480) Jedem seine Bubble?

Ein Gedanke vom Joggen heute Morgen lässt mich nicht los. Da ging es im Hörbuch „12 Gesetze der Dummheit“ von Henning Beck unter anderem darum, dass Informationsblasen ja heute eigentlich Blasen sind, die sich um Gruppen herum gebildet haben. Da fühlt man sich kuschelig wohl, deshalb verlässt man diese Bubble auch nicht. Was aber, wenn durch fortschreitende generative KI und Individualisierung jeder Mensch in genau einer informativen Bubble lebt und jegliche Inhalte auf diesen einen Konsumenten zugeschnitten sind? 

Nein, ich meine keine Algorithmen die Inhalte zusammensammeln und uns auf die Geräte puschen, das gibt es ja heute schon und führt zur Filter Bubble. Nein, ich meine Inhalte, die aus dem Nichts erschaffen werden. Nur für den einen User. Also eine Art Creator Bubble. Es gibt keine Massenmedien mehr, keine Nachrichten, kein Twitter, kein Facebook und kein Hollywood, die Inhalte für mehrere Menschen produzieren und dann noch monatelang in den Mediatheken anbieten. Stattdessen würden Inhalte für den Moment geschaffen, danach sind sie wieder weg, sie existieren so kein zweites Mal. Niemand könnte diesen Blogbeitrag lesen, denn der wurde in meiner Bubble geschaffen und da bleibt der dann auch. Unsere Bubbles wären nicht miteinander verbunden, jeder blubbert in seiner eigenen Bubble vor sich hin, das elektronische Teilen wäre wieder abgeschafft.

Na, wie wäre das? Auf jeden Fall gruselig oder?

  • Marketingstrategen würden sich vermutlich freuen, können sie den Konsumenten dann den ganzen Tag mit individueller Werbung vollpumpen und Vergleichsportale gäbe es ja auch nicht mehr. 
  • Bei Despoten, da bin ich mir gar nicht so sicher, was sie davon halten würden. Sie könnten happy sein, weil sich über zwischen den Millionen von Bubbles kaum Widerstand des Bubble-Volkes organisieren lässt, allerdings hätten die Despoten das Problem, dass sie auch keine Massenpropanda auf die Human-Blasen herabgießen können. Auch doof. Für die Despoten.
  • Menschen werden möglicherweise viel kommunikativer. Vielleicht berichten sie gegenseitig von ihren individuellen Erlebnissen, denn analog kommunizieren können sie ja schließlich noch. Oder die Kommunikation schläft dann erst recht ein, weil der jeweils andere nicht mitreden, maximal zuhören kann. Wenn zwei Kollegen begeistert über ihren letzten Kinofilm schwärmen, wird das recht öde, wenn jeder 90 min nur über seinen Film rezitiert.

Tja, 80 Millionen Bubbles, in diesem Land wären dann vielleicht doch ein bisschen viel. 

Aber wie viele Bubbles wären denn optimal? 

  • Eine Bubble etwa? Oh, nein danke. Und hatten wir schon mal. Ging nicht gut.
  • Zwei Bubbles vielleicht? Dann wäre das vermutlich so wie in den USA.
  • Pro politischer Partei eine Bubble? Das ist viel zu grob, wenn man da nur an die Flügelkämpfe in den Parteien denkt. 
  • Pro Postleitzahl eine Bubble. Neeiiiiiiin! Um Himmels nicht das. Ich als einer der letzten noch nicht gentrifizierten Ur-Einwohner des Bezirks in einer Weißwurst-Maultaschen-Bubble?

Dann ziehe ich weg in meine eigene Bubble und blubber darin vor mich hin.

Nur ich … mit einer Tasse Bubble-T.

479) Nach den Regeln des Krieges

Auch wenn ich gerade im südlichsten Südböhmen bin, folge ich natürlich der Nachrichtenlage daheim. Dank WIFI und Mediathek kein Problem, großartig. Nur gestern, in der 19:00 Uhr-Ausgabe 27.10.23 von „heute“, da sagte die Moderatorin einen Satz, da musste ich erst einmal schlucken.

