810) Arbeitsteilung in schwarz / weiß

Heute Morgen fuhr ein Transporter einer Gartenbau-Firma vor dem Haus vor und entlud ungefähr 30 Säcke Mulch für die eine Wackelbrücke auf dem Hof. Nun doch endlich, nachdem sich das auf dem Zettel der Hausverwaltung jahrelang nach oben gekämpft hat. Wie schön, dass unsere großen Teenager endlich wieder toben können, ohne sich den Kopf an den offenliegenden Betonfüßen aufzuschlagen.

Aber darum geht’s mir gar nicht.

Viel interessanter war das Schauspiel im Hof.

Da lagen also diese 30 Säcke vor einer Treppe, Gabelstapler oder Sackkarre hätten nicht funktioniert, die Säcke mussten aber noch 60, 70 m weiter zum Spielgerät geschleppt werden. Gut, dass ein dunkelhäutiger Arbeiter in der Nähe war, der die Aufschrift SENEGAL auf dem Rücken trug. Also setzte sich der europäisch aussehende Arbeiter(?) auf die Treppe und genoss den Ausblick in den grünen Hof, während der Sene … der Senegalese … der Senegalererer … na halt der … Mensch aus Senegal … nun Sack um Sack nach oben schleppte.

Ach du nun wieder. Siehst überall Rassismus und Ungerechtigkeit. Der eine ist halt Vorarbeiter, der andere ist halt Hilfskraft, zum Schleppen und Mulchverteilen da. So ist das nun mal. War schon immer so.

Yep, bestimmt.

Und der andere macht bestimmt andere Dinge derweil, also Organisatorisches … Papierkram … die viele Bürokratie … so schlimm.

Nein, kein Rechner, kein Papier. Der sitzt da und guckt.

Na dann beaufsichtigt der halt den Hilfsarbeiter aus Senegal. Ist doch auch wichtig … was ist, wenn dem was passiert?

Nein, der guckt in eine ganz andere Richtung.

Na dann macht derweil halt … Strategy … Business Development … Transformation.

Nee, der guckt nur auf die Büsche vor ihm.

Na dann Meditation, Retrospektive nach einer stressigen Woche?

Nee, das ist schwarz-weiße Arbeitsteilung.

 

Der eine trägt die vielen Säcke,

der andere trägt die Verantwortung.