100) Postkarte aus Bengaluru – 2

Wie schon in der vorigen Postkarte angekündigt, folgt die Jubiläums-Ausgabe Nummer 100 aus Bengaluru. Das ist dahingehend ganz lustig, weil auch die >erste Ausgabe dieser Postkartensammlung eben aus Bangalore stammte. Nur ist es halt schon wieder fünf Jahre her. Bevor es für mich ans Arbeiten ging, haben mich Kollegen durch die Stadt und das Umland gefahren und ich bin die ersten Runden „ganz allein“ durchs Viertel gestreift. Hier die ersten Eindrücke, wie immer keine Hochglanzbilder, sondern der Blick auf die zweite Reihe und auf Kuriositäten.

Die erste Peinlichkeit entstand, als ich zu blöd war, den Fernseher anzuschalten. Die Rezeption schickte jemand vorbei, der drückte auf den Hauptschalter der Steckdose, und guckte mich strahled an. Dann trampelte er auf der Stelle, was bekanntermaßen das internationale Zeichen für Trinkgeld ist. Als der Fernseher dann lief, musste ich feststellen, dass das Display kaputt war und lies wieder den Techniker kommen. Bevor der Techniker mit dem kaputten Fernseher aus der Tür verschwand, trampelte er wieder auf der Stelle. Als ich dann auf dem neuen Fernseher endlich etwas erkennen konnte, gab es eigentlich nur Bollywood und Lokalnachrichten, nur seltenst auf English.

Wir machten eine Tagestour ins nordwestliche Umland und besuchten einige Tempel. Da das in einem BMW X1 geschah, war das für mich natürlich sehr komfortabel. Allerdings wollten die Jungs das deutsche Gefährt auch einmal ausprobieren und schossen mit teilweise 170 über die 90er Landstraße, bei indischem (Gegen)Verkehr, indischen Schlaglöchern, Bodenwellen und Kühen. Zum glück gibt’s in Indien viele Götter, die man anrufen kann. Oder die BMW-Zentrale, um einmal herzlich Danke zu sagen, für solch straffe Bremsen.

Natürlich gibts in den Tempeln auch Affen und auch bei denen gilt … „Wer hat, kann hängen lassen.“

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Bei einem Tempel führten sie mich zu einer religiösen Opferspeise (Prasadam), und so saß ich dann mit hunderten Indern, einem metallenen Frisbee gefüllt mit Reis, Veggie-Sauce und süßer Flüssigkeit. Aber ohne Besteck. Und so brachten sie mir bei, wie man diese flüssigen Mengen mit der Hand in den Mund kriegt. Gar nicht so schwer.

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Beim großen Shiva Temple erwartete uns nicht nur ein schmucker Shiva, sondern auch tausende Menschen die aufs Gelände strömten. Wahnsinn. So was habe ich noch nie erlebt. Die gegen 19:15 Uhr angekündigte Laser Show verkniffen wir uns, weil wir sonst mit tausenden Menschen gleichzeitig noch Bangalore hätten zurückfahren müssen. Meine nagelneuen Federleicht-Schuhe stellte ich außerhalb des Geländes an der Mauer ab und glaubte sie schon verloren, aber sie standen noch da. Wieder etwas, worüber ich nachdenken muss.

Der Verkehr in Bengaluru ist wie immer … stockend und laut. Man baut an mehreren oberirdischen Metro-Linien, die sind alles Andere als hübsch, aber den Locals ist das Wurscht, wenn sie doch endlich nicht mehr im Stau stehen müssten. Hier ein >Soundfile von Montagmorgen 09:00 in der Nähe des Hotels, könnt ihr euch gern als neuen Weckton runterladen 😉

Eine Initiative an der Kreuzung ruft zum Umstieg auf Solarantrieb auf, um Sprit zu sparen. Hier geht man mit der Zeit und in den Geschäften gibt es keinerlei Plastiktüten mehr. Das ist auch dringend nötig, den Plastikmüll sieht man hier an vielen Ecken.

