber bitte nicht nur nach dem Schema „Alter Diesel gegen neuen fetteren SUV“, sondern etwas nachhaltiger. Warum nicht „Alter Diesel gegen kürzeren Benziner mit 25% weniger Leistung“. Da würde ich ja ernsthaft drüber nachdenken.

Frühere Beiträge zum Thema Straßenverkehr:

 

18) Tankloch

Mein Auto fahre ich nun schon seit über 10 Jahren. Trotzdem frage ich mich doch häufig, auf welcher Seite meines Autos sich das Tankloch befindet. Immer wenn ich tanken muss und dann langsam auf die ersten Tanksäulen zurolle, versuche ich mir meine eigene Eselsbrücke ins Gedächtnis zu rufen. War es „Fahrerseite“ oder „Beifahrerseite“. Mhm, beide Eselsbrücken machen irgendwie Sinn. Ich möchte aber nicht aussteigen und mir vor laufender Sicherheitskamera die Blöße geben, nach dem Tankloch zu suchen. Manchmal wird mir die Entscheidung aber abgenommen und zwar dann, wenn es nur eine freie Säule gibt, die den Stoff für unser Auto hat. Häufig steht die Säule dann aber auf der falschen Seite. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als die Pistole mit 3 Meter Schlauch über das Auto-Dach zu zerren. Wenigstens lässt sich der Tankdeckel bei unserem Auto noch mit einem leichten „Push“ öffnen. Beim Betanken moderner Mietwagen jedoch, kann jetzt schon mal schnell Ratlosigkeit eintreten. Man steht vor dem Tankloch, hat die Pistole schussbereit in der Hand und bekommt aber den Tankdeckel nicht auf. Irgendwo in den Tiefen des Fahrer-Fußraums ist vermutlich ein kleiner Schalter verbaut. Also wickelt man den Schlauch wieder zurück übers Dach und steckt die Pistole wieder in die Säule. Dann gilt es, den Kipp-Schalter im Auto zu suchen, um dann das ganze Manöver wieder von vorn anzugehen. Welcher Designer hat sich diesen Unsinn einfallen lassen? Wenn ich bei google „tank welche Seite“ eingebe, kriege ich 71.300.000 (!) Treffer, die sich damit beschäftigen. Beim Geo-Magazin finde ich aber einen vielversprechenden Tipp, wie man vom Inneren des Wagens auf die richtige Tankloch-Seite schließen kann.

https://www.geo.de/wissen/15744-rtkl-endlich-verstehen-so-erkennen-sie-auf-welcher-seite-der-tankdeckel-ist

Mal sehen, ob ich mich dann beim nächsten Mal daran erinnere.

Frühere Beiträge zum Thema Auto:

23) Fahrrad-Spuren

Habe ich doch kürzlich erst übers Bike-Sharing geschrieben, muss ich schon wieder an das Thema „Radfahren“ ran. Man könnte meinen, ich habe etwas gegen Radler. Habe ich aber gar nicht. Ab und zu fahre ich auch Rad und bin dabei eigentlich ganz gut klargekommen. Autofahrer und Radler können herrlich aufeinander losgehen und sich gegenseitig verteufeln.  Da will ich mich gar nicht beteiligen, aber hier geschieht gerade etwas, was mich nicht in Ruhe lässt. Ich gehe auch soweit, das Thema schon jetzt als „Wahnsinn“ zu klassifizieren, noch bevor der Artikel hier endet. Was ist geschehen? In den letzten Wochen, haben Straßenbau-Kommandos hier komplette Fahrspuren mittels weißer Farbe zu Rad-Spuren erklärt. Es ist aber noch dieselbe Straße, die die Radler dann befahren. Es ist noch derselbe rechte Rand, den sie schon vorher befuhren. Das Einzige was nun anders ist, ist ein weißer Streifen und eine fehlende Spur für die Autos. Diese Streifen sind auch nicht baulich abgesetzt, was ja vielleicht zu mehr Schutz der Radler führen würde. Nein, die Sicherheit wird nun durch einen 10 cm weißen „Farbaufstrich“ gewährleistet. Selbst auf kleinen Kreuzungen hier in der Nachbarschaft, findet man nun weiß „gemalte“ Radwege und sogar Haltelinien für Radler. Aber nicht in den Straßen vor oder nach der Kreuzung. Nein, nur auf der Kreuzung. Ich frage mich, was das alles soll. Wem hilft das? Das ist eine große Leistung und ein bedeutender Schritt in Erfüllung von Quoten! In der Presse wurde die Maßnahme als Teil des „Mobilitätskonzepts“ diskutiert. Vermutlich habe ich im letzten Wahlkampf nicht genau zugehört, aber ich hoffe, dass in diesem „Konzept“ noch etwas mehr steckt, als durch Raumverknappung und Frontenbildung die Stimmung unter den Verkehrsteilnehmern weiter anzuheizen.

