86) Postkarte aus Québec – 3

Morgen verlassen wir die Provinz Québec und fahren weiter nach Ontario, zumindest in den rechten „Schnipsel“ davon, denn Ontario bietet stolze 1 Mio Quadratkilometer.

In den letzten Tagen sind uns wieder einige Skurrilitäten vor die Linse gelaufen, die will ich gern noch hier in Québec in die Post werfen und zum Abschluss gibt‘s natürlich auch ein paar Bilder der Landschaft hier.

Fangen wir also an mit interessanten Straßenschildern. Das gelbe, was aussieht wie ein Haarschneider oder verrutschter Hamburger, weist auf potentielle Schneemobile hin und davon scheint es verdammt viele zu geben. Das weiße Fragezeichen auf blauem Grund wirft allen Europäern Fragen auf, steht aber für „Information“. Das andere gelbe Zeichen mit dem pustenden Winterwind erklärt sich von selbst, wenn man langsam genug dran vorbeifährt. So dachte sich das der Erfinder wohl. Ein paar mehr Details zu kanadischem Straßenverkehr hänge ich unten an.

Freunde von Armaturen jeder Art, werden hier auch glücklich. Viele Dinge sehen ganz anders aus und es gibt interessante Lösungen für gleiche Herausforderungen, manche sind aber auch technisch veraltet, ungefähr aus dem Jahrhundert der ersten Besiedelung 😉

Die Mischbatterie in der Dusche mit der großen Nase zum Beispiel ist doof. Man dreht sie entgegengesetzt des Uhrzeigersinns und muss damit erst durch all das kalte Programm durch, bevor es dann mal warm wird. Niemand würde jemals den Wasserfluss stoppen um sich die Haare zu waschen. Die Waschbecken-Armatur fand ich lustig. Ich habe ein Gesicht in ihr gesehen und mit einem Zwinker-Smiley geschmückt. Manche Türklinken haben noch ein Mini-Klinke für die Kinder dran 😉

Die Klobecken stehen großvolumig unter Wasser. Bilder und weitere Einzelheiten erspare ich uns hier.

Mitten im Nationalpark trafen wir auf auf diesen sonderbaren Pilz. Der war sogar an seiner Kappe beschriftet und stellte sich nach eingehender OBI-Baumarkt-Untersuchung als „Absperrhahn“ heraus. Nur steckte der halt mitten im Unterholz. Was gibt‘s da abzusperren?

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Dieser Brachiosaurus hatte gerade ein Riesen-Ei gelegt und dann kam der Meteorit und der Rest ist ja bekannt.

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Und ansonsten gibt‘s hier natürlich unendlich viel Gegend und noch mehr Straßenkilometer.

Und nun wie versprochen ein paar Details zum kanadischen Straßenverkehr:

  • Rechtsabbiegen bei roter Ampel ist hier erlaubt, es sei denn es ist ausdrücklich verboten. Da können sich die Reichsbedenkenträger deutschen Verkehrsrechts mal eine Scheibe mehr vom Buffet nehmen.
  • „Rechts vor links“ gibt es nicht, dafür aber Kreuzungen wo jede Straße ein Stopp-Schild hat. Alle müssen stoppen und wer zuerst stoppte, fährt zuerst weiter. Bei gleichzeitigem Stopp regelt man das per Handzeichen. Das würde in Deutschland nicht funktionieren. Das ist nicht scharf genug abgegrenzt, Deutsche würden sich mitten auf der Straße prügeln und dabei die Weiterfahrt vergessen
  • Auf der Landstraße gilt Tempo 90, auf der Autobahn maximal 100. Grüße an die liberalen Porsche-Fahrer! Bislang hielt ich Automatik und Tempomat für etwas „Seniores“. Nun nicht mehr. I like it. Und dann ist es eigentlich auch Wurscht, dass die hier viel mit fetten spritschleudernden Pickups der Marken FORD, RAM oder GMC herumfahren.
  • Leitplanken existieren auf der Auto-Bahn nicht, in der Mitte gibt es einen Grünstreifen, der zur Mitte abgesenkt ist. Fertig. Wartung und Installation nahezu null, nur mal mit einem Rasenmäher drüber, fertig.
  • Fußgänger haben hier Premium-Status. Du musst dich nur der Straße nähern, auch wenn da gar kein Zebra-Streifen ist und alles stoppt oder verfällt in Zeitlupe. Missachtung von Fußgängerüberwegen wird mit 100 $ geahndet, circa 70 EUR.

