45) Schnürsenkel

Folgt man dieser Tage den Nachrichten, da kann einem schon echt schlecht werden. Wahlergebnisse aus Brandenburg, zerbröselnde Regierungen in Europa und immer wieder diese Brüllereien aus Washington. Zum Glück gibt es da noch viele sympathische Kleinigkeiten aus dem Alltag, über die ich mich herrlich aufregen kann.

Schnürsenkel zum Beispiel:

5.Stock: Ich lasse die Tür hinter mir zufallen und binde mir die Lauf-Schuhe zu. Mit Doppelknoten. Nichts ist schlimmer, als Schnürsenkel, die während des Laufens aufgehen. Ich öffne die Lauf-App auf dem Handy, damit das GPS mich schon mal orten kann und mache mich die Treppen hinunter. Es kann losgehen!

4.Stock: Irgendwie ist der rechte Schnürsenkel heute enger als der Linke. Schlimmer noch. Es drückt auf den Fußrücken. Das könnte unangenehm werden. Aber vielleicht legt sich das gleich noch. Ich habe keine Lust, die Schuhe wieder neu zu schnüren. Weiter die Treppe hinab. Ich will starten!

3.Stock: Es wird nicht besser. Vielleicht bilde ich mir das aber auch nur ein? Zur Ablenkung starte ich mein Hörbuch und versuche wieder ins Thema zu kommen. Ach ja, … die Verfolgungsjagd …, stimmt, da habe ich letztens aufgehört. Ich arbeite mich weiter die Treppe hinunter. Gleich gehts los!

2.Stock: Ok, ich gebe auf. Ich muss da etwas gegen unternehmen. Es tut weh. Ich bücke mich, schnüre den rechten Schuh neu und binde ihn aber diesmal nicht so fest. Natürlich setze ich noch einen Doppelknoten drauf. Weiter gehts die Treppe bergab. Nun aber!

1.Stock: Sag mal spinn’ ich jetzt? Ist jetzt der linke Schuh zu fest? Kann das sein? Oder fühlt sich das nur so an, weil der rechte Schuh nun lockerer ist. Vielleicht muss ich noch einmal beide Schuhe neu binden? Es hilft nichts. Ich fange komplett von vorn an. Irgendwann habe ich es dann geschafft und laufe die Straße hinunter zum Park. Endlich kann ich starten!

Aber worum geht es im Hörbuch gerade? Wer zum Henker ist dieser Jim? Wo kommt der auf einmal her?

 

PS: Großen Dank an meine Tochter, die mich zu dem Beitrag inspiriert hat und damit beweist, dass ich damit nicht allein auf der Welt bin 😉

 

20) 94 Zentimeter Wahl

Heute steht die Europa-Wahl an. Im Radio verkündigt man, dass man sich auf längere Wartezeiten einstellen sein soll, da der Stimmzettel diesmal etwas länger ist. Stolze 94 Zentimeter misst ist er diesmal. Das ist die Arbeitsplatten-Höhe in Einbauküchen für etwas größere Menschen. Bevor wir ins Wahllokal marschieren, schaue ich mir die Parteien noch mal im Internet an.

Da erwartet uns ein wirklich buntes Spektrum diesmal: 

Konservativ, Sozial, Öko, Digital, Liberal, Links, Rechts, Religion, Tierschutz, Rentner und noch viel mehr. Da es keine 5-Prozent-Hürde gibt, kann jede Partei mitspielen. Das ist auch vollkommen in Ordnung, wenn diese Parteien die EU wirklich konstruktiv gestalten wollen. 

Erschreckend finde ich aber, wie viele Parteien da auf der Liste stehen, die EU gar nicht gestalten wollen, sondern abschaffen. Wenn man in Deutschland schon keine Mindest-Hürde fordert (…was andere Länder ja durchaus tun…), könnte man dann nicht wenigstens eine Art „positive Einstellung zur Europäischen Idee“ als Zulassungskriterium fordern?

