747) Reförmchen

Als das Wort „Reform“ zum ersten Mal den Weg in meine Ohren fand, war ich noch grün hinter den Ohren, etwa zwölf oder dreizehn Jahre alt. Die Welt war geteilt in Ost und West. Fotos waren schwarz-weiß oder lila-rot, je nachdem, zu welchen Filmrollen man Zugang hatte. Und Glasnost und Perestroika, das waren zwei richtig dicke Bretter von Reformen.

Danach wurde der geografische Osten einmal komplett auf links gedreht. Oder auf rechts. Egal.

Jedenfalls gründlich umgekrempelt. „Reform“ würde ich das rückblickend nicht mehr nennen. Eher „Destruction“ und danach „Construction“. Das hat viel Geld gekostet und der ein oder andere hat ordentlich daran verdient.

Dann verschwand das Wort für lange Zeit. Zumindest empfinde ich das so.

Seit ein paar Jahren ist sie wieder da, die Reform. Sie klingt heute allerdings weniger nach Fortschritt, Hoffnung und Neugestaltung, sondern eher nach verwaltungstechnischer Überarbeitung.

  • „Rentenreform“
  • „Bildungsreform“
  • „Asylreform“
  • „Verwaltungsreform“
  • „Bundeswehrreform“
  • „Steuerreform“

Das Präfix „re“ lässt sich für „erneuern“ verwenden. Zum Beispiel in „renovieren“, „restrukturieren“, „restructure“ oder „reorganize“.

Es funktioniert aber auch für „wiederholen“. So wie in „rekapitulieren“, „repeat“, „redo“ oder „replay“. Bei manchen Reformen glaubt man tatsächlich, das alles schon einmal gehört zu haben.

„Re“ steht aber manchmal auch für „zurück“. Zum Beispiel in „retour“, „return“, „revert“ oder „restore“. Gerade im Umwelt -und Energie-Sektor habe ich diesen Eindruck bei den aktuell diskutierten Reformen. Reförmchen.

Hauptsache zurück in alte Zeiten.

 

PS: Titelbild via ChatGPT

88) Stromausfall-ismus

Dass Teile des Berliner Südwestens seit Tagen ohne Strom sind, dürfte sich inzwischen bundesweit herumgesprochen haben. Das ist nicht witzig, schon gar nicht bei diesen Temperaturen, und ich will das auch in keiner Weise verharmlosen. Eine Gruppe Irrer hat eine Kabelbrücke über einem Kanal in Brand gesetzt. Dass die Reparatur bei Frost und unter diesen Bedingungen technisch anspruchsvoll ist, kann ich akzeptieren.

Was ich nicht akzeptiere, ist das politische Framing und der Umgang mit der Krise.

Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner kehrt sichtbar gut erholt aus dem Winterurlaub zurück und spricht reflexhaft von Links-Extremismus. Zwei Tage später sind wir medial bereits beim Links-Terrorismus angekommen. Wer vor wenigen Monaten noch als störender Klima-Kleber oder nerviger Klima-Aktivist galt, wird nun begrifflich in dieselbe Schublade gesteckt wie die RAF? 

Sorry, aber das ist kein Erkenntnisgewinn, sondern ein Ablenkungsmanöver. Markige Begriffe ersetzen keine Analyse und schon gar kein Krisenmanagement. Wenn es schon ein „-ismus“ sein muss, dann vielleicht Krisen-Dilettantismus oder Missmanagement-ismus.

Wenn Herr Wegner feststellt, dass solche Sabotageakte bereits mehrfach vorgekommen sind, dann hat er recht. Erstens wissen wir das alle und zweitens unterstreicht er damit aber vor allem eines, die offenkundige Unprofessionalität im Umgang damit. Wiederholte Vorfälle ohne sichtbare Vorsorge oder funktionierende Notfallkonzepte sind kein Beleg für Entschlossenheit, sondern für Versäumnisse. „Die Stadt soll wieder funktionieren“ hieß es noch im Wahlkampf. Ja … bitte, gern doch.

