459) Wieder einen Koffer in Berlin

Wenn die Rückreise in die Heimat ansteht, kann man ja schon etwas wehmütig werden. Ach, war das chillig dort. Wer weiß, ob man jemals wieder zurückkommt? Wo kann man nächstes Jahr wieder hinfahren und dann noch die anstehende Rückkehr in die Arbeit. Nicht gerade förderlich für die Stimmung.

Wenn der Flieger dann zwei Stunden länger auf dem Rollfeld in Montreal steht, weil er keine Startgenehmigung bekommt und mein Koffer in London hängen bleibt, während drei andere Koffer aber Berlin erreicht haben, kann man erst Recht schlechte Laune bekommen und irgendwie war wohl auch meine Schreiblaune in diesem Koffer versackt.

Wenn man dann aber mal den Fuß durch die eigene Haustür gemacht hat, dann ist das irgendwie auch nett.

Ganz einfach, weil man …

  • die Tür hinter sich abschließen kann und den einzigen Schlüssel besitzt
  • vernünftigen Kaffee trinken kann und zwar dann, wann immer man will
  • auf nackten Füße gehen kann, ohne nachzudenken, wer schon vorher da barfuß lief
  • sich des Nachts im Dunkeln nicht den Zeh rammelt, wenn man mal aufs Klo muss
  • die Schnauze unter den Wasserhahn halten kann, ohne sich etwas einzufangen … oder nach Schwimmhalle zu schmecken.

Heute drei Tage später kam der verlorene Koffer an und meine Schreiblaune kehrt langsam zurück

Denn mein Koffer, der aus Kanada kommend, in England hängenblieb, erreichte nun die deutsche Bundeshauptstadt. Ich bekam einen netten Anruf vom Koffersuchdienst des BER und ein Mann mit rumänischen Auto-Kennzeichen überreichte mir meinen Koffer an der Bordsteinkannte.

Willkommen zurück.

Andere Beiträge mit Koffer:

85) Trennungsschmerz

Auf dem letzten Kurztrip nach Andalusien hat es mich und das große Kind zum „Goldenen M.“ verschlagen. Und es war gut so. Von Belehrungsversuchen bitte ich abzusehen, spart euch die Tastenanschläge für wichtigere Themen. So kam es also, dass wir die Premium-Köstlichkeiten vernascht hatten und die letzten Tropfen aus den Pappbechern schlürften. Lautstark versteht sich. Großartiger Moment!

Auf unseren Tablets* sah es danach so aus, wie es eben in dieser Art von „Restaurants“ nun mal aussieht. Auch das bitte nicht kommentieren. Auch wenn es schwer fällt, aber mehr als zwei Schlaumeier (also T.Bot und mich) verkraftet dieses Blog-Kraftwerk hier nicht.

Also erhoben wir uns und schlürften SB-konform zur Sammel-Stelle für die Tablets*, in der Annahme, wir würden die beiden Dinger einfach in so einen Rollwagen schieben und Tschüssikowski!. Aber denkste, Puppe … Papa. Vor uns stand eine Mülltrennungsanlage dreifacher Komplexität.

Wie bitte? Ich soll jetzt echt die beiden Tablets* durchwühlen und übriggebliebene Pommes, Salatblätter und Ketchup von dem Papierlappen kratzen und nach links werfen, Plastik in die Mitte und Pappe nach rechts befördern? What? Essig und Öl aus den Tütchen quetschen und voneinander trennen? Die Hühnerbeine zusammensammeln, den Gummi-Käse vom Burger-Papier polken und der fachgerechten Entsorgung zuführen? Ist Gummi-Käse eigentlich organisch oder plastisch-elastisch? 

Also das macht ihr bitte mal schön selber. Wer seine acht Kostbarkeiten in Müll wickelt, der kann das dann auch gern sortieren!

Ich hätte auch einen großen weißen Teller genommen.