Großbritannien wird konsequenterweise aus den Wahlen ausgeschlossen und wir bringen die Weise die nächsten Exit-Phantasten ins Haus. Was soll das?

 

44) Konzert über 40

Seit Wochen hängen zwei Konzert-Tickets an der Pinnwand im Flur. Gestern Abend war es nun soweit. Und irgendwie auch anders und verwunderlich. Neben der Musik gab es genügend Bilder und Beobachtungen zum Nachdenken.

  • Standen wir Anfang der Neunziger schon um 07:00 Uhr für Depeche Mode vor der Waldbühne, stolperten wir gestern erst kurz vor Beginn ins Tempodrom. Meetings am Freitagabend … sollten per Gesetz verboten werden.
  • Kostete das Bier in alten Tagen 4 Mark, sind es nun stolze 5 Euro. Ja ich weiß, die Umrechnerei ist etwas altbacken, aber wirklich 10 Mark für ein Bier? Alter Schwede … so teuer war Bier nicht mal bei Dir im Lande.
  • Hatten wir früher schon vor dem Haupt-Gig eine Schachtel Kippen geraucht, war die Luft gestern trotz Rauchverbot ähnlich mies. Leider gab es für uns nur noch einen Platz oben auf den Rängen … da wo sich der Mief sammelt und mangels Fenster nicht abzieht.
  • Bewiesen wir uns damals im Cisch Club noch im EBM-Pogo oder lauschten dem Newcomer Rammstein im Knaack, saßen wir nun auf Klapp-Sitzen und folgten aufrecht sitzend dem Gesang. Auch wenn die Musik eher zum Zuhören ist … ein Konzert im Sitzen ist schon echt eine eigenartige Geschichte und nix für den Rücken.
  • Mussten wir seinerzeit noch minutenlang „Zugabe“ brüllen und klatschen bis die Hände kribbelten, wurde dort nur kurz getrampelt und 30 Sekunden später stand die Band schon wieder auf der Bühne. Das ging aber schnell … die Künstler wollten anscheinend auch ins Bett.
  • Konnte ich einst nicht verstehen, dass Zuschauer vorzeitig abhauten, nur um nicht in einer vollen Bahn zu stehen, wollte ich gestern früher … , um nicht in einer vollen … ach, ist ja eigentlich auch egal und nicht so wichtig.

Aber eines war immer noch unverändert … wir gehörten immer noch zu den Jüngeren !

Andere Beiträge zum Thema Ü’40:

43) Sekundenbruchteil-Momente 1

Manche Momente sind so kurz und intensiv, dass es kaum möglich ist, sie in Worte zu fassen. Oftmals fehlt es der deutschen Sprache einfach an passenden Begriffen. Man braucht also viel mehr Buchstaben, als der Moment eigentlich andauerte.

Verschiedenste Momente von früh bis spät:

  • Man erwacht, öffnet die Augen und orientiert sich. Wo bin ich? Das Oberstübchen informiert, dass ein wichtiger Termin (Arzt, Präsentation, Chef-Gespräch, etc) ansteht.
    Bammel?
  • Man tritt ins Treppenhaus und tastet noch einmal die Tasche ab, wo eigentlich der Schlüssel sein sollte. Zeitgleich rummst es von hinten. Die Tür ist zugefallen.
    Panik?
  • Man eilt die Treppe hinunter, ist in Gedanken schon beim Termin. Auf einmal bemerkt man, dass man aus dem Takt kommt und zu stolpern beginnt.
    Hoffnung?
  • Man rennt quer über die Straße, um noch die Bahn zu kriegen. Es sieht gut aus. Man hat die Tür des letzten Wagens fast erreicht. Aber sie beginnt zu piepen und schließt vor der eigenen Nase.
    Enttäuschung?
  • Man spielt mit dem Handy, es fällt aus der Hand und landet auf dem steinigen Fußweg. Mit dem Glas nach unten natürlich. Man greift es, dreht es vorsichtig und versucht einen Blick auf das Glas zu erhaschen.
    Vorahnung?
  • Man sitzt im Flieger nach Hause und träumt so vor sich hin. Auf einmal fühlt man sich ganz leicht und scheint zu schweben. Im nächsten Moment wird man wach, der Kopf ist nach vorn gekippt.
    Nahtot?
  • Man betritt das Parkhaus, fährt per Fahrstuhl zum Geschoss, wo das Auto steht. Die Tür des Lifts öffnet sich langsam. Das Auto ist aber nicht zu sehen.
    Selbstzweifel?
  • Man fährt auf das Ende eines Staus zu. Während man noch hastig den Warnblinker drückt, zieht im selben Moment die letzte freie Ausfahrt rechts vorbei.
    Hilflosigkeit?
  • Man ist endlich wieder daheim und lässt sich auf die Couch fallen. Man freut sich auf ein Bier und die Spätnachrichten. Stattdessen wird Karneval oder eine blumige Schmonzette aus Süd-England gezeigt.
    Wut! Hass! Tobsucht! Groll! Raserei! Rage! Empörung! Zorn!