Zeitweise waren rund 50.000 Menschen betroffen, aber eben auch „nur“ etwa 1,2 Prozent der Berliner Bevölkerung. Und trotzdem schafft es diese hippe Hauptstadt nicht, kurzfristig Wärme, Unterkünfte und Strom zum Laden von Handys bereitzustellen. Der Berliner Flughafen managed täglich rund 70.000 Menschen, nicht unbedingt vergleichbar, aber nur um mal eine Größenordnung zu geben

Heute, am 7. Januar um 9:30 Uhr, erreichte uns dann die nächste Warnung per Cell-Broadcasting. Stromausfall in der gesamten Stadt. Das war aber dann eine große Cell die da bebroadcasted wurde … und man wunderte sich, was das nun wieder soll.

Also bitte, hören Sie auf mit ideologischen Nebelkerzen und kümmern Sie sich um Ihre Hausaufgaben. Wenn man sich nur ausmalt, was passiert wäre, hätte es mehrere Stellen gleichzeitig getroffen oder wäre das Ganze noch umfassender durch einen gezielten Cyberangriff von weiter ostwärts ausgelöst worden, dann bleibt nur ein Gedanke.

Gute Nacht, Marie.

731) Wenn die Zeitenwende zu uns spricht

Über diesem Beitrag werde ich vermutlich länger sitzen, und es wird nicht einfach sein, die richtigen Worte zu finden. Denn es geht um Botschaften, die ich über Medien, Nachrichten und Podcasts empfange. Botschaften, bei denen ich mich zunehmend frage, ob ich im falschen Kinosaal Platz genommen habe oder ob der Saal sogar korrekt ist, jemand aber eine andere Filmrolle eingelegt hat.

Drei Beispiele:

  • Mit einer Selbstverständlichkeit wird mittlerweile täglich über Waffengattungen, Mannstärken und Fähigkeiten diskutiert – da kann einem nur schlecht werden. Ich habe darüber schon oft geschrieben, siehe unten. Selbst hochkarätige Sicherheits- und Wehrexpert:innen, die ihre Worte normalerweise sorgsam wählen, sprechen nur noch von „Masse“, wenn sie eigentlich Mensch und Material meinen. So, als wäre das lediglich ein Buchstabe an der Kreidetafel, der mit einem anderen Buchstaben multipliziert werden muss, um … schwuppdiwupp … die volle Schlagkraft zu entwickeln.
  • In Podcasts meines Vertrauens fragten die Hosts ihre Gäste, wann für sie denn das Maß voll sei und wohin sie gedenkten, das Land zu verlassen, sollte Deutschland weiter nach rechts kippen. Allein schon diese Frage lässt mich schaudern. Ich kann ja verstehen, dass sich manche Menschen diese Frage ernsthaft stellen – aber muss sie uns deshalb so zweifelsfrei präsentiert werden, als ginge es um die Pläne fürs kommende Wochenende? Gibts vielleicht bereits eine Booking-App, die ich mir noch runterladen sollte? Also FOBL statt FOMO, FOBI und FOBO? „Fear of being last“
  • Ebenfalls dieser Tage gehört: die Frage, was denn wäre, wenn es zum Verteidigungsfall käme. Was wäre man(n) selbst bereit zu leisten? Würde man seinen Mann „stehen“ oder sich gar „verpissen“? Ja, das Wort „verpissen“ wurde tatsächlich genutzt, im Kontext von Wehrdienstentzug. Man sprach sogar von den „Verpissern“. Und das in einem links-grün gewürzten, progressiven Podcast, der mir eigentlich sympathisch ist. Natürlich hatten die Gastgeber in einem Punkt durchaus recht: Man muss sich ja nicht „verpissen“, denn man kann auch auf andere (…legale)  Weise etwas für die Gesellschaft leisten. Das Wort „Vaterland“ hatten sie dankenswerterweise vermieden.

Diese Worte, diese Formulierungen, sie tropfen langsam durch die Decke, wie bei einem undichten Dach. Sie scheinen normal zu werden, gehen in den alltäglichen Sprachgebrauch über. Man gewöhnt sich dran. Tropf … Tropf … man kann einen Eimer mit eigenen bubbles drunterstellen natürlich … oder weghören, dann stört’s nicht so. Das macht mir ernsthaft Sorge. Das erinnern an Zeiten, von denen wir doch gehofft hatten, sie hinter uns gelassen zu haben.