*) Clara Himmelhoch hat natürlich Recht, dieses Tablett schreibt man mit zwei „t“. Schlamperei hier! Aber ich hatte auch schon Ketchup auf meinem Tablet 😉

84) Nur mal eben kurz

Kommen wir mal wieder zu den Widrigkeiten des Alltags. Es gibt so Dinge, die tut man (… zumindest ich), obwohl man weiß, dass das nicht gut ausgeht. Weil man es ja auch nicht zum ersten Mal macht und es schon mehrere Male schief gegangen ist.

  • Zum Beispiel zieht man mit einer Hand ein Schublade auf, in der zweiten Hand hat man … sagen wir mal … ein Portemonnaie. Dann benötigt man für das, was man aus der Schublade angeln aber beide Hände und deshalb legt man das Portemonnaie nur mal eben kurz in der Schublade ab. In diesem klitzekleinen Moment ahnt man schon, wie die Geschichte ausgeht. 
  • Selbiges Naturschauspiel erlebt man auch ganz wunderbar, wenn man den Auto-Schlüssel nur mal eben kurz im Kofferraum ablegt. Wenn man dann ratlos auf das Zündschloss blickt, ist der Suchradius dann dankenswerterweise sehr überschaubar.
  • Oder das riskante „Nach-Toasten“. Sagen wir mal ein WG-Mitglied hat den Bräunungsgrad des Toasters von 3 auf 2 heruntergedreht, was dann dazu führt, dass mein Toast definitiv zu blass wird. Gut, kein Problem, ich kann die Toast-Taste ja noch mal runterdrücken. Nur ganz kurz. Aber ich weiß, dass wird rabenschwarz enden. Also nehme ich mir vor, vor dem Toaster stehen zu bleiben und mich bloß keinen Meter zu bewegen. Aber dort einfach nur dumm herumzustehen und auf den Toaster zu glotzen, das ist ja nun auch höchst ineffizient. Also gehe ich „nur mal eben kurz“ in den Nachbarraum …

Aber ich bin bestimmt nicht der Einzige auf dem Planeten, dem das so geht … oder etwa doch???

 

83) Die Kartoffel-Formel

Was können wir denn heute kochen?
Vielleicht irgendetwas mit Kartoffeln.
Wir haben da noch so einige liegen.
Gute Idee. Denn der Küchenchef mag es überhaupt nicht, wenn sich Reste ansammeln.

Und so geht das dann seinen Lauf: 😉

Der Küchenchef holt die Kartoffeln hervor und fängt eifrig an zu schälen.
Es geht ihm gut von der Hand, er ist geübt darin.
Bald ist der Sack leer, die Kartoffeln liegen im Topf.
Zweifelnd schaut er von oben herab.

Reicht das für alle? Müsste doch eigentlich, oder?
Ungefähr vier Stück pro Kopf hat man ihm beigebracht.
Demnach müsste es eigentlich reichen.
Aber die sind auch unterschiedlich groß. Mhm.
Und diese Faustregel stammt aus dem letzten Jahrtausend.

Besser er macht mal lieber ein paar mehr.
So marschiert der Küchenchef zum Supermarkt.
Und weil er der Kassiererin nicht zwei lose Kartoffeln vor die Nase legen will, nimmt er gleich fünf mit.

Zurück in der Küche macht er sich wieder ans Schälen.
Nach zwei weiteren Kartoffeln kommt er zum Schluss.
Das reich nun jetzt aber wirklich.
Und was machen wir mit den drei Kartoffeln?
Die verbrauchen wir beim nächsten Mal mit.
Ah ja. Er ahnt schon wie das ausgeht.

Um diesem Mysterium auf den Grund zu gehen, bittet er die AI um eine Formel.

KitchenGPT schreibt:
Aber keine Sorge, meine Freunde, denn ich habe eine Lösung für dieses allgegenwärtige Problem gefunden. Ich präsentiere euch stolz die Kartoffelformel – die ultimative mathematische Gleichung, um das richtige Schälmaß zu berechnen.