Mit jedem Moment steigen Blutdruck oder Puls, Schweiß wird produziert und es wird einem warm oder kalt. Gesichtszüge entgleiten, Pupillen weiten sich, Falten entstehen, Haare werden grau oder fallen aus, noch bevor sie grau werden.
Aber all das dauert eigentlich nur einen Sekundenbruchteil …

—> 50) Sekundenbruchteil-Momente 2

42) Baugrube Berlin 10407

Eigentlich wollte ich ja hier nicht mehr so viel schimpfen. Aber ich kann heute nicht anders, ich muss es loswerden. Andere schimpfen auch, ich stimme in den Kanon ein. Wenn ihr es nicht mehr hören könnt, dann klickt den Beitrag einfach weg. Mir egal. Es werden wieder bessere Texte folgen. Das hoffe ich doch.

06.03.19 bis 15.04.19: Straßenbahn M4 gesperrt, stattdessen Schienenersatzverkehr mit Bussen zwischen City-Ost und Prenzlauer Berg.

08.04.19 bis 20.05.19: S-Bahn 41 gesperrt, stattdessen Schienenersatzverkehr mit Bussen über die Storkower Straße, 50 % der Auto-Spuren zu Bus-Spuren erklärt

15.04.19 bis 13.05.19: Straßenbahn M10 gesperrt, „die“ Tram schlechthin, die vom Wedding, über Prenzlauer Berg, Friedrichshain bis kurz vor Kreuzberg fährt, stattdessen Schienenersatzverkehr mit Bussen.

13.05.19 bis 07.06.19: Kreuzung Landsberger Alle / Petersburger Straße. Das ist eine Mega-Kreuzung, essentiell für den Verkehr von Nord nach Süd und von den östlichen Außenbezirken in die City. Temporär nur noch einspurig (!) in alle Richtungen wegen Schienenbauarbeiten.

Herbst 2018 bis Frühling 2019: Unser Sportplatz soll nach 30 Jahren einen neuen Tartan-Belag bekommen. Mittlerweile ist bald Juni, viel Sand gibt es dort, Tartan aber nicht.

xx.04.19 bis xx.05.19, die Details habe ich vergessen: Monatelanger Bau einer Leichtbau-Schule ein paar Straßen weiter. Die ist anscheinend nicht „leicht“ zu bauen, sondern nur leicht an Material. Beginnende Kanalarbeiten in unserer Straße pünktlich zu Ferien-Ende. Gelbe Zebra-Streifen nehmen die Arbeit der Schülerlotsen ab. Die Grundschule ein paar Hausnummern weiter baut noch immer an ihrem Jahrhundertgarten. Wir vermuten, es entsteht ein zweites Taj Mahal. Und zu alldem noch der Wahnsinn, dass hier bei uns im Kiez viele Auto-Spuren zu Fahrrad-Spuren erklärt werden.