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Für den Weg in die Firma (13 km) plant man besser 1,5 –  2 h ein, so dass auch Homeoffice vom Hotel eine ernste Alternative ist. Um ordentlich arbeiten zu können, beschloss ich, den Fernseher als Monitor für meinen Laptop zu verwenden und mir einen Hoch-Tisch zu bauen. Dazu musste ich an die Verkabelung ran, HDMI Kabel ziehen und dabei stellte sich heraus, dass der Fernseher nur auf einer Schraube hing und die andere Seite auf indische Art (mit dem HDMI-Kabel) fixiert war. Durch mein gefummelt brach die Konstruktion zusammen, und der Fernseher hatte deutlich Schlagseite. Durch ausreichend sozialistische Prägung und diversen MacGyver-Folgen kann ich gut improvisieren, außerdem verreise ich nie ohne Karabiner-Haken und Spann-Gurt … und Koffer. Und fertig ist das Hotel-Office fürs gesündere Arbeiten im Stehen.

Das Fenster geht nach hinten raus, der Blick ist äußerst unspektakulär. Aber dafür ist es nachts relativ ruhig. Neben der Arbeit kann ich beobachten, wie zwei Arbeiter einen Funk-Mast demontieren, die Hälfte haben Sie schon geschafft, sie schützen sich mit einem Helm und Flip-Flops, sonst keine weiteren Sicherungen. Außer Gott natürlich.

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In Laufnähe habe ich eine Shopping-Mall, das ist sehr praktisch, gar nicht mal wegen des Shoppings, aber wegen des Foodcourts. So habe ich komprimierte Auswahl zu komprimierten Preisen. Hier z.B. ein Paneer Tikka Dosa (mit Paneer-Curry gefüllter Fladen) für satte 2,60 EUR. Der aufmerksame Beobachter wird feststellen, dass Besteck fehlt. Stimmt. Das könnte ich sicher erfragen, aber ich esse auf die indische Art.

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Die Mall ist zwar sehr nah. Ich muss jedoch eine große Kreuzung überqueren, an der es keine Fußwege oder Ampeln gibt. Das ist jedes Mal ein Abenteuer, aber es gelingt mir schon besser. Ich glaube zwar nicht an Gott, aber daran, dass hier keiner Interesse dran haben dürfte einen Europäer zu überfahren. Zum Ende meiner Zeit hier, werde ich wie Ulrich Wickert über dem Place de la Concorde schweben.

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Heute zum Lunch wieder etwas aufgeregendes. Es gab „Dies und das – Namen vergessen“ auf Bananenblatt. Äußerst lecker, aber hier bemühte ich den Chef des einfaches Lokals dann doch um einen Löffel.

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Sehr praktisch. Keiner muss abwaschen und es braucht keine Papp-oder Plastik-Teller.

So, das war es erst einmal … more to come!

Grüße aus Bengaluru.

97) Postkarte von Sonderlicht

Zehn Grad Celsius, graue Wolken, 80% Regen für die nächsten drei Tage. Wunderbares Weihnachts-Wetter. Alle die, die den Jahreswechsel in wärmeren Gefilden verbringen werden, haben sich richtig entschieden. Aber es sind nicht nur die Temperaturen, die mir fehlen, sondern das >Licht. Auch wenn mein Januar in den Tropen sehr arbeitsreich wird, freue ich mich bereits auf die Portion Sonderlicht.

Hier noch ein weiteres Bilderrätsel, um mein Ziel etwas mehr zu lokalisieren.

Bis dahin herrscht etwas Chaos im Kopf. 

Ungefähr so:

Gans waschen, trocknen … brauche ich eine kurze Hose? … Bundespräsident Steinmeier … Visum vielleicht noch drucken … innen und außen mit Thymian und Majoran … Badehose auch einpacken … an Salz nicht sparen … scheiße Salz ist alle … Handy-Backup sollte ich noch machen … Geschäfte noch auf? … ach nee ist Sonntag … möglicherweise islamistische Angriffe auf Kölner Dom geplant … Stammhalter will heute noch ins Kino … mit Äpfeln und Zwiebeln füllen … wohin denn? Na Alexanderplatz. Halt die Augen offen … und meld‘ dich zwischendurch … Sonnencreme … nee gibts da auch … den Flug vielleicht mal in die App importieren … und den >psychisch angeschlagenen Saugroboter auch noch mal in die Spur schicken … Mutter anrufen … Petersilie hacken … War is over … And so this is Christmas … I hope you have fun … The near and the dear one … The old and the young … ein paar Medikamente nicht vergessen … und Taschenmesser in den Koffer packen … Post von der Bank öffnen … Schaschlik-Spieße mit Seitenschneider kürzen … Freunde in Heidelberg anklingeln … Zitrone waschen und raspeln … Pfeffer … am Ende mit Nadeln verschließen …

So ungefähr … schier endlos

Schöne Weihnachten allen!