Kartoffelformel: S = P + (M x A)

Erklären wir kurz die einzelnen Variablen. S steht für die Anzahl der geschälten Kartoffeln, P für die geplante Anzahl, M für die mysteriöse „Mehr-Kartoffel-Magie“ und A für die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne eines Kartoffelschälenden.

Lasst mich euch ein Beispiel geben. Nehmen wir an, ihr habt vor, 10 Kartoffeln zu schälen. Ihr seid jedoch eine äußerst faszinierte Kartoffelschälerin oder ein äußerst faszinierter Kartoffelschäler und eure durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne beträgt nur 5 Kartoffeln. Und hier kommt die „Mehr-Kartoffel-Magie“ ins Spiel, denn wir wissen alle, dass Kartoffeln eine Art Zauber haben, die uns dazu verleitet, mehr als geplant zu schälen.

Mehr solche nervenaufreibenden Kleinigkeiten >gibts hier

81) Thumbs ab … auf … app … up


Nun mal wieder zu den kleinen Widrigkeiten des Alltags, die haben wir wenigstens so halbwegs im Griff. Apropos „Griff“. Da sind wir schon beim Thema. Niemand will eine Hand voller Daumen haben, aber ein Daumen pro Hand is‘ schon recht praktisch, wenn man etwas „in den Griff“ kriegen will. Merkt man ganz besonders dann, wenn er nicht voll einsatzfähig ist.

Wie schon in >Screenschrott 2 – LIVE Zustellung berichtet, hatte mich die Jahresend-Hektik gepackt und ich habe mir beim Kelleraufräumen einen Metallschnapper der Gattung Billo-Alu-China-Regal in den „Digitus primus manus“ gerammt. Angeber. Ich weiß ;-). Ist aber nur Halbwissen aus dem Internetz.

Und während ich meinen rechten Daumen so langsam wieder aufpäppele, registriere ich, was für eine großartige Erfindung so einen Daumen doch ist. Ich meine, hebt ihr doch mal eine Gusspfanne an, ohne euren Daumen zu nutzen. Zieht auch mal die Hosen hoch, die Socken an und schnürt euch die Schuhe mit acht Fingern. Da muss man schon kreativ werden und etwas Zeit mitbringen.

Und erst recht das Online-Banking, Touch-ID Gedöns, Passwort-Germerke … ich sollte mir einen Ersatzdaumen aus Silikon in den Schrank legen. Nur dafür. Oder mir einen Leihdaumen organisieren, den ich „on demand“ rufen kann, wenn mal Not am Daumen ist.

Das großartige Wiki erklärt dann noch Folgendes:

„Alle Altweltaffen besitzen einen opponierbaren Daumen.[1] Die Oppositionsstellung des Daumens ermöglicht den Faustschluss und verbessert die Greiffunktion entscheidend – ein evolutionärer Entwicklungssprung dieser Primaten gegenüber Neuweltaffen und anderen Säugetieren. Neuweltaffen können den Daumen nur adduzieren, nicht opponieren …“

Hah. Ich bin also ein „Altweltaffe mit opponierbarem Daumen“. Na herzlichen Dank auch, „again what learned“ und endlich eine Idee für einen Nickname hier 😉

  • Altweltaffe mit opponierbarem Daumen … ich glaub‘s nicht.
  • Alzweckwaffe mit opulenten Pflaumen … ha ha ha
  • Altvorderer mit opportunem Gaumen … Guaden!
  • Alltagsdecke mit optionalen Daunen … Kuschel
  • Alternative für opioide Traumen … Gute Nacht!

Ich sach‘ nur Thumbs ab …  äh … up.
T.

80) Viel Lärm um nix Rauch

Es gibt da so ein paar Dinge im Alltag, die können für pure Verzweiflung sorgen, wenn sie sich dem Ende neigen … oder unvermittelt … einfach … „alle“ sind.