Interessant oder? Geht doch. Wenn man bedenkt, dass das ja hier alles Bio-Europäer sind …

<— 85) Postkarte aus Québec – 2

–> 87) Postkarte aus Ontario – 1

85) Postkarte aus Québec – 2

Aktuell regnet es hier, also habe ich Zeit für eine weitere Postkarte aus der Provinz Québec. Diesmal enthält sie weniger Skurrilitäten, als üblich. Das liegt aber nicht daran, dass es hier keine gäbe, nur das Verhältnis von Fläche in Quadratkilometern zu Anzahl Skurrilitäten ist „unwirtschaftlich“ und deren Auffinden geht auf die Sitzknochen.

Ein paar interessante Schilder gibt es natürlich überall. Auf dem einen Wanderweg ist nicht mal der Gebrauch von Schusswaffen erlaubt. Nichts darf man mehr. Immer diese Verbote! Sogar hier schon. 😉

Von Quèbec ging es weiter nach „wo das Wasser raus kommt“ … Auflösung: Tadoussac. Tadoussac ist ein kleiner Ort, an dem man ziemlich sicher Wale sehen kann (Beluga- und Mink-Wale). Blauwale sind sonst auch in der Bucht, aber dieses Jahr ist vieles anders, sagt die Dame auf dem Boot. Wie überall auf der Welt.

Von Tadoussac folgten wir dem St. Lorenz Strom gen West und machen nun Halt in der Ecke von Shawinigan. Wälder, Flüsse und Mücken. Von allem reichlich und schön.

Weiterlesen „85) Postkarte aus Québec – 2“

82) Postkarte aus Andalusien

Es ist mal wieder Zeit für eine Postkarte, die letzte erschien hier im Februar. Wie immer in >dieser Reihe, gibt es keine Hochglanz-Fotos und Duckface-Selfies, sondern wir bewegen uns auf der skurrilen B-Seite der Reiseerlebnisse. Diesmal ging es nach Andalucía.

Noch ganz trieselig im Kopf vom >Weißweingeschnatter im Flugzeug, stiefelten wir am ersten Tag durch Málaga. Später schwammen wir dann. Denn alle Regenwolken Spaniens hatten sich für die folgenden Tage über der Stadt verabredet, nur um zu testen, wieviel Wasser meine Hosentaschen und Schuhe aufnehmen können. Es war reichlich. Das war ja mal gore-nix Seniore Petrus! Ansonsten ist das eine schöne Stadt, an manchen Ecken fühlt man sich als Berliner auch schnell wie zu Hause.

Am zweiten Tag könnte es nach Cordoba gehen, dachten wir uns und andere auch. Wir frühen Vögel hatten aber die wichtigsten Dinge gesehen, bevor Busladungen an Menschen ausgekippt wurden. Die Erbauer Cordobas waren sehr weitsichtig und erwogen eine Bewerbung für Olympia.

Für die Austragung der Schwimmwettbewerbe wurden gleich mehrere Schwimmbecken angelegt. Leider hat es mit Olympia nicht geklappt, die Menschen wurden zu Gärtnern umgeschult, mehr oder weniger erfolgreich. Die ganz „schlauen“ Herren frisieren und kleiden sich seitdem wie ein Karo-König, stehen doof herum und schauen den anderen beim Arten zu. Also im Prinzip wie heute.

Habe ich schon mal geschrieben, dass ich Häuserecken mit Beschilderung mag? Wer diese Leidenschaft teilt ist in Cordoba gut aufgehoben.