91) Postkarte aus Südböhmen

Ach du meine Güte, in acht Wochen findet das Jahr 2023 sein Ende. Grund genug, noch etwas Herbstsonne zu tanken, bevor es auf die Zielgeraden geht. Nein, nicht Ägypten, nicht Türkei, das CO2-Sammelheft ist voll für dieses Jahr, also ging es nach Südböhmen, ins Land von Vepro-knedlo-zélo und reichlich Pivo. Kuriositäten gab es diesmal weniger zu entdecken, dafür aber einen wirklichen netten Flecken Erde.

In Český Krumlov besuchten wir die kleine mittelalterliche Altstadt, die sich in das Knie der noch schmalen Moldau fügt. Alle Häuser steinalt und tip-top in Schuss. Ansonsten staunten wir über die vielen Chinesen.

Ein Hotel gab noch einen Eindruck von anderen Tagen, trotzdem sehr charmant bei der Louzi und das Haus war tschecho-slowakisch beflaggt. Hat man ja auch nicht alle Tage.

Die Gegend um den Lipno-Stausee erinnert streckenweise an Schweden, Norwegen, Kanada, aber ein abgestellter Imbisswagen brachte uns wieder auf den Boden der Tatsachen. Frischer Fisch aus Holland … in Südböhmen. Dobrou chuť!

Beim Joggen zur Lipno-Talsperre, da bin ich kaum zum Joggen gekommen, ständig musste ich anhalten und diese viele Gegend fotografieren. Schon nervig … da kommt man völlig aus dem Flow 😉

Im Wolfsgehege bei Srni, dauert es nicht lange und der böse Wolf stand vor uns und dann noch ein Typ in Flecktarn und angenähtem Blätterwald … ähm … Böhmerwald. Ich musste ein Weilchen darüber nachdenken, was mich mehr nervös gemacht hat. Der Typ oder der Ur-Wau-Wau. Aber es war der Rambo … der sich dann als Naturfotograf entpuppte. Erleichterung … aber trotzdem ein seltsamer Anblick unter den zivilen Besuchern. Und etwas overdressed würde ich mal sagen, standen doch alle anderen Menschen ringsherum in Jeans und quietschbunter Großstadt-Survival-Neopren-Uniform herum und machten ihren Lärm.

Die tschechische Sprache macht überhaupt keine Probleme. Vieles versteht man, anderes reimt man sich halt mit Russisch-Basis-Wissen zusammen. Hier gibts Spaghetti Bolognese, Salat mit viel Brimborium, gebratenes Zebra und gegrillten Hermelin. Wohl bekomms.

Zum Abschluss ein schönes Bild von der heutigen Jogging-Runde. Zwei Sorten Himmel, Kondensstreifen die hindurchziehen und so ne Kugel da … Mond … oder wie das Ding heißt. Měsíc übrigens auf tschechisch.

Was mir sonst so aufgefallen ist:

Straßen und Infrastruktur sind in super Zustand, Autofahren macht hier richtig Laune. Ab und zu sieht man mal ein Solarfeld am Hang, Windräder sind mir keine begegnet. In Sichtweite des Stausees stehen einsame sieben Stück herum, aber das könnte auch schon Österreich sein. Selbst in den kleinsten Dörfern sieht man Lautsprecher-Anlagen installiert, zum Abend kann man eine feine Note von Ofenheizung schnuffeln, für mich als Altbau-Kind gibt‘s Flashbacks 😉

Ahoj, na shledanou aus Südböhmen, hat mir gut gefallen.

Frühere Postkarten >gibt’s hier … Mensch … sind ja bald 100 hier geworden … ei, ei  …

85) Postkarte aus Québec – 2

Aktuell regnet es hier, also habe ich Zeit für eine weitere Postkarte aus der Provinz Québec. Diesmal enthält sie weniger Skurrilitäten, als üblich. Das liegt aber nicht daran, dass es hier keine gäbe, nur das Verhältnis von Fläche in Quadratkilometern zu Anzahl Skurrilitäten ist „unwirtschaftlich“ und deren Auffinden geht auf die Sitzknochen.