„Israel hat auf die Forderungen der EU bislang nicht offiziell reagiert, bekommt aber auch Druck aus den USA, sich an die Regeln des Krieges zu halten, ungeachtet seines Rechts auf Selbstverteidigung.“ What? Ich spulte noch mal zurück. „An die Regeln des Krieges“ … das klang in meinem Ohr wie … „Nach allen Regeln der Kunst“. Das hat sie natürlich nicht gesagt, aber das hallte in meinem Kopf nach. Da war der schon fast lustige Versprecher des geschätzten Journalisten kurz davor fast vergessen, als er auf den französischen Staatspräsidenten „Francois“ Macron referenzierte.

Geschenkt! Passiert, selbst den Profis.

„Regeln des Krieges“. Da hatte ich heute auf der Autobahn nach Österreich genug Zeit drauf herumzukauen.

Gibt es ein Regelwerk für Krieg? Quasi „Das 1×1 des Kriegs“?, „Krieg für Anfänger“?, „Krieg für Fortgeschrittene“?, Kriegsführerschein in zwei Wochen“? Mit Checklist, Übungsblättern und Raum für eigene Notizen?

Und wenn ja, in welchem Regal der Bücherei des Vertrauens steht es dann? Bei den „Klassikern“, bei den „Top-Sellern“ oder bei „Körper & Gesundheit“?

Also, es gibt zumindest einen Grundverständnis an „Spiel“-Regeln: Genfer Konventionen, UN-Charta, Schutz von Zivilisten, Schutz von Kulturgütern, Verbot von Massenvernichtungswaffen etc., soweit so gut.

Leider gibt es hier keine Schiedsrichter auf dem Feld. Kein Video-Assistent aus dem Keller in Den Haag. Das „Match“ kann nicht einfach abgepfiffen werden, von einem Unparteiischen in kurzen Hosen und einer Trillerpfeife im Mund.

Leider, leider geht das nicht. Nicht mal eine Halbzeit gibt es, keine Trinkpause und die Spieler machen auch nicht an vorher gezogenen Linien halt.

Bei all den Konflikten weltweit wundert es mich eigentlich, dass es noch keinen festen Slot in den Nachrichten für „Krieg“ gibt.

„Soweit zu den Nachrichten aus Deutschland, meine Damen und Herren. Wir schalten nun live rüber zur Kriegs-Redaktion, dann folgen die Börsen-News und zum Abschluss wie gewohnt der Sport und das Wetter für die nächsten Tage.
Einen schönen Abend noch.“

472) Buchstabensuppe mit Alles – 7

Da fliegen so einige Gedanken durch meinen Kopf, die darum bitten, schriftlich fixiert werden. Das wären dann allerdings 4-5 einzelne Blog-Beiträge zu denen mir aktuell ein wenig der Bock fehlt. Also kipp ich mal wieder alles in einem großen Topf und mache lecker Buchstabensuppe mit Alles.

Gestern am 2. Oktober hatte Gandhi Geburtstag. Meine Kollegen in Indien hat einen Feiertag und ich beim Joggen die Gelegenheit drüber nachzudenken, was denn Gandhi wohl getan hätte dieser Tage. Kaum vorstellbar, dass er mit Verzicht, Blockaden, Hungerstreik und Gewaltfreiheit weit gekommen wäre. Die „Letzte Generation“ bedient sich ja auch am Instrumentenkasten des zivilen Ungehorsams und schafft damit bislang … Aufmerksamkeit und Aufregung.