Selbst der unaufmerksame Leser hat kapiert, dass all das zur gleichen Zeit oder überlappend stattfindet. Nur derjenige, der hier wohnt, hat schon seit Wochen kapiert, dass all das auf einer Fläche von nicht einmal 3 Quadrat-Kilometern geschieht.

Die müssen spinnen, sorry. Aber anders kann ich mir das nicht erklären.

„Ja“, natürlich muss auch einmal gebaut werden. Verstanden. “Ja“, endlich werden die Baugelder locker gemacht. Auch gut. Und „Ja“, es gibt nie einen guten Moment für eine Baustelle. Alles schon gehört. Aber auf diese Weise?

Woran liegt das?

  • Ist eine Tram-Kreuzung oder eine S-Bahn-Weiche wirklich ein so komplexes Bauwerk?
  • Muss ein Schulhof bereits zum Unesco-Welterbe zählen, bevor er eröffnet ist?
  • Sind es die hohen Qualitätsstandard, die zu solchen Bauzeiten führen?
  • Liegt es an den knappen Budgets, dass keine Nacht- und Wochenendzuschläge gezahlt werden?
  • Sind es gar die Anwohner, die gegen den Baulärm vorgehen und alles in die Länge ziehen?

Bitte, erkläre es mir einer!

Denn es wenn es keine sachlichen Gründe gibt, dann muss es planerisches Unvermögen sein oder gar Kalkül. Bin mir gerade noch nicht sicher, was das Schlimmere ist.

Das sind die Momente, wo ich im Auto aufpassen muss, den Kids nicht mein komplettes Spektrum an Schimpfwörtern zu offenbaren. 

Man oh man…

Frühere Beiträge, aber nicht weniger aktuell:

42) Auswärtsspiel

Samstag 07:00 Uhr, der Wecker klingelt. Verrückt geworden? Nee, eigentlich nicht. Wir müssen zum Auswärtsspiel. Anpfiff ist 09:30 Uhr, aber bereits 08:30 Uhr soll sich die E-Jugend dort treffen. Nach einem Express-Frühstück steige ich mit unserem angehenden Ronaldo ins Auto und düse in Richtung Berliner Norden. Pünktlich wie die Maurer sind wir dort. Unser Ronaldo entschwindet in die Umkleide und ich habe nun eine Stunde zeit. Herrlich.

Ich beschließe, mir die Beine zu vertreten und laufe ein wenig durch die Nachbarschaft des Sportplatzes. Neue Eigenheime stehen neben älteren Häusern. Eigentlich ganz nett hier. Schön grün und natürlich gewachsen das Viertel. Kurzzeitig freunde ich mich mit Gedanken an, dort zu wohnen. 

Doch dann treffe ich auf erste Zettel, die an Laternen kleben. Es sind wiederholt als „Bouletten getarnte Gift-Köder“ gefunden worden. Man solle bitte auf die lieben Hunde und Katzen achten. Von Kindern war nicht die Rede. Auf einem anderen Zettel mobilisiert die Anwohnerschaft gegen ein geplantes Neubau-Siedlungsgebiet. „Naturwiesen statt Beton-Riesen“. 

Gegen 09:00 Uhr bin ich zurück am Platz und genehmige mir im Sportler-Imbiss einen Kaffee. Ich kriege den abgestandenen Rest aus der Glas-Kanne. Für einen Euro. Die verbliebenen 20 Minuten bis zum Anpfiff tingele ich auf dem Gelände herum und schaue mich etwas um. Der hiesige Sportverein hat ein Faible für Regeln und Schilder. „Fahrräder am Zaun abstellen verboten“. „Sportplatznutzung außer zum Training und Punktspiel verboten“. „Leise verabschieden, Auto-Türen rücksichtsvoll schließen und nicht hupen“.

Ich beschließe, nicht dorthin zu ziehen.