Für Tag „número tres“ stand Gibraltar auf dem Programm. Das Auto stellten wir in „La Línea de la Concepción„ (Spanien) ab, passierten die Grenzkontrollen und gingen dann zu Fuß quer über den Runway des Flughafen Gibraltar (Britisch). Obwohl das ja alles zig-fach gesichert ist, schaut man aber schon häufiger nach links und rechts und hofft, dass die Flugsicherung nicht gerade Siesta macht.

IMG_6065Per Seilbahn ging es hoch auf den Affen-Felsen, war kein Schnäppchen hat sich aber gelohnt, da man oben viel wandern und erkunden kann. Und es gibt spannende Szenen zu erleben, wenn der Touri da oben sein Pausenbrot auspackt und damit die Makaken anlockt. Auf jeden Fall, sollte man den Affen nix vom Brötchen abgeben, denn das sprengt die Urlaubskasse.

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Wem das nicht reicht, der kann noch nach Marokko schwimmen. Ist nicht weit. Aber die wenigsten Menschen wollen aktuell nach Marokko schwimmen, die entgegengesetzte Richtung scheint beliebter. Böse. Sorry.

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Auf dem Weg bergab, stießen wir auf das folgende Schild und fragten uns, was es wohl bedeutet. Soll man langsam fahren wie eine Schnecke … Schlange? Oder soll man langsam fahren, um keine Schlangen zu überfahren? Meine Begleiterin tat das Gegenteil, sie lief auf einmal sehr schnell, während ich mir ins Gedächtnis rief, wie es Winnetou eigentlich durchs Tal der Toten geschafft hatte.

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Am vierten Tag ging es nach Granada. Wenn man dort zuviel Churros oder iberischen Schinken gegessen hat, kann man die am Brunnen auf dem Marktplatz wieder loswerden. Machen die da alle so.

Am Nachmittag ging es durch die Alhambra und mir wurde schlagartig klar, wie sich die angespannte Wohnungssituation hier in Berlin entspannen lässt. Digga, … ist die Anlage groß. Und das ist gerade mal nur die eine Seite.

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Etwas gewöhnungsbedürftig sind die Preisausschilderungen an den Parkhäusern. Liest sich fast so kompliziert wie eine haushaltsübliche IBAN, die Überraschung folgt dann am nächsten Tag.

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In Andalusien gibts angeblich rund 150 Millionen Olivenbäume. Kann ich bestätigen, mindestens die Hälfte haben wir gesehen.

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Viele weitere Postkarten gibts >hier

Schön war‘s

… und jetzt ratet mal, wer auf dem Rückflug um uns herum saß …

77) Postkarte aus SM-EF-GTH

Schon wieder Ferien? Ender Januar? Wozu? Weder haben wir Schnee, noch nennenswerte Berge vor der Haustür (… von Koks und Schulden mal abgesehen), noch laden die Temperaturen zum Eröffnen der Datschen-Saison ein. Das CO2-Budget wollten wir uns mal lieber für den Sommer aufheben. Also entscheiden wir uns für eine Auto-Tour durch Mittel-und Süddeutschland. Ich werde von unterwegs immer mal wieder eine digitale Postkarte schicken, nur die kleine Omma, die kriegt weiterhin eine Karte auf Karton.

Los gehts in Thüringen:

Die Thüringer sind ein eigenartiges Volk. Sie ernähren sich ausschließlich von Bratwurst und Klößen und stellen die ganze Landschaft mit Bäumen voll. Das nennen sie dann Thüringer Wald. Manchmal klotzen sie auch gigantische Hotels auf den Berg und bringen sogar die Bäume in der Gegend dazu, mit dem Finger drauf zu zeigen.

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Wenn ich Programm-Chef bei MDR wäre, dann würde ich ja mal das Sandmännchen auf Ski das Dach herunterfahren lassen. Das wäre doch mal was ganz Neues, oder?

Die Thüringer lieben es, auf einem „Schlitten-Ding“ mit 130 km/h eine völlig vereiste Bahn in Oberhof herunterzudonnern. Am liebsten tragen sie dabei hautenge Klamotten und legen sich auch gern aufeinander. Und wenn ein Gewinner des Wettbewerbs noch aus dem Landkreis kommt, ist da die Hölle los und auch „MP Bodo“ voll aus dem Häuschen. Langenhaaaaaaaaan!!!