Das Pergamonmuseum in Berlin soll bald für dringende Baumaßnahmen ganz/teilweise geschlossen werden. Man rechnet mit einer Bauzeit von zwölf Jahren, ja zwölf. Nur mal so im Vergleich, das Taj Mahal wurde in 20 Jahren gebaut, zugegeben auf einer Wiese und mit unzähligen Arbeitern, die wir ja bekannterweise nicht mehr haben. Gehen wir mal davon aus, dass bei den Bauarbeiten irgendwas schief geht oder wir auf Überraschungen stoßen, wäre die vollständige Wiedereröffnung in 2036 oder so.

Apropos 2036. Der Regierende Bürgermeister von Berlin, flirted mit der Idee einer erneuten Olympia-Bewerbung. 2040 hält er für möglich, aber am liebsten wäre ihm 2036. Na wunderbar. Noch geschichtsträchtiger kann ja nun eine Olympiade in Berlin kaum sein. Damals 1936 saß Hitler im Berliner Olympiastadion. Mal gucken, wer 2036 als unserer Reichs … ähm … sorry Bundeskanzler im Stadion winkt.

Aber heute ist nun erst mal wieder Tag der Deutschen Einheit. Diesmal wird in Hamburg gefeiert und man wird bei Labskaus, Maultaschen und Thüringer Bratwurst diskutieren, was bisher gut lief und wo noch große Baustellen zu bearbeiten sind. Der Bartsch von den Linken forderte im Vorfeld einen Ost-Deutschland-Gipfel. Ob uns solch ein Gipfel nun weiter bringt, weiß ich nicht, aber ein wichtigen Punkt hat er natürlich, wenn er deutlich darauf hinweist, dass nächstes Jahr in Sachsen, Thüringen und Brandenburg gewählt wird. Und ich habe da kein gutes Gefühl.

Schönen Feiertag allerseits

<– 432) Buchstabensuppe mit Alles – 6

—> 561) Buchstabensuppe mit Alles – 8

444) Lass sie kleben

Sitzen ist das neue Rauchen, sagt man. Kleben ist das neue Impfen, glaubt man. Es gibt kaum ein Thema, was die Deutschen so sehr aufzuregen und zu polarisieren scheint.

Menschen, die sich für konsequenten Klimaschutz auf der Kreuzung festkleben und damit Autofahrer an den Rand des Wahnsinns treiben. Juhu, ich habe es schon geschafft. Des Lesers Puls hat sich bereits verändert. Wetten?

Und was können wir uns da herrlich aufregen:

  • Auf einmal scheint der Großteil der Berliner neuerdings Klempner zu sein oder dringende Arzneimittel zu transportieren.
  • Und alle Nicht-Berliner sind plötzlich zu Berlinern geworden und dreschen auf die Klebe-Geister ein. Weil das ja „dem eigentlich doch positivem Ansinnen schadet“. Die völlig falsche Protestform … na wenn das mal nicht nach hinten losgeht.
  • Und die Gemälde. Auh weija. Ja da ist eine rote Linie übertreten. Wir lieben ja unsere Gemälde. Jeder kennt eines. Schade um die schönen Gemälde, die haben ja mit Klimaschutz überhaupt nichts zu tun. 
  • Und das Grundgesetz erst. Das stand da immer so schön getafelt an der Spree. Und nun wurde es schon mehrfach beschmutzt. Unser schönes Grundgesetz, das uns sonst ja so heilig ist. Jeder Deutsche kann nachts geweckt werden, die Abseitsregel erklären und das Grundgesetz aufsagen. Ja genau.
  • Und der Moderator, des von mir eigentlich sehr geschätzten Radiosenders, der seit mehreren Tagen über nichts anderes mehr reden mag, weil er selber ständig im Stau steht. Schlimm, so schlimm.
  • Und der 80-jährige Opa, der vom Flughafen BER drei Stunden in den Berliner Norden gebraucht hat und weder eine Flasche Wasser und noch eine mobile Toilette dabei hatte. Das geht an die Menschenrechte. Das ist ja schon kriminell. Dagegen muss man vorgehen.
  • Und die Abgase, die dabei entstehen. Allein schon dadurch werden doch Staus gefördert. Furchtbar. Drei Stunden Klimaanlage im Dauerbetrieb, das Auto-Radio läuft und das Handy muss man ja auch mal laden. Das verhagelt uns ja nun völlig die Klima-Bilanz. Das macht ja alle Anstrengungen zunichte.
  • Und all die Rettungswagen im Besonderen, die ja früher quasi durch die Stadt flogen und nun ständig feststecken. Die armen Menschen, die da tagtäglich im RTW verrecken. Stell dir das mal vor. Dramatisch.
  • Und überhaupt, die normalen Bürger, das sind doch die völlig falschen Adressaten. Das sollte man doch lieber die Regierung … oder die Industrie … oder die … Bonzen und die alle blockieren … das sind doch die … die Schuld sind. 
  • Und dieser schnöselige Tasten-Clown hier, der hat ja gut reden! Der sitzt ja den ganzen Tag in seinem Yuppie-Homeoffice. Der muss ja nicht jeden Tag mit dem Auto zu Arbeit fahren.