Bin ich der Einzige, der dieses wording zunehmend lauter hört?

Oder bin ich mal wieder der Letzte in der Reihe, der es nun auch endlich gecheckt hat?

Ist das von nun an die neue Sprache, die mit der Zeitenwende frei Haus mitgeliefert wurde?

PS: Titelbild via ChatGPT

Andere Beiträge zum Thema:

652) Ach wie reizend – 3

Ging es in >Ach wie Reizend 1 und >Ach wie Reizend 2 noch um kurze, aber immerhin vollständige Wörter mit Sprengkraft, reichen gut ein Jahr später schon nur noch Anfangsbuchstaben, um viele Menschen ausrasten oder abschalten zu lassen. Ich schalte oft nur noch ab. Einmal Nachrichten am Tag nehme ich mir vor, noch vor Sport, Börse und Wetter bin ich off. Es tut mir leid für die Schicksale die ich da skippe (es sind ja eh nur die Top10 der Welt) aber ich kann das nur schwer ertragen.

Beispiele:

Drecks…

Manife…

Verhan…

Gren…

Zöll…

NAT…

Asy…

Isra…

Ira…

Ukr…

Chi…

Tru…

Tau…

Ga…

Pu…

X…

Verrückt oder? Dieser Beitrag hat nur 88 vollständige Wörter, 16 sind nur angerissen, aber die würde reichen, um auf den Plattformen mindestes 16 „Scheißstürme“ zu provozieren. Aber nich‘ mit mir. Ich mach da nich‘ mit.

Lass sie reden.

Schönen Abend

648) Vom Büro an die Front?

Man könnte meinen, der Ton um uns herum wird immer militanter. Doch das ist kein neues Phänomen aus Nachrichten und Medien, sondern in Unternehmen völlig normal.

Im War for Talent werden Headhunter beauftragt, um neue Ressourcen für die Divisions und das Headquarter zu rekrutieren.

In den Stabsstellen werden Schlachtpläne geschmiedet, Strategien entwickelt und Offensiven gestartet. Taskforces werden in Stellung gebracht und Einsatzteams entsandt.

Kollegen arbeiten an mehreren Fronten gleichzeitig, führen interne Gefechte und kämpfen mit harten Bandagen.

Da wird der Quartalsabschluss uns Visier genommen und wiederholtes Wachstum angepeilt.

Die Fronten verhärten sich gelegentlich und man muss aufpassen, mit der eigenen Nebelkerze nicht auf verlorenem Posten zu stehen, wenn mal scharf geschossen wird.

Wenn niemand mehr weiterweiß, wird mit Pioniergeist ein Feldversuch gestartet und gegenseitig Schützenhilfe geleistet – während man vorsichtshalber schon mal in Deckung geht, wenn der Chief HR Officer über den Gang schwebt.

Am Ende wird alles ein Bombenerfolg – oder man schießt übers Ziel hinaus und tritt den Rückzug an.

Also sprachlich zumindest, bin ich gerüstet

PS: Titelbild und einzelne Begriffe via ChatGPT

646) Wenn die Griechin zu scharf wird

Mahlzeit liebe Leser … innen und da draußen. Lange nicht mehr über geschlechtergerechte Sprache geschrieben, scheint irgendwie abgewählt oder? Macht eh jeder wie er will, ich auch. Ich liebe ja scharfen Knobi-Schafskäse … „könnt‘ ick‘ ma rinlegen“ … quasi, aber bei den Produktnamen … nun ja … da fühle ich mich als XY-Träger ein Bisschen diskriminiert., muss ich mal sagen.

Stellt euch vor, die Aufstriche würden nicht „Scharfer Grieche“, „Weißer Grieche“ und „Scharfer Hirte“ heißen, sondern:

  • Scharfe Griechin
  • Weiße Griechin
  • Scharfe Hirtin

Na dann wäre aber was los.

Der/die/das Brand Manager*in dürfte sich warm anziehen. Denn während der scharfe Grieche einfach würzig klingt, wirkt die scharfe Griechin… nun ja… plötzlich ziemlich untenrum.