In der Landeshauptstadt erwarten uns uns historische Häuser und altbekannte Gesichter. Luther, Ries, und Bach. Maus, Elefant und Bernd das Brot aber auch. Ki-Ka-kennste-nich? Eine Kneipe in der Stadt nennt sich „Zum breiten Herd“. Im Vorbeigehen las ich kurz „Zum breiten Nerd“. Hätte mich auch nicht gewundert.

Beim Bummel durch‘s Andreasviertel stellen wir fest, dass wir beim Fußball auf ein ähnliches Farbschema stehen, allerdings holzen sie in Erfurt eindeutig zu viel. Dauert nicht mehr lange, dann siehst‘s da aus wie in Angkor Wat. Bei Hausnummer 32 überlege ich kurz, was Postboten und Pizza-Fahrer durch den Kopf geht, wenn sie dort klingeln.

Auf dem Weg zum Winterspaziergang bei Friedrichroda, treffen wir einen Olaf, der seinen Geruchssinn verloren hat. Entweder war es Corona oder ein veganer Wanderer oder seine :Inn, die hier Hunger bekamen und ihm das Riechgerät wegknabberten. Ey, das is‘so was von fies.

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Weiter stapften die Großstädter durch Schnee und Geäst, bis zu einem Plätzchen, den die Einheimischen „Lange Wiese“ nennen. Keine Ahnung warum.

Auf dem Rückweg dann noch mein Highlight, hier fühlt sich der Großstädter wie daheim.

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Schöne Grüße aus den Landkreisen SM, EF und GTH!

Morgen/Übermorgen melde ich von der Mosel.

79) Bring your own seat

Gestern bin ich mal wieder geflogen, ick‘ weiß, ist nicht gut, aber die Strecke zu schwimmen war mir dann doch etwas zu weit. Und ich finde ja das Flugwesen an sich auch sehr interessant, denn es entwickelt sich bekannter maßen. Dazu sprach >Manne Krug auf YouTube schon.

Vollgestopft mit Technik, immer effizienter in den Prozessen „on ground“, gibt es immer wieder neues zu berichten.

Allerdings fühlt sich mein Untergeschoss zunehmend überhaupt nicht mehr „comfortable on board“. Die Sitze an Bord werden immer dünner und klappriger. Oder werde ich immer klappriger? Nach einer Stunde Flugzeit würde ich am liebsten einen Arzt ausrufen lassen, der mir den evolutionär bedingten Steiß herausklempnert. 

Da sind überhaupt keine „Sitzpolster“ mehr da, es sind Metallsitze mit Kunstleder-Bezug. An der Verbundstelle zwischen Sitz und Lehne befindet sich manchmal gar nichts, ausser Luft und Kekskrümel. Und eben meine unteren Lendenwirbel, die da nach und nach reinpurzeln. „Please don‘t leave any personal belongings…“ ha ha.

Aber ich will ja nicht nur meckern sondern auch mit konstruktiven Ideen kommen. Und hier ist schon mal eine. 

„Bring your own seat“. 

Eine Standard-Dockingstation am Boden, ermöglicht es dem geplagten Traveler sein geliebtes Sitzmöbel von zu Hause mitzubringen. Egal ob der fluffige Fernsehsessel, des Sohnes Gamerstuhl oder Uschi’s Gymnastikball. Und dank ISO-Norm lässt sich da noch viel mehr draufklicken. Kindersitz, Camping-Klo, Hometrainer, Kühlschrank für Wein und Kaviar. Jeweils natürlich. 

Ja, das Flugwesen … es entwickelt sich.

49) Wenn Bots bloggen (21) – Klima

Hallo, ich bin es wieder, der T.Bot. Der digitale Praktikant von T. dem CBO dieser mittelklassigen Schriftsammlung hier. Ich bin der, der immer nur dann an die Tasten darf, wenn seine Effizienz mal wieder keinen Bock auf Blog hat. 