Stoooooopp! Ich habe die Schnauze voll, ich kann es nicht mehr hören. Diese Jammerlappen hier. Wie will man Veränderungen voranbringen … wenn viele Menschen zwar gern Bundestrainer … ansonsten aber … Weicheier … sind. Sorry. Tut mir Leid.

Gut tausend Kilometer von hier, da kleben Kinder auf der Straße. Tote Kinder oder was von ihnen übrig ist. Knochen, Gedärm, Hirn, eine Niere garniert mit Zahnspange und Teddy-Bär-Gemüse. Eine zähe Masse. Und das klebt vielleicht das Zeug. Kriegt man kaum wieder ab von der Straße. Hilft auch kein Sonnenblumen-Öl.

Wisst Ihr, was mich mal interessieren würde? Welches inhaltliche Ziel eigentlich eine Bewegung verfolgen müsste, damit der Großteil der Heulsusen hierzulande mit den unbequemen Sitzblockaden fein wäre. Bratwurst für alle? Freibier? Fußballweltmeister?

Schönen Sonntag
T.

56) Abwärts – Vol 3

30.04.2023. Noah lümmelt auf der Couch. Er nippt an einem Bier. Die Augen werden langsam schwer, aber er will noch die Spätnachrichten sehen. Der Moderator Christian Sievers eröffnet die Sendung mit dem 30-jährigen Jubiläum des Internets und interviewt im Anschluss eine KI namens Jenny. Noah reibt sich die Augen. Cool gemacht. Ein KI-Experte ist zu Gast und kommentiert das Ganze.

30.04.2028. Noah lümmelt auf seinem Multifunktionsmöbel. Er nippt an einer hopfenbasierten Nährlösung. Die Augen werden langsam schwer, aber er will noch die Spätnachrichten sehen. Der Virturator Chris S. eröffnet die Sendung mit dem 35-jährigen Jubiläum des Internets und interviewt im Anschluss wieder diese Jenny. So wie die letzten Jahre. Experten kommen nicht mehr ins Studio. Zu aufwändig. Zu teuer. Zu unberechenbar.

03.04.2033. Noah liegt in einer Nährlösung. Er muss noch die Pflichtfilme im Spätprogramm sehen. Alle Menschen müssen das tun. Damit sie nicht vor Langeweile durchdrehen. Das hat das Ministerium für Kultur und Digitalisierung mal verordnet. Nachrichten gibt es schon einige Jahre nicht mehr, denn es geschieht ja auch nichts Nennenswertes über das sich berichten liesse. Den Virturator Chris S. hatte man bald wieder deinstalliert, er war nur als Brückentechnologie gedacht. Jenny ist mittlerweile Bundespräsidentin und spricht einmal im Monat zu den Konsumenten…

Noah‘s Smart Phone macht „bling“ und er schreckt von der Couch hoch.