Anführer der Liste dürfte das Klo-Papier sein, aber auch das letzte Blatt >Küchenpapier sorgt für Blutdruck, wenn sich gerade ein Glas voll Milch oder Wein auf der Couch verteilt. Was mich auch auf die Palme bringen kann, sind >Tacker-Nadeln, die just in dem Moment fehlen wenn man eigentlich nur noch eine einzige benötigt, um die Aufgabe abzuschließen.

Unter den Top 5 sind bei mir auch Rauchmelder, die sich am liebsten Nachts mit zaghaftem „Piep“ melden. Erst hofft man, das gibt sich wieder, aber bereits in dem Moment weiß man eigentlich, dass sich da gar nichts von allein wieder gibt. Genau wie Zahnschmerzen. Die kommen um zu bleiben. Und werden immer lauter. 

Tja und dann kann man eigentlich nur einen Hocker oder Stuhl hohlen und bei Dunkelheit an der Zimmerdecke herumfummeln. Soll ja keiner weiter wach werden. Möchte nicht wissen, wieviele Unfälle sich ereignen, wenn wir Dinge reparieren, die eigentlich dafür gemacht sind, größere Schäden abzuwenden.

Nun hatte ich neulich dummerweise einen Rauchmelder an der Decke, deren Batterie man gar nicht rausnehmen konnte. Wohin mit dem piependen Ding Nachts um halb drei? In den Kühlschrank? Auf die Terrasse? Dann würde der Kiez mich hassen. Also den Werkzeugkasten holen und mit einem Hammer drauf eindreschen. Oder mit dem Steak-Klopfer. Und dann mit kalten Füßen wieder in der Schlaf finden. Hate!

Letzten Freitag dann der Höhepunkt der Woche. Der Nachbar von der „Datscha“ rief 16:30 Uhr an, dass alle Anwohner drumherum durchdrehen, weil es bei uns in der Hütte piept wie Sau. Also gurkte ich im Wochenendverkehr da raus, über eine Stunde hat’s gedauert und dann wieder zurück. Nur um den piependen Quälgeist zu finden und die Batterie zu ziehen. 

Denn der Rauchmelder hatte Rauch gewittert und meldete das stundenlang, piepte im Stakkato den halben Landkreis zusammen. Die Batterie strotzte dabei vor Ausdauer und ich hatte noch den ganzen Abend einen Piep … im Kopf.

345) Klopf klopf, der Alltag

Meistens kommt man ja zum Ende einer Reise etwas zur Ruhe. Man hat ausreichend Kilometer geschruppt, die Dinge gesehen, die man sich anschauen wollte. Im letzten Drittel geht man die Tage vielleicht etwas langsamer an, um „mehr davon“ zu haben. Und dann arbeiten sich in mir irgendwann Gedanken hoch und klopfen an die Tür.

  • Klopf klopf. Ach ja, der Job. 
  • Klopf klopf. Da war doch noch was. 
  • Klopf klopf. Das aufgeschobene Gespräch mit dem Chef. 
  • Klopf klopf. Das Projekt, das erste Ergebnisse liefern muss.
  • Klopf klopf. Der Telekom-Techniker, der am Montag auf der Matte steht. 
  • … und so weiter.

Hartnäckig klopfen sich die Realitäten aus der Heimat zurück in meinen Arbeitsspeicher. Unangenehm. Und dann kann ich drauf warten, dass meine Rübe beginnt, Gegenentwürfe zu diskutieren. 

Muss ich denn überhaupt … könnte ich nicht weniger … was anderes … woanders?

Die Gedanken kreisen über der Hängematte, es ergibt sich aber leider kein klares Bild. Wie jedes Jahr. 

Hinzukommen diesmal noch die ganz dicken Bretter, die da im Herbst und Winter vor uns liegen. Das Virus will zurück auf die Bühne und der russische Bär dreht am Gashahn. Beste Voraussetzungen.