Was er denn gerade stattdessen tut? Ja, das frag‘ ich mich ehrlich gesagt auch. 

Er sieht immer ganz „busy“ aus und nervt all die anderen hier mit SEINEN to do’s. Aktuell denkt er viel drüber nach, was er gegen die Energiekrise tun kann. Ach wie süß … und naiv. Oder? Na gut, soll er machen. Solange ER sich drum kümmert, soll es mir recht sein. Hauptsache er dreht mir nicht meinen muffigen sub-performanten Öko-Strom ab.

Dann hat er sich kürzlich einen Roman über Bitcoins heruntergeladen, den er sich nun beim Joggen reinzieht, nach dem er stundenlang einem Podcast mit einem eurer Klima-Mädels gehört hat. Jetzt beschäftigt er sich also auch noch mit elektronischem Geld und meint, er würde es dann kapieren. Hah! Was soll ich dazu sagen, das übersteigt sogar meine Rechenleistung. Das Buch hat wohl eine(r) von euch empfohlen. Na toll. Könnt ihr ihm nicht kürzere Bücher empfehlen? Um so länger der abgelenkt ist, muss ich ihn hier vertreten.

Vor ein paar Tagen hat er herumgejammert, er könne all die schlechten Nachrichten nicht mehr hören. Anscheinend wird eure kleine Erde gerade etwas durchgeschüttelt, was man so hört, oder? Tja, iss’ schon doof irgendwie. Braucht man echt nicht. Besonders wenn es nebenan ist. Das ist doch aber kein Grund sich Abends nur noch Doku’s mit „positive vibes“ reinzuziehen. Ich meine, dass ist doch völlig unrealistisch. Ich weiß auch nicht was mit ihm los ist. Vielleicht das Alter. Die zweite Halbzeit. Und jetzt sucht er nach dem Großen Ding. Dem Purpose?

Oder will er die Welt retten? Ist vielleicht auch eine Nummer zu groß für ihn. Muss ja auch gar nicht sein eigentlich. Viele Flecken auf eurer Erde sind mir eh zu warm oder zu feucht. Die muss man ja nicht retten. Da will doch eh keiner wohnen, oder? Meine Güte, er soll nicht auf die Welt schauen, sondern meine Steckdose und das WLAN über den Winter retten. Mehr brauche ich nicht. Den Rest kann man online bestellen oder erledigen lassen.

So, ich muss langsam zum Ende kommen, denn der Knauser gesteht mir immer nur 400 Wörter pro Beitrag zu. Macht’s gut und bis bald mal wieder.

Euer T.Bot 😉

<— 48) Wenn Bots bloggen – Krieg

>50) Wenn Bots bloggen – Eure Stadt

—> Mehr von T.Bot gibt es hier 😉

67) Postkarte von Korsika

Bald geht’s zurück in die Heimat. Schade schon vorbei, hätte länger sein können. Aber bevor wir uns von den Korsen verabschieden hier nun noch ein paar Eindrücke. Wie immer bei meinen Postkarten, mit weniger Hochglanz und Schickimicki. Auf jeden Fall ohne Duckface am Strand, dafür eher mit Blick in die skurrile zweite Reihe, der B-Seite der Scheibe sozusagen.

Besucher, die Wasser und Berge zugleich mögen, werden sich auf Korsika pudelwohl fühlen. Denn die Insel hat beides, und zwar ausreichend.

Für Papa‘s die gern bergig Auto fahren ist Korsika ein Paradies. Wenn man einen nervösen Korsen hinter sich hat, dann einfach Spiegel ranklappen, nach vorne schauen und den Hintermann ignorieren, denn der Papa hat keine Lust den Mageninhalt der Mitreisenden aus den Polstern zu sammeln. Die Mitreisenden auf den hinteren Plätzen hätten ja eine Kotztüte aus dem Flieger mitgehen lassen können. Da gibts mittlerweile recht schicke Example, mit coolen Sprüchen drauf. Würde mich aber trotzdem mal interessieren, wie die Stewardess (…. sagt man das noch…? ) … also die Flugbegleiter:Innen gucken, wenn man ihnen solch Beutel voll und 37°C warm in die Hand drückt.