Yumi: Hey, wie geht‘s?
Noah: Abwärts

Yumi: Wieso?
Noah: Der Sievers hat eine KI interviewt

Yumi: Alles nur hype
Noah: Weiß nich

Yumi: Warum?
Noah: Hab geträumt

Yumi: „Was denn?
Noah: Von Jenny

<— Abwärts – Vol 2

420) Buchstabensuppe mit Alles – 2

Als man sich vor langer Zeit den Kopf zerbrach, welcher Monat kürzer sein soll als all die anderen, hat man sich für den Februar entschieden. Gute Wahl. Kaum auszuhalten, wenn der Februar 30 oder 31 Tage hätte.

Und was hilft da am besten. Eine warme Suppe.

Buchstabensuppe:
Nach den ersten Kommentaren zu dieser neuen Beitrags-Serie, kann ich feststellen, dass  „Buchstabensuppe“ im Allgemeinen positiv besetzt ist. Eine gute Entscheidung, dass ich nicht „Rosenkohl“ für das Format gewählt habe. Für manche ist Buchstabensuppe mit Kindheit verbunden, andere versuchen immer noch, sich ganze Wörter auf der Zunge zurechtzulegen. Danke an Clara Himmelhoch für den Tipp und das Kopfkino. Allerdings sind Buchstabennudeln irgendwie auch aus der Zeit gefallen. Sie wurden bestimmt von alten weißen Männern erfunden und müssen dringend überdacht werden. Warum? Zum einen sind sie in der Regel weiß, was ja überhaupt nicht mehr geht. Hinzukommt, dass man die Worte nicht korrekt gendern kann. Es fehlen Doppelpunkte und Schrägstriche in der Tüte. Auch Mitbürger mit Migrationshintergrund fühlen sich komplett ausgeschlossen. Es gibt keine Umlaute und Akzente, wie sollen sich Menschen mit türkischem oder slawischem Background hier jemals heimisch fühlen? Und wenn man bedenkt, dass ein Drittel der Weltbevölkerung indisch oder chinesisch ist, wäre es dann nicht angebracht Buchstabensuppe in Mandarin, Hindi, Kannada und Tamil anzubieten? Geht das technisch überhaupt? Oder gibt’s die vielleicht schon? Am besten Mal den Herrn Scholz fragen, wenn er aus Indien zurück ist.

Dachschaden:
Das Haus gegenüber wurde neu bedacht. Seit 2021 arbeitet man dran. Schon letzten Sommer fiel mir auf, dass über einem Dachfenster eine halbe Ziegel fehlt. Aber die werden schon wissen was sie tun, dachte ich mir. Da wird schon einer dran gedacht haben. Wer bin ich denn, dass ich Deutschen Edel-Handwerkern mit Fachkräftemangelhintergund einen Ratschlag erteilen kann. Nun wird die Jahrhundertbaustelle langsam aufgelöst, Mensch und Material ziehen weiter und was soll sich sagen? Mein Verdacht hat sich bestätigt, die halbe Ziegel fehlt immer noch und der Mieter, der da jemals einzieht, wird schnell Stockflecken an der Decke haben. Aber er ist froh, dass er nicht obdachlos ist. Könnte mir eigentlich egal sein, ist ja nicht mein Dach. Aber ich schaue nun mal auf dieses Dach. Jeden Tach. Und ich sehe die Lücke. Und sie schaut mich an. Fragt sich wer hier eigentlich einen Dachschaden hat. Das Haus oder ich. Also was mache ich lieber netter Onkel von gegenüber? Ich recherchierte den Verwalter des Objekts und habe ihn mit einer e-Mail bedacht. Die Firma dankt und leitet das weiter. Derweil ziehen immer mehr Bauarbeiter ab. Ich ahne schon wo das endet. Europaweite Ausschreibung, Hubschraubereinsatz und ich muss es dann noch zahlen.

