786) Halbes Jahrhundert

„Bling“, machte die Messenger-App.

„Happy Birthday zum halben Jahrhundert“, schrieb eine ehemalige Schulkameradin neulich auf ihre immer noch charmante Art.

Im selben Moment realisierte ich, dass ich noch lebte. Arme und Beine waren noch dran. Die Sinne fuhren langsam hoch. Meinen Namen wusste ich auf Anhieb, nur der Wochentag fiel mir nicht sofort ein. Na gut, dachte ich mir. Gar nicht so schlecht. Es geht wohl weiter.

Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Dieser Tag beschäftigt mich tatsächlich schon eine ganze Weile. Wobei mir der Tag an sich eigentlich ziemlich wurscht ist. Es ist vielmehr die Lebensphase, die damit eingeläutet wird, und die Veränderungen, die sie mit sich bringt.

Aber es ist, wie es ist.

Und das Ganze hat durchaus einige Vorteile.

Ich kann Achterbahnfahrten und Wasserrutschen jetzt ganz entspannt ablehnen und mich stattdessen gemütlich in die Kaffee-Ecke setzen.

Ich muss nicht mehr vor Kameras posieren und ein Duckface ins Internet stellen. 

Ich muss keine Hosen tragen, die unter dem Hintern hängen und ich muss mir auch nicht mehr die Haare stylen, wenn ich zum Supermarkt um die Ecke gehe.

Ich muss niemandem mehr etwas beweisen. Und was fremde Menschen über mich denken, ist mir herzlich egal. Wobei das ehrlich gesagt schon etwas länger so ist.

Im Großen und Ganzen geht es mir gut. Ich nage nicht am Hungertuch, und bis auf den einen oder anderen Dachschaden funktioniert die Hardware noch ganz ordentlich und entsprechend ihrer bisherigen Laufzeit. Wenn ich mir manche Kandidaten im gleichen Alter anschaue, habe ich mich eigentlich ganz gut gehalten. 

Also Aufstehen, Knochen durchknacken und dann ab auf die Piste.

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