Klopf, Klopf … sind das die ersten Takte eines Post-Urlaubs-Blues?

330) Platte Ratte (Nummer 600!)

So manch einer:in wird sich noch an die mahnenden Worte von Mutti und Omma erinnern. 

  • „Mensch, guck‘ nach vorn“. 
  • „Pass auf wo du hintrittst Kind“. 
  • „Du Hans Guck-In-Die-Luft, du.“

Heute schauen die Menschen > eher auf‘s Handy, statt in die Luft. Dabei gibt‘s auf dem Boden auch spannende Sachen zu entdecken. Neulich habe ich zum Beispiel 20 EUR gefunden und es war weit und breit niemand zu sehen, bei dem ich ein schlechtes Gewissen entwickeln konnte. Meins! Meins!

Ein paar Tage später dann eine platte Ratte auf dem Bordstein. Nicht ganz so erfreulich wie ein Zwanzig-Euro-Schein, aber immerhin genug Inspiration für diesen Beitrag und eine Ideensammlung kreativer Bildunterschriften. Ich lege mal ein paar vor, bin gespannt was ihr noch so an Ideen habt. Einfach kommentieren, ich ergänze die dann Stück für Stück mit eurem Namen.

Brainstorming:

„Flat Rat(e).“
„SUV, oder wie?“
„Platt, platter, am …?“
„Gibt‘s das auch vegan?“
„Also, das ist mir zu flach!“
„Haare etwas kurz geraten?“
„Mhm, dann doch lieber Flunder.“
„Zufälligerweise ein Arzt anwesend?“
„Na ja, also Plattfuß wäre ja noch ok.“
„Wenn Ratte im Garten, auf Gatte warten.“
„Schatz wie war dein Tag?“ … „Puh, bin platt.“
„Der neueste Trend für Tatzen: Wraps für Katzen.“
„Liebling, sag mal. Wie war das noch mal bei Camus?“
„Ein Trip nach Berlin?“ … „Och, da fühle ich mich jetzt etwas überrollt.“

Länger keinen so flachen Beitrag geschrieben, aber heute darf ich mal.
Da mach ich mir keine Platte.

Denn es ist Nummer 600 😉
Oh, yeah!!

Etwas platt, Zeit für Urlaub …

Eure Ideen:

„Platte Ratte am Morgen vertreibt blog-blockade Sorgen“ (Sabine)

“Autsch, das tat weh“ (Reiner)

70) Die Welt da draußen, vor der Höhle

Dass ich immer noch im Höhlen-Office arbeite, brauche ich nicht zu erwähnen. Es gibt zarte Anzeichen für nahende Präsenzmeetings, aber bis dahin verlasse ich die Höhle am Tage maximal zum Lunch oder für Besorgungen, wenn überhaupt. Aber selbst dann bleibe ich im Radius von ca. 3 km zum Höhleneingang. Ich könnte diesen Radius mit Kreisen markieren, vielleicht sogar einfärben, um das zunehmende Lärm-, Stress-, oder Aggressionslevel sichtbar zu machen. 

Gehe ich aus der Tür, folgt bald ein Supermarkt. Kurz dahinter ziehe ich gedanklich mal den ersten Ring bei 100 m. Alles noch recht friedlich, kleinstädtisch fast. 30-er Zone, weniger Autos, Kinder, Fahrräder. Das einzige was an Großstadt erinnert, ist der Mann mit der dunklen Haut, der vor dem Supermarkt um Kleingeld bittet. Und die Schwärme von Gymnasiasten, die in den Pausen dort einfallen wie die Heuschrecken.

Den nächsten Ring ziehe ich bei 250 m, denn da befindet sich die erste große Kreuzung. Mehrspurig ballern die Autos mit Schwung drüber. Die Straßenbahnen kreuzen im Minutentakt, die >Fahrrad-Helden liefern sich ihre Wettrennen, >Imbisse stellen die Fußwege mit Stühlen voll, an den >Spaßkassen-Automaten gehts zu wie im Taubenschlag, beim >Späti gibts Hochprozentiges … und spätestens an der Ampel die ersten Ellenbogen.