Ein paar interessante Schilder gibt es natürlich überall. Auf dem einen Wanderweg ist nicht mal der Gebrauch von Schusswaffen erlaubt. Nichts darf man mehr. Immer diese Verbote! Sogar hier schon. 😉

Von Quèbec ging es weiter nach „wo das Wasser raus kommt“ … Auflösung: Tadoussac. Tadoussac ist ein kleiner Ort, an dem man ziemlich sicher Wale sehen kann (Beluga- und Mink-Wale). Blauwale sind sonst auch in der Bucht, aber dieses Jahr ist vieles anders, sagt die Dame auf dem Boot. Wie überall auf der Welt.

Von Tadoussac folgten wir dem St. Lorenz Strom gen West und machen nun Halt in der Ecke von Shawinigan. Wälder, Flüsse und Mücken. Von allem reichlich und schön.

Weiterlesen „85) Postkarte aus Québec – 2“

81) Postkarte aus Strasbourg

Die 5. Etappe unserer Rundfahrt durch Deutschlands Mitte und Südwesten führte uns über Straßburg nach Heidelberg. In Straßburg war ich vor einigen Jahren schon mal, aber da hatte ich es irgendwie kleiner in Erinnerung. Aber so ist das mit Erinnerungen nun mal. Sie trügen.

Straßburg ist ideal, wenn man mal Bedarf an einer Tagesdosis savoir-vivre hat und keinen Bock hat, dafür bis in die Provence zu fahren. Nette Häuser, Geschäfte und selbst im Winter ansehnlich (side kick Saarbrücken). Stangenbrot unter‘n Arm und Abmarsch!

Allerdings muss man seine Nachbarn dort schon mögen, manche Häuserfronten kommen sich so nahe, da kann man nebenan nach Mehl fragen, ohne auch nur die Wohnung zu verlassen. Zu Corona-Zeiten hätte man die Gebäude in Deutschland abgerissen oder die Fenster zugemauert, weil die 1,50 m Abstand nicht eingehalten werden konnten.

Und natürlich hat Straßburg auch einen Münster, und was für einen. Nun bin ich auf dem Fachgebiet der Gotteshäuser nicht unbedingt sattelfest, kann mir eh nicht merken, wo der Unterschied zwischen Münster, Dom und Kathedrale ist, aber das große Wimmelbild über der Tür ist schon echt beeindruckend und der zweite Typ von Rechts hat mich doch sehr an John Cleese in das „Leben das Brian“ erinnert.

Schön war‘s viel gesehen die Woche, einiges gelernt und nun geht‘s via Heidelberg zurück ins dicke B.

80) Postkarte aus Saarbrücken und Freiburg

Etappe 4 unserer Rundfahrt durch Mittel-und Südwestdeutschland führte uns heute über Saarbrücken nach Freiburg.

Kurz zu Saarbrücken, aber wirklich nur gaaaaaaanz kurz.
Ich war schon mal in Saarbrücken, um die Jahrtausendwende herum. Da bin ich noch mit einer Propellermaschine von Berlin Tempelhof geflogen. Leider kriege ich nicht mehr zusammen, was ich hier zu tun hatte. Der Anblick der Stadt lässt mich noch mehr zweifeln. Tut mir leid, will keinem auf die Füße treten … aber diese Landeshauptstadt … ist … hässlich.

Mag sein, dass die Stadt im  zweiten Weltkrieg bombardiert wurde und dass es vielleicht auch danach am Kleingeld fehlte … aber trotzdem. Kein Grund, eine Stadt so zu verunstalten. Ich habe noch nie so wenig interessantes Linsenfutter gesehen. Vielleicht fehlte mir heute die richtige Antenne, aber ich habe gefühlt nur Sonnen,- Waxing-und Nagelstudios, Barber-Shops, Wettbüros, Sanitätsgeschäfte, Orthopäden und Sex-Läden gesehen. Kein Wunder. Das Einzige was nach Metropole klang, war das Wort „Terminal“ am Corona-Test-Container. Selbst die Immobilienfritzen von „Engel & Völkers“ haben hier schon ihr Büro geräumt. Jetzt weiß ich auch, warum ich mich nicht mehr erinnern kann, warum ich schon mal hier war. Aber wenn nur Rathaus und Kirche ansehnlich aussehen … sorry … dann werden wir wohl keine Freunde werden.