Da wurde mir neulich noch ein Senf in den Kühlschrank gestellt, der nennt sich „Scharfer Heinrich“ … nun denkt dabei mal an eine scharfe Henriette, Heike oder Hilde. Skandal. Der Laden könnte dichtmachen, es würden Klagen klageln.

Sprachlich darf er alles streichen, sie darf sich nicht mal aufs Brot legen.

PS1: Titel und kursiv formatierte Texte von ChatGPT

PS2: Auf den Bildern sind eingetragene Markenzeichen zu sehen, ich kriege kein Geld von denen, aber es schmeckt schon … „geil“.

563) Wortwahl: normal

Aus irgendeinem Grund habe ich in den letzten Wochen einen Sensor für das Wort „normal“ entwickelt. Und zwar genau dann, wenn „normal“ den Status Quo beschreibt und das andere, dass unnormale, für die eigentliche Innovation oder Verbesserung gewählt wird. In Zeiten, wo jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird, fände ich eigentlich gut, wenn man das etwas neutralisieren würde. Nein, ich will nicht die Sprach-Polizei spielen, aber warum denn eigentlich …

  • Redet man von normalem Bier und alkoholfreiem Bier? (Ich auch …)
  • Sprechen selbst Bundesminister von dem normalen Bürger, der eine Gasheizung installiert hat?
  • Unterscheidet man normalen Burger und Veggie-Burger?
  • Wählt man zwischen normaler Gurke und Bio-Gurke? Ist denn nicht eigentlich die Bio-Gurke die normale Gurke?
  • Gibt es normale Autos und E-Autos?
  • Kennen wir normale Zigaretten und E-Zigaretten, Normal-Benzin und E-Fuels, normale Brötchen und die „dunklen“ …

Bin mal gespannt, wann all das „unnormale“ zum „normalen“ wird, und wie die Welt dann aussehen wird.

—> mehr aus er Reihe „Wortwahl“ gibts hier

533) Ach wie reizend – 2

Schnapszahl. 888-er Beitrag. Auweia. Wurscht. Bloß eine Zahl. Nachdem der Beitrag >Ach wie reizend viral“ gegangen ist, sagt man doch so oder?, da gab’s von euch noch ein paar Wort-Vorschläge und mir fielen dann auch noch ein paar Wörter ein. Es geht wieder darum, dass bereits ein Wort heftige Verspannungen und Shitstorms auslösen kann, ohne auch nur einen Satz zu schreiben … oder lesen zu müssen.

Los geht‘s:
Waffenlieferung
Prinz Harry. V
Wagenknecht
Frauenquote
Erwärmung
Cannabis
Schulden
Boomer
Ukraine
Graffitti
Freiheit
Bauern
Scholz
TikTok
Lügen
Söder
Kiffen
Poller
Ampel
Roller
China
Rente
Streik
Tesla
Gaza
Woke
Bahn
BSW
ZDF
Gas
24/7
2Go
4U

Sinnlosreisen schlug vor, einfach zwei Worte zu kombinieren, um die Sprengkraft zu verdoppeln.

Beispielsweise:
Putin + Wagenknecht
Klimakleber + fliegen
Heizungsgesetz + Bürgergeld
Trump + Vegan

Oder vielleicht:
Cannabis + 2Go
Klimawandel + SUV
Radweg + Poller

Auch Verben wären ratsam, um langsam auf BILD-Level anzukommen. Türlich, türlich, sicher …

Beispielsweise:
Trump gendert Putin
AfD remigriert Veganer

Oder vielleicht:
Habeck fordert Erwärmung
Tesla schuldet Frauenquote
Söder streikt Woke

Tja, und dann eigentlich nur noch ein Ausrufezeichen dahinter und schon haben wir‘s doch. So werden Schlagzeilen gemacht. Ach wie reizend.

523) Ach wie reizend – 1

Als Twitter damals an den Start ging, musste man sich noch sehr kurz fassen, 140 Zeichen standen nur zur Verfügung und trotzdem konnte man den Leser auf die Palme bringen und den Verfasser mit einem Sturm „Verdautem“ überschütten.

140 Zeichen sind circa, 4 1/2 deutsche Tastatur-Tasten mit dem Finger von links nach rechts entlang rutschen, nur die Buchstaben.

