785) Wenn Freiheit wieder eingemottet wird

Heute Morgen konnte ich vor dem lettischen Nationaltheater in Riga ein herrliches Schauspiel beobachten. An der Fassade hing eine riesige US-Flagge, dazu die Aufschrift „250“ und das Wort „Freedom“. Macht ja Sinn, wenn man sie schon am 1. Juli aufhängt. So hat man bis zum großen Moment noch ein paar Tage Luft.

Doch aus irgendeinem Grund machten sich plötzlich Techniker daran, das Ganze wieder abzubauen.

Wurden die Feierlichkeiten zum 250. Jahrestag der USA kurzfristig abgeblasen?
Hat jemand spontan das Programm geändert?
Oder ist Freiheit inzwischen aus der Mode?
Vielleicht ist auch der Hauptdarsteller der Freiheit erkrankt und auf die Schnelle war kein Ersatz mehr zu finden?

Wie auch immer: Der Mann oben in der Kanzel des Baukrans dachte sich offenbar, er könnte das obere Ende der Flagge einfach vorsichtig herablassen, sodass sie sich unten quasi von selbst zusammenrollt. Wahrscheinlich hätte ich das genauso gemacht.

Nur leider erwies sich die Freiheit als genauso widerspenstig wie ein Stück Frischhaltefolie, in das man ein belegtes Brötchen einwickeln möchte. Sie macht eben was sie will und am Ende bleibt ein Haufen zerknitterter Folie übrig.

Die Flagge rollte sich jedenfalls nicht sauber nach unten ab. Stattdessen bildete sich in der Mitte eine Falte, die weder der Mann oben in der Krankanzel noch sein Kollege unten am Boden so einfach wieder herausbekamen. Es benötigte mehre Anläufe.

Was lernen wir daraus?

Mit Freiheit muss man vorsichtig umgehen.
Man muss sie mit Bedacht behandeln.
Und sie bleibt hartnäckig

Am Ende lag die Freiheit ausgebreitet auf dem Gehweg, damit sie sie wieder glattziehen konnten. Zum Glück kam niemand auf die Idee, einfach darüberzulatschen. Die Menschen in Riga wissen, warum.


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2 Kommentare zu „785) Wenn Freiheit wieder eingemottet wird

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