Ach ja, wie heißt es so schön … „Weihnachten, Fest der Liebe, der Gemeinschaft und Barmherzigkeit“? Mich reizt es in den Fingern, nach weiteren Wortspielen zu suchen. Fest der Diebe, … Fest der Triebe, … Fest der Hiebe, der Gemeinheit und Warmfüßigkeit … ich lass das mal besser.
Gestern standen der Stammhalter und ich in der Straßenbahn, und es bot sich ein interessantes Schauspiel. Da wir direkt hinter dem Fahrer waren, hatten wir die ganze Bahn im Blick. Da saßen sieben Jungs alle so um die 15/16 Jahre alt und zockten auf ihren Handys. Das taten sie in einer Lautstärke, dass mir die Ohren klingelten. Aber wir hatten es nicht mehr weit, also war mir das egal. An einer Station stieg ein … tja, wie sagt man das … Mittelloser, … Obdachloser?, … Bettler … ein, der sich auf die gewohnte Art vorstellte. „Guten Tag, mein Name ist „Sowieso“, ich bin obdachlos … etwas Kleingeld … vielleicht Essen … vielen Dank. Die Jungs übertönten seine Vorstellung, aber einer der Boys stand dann auf und drückte dem Mann eine leere Pfandflasche in die Hand. Der Mann bedankte sich. Zwei weitere Jungs zogen nach und überreichten ihre leeren Flaschen.
Also was war das denn gerade?
- Haben die Jungs den Mann immerhin wahrgenommen und unterstützt? Ich habe schließlich nichts gegeben.
- Oder sind es einfach nur faule Säcke, die es nicht nötig haben, ihre Pullen in Pfandgeld zu verwandeln?
Wer weiß.
Auf dem Heimweg berichtete der Stammhalter, dass die Jungs alle schweineteure Klamotten trugen und endete einer Bemerkung so ähnlich wie …
„Wie sich der Mann da wohl gefühlt haben muss.“
Wir wissen es nicht.
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Nicht so ohne: der Erste ist aufgestanden und ist hingegangen, auch nur ein kurzer Schritt ist mutig; und die anderen beiden fanden das wohl auch richtig; War nicht viel Geld für den Mann, aber drei Jungs haben ihn wahrgenommen und positiv gehandelt; Abgekühlte hätten einfach ihre Flaschen leer in der Bahn zurück gelassen – und Durchgeknallte sie vielleicht noch zerkloppt.
… ich bin noch nicht entschieden, aber ich glaube an das Gute in den Jungs
Ich bin augenblicklich geneigt, auch an das Gute in den Jungs zu glauben, weil die Situation auch ganz anders hätte enden können: nämlich mit Häme, Spott oder sogar Gewalt gegenüber dem Obdachlosen. Und möglich ist es auch, dass sie überhaupt kein Bargeld dabei hatten, weil sie überall mit einer HandyApp bezahlen.
Sehr interessant an deiner Beobachtung finde ich übrigens, dass es ja oft so kleine Momentaufnahmen sind, anhand derer wir Mitmenschen be- oder verurteilen. Du hast dich wohltuend zurückgehalten und bekundet, dass es mehrere Möglichkeiten gibt, eine Situation einzuschätzen, aber deine Irritation und auch die deines Sohnes zum Ausdruck gebracht.
Danke dafür.
Danke Annuschka, ehrlich gesagt bin ich immer noch hin-und hergerrissen und nicht sicher was ich davon halten sollte, Im Zweifel aber für die Angeklagten. Schöne Weihnachten!
Ich würde die Situation auch eher positiv deuten wollen. Die Jungs haben den Mann wahrgenommen und, wenn auch nicht viel, so doch etwas gegeben. Die Geste zählt.
… stimmt schon, es bleibt noch Hoffnung 😉
Ich glaube auch, dass den Mann zu ignorieren und die Flaschen später liegenzulassen einfacher für die Jungs gewesen wäre.
Gut, dann will ich das auch mal glauben …
macht ja Hoffnung 😉