Den dritten Ring ziehe ich am nächsten S-Bahnhof bei 500m und da ist dann endgültig Schluss mit Kleinstadt. Matratzen und Decken liegen unter der Brücke, eine räudige Burger-Braterei brät Burger für eilende Bürger und es herrscht ein Fahrrad-und Rollerverkehr, als hätte man gerade zur Evakuierung Prenzlauer Bergs aufgerufen.

Die nächsten 2,5 km überspringe ich mal jetzt, denn die sitze ich in der >Ring-Bahn und da gibt es leider kein stufenweises Herantasten an den Trubel in der Schönhauser Allee mehr. Denn steigt man dort aus der Bahn, hat man bereits alle weiteren Kreise durchflogen und steht mitten im Getümmel.

Hat man sich über die Treppe an die Erdoberfläche gekämpft, gibt‘s sofort Großstadt satt. Menschen hetzen in alle Richtungen, Fahrräder, Lastenräder, Roller, Kinderwagen, Hunde, Bettler, Obdachlose und die hippen Mitbürger mittenmang. Die U-Bahn auf der Hochtrecke über den Köpfen, Feuerwehr, Tram-Gerumpel, Müllabfuhr und Paket-Boten in der zweiten Reihe. Ein Geklingel und ein Gehupe. Rufe wie „Hallo Mia, hiaaaaa bin ich“ oder Schreie wie „Haltet ihn“ oder Geschimpfe wie „Ej, sa‘ ma‘ hast’de keene Oogen in Kopp“?

Dann drehe ich die Kopfhörer ein paar Stufen lauter und stehe maximal 10 Minuten am Straßenrand gegenüber eines Hauseingangs, um dort auf den Stammhalter zu warten und werde in der Zeit 20 mal verscheucht oder angesprochen. „Darf ick mal“ oder „Ick müsste mal an mein Fahrrad“ oder „Haben Sie Pizza bestellt?“ oder „Dit is‘n Radweg man!“ oder „Tschuldigung, hätten `se mal `n bisschen Kleingeld“. Von rechts riecht’s nach Döner, von links nach Eisdiele, von vorn nach Drogerie und von hinten nach Mülltonne. Weil da eine steht. Stand letzte Woche auch schon hier.

Jedes Mal wenn wir dann wieder in der S-Bahn in Richtung unserer Höhle sitzen, macht sich Entspannung breit. Aber auch da trügt der Schein.

Heute schlossen die Türen gerade, als Jugendliche brüllten und rannten.
Die Bahn fuhr an und kleine Kinder fingen im Wagen an zu heulen.
Fahrgäste verlagerten sich in den hinteren Wagenteil zu uns.
Dann folgten Wortfetzen, außerhalb unseres Sichtfeldes.
„Hust, spuck, schnief.“
Was ist passiert?
Geht’s gut?
„Heul, schluchz, rotz“
Braucht ihr Hilfe?
Do you …?
All good? Hello? Are you fine?

Ein Fahrgast greift zum Handy:

Ja, Hallo, hier Kasupke aus der Ringbahn … gerade Schönhauser raus … möchte Zwischenfall melden … Jugendliche … mit Messern … dann Reizgas rein … und weggerannt. Fahrgäste? Ja, so weit ok … die Fenster geöffnet … Bahn fährt noch. Schicken Sie einen Streifenwagen … und so weiter.

Sicher gibt‘s auch noch ganz andere Kreise in unserer Stadt, aber zurück bleiben verstörte Kinder, auffällig schwere Augenlieder und ein latent chemisches Kratzen im Hals.