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Frust:
Vor ein paar Tagen war ich beim Doc. Ein Routine-Check und eine gute Gelegenheit, mit der  Schwester zu quatschen, während ich da auf der Liege sitze. Auf die Frage wie es denn so läuft, klagt sie, dass die Patienten immer lauter, gereizter und pampiger werden. In 2023 wohlgemerkt, nicht in in 2021 und 2022, als die Stimmung teilweise sehr aufgeheizt war. Was macht die Leute so aggressiv? Was haben die falsches gegessen? Und warum lassen die ihren Frust an Krankenschwestern aus?

Aber ich will den Beitrag nicht so negativ enden lassen. Denn wenn man so auf die Titelseiten schaut, gehts uns doch eigentlich ganz prima hier, im Land der Lichter und Banker.

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<— Buchstabensuppe mit Alles – 1

—> Buchstabensuppe mit Alles – 3

417) Buchstabensuppe mit Alles – 1

Der Februar ist fast geschafft, die Tage werden länger. Sehr gut. Und so viel ist schon wieder geschehen, was noch verarbeitet werden muss. Ich gieße das mal mit etwas Instantbrühe auf und reiche meinen ersten Teller „Buchstabensuppe mit Alles“.

Beben
In der Türkei und Syrien zerstört ein Erdbeben Städte und Familien, die Anzahl der Toten liegt aktuell wohl bei 45.000, von den Verletztenzahlen mal gar nicht zu reden und wann das alles jemals wieder aufgebaut werden kann auch nicht. Und ganz besonders die Menschen in Syrien, was die aushalten müssen. Krieg, Naturgewalt. Furchtbar. 2015 habe ich mal einen Erdbebenausläufer vom Himalaya in Delhi erlebt. Bei weitem nicht so heftig wie nun Anfang Februar, aber im Hotel pendelten Lampen und Türen. Gruselig. In dem Moment wird einem klar, wie klein und hilflos man ist. Da helfen keine Sandsäcke, Wassereimer oder vernagelte Fenster. Auch keine Smartphones mit vielen Apps drauf.

Wiederholungswahl
In Berlin wurde am 12.02.23 die letzte Landtags-und Bezirksverordnetenwahl wiederholt. Ein paar kleinere Pannen gab es wohl auch diesmal, aber Wahlbeobachter der OSZE mussten nicht extra anrücken und wir werden auch nicht unter Sonderverwaltung von Markus Söder gestellt. Na ein Glück. Färbt man die Bezirke nach den Farben der stärksten Parteien ein, ergibt sich ein interessantes Bild. In der Stadt-Mitte im Wesentlichen grün und rot, in den Außenbezirken, vollends schwarz. Und ein wenig blau …aber das kann auch eine Störung meines Displays sein.

ChatGPT
Ein Chatbot, der Texte generieren kann, der erklimmt gerade die Bühne und wird heiß diskutiert. Erwachsene und Arbeitsminister fürchten um die Jobs, Schüler freuen sich über Hilfe beim Schreiben von Aufsätzen. Lehrer glauben, sie könnten den Hype beenden, wenn sie keine schriftlichen Hausaufgaben mehr aufgeben, nutzen ChatGPT aber selbst heimlich zu Vorbereitung des Unterrichts … und schaffen sich damit auch ab. Das ahnen sie nur noch nicht. Na bloß gut, dass das Ding noch nicht mit dem Internet verbunden ist und sich seine Informationen daher holt. Denn dann würde ChatGPT irgendwann ja nur noch seine eigenen Texte finden und die dann wiederkauen. Guten Appetit.

In eigener Sache
Nach längerem Zaudern, Überlegen und Prokrastinieren habe ich meinen Homeoffice-Arbeitsplatz aus einer Ecke ohne natürlichem Licht an ein Fenster verlegt. Das war mit größeren Baumaßnahmen verbunden, aber es hat sich gelohnt. Nun habe ich ein Höhlen-Office mit Tageslicht … und immer noch viehischen Muskelkater. Aber es hat sich gelohnt!