Ein paar Fragen bleiben unbeantwortet:

  • Wer wird diese Streifen denn im Winter nutzen, wenn die Räder in den Kellern stehen? Hundeschlitten oder Biathleten vielleicht?
  • Werden die Streifen dann auch von Schnee befreit, damit man die weißen Linien weiterhin sieht?
  • Warum habe ich nicht vor Jahren in Aktien von Firmen investiert, die Straßenfarbe herstellen?

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22) Bikesharing

Der hier nun nachfolgend beschriebene Trend in unserer Stadt basiert gleich auf zwei egoistischen Fundamenten. Zunächst begann alles mit Bikesharing-Anbietern, die ihre Fahrräder an entsprechenden Stationen, quer im Stadtgebiet verteilt, anboten. Eigentlich eine tolle Idee. Kann man doch zu einer Station in der Nähe gehen und auf ein Fahrrad umsteigen. Dann, es war wie über Nacht, wurde die Stadt auf einmal von orangenen Fahrrädern überschwemmt, die plötzlich an jeder Ecke standen. Wer hatte die da alle abgestellt? Wo kommen die alle auf einmal her? Und kurz darauf folgten dann noch grüne Räder und dann auch noch gelbe Ausführungen. Und zwar in echten Mengen bzw. Massen. Die Räder waren technisch so ausgestattet, dass man sie quasi überall anmieteten und dann, dank eines integrierten Ständer, wieder stehen lassen konnte. Egal wo man wollte. Sie waren nicht mehr an eine Station gebunden. Für die einen war das vielleicht super-bequem und hip. Andere empfanden es wiederum als das größte Metallwaren-Lager der Stadt. Ich würde mich zur letzteren Gruppe zählen. Natürlich braucht eine Großstadt neue Konzepte, um den Verkehr zu meistern, aber so etwas planloses und ignorantes? Die Anbieter stellen ihre Räder einfach auf öffentlichem Straßenland ab und überlassen das Metall sich selbst und der Schwarm-Intelligenz der Kunden. Die Fahrer, die anscheinend pro Kilometer bezahlen, scheuen jeden weiteren Meter zu einer geeigneten Abstellgelegenheit zu fahren und lassen das Rad am Platz ihrer Ankunft einfach stehen. Wenn es an einer Hauswand oder an einem Baum abgestellt wird, kann man noch von Glück reden. Bei uns im Viertel stehen die Räder mitten auf der Wiese, in bunter Mischung vor dem Kino oder auf Verkehrsinseln. Manchmal sehe ich sie auch hochkant in Müll-Tonnen stecken, im Park-Teich schwimmen oder völlig demoliert im Gebüsch liegen. Wer hat das genehmigt? War die Entwicklung nicht abzusehen? Und werden all die Räder jemals einen Kunden finden? Hat bei der Stadt jemand eine Öko-Quote zu erfüllen?