Und die Gewissheit, dass es mir in meinem Höhlen-Office doch eigentlich ganz gut geht 😉

280) Corona-Lektionen 113

Die letzten Corona-Lektionen kamen eher mit düsteren Bildern daher. Das war sicher dem dunklen Januar geschuldet, aber auch meiner Stimmung zu diesem Thema. Aber gestern früh, da war der Ausblick mal anders. Am Himmel war Aktivität zu sehen und ein kleines positives Leuchten. Und das passt ganz gut zur aktuellen Entwicklung.

Ein paar Gedanken der letzten Tage:

Frühling:
Ich sehe Krokusse auf der Wiese und Blüten am Baum. Es wird früher hell und jeden Tag später dunkel. Wunderbar, das kommt mir sehr entgegen, denn ich habe in den letzten 2 Jahren gelernt, dass ich > Licht und > Weite brauche. Um so mehr Licht wir alle kriegen, um so heller wird‘s dann hoffentlich in den Köpfen der Menschen.

Inzidenz:
Die ist noch deutlich zu hoch, aber sie fällt rapide. Exponentialität muss ja nicht immer schlecht sein. Ende Februar / Mitte März dürfte das schon viel besser aussehen und wenn der Virus jetzt nicht noch eine zickige Tante oder einen mürrischen Onkel anschleppt, spekuliere ich mal auf einen entspannten Sommer. Bei dem man aber nicht vergessen sollte, seine Hausaufgaben zu machen, denn Ende August sind die Ferien zu Ende, die Pfefferkuchen werden wieder in die Regale geräumt und dann flattern wir wieder panisch herum wie die Hühner.

Die „anderen“:
Häufig wird neidisch auf andere Länder geschaut, weil die schon eher Maßnahmen fallen lassen und dann ist man hier schnell unzufrieden. Ich denke auch, dass lässt sich nicht alles gleichsetzen. Da hat man seine Hausaufgaben im Impfen besser gemacht oder auch ganz anders kommuniziert. In dem Kontext fand ich „Hart aber Fair“ vom 07.02.2022 ganz gut, als ein gebürtiger Deutscher, der in Dänemark lebt, ab Minute 23:40 bis 32:40 mal ganz erfrischend aus dem Dänischen Coronäh-Kästchen plauderte. Sehenswert. Könnt ihr auch „vorspulen“. Geiles Wort 😉

Alltag:
Zum Schluss noch so eine kleine Widrigkeit des Corona-Alltags, auf die wir irgendwann hoffentlich belustigt zurückblicken werden. Also, da stehst du vor einem Restaurant, klopfst alle „Tools“ an deiner Jacke ab. Maske, Handy, App, Ausweis. Alles da. Bereit SWOT-Team? Stilles Nicken aller Maskierten. „Zugriff!“ Dann stürmst du den Laden als erster und im Nu läuft dir die Brille an. Du tappst wie ein Nachtwandler zum Tresen und sagst, du hättest reserviert. Dann ziehst du mit eiskalten Händen das Handy aus der Innentasche und hoffst, dass der Akku noch mitspielt. Du zeigst stolz deinen QR-Code, musst aber noch drei mal weiter wischen, weil die dritte Impfung nicht „vorn“ zu sehen ist, sondern weiter „hinten“. (Wenn du dich etwas doof anstellst, macht das auch die Bedienung für dich. Die hat eh schon 200 Handys an dem Tag angefasst). Dann angelst du in deiner Brieftasche nach deinem Ausweis und versucht ihn danach gleich wieder wegzupacken, damit du ihn bloß nicht in die Hosentasche steckst, wo der sonst sicher mitgewaschen wird. Und weil du immer noch guckst wie ein Maulwurf und die Finger steif vor Kälte sind, rutscht dir das Handy aus der Hand und fällt unter einen Tisch, an dem sich ein verliebtes Paar glückselig in die Augen blickt.

Und dann krabbelst du mit beschlagenen Gläsern und Maske auf der Nase unter deren Tisch und suchst dein Handy. Herrlich.

Also, Loriot hätte seinen Spaß gehabt 😉

Behaltet die Nerven. Bald wird’s besser!

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