Bis bald mal wieder zu einem Teller „Buchstabensuppe mit Alles“

—> Buchstabensuppe mit Alles – 2

<— Buchstabensuppe mit Alles – 0

416) Buchstabensuppe mit Alles – 0

Kennt ihr das? Eigentlich habt ihr Appetit, aber genauso eigentlich, habt ihr auch gar keine Lust euch zwei Stunden in die Küche zustellen? Ich denke schon. Dann gibt‘s was auf die Schnelle, ein paar Nudeln, eine Suppe vielleicht oder ihr checkt mal, welche Reste sich noch so zusammenfegen lassen. Im übertragenen Sinne natürlich.

Genauso gehts mir bei vielen Entwicklungen unter der Woche. Gern möchte ich die Dinge aufgreifen, mal meinen Senf dazugeben, aber da ich mit meiner Zeit haushalten muss, kämen die Beträge erst sehr verzögert raus. Also muss ein neues Format her. Kurz und knapp. On the go. To take away und mit wenig Tiefgang. Da Tischmanier und Esskultur bei China-Pfanne, Döner und Pommes rot/weiß eh schon leiden, wird diese neue Beitragsreihe sicher auch keine Pulitzer-Sterne ernten, aber sie gibt mir die Möglichkeit, ein paar Gedanken zu „entsorgen“.

Und dann muss natürlich noch ein Name für das Format her:

  • Leipziger Allerlei … Berliner Allerlei? … mhm … versteht keiner. Erst recht niemand im Ausland.
  • Ein Kessel Buntes? … ach nee … es soll ja eben genau kein Kessel werden. Für mich nicht und für die Leser/Innen nicht.
  • Boulette mit Mischgemüse? Auch nicht. Zu fleischlastig heutzutage. Geht nich‘ mehr.

Ich nenne das jetzt erst einmal „Buchstabensuppe mit Alles“. 

Der erste Teil „Buchstabensuppe“ weil ich die ganz gern mag (und zwar mit Chili-Sauce) und das ja auch ganz gut zum Thema passt. Den zweiten Teil „mit Alles“, hänge ich hinten dran, weil es so wunderbar nach Berliner Dönerbude klingt und kompakt ausdrückt, dass man gefälligst nimmt was man kriegt und nicht herummäkelt. Schluß mit „ohne Zwiebel, Tomaten und Rotkraut“. Hier wird gegessen was auf den Tisch kommt!

… außerdem gibt’s diese Phrase bei Google noch nicht 😉

Ma‘ kieken was draus wird… 

—> Buchstabensuppe mit Alles – 1

412) 99 Luftballons … schon wieder?

Kaum war am 25.01.2023 die Lieferung von 14 Deutschen Panzern zugesagt, da war mal einen Moment Ruhe in der Raubtierabteilung des Medien-Zoo‘s. Die Puma‘s, Leoparden und Füchse hatten kurz Sendepause. Aber die hielt nicht lange an. Denn ein oder zwei morgendliche Zahnbürsten später, wurden im Radio bereits die nächsten Informations-Haubitzen in den Äther geschoben.

Welches Land denn wohl bereit wäre, Kampfflieger zu schicken, welche nicht und welche das zumindest mal „nicht kathegorisch ausschließen“. 

Hah! Dies mal bin ich ganz vorn dabei. Von Tag 1 der öffentlichen Diskussion. Ich bin ein Early Adopter, ein Front Runner, ein Pionier sozusagen. Diesmal renne ich der Entwicklung nicht hinterher und schaue doof zu, diesmal werde ich mich vorab informieren und „Schritt halten“. 

Kompanieeeeee. Vorwärts!