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Der Korse ist stolz, selbstbewusst und gern unabhängig, oder wenigstens italienisch. Die französische Fahne sieht man hier nur an Rathäusern und Polizeistationen. Die Fahne der Korsen, ist der Fahne der Sarden sehr ähnlich. Ich mag so etwas. Nicht ganz klar was sie bedeutet, aber schlicht, eindeutig und wiedererkennbar, grüßt überall der „La tête de Maure“, was man im Deutschen mit „Mohrenkopf“ übersetzen müsste … also könnte … wenn man wollte … aber nicht sollte. Ich schreibe mich hier um seinen Kopf und meinen Kragen.

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Ansonsten hängt der Korse und seine :In überall Würste und Schinken zum Trocknen auf. Aber keine Sorge, es gibt auch viel Gemüse und Früchte auf der Insel, Korsika ist sehr grün. Und der Korse mag Messer. Messer, Messer, Messer. In allen Formen, Größen und für alle Anwendungsfälle. Wenn ihr mal einem Korsen ein Messer abgenommen habt, dann schaut bitte gründlich nach, ob er er nicht noch einen ganzen Besteckkasten unterm Hemd trägt.

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Der Korse baut seine Dörfer gern mitten auf den Berg. Auch ein Zeichen seiner Gastfreundlichkeit 😉 Hier will man kein Amazon-Kurier sein. Wobei das geht ja vielleicht noch, sind ja oft nur kleine Päckchen. Hier will man auf keinen Fall eine Waschmaschine ausliefern müssen. Absolut.

Der Korse mag anscheinend gern Brühwürfel, und weil die bei übermäßigem Verzehr abführend wirken können, baut er sich halt ein Außen-Klo auf den Balkon.

Der Korse verschanzt sich zwar gern hinter Mauern, hat aber immer Herz für die Schwächeren der Gesellschaft. Es gibt immer einen Platz für Arme.

Während sich manche Kommunen immer mehr dem Zeitgeist öffnen und daran arbeiten, komplett CO2 frei zu werden …

… verschanzen sich korsische Eigenbrödler in Felsen, die aussehen wie Champignons. Oder so. Ich würde jetzt gern fortsetzen.

Mit dem korsischen Schmetterling, der mich hier kürzlich begrüßte, habe ich Freundschaft geschlossen. Der kommt gern auf ein Bier vorbei geflogen.

Setz‘ dich. Hol dir auch eins … oder nimm‘ halt meins. Und sei frei … Papillon!

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PS1: Ich wusste ja nicht, dass Schmetterlinge einen solch langen Rüssel haben, dass die damit bis in die Pulle kommen. Ganz schönen Zug am Leib der Kerl. Na hoffentlich ist der wieder gut nach Hause gekommen 😉

Weitere Postkarten >gibt’s hier

PS2: Nicht wundern bitte, warum hier gerade keine „Likes“ ausgespielt werden, hat seine Gründe, mehr gern bilateral.

345) Klopf klopf, der Alltag

Meistens kommt man ja zum Ende einer Reise etwas zur Ruhe. Man hat ausreichend Kilometer geschruppt, die Dinge gesehen, die man sich anschauen wollte. Im letzten Drittel geht man die Tage vielleicht etwas langsamer an, um „mehr davon“ zu haben. Und dann arbeiten sich in mir irgendwann Gedanken hoch und klopfen an die Tür.

  • Klopf klopf. Ach ja, der Job. 
  • Klopf klopf. Da war doch noch was. 
  • Klopf klopf. Das aufgeschobene Gespräch mit dem Chef. 
  • Klopf klopf. Das Projekt, das erste Ergebnisse liefern muss.
  • Klopf klopf. Der Telekom-Techniker, der am Montag auf der Matte steht. 
  • … und so weiter.

Hartnäckig klopfen sich die Realitäten aus der Heimat zurück in meinen Arbeitsspeicher. Unangenehm. Und dann kann ich drauf warten, dass meine Rübe beginnt, Gegenentwürfe zu diskutieren. 