Das Fußball-Spiel:

  • 09:30 Uhr: Anpfiff erfolgt, heute sogar mit Schiri und Linienrichterin. Schiri mit Notizblock, Linienrichterin mit Fahne. Na die fahren aber mächtig auf heute, mein lieber Mann. Gibt’s auch eine Video-Schalte nach Köln…?“, lästere ich mit einem anderen Papa.
  • 09:32 Uhr: Die Linienrichterin entpuppt sich schnell als parteiisch für die Gastgeber und schreit pausenlos „Klasse Toni!“, „Toll Kevin!“, „Schade Tim!“
  • 09:38 Uhr: 1:0 für die Gastgeber. Misst.
  • 09:39 Uhr: „Super Pete, weiter so!“, „Klasse Kevin!“. Och nö! Soll das jetzt das ganze Spiel so weitergehen? Anscheinend ja. Sie schreit weiter.
  • 09:41 Uhr: „Klasse Pete … nee … Toni meine ich!“, schreit sie
  • 09:42 Uhr: Ausgleich zum 1:1, meine Stimmung steigt wieder
  • 09:43 Uhr: „Klasse Jannik, toll gemacht!“
  • 09:44 Uhr: „Schön Pe … ähm Kevin“
  • 09:45 Uhr: „Toll Toni!“, „Super Louis!“. Aber halt, wer ist denn auf einmal Louis? Ach so, kürzlich eingewechselt. Habe ich nicht mitbekommen.
  • 09:50 Uhr: Der Gastgeber geht mit 2:1 in Führung, „Toll, superklasse Jungs“ schreit es von der Seitenlinie
  • 09:51 Uhr: Wir holen zum 2:2 auf, ich mache mir Hoffnung
  • 09:53 Uhr: Die Linienrichterin legt die Fahne gänzlich weg und focussiert sich nur noch darauf, Jungs-Namen über den Platz zu brüllen.
  • 09:56 Uhr: Halbzeit
  • 10:08 Uhr: „Toll Leon, ganz geiler Pass“. Die Spieler-Mama nebenan schaut zu mir rüber. Wir beiden runzeln die Stirn. Weiter schallen Namen über den Rasen, ich komme beim Schreiben gar nicht mehr mit.
  • 10:16 Uhr: Mit 3:2 gehen unsere Jungs in Führung, die Linien-Richterin stellt das Schreien ein
  • 10:32 Uhr: Abpfiff. Gewonnen! Gut gemacht! 

Los komm Kevi… ähm Ronaldo, wir hauen ab. 

Aber leise bitte…

 

Andere Beiträge zu Fußball und Kids:

 

 

19) Lifejacket under seat

Keine Ahnung, wie oft ich schon die Sicherheitsunterweisung im Flieger dargeboten bekommen habe. Notausgänge vorn und hinten, Anschnallen, Flugmodus und so weiter. Ansonsten … „bitte die Sicherheitskarte vor ihnen in der Sitztasche…“ beachten.
Immer das selbe Schema.

Obwohl…, in den letzten Monaten wurden wieder ein paar neue Elemente in die Dramaturgie eingebaut. Man spricht von sich überhitzenden, gar qualmenden Mobiltelefonen und von E-Zigaretten. Letztere dürfen natürlich nicht geraucht werden. Auch nicht heimlich auf dem Klo, Mensch! Kam die Einweisung früher noch vom kostümierten Board-Personal, wird das Programm auf der Langstrecke nun immer mehr per Video „performed“. 

Das ist häufig ganz lustig gemacht, wenn auch etwas realitätsfern:

  • Animierte Mutter und Kind sitzen glücklich nebeneinander. Mama nimmt dem Sohn das Handy weg und schaltet ihm den Flugmodus ein. Der Junge lächelt sie an und nickt verständnisvoll.
  • Ein Business-Typ sitzt auf seinem Platz und tut nicht nichts. Auf einmal fallen Sauerstoff-Masken von oben herab, entspannt greift er zur Maske und bleibt die Ruhe in Person. Wie in der Joga-Klasse.
  • Mein absoluter Liebling ist aber die Animation im Falle einer Notwasserung. Der Passagier tritt an die Türschwelle, lässt noch einen Blick übers seichte Meer schweifen und zieht den Stöpsel seiner gelben Weste. Und dann folgt: „An der Schwimmweste befindet sich eine Pfeife, mit der sie im Bedarfsfall Aufmerksamkeit erregen können“. 