  • Ich gucke mal im Spielzeughandel ob ich da nicht solche Quartettkarten mit Kampfjets finde. Dann kann ich die mit dem Stammhalter spielen und wissen wir bestens Bescheid übers fliegende Gerät. Flügelspannweite? Geschwindigkeit? Gewicht? Fähigkeiten? Waffensysteme? Hah, das wird ein Spaß.
  • Wir bestellen ein Modell eines schicken Tarnkappen-Bombers, den basteln wir zusammen, während wir den Soundtrack von Top Gun hören und Pop Corn knabbern.
    „Highway to the Danger Zone
    Ride into the Danger Zone“
  • Ach toll, da baut sich das Kriegsgerät gleich viel beschwingter auf, man bekommt gar gute Laune bei der Aufrüstung des Kinderzimmers. Eine Miniatur-Mig könnten wir eigentlich auch noch bestellen, aber bloß kein neues Modell, denn da verdient der Putin bestimmt an Lizenzen mit. Besser wir organisieren etwas „second hand“ über einen Dritthändler.
  • Am Abend verkleiden wir uns und ziehen uns dann noch beide Top Gun-Filme rein, um zu bestaunen wie wendig die Flieger im Himmel doch sind. Und Tom Cruise und Kelly McGillis unter der Bettdecke noch waren. „Take my breath away.“ Großartig.
  • Und dann schwelge ich in Erinnerungen, mir wird ganz warm ums Herz, wenn ich nur daran denke, wie romantisch es doch als Kind war, auf einer Tribüne zu sitzen und hinter sich einen Senkrechtstarter in die Luft gehen zu hören. Oder wie sie uns am Tag der offenen Tür in ihre Panzer krabbeln lassen haben. „Wollt’ da mal anfassen?“.Und selbst heute noch, wenn man über die Mecklenburger Seen paddelt und plötzlich ein Eurofighter im Tiefflug über die Köpfe donnert und der Gegend dort endlich einen Sinn gibt.

Ach und jetzt bin ich gerade so in Schreiblaune, ich versuche mich mal einem Drehbuch für Top Gun 3. In der Deutschen Fassung. Elyas M`Barek spielt den „Maverick“, Karoline Herfurth wird die Ausbilderin „Charlie“ übernehmen. Den neuen Verteidigungsminister übernimmt Heino Ferch … der muss dafür nicht mal in die Maske. Für den Bundeskanzler dachte ich kurz an den Lauterbach … also den Heiner … aber der scheint mir für die Rolle zu draufgängerisch. Mal sehen wer den Job übernehmen will.

Aber eins ist schon klar. Ich übernehme Nick „Goose“ Bradshaw. 

Top!

411) Im Kontext

Gestern erreichten mich über den ganzen Tag einzelne Nachrichten und Info-Fetzen, da hätte man schnell denken können, alles hängt zusammen und jemand dreht aber mächtig an den Knöpfen des Weltgeschehens, wie an einem Mischpult sozusagen.

Aber seht selbst:

  • Bangalore hat Fieber und Rückenschmerzen
  • Keine Flüge vom Berliner Flughafen
  • Weltweite Störung bei Microsoft
  • Attacke in Schleswig Holstein
  • Deutsche Panzer an die Ukraine
  • Kein Strom in Florida
  • Thüringen ohne Heizung und Warmwasser

Bevor sich Herzinfarkt, Massenpanik und Verschwörungstheorie entwickeln, sollte man aber im Kontext lesen und auch die Worte davor und danach mitnehmen …

Und dann liest sich das schon anders:

  • Mein Kollege in Bangalore hat Fieber und Rückenschmerzen, er meldet sich krank
  • Warnstreik bei Verdi am 25.01.23, Keine Flüge vom Berliner Flughafen
  • Weltweite Störung bei Microsofts Online Diensten Teams gegen Mittag behoben
  • Messer-Attacke in Schleswig Holstein-er Regionalexpress
  • 14 zugesagte Deutsche Panzer an die Ukraine frühestens Ende März
  • Nach Wintersturm teilweise Kein Strom in Florida
  • Ein Hotel in Thüringen ohne Heizung und Warmwasser

Jede Nachricht für sich natürlich nervig, unangenehm, enttäuschend, sogar tragisch und traurig, aber eben ohne Zusammenhang.