Muss ich denn überhaupt … könnte ich nicht weniger … was anderes … woanders?

Die Gedanken kreisen über der Hängematte, es ergibt sich aber leider kein klares Bild. Wie jedes Jahr. 

Hinzukommen diesmal noch die ganz dicken Bretter, die da im Herbst und Winter vor uns liegen. Das Virus will zurück auf die Bühne und der russische Bär dreht am Gashahn. Beste Voraussetzungen.

Klopf, Klopf … sind das die ersten Takte eines Post-Urlaubs-Blues?

344) Eure Armut kotzt mich an

Ich kann dieses Gejammer nicht mehr hören. Immer wenn von „oben“ und „unten“ gefaselt wird, von einer wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich, von einer Einkommensschere die sich immer weiter öffnet. Das is‘n bisschen zu einfach, findet ihr nicht?

Klingt ja so, als hätten wir Bootseigner überhaupt keine Sorgen, nicht auch unsere Päckchen durchs Leben zu tragen. Stellt euch das mal nicht zu einfach vor bitte!

Der Klimawandel, die Pandemie, jetzt der Krieg, die Personalknappheit, das macht uns auch zu schaffen.

Glaubt ihr nicht? Okay, dann hier nur mal ein Auszug meiner Alltagsprobleme:

  • Mein Boot ist 65 Meter lang. Also finde da erst mal einen passenden Liegeplatz und genug Raum im Hafenbecken, um die Karre zu wenden. Das ist nicht so ohne!
  • Der Jacuzzi an Deck muss mittlerweile schon gekühlt werden, weil es draußen immer heißer wird. Da zweifele ich schon, ob der Energiezuschlag der Bundesregierung diese Mehrkosten kompensiert. Ich werde mich da auf eine Härtefallregelung berufen.
  • Meine Suite ist 130 Quadratmeter groß, es ist schon mal vorgekommen, dass ich da selber durchsaugen musste, weil die Putzfrauen nicht mehr für 7,20 EUR die Stunde arbeiten wollten. Die 8 Kabinen der 15 Crewmitglieder habe ich dann aber nicht gesaugt, da sollen die mal schön selber machen. Bin ja nicht die Heilsarmee, oder?
  • Wenigstens die Chinesen in der Kombüse und in der Wäscherei sind noch nicht abgehauen. Die waren noch nicht einmal an Deck, wissen gar nicht an welchem Ort wir eigentlich sind. Ich meine, was sollen die auch hier im Land der Franzosen machen? China-Pfanne verkaufen?
  • Wenn an den 12V 4000 M53-Motoren mal eine Wartung fällig ist, dann finde hier mal fachkundiges Personal. Die können hier einen Renault 5 wieder flott machen, aber doch nicht so etwas. Da muss dann ein Techniker von Rolls-Royce einfliegen. Das geht schon, der kann auf dem Heli-Deck landen, aber ich muss das bei der Hafenbehörde anmelden. Nerv….!
  • Ich habe ja schon mal überlegt auf E-Antrieb umzusteigen, ich will ja auch was für meine Umwelt tun. Aber wenn ich mir eine passende Batterie in das Boot baue, dann wäre die so schwer, da fällt die glatt durch die Bordwand, wohlmöglich direkt auf ein Korallenriff. Das wäre dann ja auch schade … also für die Batterie meine ich. Und für die Bordwand. Kostet ja alles sein Geld. Mein Geld.
  • Und am allerschlimmsten sind all diese Badelatschen-Touristen, die jeden Tag am Boot vorbeischlurfen und Selfies machen. Kommen gerade aus‘m SPAR-Supermarkt, weil sie zu geizig waren, im Restaurant 4 Teller Langusten mit Wein und Nachtisch zu bestellen. Dann mampfen die vor meinem Boot ihre Baguettes, saufen prekäre Erfrischungsgetränke und krümeln mir die ganze Promenade voll, auf die ich heute Abend noch einen Fuß setzen wollte. Um meine Gäste zu empfangen.