Dann stelle ich mir vor, wie ich allein im großen Pazifischen Ozean herumtreibe, so vor mich hin pfeife und außer dreieckigen Fischflossen nichts zu sehen ist. 

Allerdings ist ein Notfall im Europäischen Mittelmeer in diesen Tagen auch kein Geschenk. Ob nun mit oder ohne Pfeife…

Andere Beiträge aus meiner Fliegerei

 

 

 

18) Küchentisch und Elektrischer Stuhl

Ein neuer Küchentisch soll her. Der alte hat lange treuen Dienst geleistet, aber nun ist auch mal gut. Aus Holz, vier Ecken und maximal 2 Meter lang. Ach so, ausziehbar sollte er auch noch sein. Mehr nicht. Kann doch nicht so schwer sein, oder? Für eine erste Recherche wähle ich mich in ein Möbel-Portal ein.

Ein Klick auf „Esstische“ bringt erfreuliche 436 Esstische zu Tage. Bestens, da sollte sich doch etwas finden lassen. Das wird ein Spaziergang. Ich setze die Filter auf 90-100 cm Breite, maximal 200 cm Länge und das Material auf „Holz“. Die mächtige Zahl 436 schrumpft auf eine kümmerliche 23 herunter. Abzüglich der Tische, die irgendwie metallische und farbige Anteile haben, bleiben noch 13 Modelle. Ziehe ich noch die Tische ab, die nach fränkischer Bauernstube aussehen, überleben gerade mal lächerliche 10 Exemplare. Und da habe ich noch nicht einmal auf Dekor, exakte Maße und Preis eingeschränkt. Kann das sein? Sind unsere Vorstellung so extrem? Das scheint ein größeres Projekt zu werden. Dann wohl doch ab zum Möbel-Markt. 

  • Nicht weit von uns entfernt, fahren wir abends spontan dort vorbei. Der Markt ist riesig, schließt aber bereits in einer Stunde. Nur wenige andere Kunden stehen uns im Weg, es gibt sogar 33% Rabatt. Den würden wir schon gern mitnehmen, wenn es sich machen lässt. Zwei oder drei Tische passen aus der Ferne grob ins Beute-Schema, bei den Details aber fallen sie alle durch. Wir sind frustriert.
  • Wir fahren wenigstens noch „schnell“ zum Möbel-Schweden nebenan, einen Büro-Stuhl fürs Töchterchen suchen. Der Markt hat eine Stunde länger auf und notfalls finden wir dort zum Dinner noch ein paar Schweden-Bouletten. In der Büro-Abteilung finden wir schnell einen Dreh-Stuhl, die Laune steigt sofort wieder. Leider kriegen wir von dem Stuhl ständig eine gewischt. Ein elektrischer Stuhl quasi. Für Kinder. Im Einzelhandel. Die Lust vergeht uns, wir brauchen 20 Minuten, um diesen blau-gelben Press-Span-Tempel wieder zu verlassen
  • Fünfzehn Kilometer stadtauswärts hat man vor ein paar Jahren einen neuen Möbel-Markt auf die Wiese gesetzt. Ein Riesen-Teil. Da muss es unseren Tisch geben. Wo sonst, wenn nicht da? Letztlich standen ein paar Kandidaten dort herum, waren aber auch nicht das Richtige. Manche hatten gigantische Zahlen auf dem Preisschild zu stehen, ander konnte man bis auf 2,80 Meter ausziehen. Was soll ich damit anstellen? Luxus-Tapeten drauf einkleistern? Immerhin gibts für Sohnemann im Erdgeschoss eine Kugel Schoko-Eis. Ausgesprochen lecker ist das die und deutlich günstiger als im Bio-Vegan-Fair-Laktose-Öko-Koscher-Eis-Kaffee bei uns im Kiez.