In Freiburg hellt die Stimmung wieder auf. Hier gibt es einen alten Stadtkern, man fühlt und sieht, dass die Leute hier gern wohnen und das man das aber eben auch gestalten muss. Viele kleine Geschäfte, Millionen mosaikhafte Pflastersteine, künstlich angelegte Rinnsale (die Ureinwohner sagen „Bächle“) und strickbemützte Eltern auf Monttesoribesetzten Lastenrädern.

Fascht wie dahoim im Prenschlauer Bergle 😉

PS: und jetzt noch mal zum Titelbild. Also ich habe nun schon wirklich viel über Gandhi gelesen, war auch schon an seiner Ruhestätte und dem Ort des Attentats … aber die Beziehung zu einem Restaurant in Baden Württemberg … nee … ick weiß nich‘. Zumal der kleine Mann ja auch nicht dafür bekannt war, sich den Bauch vollzuschlagen. Und „schlagen“ ja nun schon mal gar nicht.

76) Postkarte aus … Warne … Warme … Kaltemünde

Eben mit noch mit Besuch aus Indien in Berlin, Nürnberg und München unterwegs … hat‘s uns am Wochenende an die Küste verschlagen. Schön war‘s mit euch, aber auch arschkalt.

Hier ein paar Eindrücke.

Also zunächst schlurfte ich in Badeschlappen, String-Tanga und Luftmatratze zum Strand, hatte mich vorher noch mit Sonnencreme und kühlen Getränken versorgt … und dann das! Alles eingefroren. Ich bin enttäuscht, die Ostsee ist auch nicht mehr das, was sie mal war. So geht das nicht! Dafür zahle ich keine Kurtaxe!

Früher … ja früher … da „konnte“ man noch unentdeckt in den Dünen kuscheln, heute „musst“ du schon kuscheln, damit du nicht dem Kälte-Tot zum Opfer fällst.

Ein paar Leute waren im Wasser. Eigentlich wollte ich es Ihnen gleichmachen, aber nach einer Minute rannten die schon wieder an Land. Weicheier.

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Also konnten wir nur durch den dicken Sand stapfen, über unseren Schatten springen und Schiffe beobachten.

Und ich muss bekanntgeben, dass es drei Enten weniger auf dem Planeten gibt. Tut mir Leid … wir machen das irgendwie wieder gut. 😉

393) Besuch aus Indien 4 – Perspektiven

Tja, war etwas ruhig hier in den letzten Tagen, oder? Dabei war ich eigentlich gar nicht abgetaucht, sondern habe mich eine Woche lang um meinen Job und „meinen Inder“ gekümmert. Mehr zu den Hintergründen findet ihr in >Teil 1 der Reihe. Wie angekündigt, möchte ich möchte ich ein paar Erlebnisse der gemeinsamen Reise notieren und dabei geht es gar nicht so sehr um ihn … heute nenne ich ihn hier mal Vinod … , sondern eher um uns Deutsche und unsere Eigenarten.

Los geht’s mit Missverständnissen und Erklärungsnöten:

Ich habe versprochen, ihn am Flughafen abzuholen und habe ihm gesagt, er soll bitte „behind customs“ and „behind glass door“ nach rechts gehen. Da würde ich dann stehen. Damit meinte ich natürlich im Gebäude. So stand ich da, aber ein Vinod kam nicht aus der Glastür. Er schrieb per WhatsApp, dass er mich ungern warten ließe, aber er muss noch auf den Koffer warten. No issue. Wieder kam ein Schwung Menschen aus der Kofferausgabe, auch ein paar Inder waren dabei, aber keiner bog rechts ab. Allerdings bog einer links ab, der Ähnlichkeit mit Vinod hatte und der lief in Eile und mit einem Riesenkoffer auf den Ausgang zu … und stand dann auf einmal bei -1° in der Brandenburger Pampa. Ich rannte ihm hinterher. Wir fielen uns in die Arme und ich schlug vor, dass wir doch besser im Gebäude zum Parkhaus gehen, statt draußen. Das hat er sofort eingesehen.