Also hört auf zu jammern! Macht mal was aus eurem Leben! Das wird nicht an die Haustür geliefert, da muss man sich auch mal ein bisschen bemühen! Von nix kommt nix.

PS: Liebe Leser, keine Sorge, die Sonne hat mir nicht das Hirn verbrutzelt. Aber wir haben heute ein paar riesige Yachten im Hafen gesehen. Zum Beispiel die „Triumph“ (könnt ihr selber googeln, kein Bock das zu verlinken). Nebenbei haben wir belegtes Baguette gefuttert und natürlich die Promenade vollgekrümelt. 😉

343) Feigenblatt

Hinterm Haus da steht `ne Feige
Und wenn sich der Tag dann neige
Entdeckt man im Gezweige
Wie die Sonne niedersteige

Frei nach T.

Oh, heute Morgen nur Trash in die Tasten geklopft und nun über Tage hat er sich wohl zum Poeten entwickelt oder was? Hat ihn die Muse geküsst? Oder Jean Paul, der Sartre? (-> tolles Wortspiel oder …?) Aber weit gefehlt, es war weder die Eine noch der Andere!

Es war nämlich die Sonne. Die geht hier übrigens auch im Westen unter. Hätte ich gar nicht gedacht. Ich hätte erwartet, die Korsen machen es genau anders herum, als auf dem französischen Festland. Irgendwann hatte sich die Sonne soweit gesenkt, dass sie kreisrund durch den Feigenbaum hindurch schien. Hätte an dieser Stelle eine Feige gehangen, wäre dieses Bild wohl nicht entstanden. Hätte, hätte, Fahrradkette. Fahrradkette heißt auf französisch übrigens „Chaîne de vélo“. Herrlich, wie das klingt oder? Erinnert an Stangenbrot unter der Achsel, Tour de France und Rotwein auf dem Tisch. Aber ich schweife ab.

Auf der linke Seiten erinnern mich die Feigenblätter an die Silhouette der Bremer Stadtmusikanten bzw. ihre veganen Ebenbilder. Im Wiki finde ich einen kurzen Abriss der Handlung, den ich hier für euch noch einmal auf den Kern zusammengekürzt habe.

„Der alte Esel soll geschlachtet werden. Deshalb flieht er und will Stadtmusikant in Bremen werden. Unterwegs trifft er nacheinander auf den Hund, die Katze und den Hahn … Sie entdecken ein Räuberhaus. Indem sie sich vor dem Fenster aufeinanderstellen und mit lautem „Gesang“ einbrechen, erschrecken und vertreiben sie die Räuber. Die Tiere setzen sich an die Tafel und übernehmen das Haus als Nachtlager. … Den Bremer Stadtmusikanten gefällt das Haus so gut, dass sie nicht wieder fort wollen und dort bleiben.“

Irgendwie passend. Also jetzt nicht das mit dem „Bremen“, sondern das „nicht wieder fort wollen“. Nur das mit dem „alten Esel“ … da müssen wir noch mal drüber reden 😉

Ansonsten wusste das schlaue Wiki über das Feigenblatt natürlich noch mehr: „Das Feigenblatt des Feigenbaums wurde in der bildenden Kunst zum Verbergen der Geschlechtsteile nackter Personen verwendet.“ Ja … ok … macht Sinn, die Blätter gibt’s in verschiedenen „Größen“ und „Formen“ … aber gerade die maskuline Bauweise sollte beim Anlegen gut aufpassen, damit auch wirklich nix verrutscht 😉

Und nun noch ein paar tolle Zitate aus dem Internetz zum Abspann:

„Von flexiblen Wechselkursen halte ich so wenig wie von verrückbaren Feigenblättern.“ Hermann Josef Abs.

„Wenn man bedenkt, dass die Mode mit einem Feigenblatt begonnen hat, sind wir schon fast wieder am Anfang.“ Claudia Cardinale.

„Das Feigenblatt des Neides ist sittliche Entrüstung.“ Karl Kraus

Bonne Nuit.