Bei 80 Millionen Menschen in Deutschland, gibt es doch bestimmt 40 Millionen Haushalte. Angenommen die Hälfte davon besitzt einen Küchentisch. Sind die alle aus Press-Pappe, kreisförmig und quietsch-bunt? Hat schon mal einer Lebenszeit und Auto-Kilometer berechnet, die man auf der Suche nach einem Küchentisch verbrauchen kann? Allgemein denkt man doch immer, in dieser Welt gibt es alles in tausenden Varianten, Farben und Spezifikationen zu haben. 

Da bin ich mir nicht mehr so sicher. 

Wird uns das nur vorgegaukelt? Eine Angebots-Blase. Ist das alles eine Mogel …ähm … Möbel-Packung? 

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17) PushTAN-App

Seit ein paar Wochen nervt mich meine Bank, doch endlich auf ein neues TAN-Verfahren umzustellen, weil die smsTAN nicht mehr unterstützt wird. Mit fortschreitendem Kalender habe ich mich nun doch mal damit beschäftigt. Ich wählte mich ins Online-Banking ein und schwelgte noch kurz in Erinnerung.

  • Anfang der 2000-er Jahre, wurden die TANs noch von den Banken per Post nach Hause geschickt. 100 Stück gab es da auf einen Zettel gedruckt und damit hatte man erst einmal eine Weile Ruhe. Man konnte sich für eine Überweisung sogar eine TAN von dem Papier aussuchen. Um auf „Nummer sicher“ zu gehen, dass die TAN damit ungültig war, habe ich die verbrauchte TAN fein säuberlich mit einem Kuli durchgestrichen.
  • Das ging nicht lange so weiter. Solche Papiere gelangten natürlich in falsche Hände, böse Menschen kauften das halbe Internetz leer und schmückten sich mit fremden TANs. Irgendwann hat das Online-Banking eine ganz bestimmte TAN von diesem Zettel gefordert. Vorbei die Zeit, als man noch ein paar TANs mit in den Urlaub nehmen konnte, um sie im Notfall vor Ort  zu verwenden.
  • Dann wurden wir User immer mobiler. Wir wollten unsere Bankgeschäfte von überall erledigen. Aus dem Internet-Café, im Hotel, vom Klo. Da war ein Papier-Zettel im heimischen Leitz-Ordner etwas hinderlich. Die smsTAN war geboren. Ein Zugewinn an Freiheit und Mobilität. Es war nichts zu tun, außer einmalig eine Handy-Nummer bei der Bank zu hinterlegen. Großartig.

Nun soll das alles Geschichte sein! 

Ich klicke also den Button „TAN-Verfahren umstellen“. Das Online-Banking stellt mich vor die erste Entscheidung. „PushTAN“ oder „Chip-TAN“. Puhhh. Eigentlich würde mit eine „normale TAN“ ausreichen. Ich entscheide mich für PushTAN. Dazu müsste ich aber bitte zunächst die X-PushTAN-App aus meinem App-Store laden, informiert das Online-Banking. Optional könnte ich auch einen QR-Code scannen, der mich dann in den App-Store zum Download führt. Als das gemeistert ist, muss ich die Installation der App bestätigen, da mir danach noch ein Link per SMS zugesandt wird, denn ich anklicken soll.