Kurze Zeit später saßen wir dann in meinem Auto und fuhren die Stadtautobahn in Richtung Neuköln. Vinod zeigte auf all die Schriftzüge an den Schallschutzwänden und fragte, was es mit denen auf sich hätte. Also musste ich ihm erklären, dass mancher unserer Kids einfach zu viel Geld haben und die Kohle dann in Graffiti-Spray investieren. „But what are all those mean?“, „I don’t know Vinod. No clue“. Wir rechneten gemeinsam aus, dass er seine Familie vom Preis einer Sprüh-Dose fürstlich … maharadscha-ich … zum Essen ausführen könnte. Wir verquatschen uns und ich verpasse die Abfahrt nach Treptow, auf einmal waren wir mitten in Tempelhof, später in Kreuzberg, Kottbusser Tor … wem das was sagt und ich komme schon wieder in Erklärungsnöte. In Prenzlauer Berg, zeigt er auf ein gelbes Schild und fragt, um welche Hochzeit es sich denn da handele. Zunächst kapierte ich gar nicht was er meinte, dann nahm ich den Wegweiser in den Stadtbezirk „Wedding“ war.

Ich setzte ihn im Hotel ab, half beim CheckIn und sagte, dass ich ihn 16:30 Uhr wieder „hier“ abholen würde und zeigte dabei auf den Boden. Punkt 16:30 Uhr war ich da, 16:35 Uhr war kein Vinod zu sehen, gegen 16:40 Uhr immer noch nicht. Ist er vielleicht eingeschlafen oder telefoniert kurz mit Gott? Da will ich ja auch nicht stören. Also schrieb ich dann mal vorsichtig eine Nachricht: 

Ich: „All good Vinod?“
Er: „Yes, I am ready all when you are“
Ich: „We are here in the Lobby“
Er: „I didn‘t knew. Coming“

Typisch Deutsch, dachte ich.

Eigentlich macht er das genau richtig. Warum soll er sich auch in einer Lobby die Beine in den Bauch stehen, wenn der Abholer vermutlich eh im Bengaluru-Traffic feststeckt.

In den nächsten Tagen erlebten wir einige spannende Momente in deutschen Verkehrsmitteln … aber mehr dazu im nächsten Teil. 

<—Besuch aus Indien 3 – Pläne

—> Besuch aus Indien 5 – Realitäten

73) Postkarte von Malta 2

Und weiter geht‘s mit skurrilen Eindrücken aus Malta. Bekanntermaßen steht hier nicht der Hochglanz im Vordergrund dieser Reihe, sondern eher die B-Seite … im weiteren Verlauf sogar C und D.

Ausflug nach Valletta

Und wieder Balkone, Balkone, Balkone … kein Haus ohne. Einige Länder unterhalten hier ihre Botschaften, da sollte ich doch glatt mal die Stellenbörsen checken. Vielleicht suchen sie ja noch einen Kulturattaché oder Referatsleiter für Völkerverständigung. Ich wäre dabei.

Wer einen Fimmel für alte Aufschriften, Texte und Hinweise hat, der ist auf Malta genau richtig. Auffällig, dass bei des Farbenhändlers Tür der Lack abgeht und bei seinen Nachbarn eben nicht.

Die zunehmende Inflation hinterlässt auch hier ihre Spuren. Für hinten reicht’s grad’ noch, aber für vorne leider  nicht mehr.

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Die betuchten Touristen versuchen es mit Kosmetik, Botox oder Chirurgie. Das kann gut gehen … aber manchmal … nun ja … wie soll ich sagen … also es gibt auch Fälle da … kommt die wahre Schönheit hoffentlich wirklich von innen.

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Das große Haus hinter der alten Stadtmauer ist die schwimmende Bettenburg der Tagestouristen.

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Der Hunger an Bord ist so gross, die maltesische Bevölkerung muss gigantische Teller heranschleppen.

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Mir hat Valletta gefallen.

St. George Bay

Heute dann ein kleiner Tiefpunkt. St George Bay war meine persönliche D-Seite der Malta-Platte. So was hässliches sieht man selten. Die Reisegruppe ist glücklich, das Haupt in Sliema betten zu können und nicht in St George Bay. Und dies sogar einstimmig … also das will schon was heißen.

Aber so negativ möchte ich den Beitrag nicht enden lassen. Stattdessen mit einer Dame, die mir in Valletta auf dem Weg zurück zur Fähre vor die Linse hüpfte. Ein Profi-Photograph hätte mehr aus dem Motiv gemacht, aber ich find‘s gut. Jetzt rückblickend frage ich mich, ob die Stufen da eigentlich bemalt waren oder das eine Reflexion der Sonne ist. Hat auf jeden Fall was von eine Ski-Schanze.

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