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6) Nach grün kommt tot

Ein einschneidendes Erlebnis, ist schon länger her, passt aber wunderbar in die Schublade „Ignoranz“. An einem Sonntag unternahmen wir einen kurzen Spaziergang in den nahegelegenen Park. Dazu mussten wir, wie immer, eine 6-spurige Straße überqueren und die zwei Tram-Gleise in der Mitte. Das Vorhaben wird durch drei Ampeln geregelt – eigentlich überhaupt kein Problem. Wie warteten an der roten Fußgänger-Ampel und als nun endlich grün war, betrat meine Tochter ein paar Milli-Sekunden vor uns Eltern und Großeltern die Straße. Ich bestätige hier noch einmal, für uns war grün. In diesem Moment bretterte ein Auto über die Kreuzung. Es fehlten ungefähr noch 30 Zentimeter, dann hätten wir eine Anzeige in der Lokalzeitung schalten können. „Schulplatz unverhofft abzugeben, Kinderbett und Spielzeug gibt’s gratis dazu“. Rein rechtlich, hätten wir Eltern wahrscheinlich sogar noch unsere Aufsichtspflicht verletzt, weil wir den Übergang nicht abgesichert hatten. Tja, da kann man nichts machen. Lautes Veto! Politik und Verkehrslenkung kann mehr tun, als Verkehrsinseln und Tempo-30-Zonen zu bauen. Bei jedem Verkehrsvergehen gegen Kinder, sollte das Bußgeld verdreifacht werden. Das tut bestimmt weh und ich wette, dass ist effektiver. Diese Inseln bieten zwar Zuflucht, wenn die Kinder-Beine kürzer als der noch vor ihnen liegende Weg sind, es schützt aber kaum vor Voll-Idioten, die Gas und Bremse verwechseln und bei Dunkel-Rot über eine Kreuzung knallen. „Das kann doch mal passieren, es war ja vermutlich auch nicht mit Absicht des Auto-Fahrers geschehen, oder?“ Da habe ich so meine Zweifel! Warum ist er ohne anzuhalten einfach weitergefahren? Weil ja eben „nichts“ passiert war? Hätte er nicht anhalten können, um sich wenigsten mal zu entschuldigen? Hätte er denn gehalten, wenn meine Tochter nach einem dumpfen Knall durch die Luft geflogen wäre? Wäre das dann ein angemessener Grund, die eilige Fahrt zu unterbrechen? Nun, ja. Meine Tochter war zumindest zutiefst verunsichert, schließlich hatte sie alles richtig gemacht. Äußerlich war sie zwar nicht verletzt, aber das Ereignis wirkt nach. Traue nie einer Ampel.

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5) Die Kinder-Taste

Mein erstes Beispiel für eine „Bevormundung,“ ist, wenn sich Politiker in den Medien mit meinem Familienalltag beschäftigen. Insbesondere dann, wenn sie selbst gar keine Kinder haben oder gar Personal, welches deren Alltag organisiert. Ein Beispiel: In einigen Städten gibt es wohl an Park-Automaten eine sogenannte „Brötchen-Taste“. Mit dieser Taste kann man quasi umsonst parken, weil das Brötchenkaufen ja nur 5 Minuten dauert. Ich brauche so etwas nicht, weil unser Bäcker in Laufweite ist. Aber die Idee finde ich gut. Vor einiger Zeit gab es mal in Berlin die Diskussion, eine ähnliche Taste auch an Park-Automaten vor Schulen anzubieten. Quasi eine „Kinder-Taste“. Diese Idee gefiel mir schon besser. Das Kinderabgeben dauert ungefähr genauso lange wie das Brötchenkaufen und eine solche Taste am Automaten würde den Eltern Stress und Geld sparen. Und wie argumentierte daraufhin ein Kommunal-Politiker in einer Zeitung? Nicht etwa mit Zahlen, fehlenden Budgets oder logistischen Problemen. Nein, er entledigte sich der Diskussion mit dem Statement: „Das wäre das völlig falsche Signal an die Kinder. Man solle doch lieber mit der Bahn fahren und den Kindern ein Umweltbewusstsein vermitteln“. Punkt. Erstens ist er überhaupt nicht auf die Fragestellung eingegangen. Zweites unterstellt er, dass Eltern die Kinder zur Schule mit dem Auto fahren, die Umwelt egal ist. Geht’s denn noch? Die Brötchentaste bleibt bestehen, damit der faule Bürger mit dem Auto zum Bäcker fahren kann? Kinder und Eltern rutschen in die hinteren Reihen und sollen doch zusehen, wie sie in die Schule kommen. Ich habe mich beim Lesen des Artikels übel aufgeregt. Der scheint wohl noch nie zwei Kinder und deren Rucksäcke mit der Bahn in die Grundschule gebracht zu haben. Natürlich geht das. Andere tun es, wir tun es ja auch, wenn es logistisch passt. Nur es funktioniert es eben nicht immer. Also ziehen die Eltern weiter Park-Tickets oder versuchen ihre Brut in der zweiten Reihe abzusetzen, ohne dass das Ordnungsamt davon etwas sieht. Großartig.