Ich folge dem Link. Ich lande in der X-PushTAN-App und werde um ein Kennwort gebeten. Aber welches Kennwort? Anscheinend ein neues. Es muss natürlich Kleinbuchstaben, Großbuchstaben, Sonderzeichen und Zahlen enthalten. Puhhh. Irgendwie vergeht mir gerade die Lust daran. Ich überlege, die Umstellung „app“zubrechen, aber das ist vermutlich auch nicht gut. Also weiter im „App“lauf. Nach erster Eingabe des Passworts, muss ich es noch bestätigen. Nur leider kl“app“t das irgendwie nicht. Das zweite Passwort ist immer kürzer oder länger als das erste Passwort. Die App zeigt aber nur Punkte statt Buchstaben an, ich kann die Passwörter also nicht „app“lesen und „app“gleichen? Bin ich zu blöd, kann ich mir das für heute also „app“schminken? Ist vielleicht gar nicht das zweite Passwort falsch, sondern eigentlich das erste? Nach kurzem Wutanfall kühle ich wieder etwas „app“. Es vergehen einige Minuten. „App“schließend funktioniert es dann. Das Passwort wird von der App endlich „app“genommen. Glücklicherweise kann ich „app“ sofort auf Finger-Print umstellen, so dass ich das Passwort hoffentlich nie mehr benötige. Die X-PushTAN-App generiert nun noch eine PIN, die ich wiederum ins Online-Banking „app“tippen soll. Es läuft! Mit etwas „App“stand hat die Umstellung eigentlich gut gekl“appt“. Ich „app“elliere an meine Frau, die Umstellung auch bald zu „app“solvieren, damit wir das „app“geschlossen haben. Aber mir ist jetzt schwindelig. 

Ich schicke den Blog-Beitrag jetzt „app“ und dann geht‘s „app“ auf die Couch.

Andere Beiträge rund um Geld und App:

16) Wahl-O-Mat

Bald werden wir wieder zu den Wahlurnen gerufen und dürfen wählen gehen. Ja wir „dürfen“ wählen gehen, das vergisst der ein oder andere Mitmensch gern mal. Seit Ende letzter Woche ist dazu auch der Wahl-O-Mat wieder online. Eine großartige Erfindung. Man beantwortet einfach 38 Thesen mit „Stimme zu“, „Stimme nicht zu“ oder „Neutral“. Das ganze dauert nur ein paar Minuten und danach bekommt man die Parteien, die am besten zu den eigenen Ansichten passen. Eigentlich brauche ich den Wahl-O-Mat nicht unbedingt, um herauszufinden, welche Partei ich von den möglichen 41 wählen soll. Ich denke, man hat doch ein paar innere Überzeugungen und Werte, so dass man ja nun nicht wirklich die Auswahl aus 41 hat, sondern doch eher zwei oder drei in Betracht zieht. Der Wahl-O-Mat lässt sich aber super nutzen, um mal zu schauen, wie das Wahlprogramm der Partei, die man so im Auge hat, zu den eigenen Ansichten passt. Und so habe ich den Wahl-O-Mat genutzt, allerdings unter der Bedingung, mich immer klar zu positionieren und niemals „neutral“ zu tippen.

  • Manche Thesen waren so polarisierend formuliert, da wusste man so sofort, aus welcher Ecke die kommen. Die machten es mir aber einfach, dafür oder dagegen zu stimmen. Klick. Nächste Frage bitte.
  • Schwieriger waren dagegen die Thesen, die man sich ganz schnell mit egoistischer Brille beantworten kann, sich dann aber noch die Influencer „Vernunft“, „Realität“ und das „Große und Ganze“ einmischen.

Nach der Beantwortung aller Thesen bekam ich dann Parteien aufgelistet, die auch auf meinem Zettel standen. Das beruhigt. Man stelle sich mal vor, man bekäme auf einmal Parteien vom ganz anderen Rand des Spektrums. Gruselig.

PS: Ein ganz interessanter Versuch ist, wenn man die eigenen Kids bittet, die 38 Fragen für sich zu beantworten. Zunächst müssen die Erwachsenen natürlich erst einmal von „Politik“ auf „Kind“ übersetzen, was gar nicht so einfach ist. Und man sollte es bei der sachlichen Übersetzung belassen und nicht versuchen, die Entscheidung zu beeinflussen. Was erst recht nicht einfach ist.

Im Ergebnis sind Mama und Papa dann super stolz oder gar entsetzt 😉

 

Also Leute, gern mal selber probieren und noch viel wichtiger… wählen gehen!