115) Irgendwas mit Dinkel

Alle paar Monate sitzen an der Supermarkt-Kasse auf einmal andere Menschen, meistens junge Leute, die offensichtlich gerade erst angefangen haben. Das erkenne ich an ihren Bewegungen, den Abläufen die noch nicht ganz rund laufen. Damit kann ich leben, jeder hat mal irgendwo angefangen, nach ein paar Tagen läufts schon besser.

Was ich aber überhaupt nicht abkann ist, dass sie verwundert in meine Brötchentüte gucken und mich dann fragen, was das ist.

Er: Die habe ich ja noch nie gesehen, wissen Sie wie die heißen?
Ich: Nein tut mir leid, das ist mir auch herzlich egal.
Mein Güte, früher gab‘s „Schrippe“ oder „Doppelte“ oder „vom Vortag“. Ihr macht das doch so kompliziert …nicht ich.

Er: Mhm …
Ich: Irgendwas mit Dinkel … oben links im Regal.
Gleich neben den anderen, deren Name ich auch nicht weiß.

Er: Wissen Sie zufällig den Preis?
Ich: Nein, auch den weiß ich nicht.
Ihr ändert den sowieso andauernd.

Hinter mir bildet sich bereits eine nervöse Schlange an Menschen. Der neue Mitarbeiter erhebt sich aus dem Stuhl, geht rüber in die Gemüseabteilung und fragt den Chef, aber auch der kann nicht helfen.

Also tappert der Kassierer bis ins hintere Ende des Supermarkts und macht sich auf die Suche, nach dem Namen meines EINEN Brötchens.

Er watschelt zurück, setzt sich wieder und tippt schweigend in die Kasse.

Ich: Und, wie heißt es nun?
Er: Bio-Dinkel-Krüstchen
Ich: Aha
Aber, glaub‘ mal nicht, dass ich mir das merke.

Den Hinweis, dass ich schon mehrfach vorgeschlagen habe, doch mal vorn im Kassenbereich ein paar Bilder der Backwaren auszuhängen, schlucke ich runter. Bringt nix.

Ich gehe nach Hause und esse jetzt mein …

wie hieß es doch gleich? 

Irgendwas mit Dinkel … oben links im Regal.

PS 1: ich könnte es mir auf den Unterarm tätowieren lassen

PS 2: Titelbild via KI

540) Guck‘ mir nich‘ in die Tüte!

Der Supermarkt um die Ecke, hat sich wieder was Neues einfallen lassen. Dort aufgebackene Brote gibt es nur noch abgepackt in Tüten, deren Sichtfenster eingetrübt wurden. Man kann nicht mehr „rinkieken“, würden wir Berliner sagen. Vorher war die Folie klar und durchsichtig, nun habe ich eigentlich gar keine Ahnung, was ich da greife. Ich muss nur die Etiketten lesen und dem Ganzen auch noch vertrauen. 

Das gleiche gilt, wenn ich mir ein paar Brötchen aus den Fächern angele und in diese Tüten stopfe. Damit gehe ich dann ganz stolz zur Kasse und lege die Tüte aufs Band. Die Kassiererin kann den Inhalt aber auch nicht ertasten, muss die Tüte also aufmachen, in die Tüte hinein schauen, … hoffentlich nicht niesen …, die Tüte wieder schließen, um so das Warenwirtschaftssystem glücklich zu machen

Was soll das? Wer ist denn auf diese Idee gekommen?

  • Sind die Tüten mit milchfreiem Milchglas etwa billiger?
  • Lässt sich damit das Backwerk vom Vortrag besser verkloppen?
  • Sind die vielleicht politisch korrekter, weil es dann nicht drauf ankommt, wie weiß oder braun ein Brötchen ist? Ob es eine Schiefstellung hat, ein optischen Makel oder zu viele Körner?
  • Geht’s ums Geschlecht? Sollen auch hier der „Knüppel“, die “Schnecke“ und das „Hörnchen“ dieselben Voraussetzungen haben?
  • Oder geht’s etwa um Datenschutz? Damit keiner sieht, was ich in meine Tüte gepackt habe?

Meine Güte …
… das sind Lösungen …
… für Probleme …
… die wir nicht auf der Tüte hatten.

Nachtrag 16.04.24 20:00 Uhr: danke an Hermann für die Aufklärung unten im Kommentar. So sieht das natürlich alles ganz anders aus. Hätte man ja auch mal erklären können.

Beim Schreiben fiel mir wieder ein Beitrag aus 2019 ein, bei dem ein paar Schüler die krümelnden Backwaren einfach aufs Band klatschten. Wegen der Umwelt. Sehr schön —> 44) Krümel for Future