Qwertzuiopü asdfghjklöä yxcvbnm
Qwertzuiopü asdfghjklöä yxcvbnm
Qwertzuiopü asdfghjklöä yxcvbnm
Qwertzuiopü asdfghjklöä yxcvbnm
Qwertzuiopü asdf

Also krieg mal da eine halbwegs fundierte Message unter. Kaum möglich.

Aber das ist auch Geschichte. Heute braucht man viel weniger Buchstaben, um den Empfänger einer Nachricht zum Platzen zu bringen. Da reichen kurze Trigger-Worte, den Rest denkt sich derjenige automatisch dazu und hat binnen Sekunden einen Puls von 240.

Wetten? Ich probiere es mal. Sortiert nach Länge:

Grundeinkommen
Heizungsgesetz
Digitalisierung
Zuwanderung
Lastenfahrrad
Klimawandel
Nord Stream
Parteiverbot
Tempolimit
Bürgergeld
Flüchtlinge
Zahnersatz
Schnitzel
Radweg
Gendern
Indianer
Porsche
Fliegen
Trump
Böller
Vegan
Israel
Musk
Putin
Trans
Homo
Nazi
Nato
Pisa
AKW
GEZ
SUV
AfD
Q7
X5
Q
X
Z

Und kocht schon jemand? Kürzer als ein Buchstabe ist mir nichts mehr eingefallen.

—> 533) Ach wie reizend – 2

485) Uns gehen die Buchstaben aus

Generationsforscher haben es ja eigentlich relativ einfach, wenn sie ihren Generationen Namen geben wollen. Sie buchstabieren sie einfach durch und wenn sie bei x,y,z angekommen sind, na dann machen sie einfach mit dem griechischen Alphabet weiter, dann mit Chinesisch, Hindi usw. Bis die Buchstaben mal alle aufgebraucht sind, gibt‘s schon gar keine Generation mehr auf diesem Planeten.

Schwieriger tun sich da die „Das-Wort-sprechen-wir-mal-besser-nicht-mehr-aus-Ersatzwort-Finder“.

Gestern in den Spät-Nachrichten wurde mir nun das „K-Wort“ präsentiert. Okay K ist also auch vergeben.

„N-Wort“ und „M-Wort“ sind auch schon weg, sie umschreiben frühere Wörter für Menschen mit Afrikanischen Wurzeln, das „I-Wort“ ist für Winnetou and Friends gezogen worden, Das F-Wort ist sogar schon mehrfach in Gebrauch. Von Geschlechtsverkehr, über Feminismus bis Fachkräftemangel. Mit dem „G-Wort“ drückt man sich vor Verantwortung wenn es um Genozide geht.

Tja, da wird es wohl langsam eng im deutschen Alphabet, zumal wir ja vermutlich Außenseiterbuchstaben wie Y und Q niemals verwenden werden. Und es drohen ja schon die nächsten Reservierungen. Nach den furchtbaren Angriffen der Hamas auf Israel stand schnell das Wort „aber“ unter „Beschuss“ und ich las schon vom „A-Wort“. Das „H-Wort“ wird vermutlich der Ersatz für‘s Heizungsgesetz. Das Wort „Einwanderung“ mögen CDU und die Parteien an den Rändern nicht, bei „Migration“ tönen die nicht mehr vorhandenen Sirenen. Als „E“ auch weg und „M“ bald doppelt belegt.

Wer hier schon länger mitliest, der weiß, dass, ich von aufoktroyierten oder zu vermeidenden Worten überhaupt nichts halte. Die sind nur von Zeit und halten meist nicht länger, als das System, das sie erschaffen hat. Sprache entsteht nicht von oben, sondern von unten und es bringt doch überhaupt nichts, wenn diese Leute das eigentliche Wort nicht mehr nutzen, dann aber das Ersatzwort aussprechen. Das ist doch gaga. Sorry.

Oh ich muss Schluss machen. Der „P-Wort“-Dienst klingelt an der Tür. Und das Auto hat keinen Sprit mehr, ich muss noch zur Tanke fahren, 60 Liter „D-Wort“ tanken.

Schönes Wochenende

T.