792) Erkennt man den Moment, ist er schon vorbei

Man soll nicht in der Vergangenheit schwelgen, auch nicht zu viel über die Zukunft nachdenken. Stattdessen besser im Hier und Jetzt leben. Den Moment leben.

Schlau gesagt.

Der Haken ist nur, sobald man sich in einem solchen Moment befindet und sich diese Weisheit ins Gedächtnis ruft, neigt sich dieser Augenblick schon dem Ende zu und ist damit bereits … Vergangenheit.

„Komm, wir müssen weiter.“

„Lass uns mal packen.“

„Müssen morgen früh raus.“

„Du weißt ja, immer was zu tun.“

„Na dann, woll’n wir mal.“

„Guti, also dann, Abmarsch.“

Doof.

Vielleicht wäre es besser, statt diesen flüchtigen Moment festhalten zu wollen, den nächsten ins Visier zu nehmen. Also nicht das nächste Jahr oder gar die nächste Woche. Nicht mal morgen.

Das große Konzert am Abend. Den Döner auf dem Weg dorthin. Das Lichtermeer. 

Denn dann ist der Moment … an Tagen wie diesen.

11.Juni 2026

771) Glückskeks-Zettel zum ernst nehmen


Irgendwann zu COVID-Zeiten. Mit diesem Satz beginnen vermutlich viele Geschichten. Es war eine besondere Zeit, in der irgendwie alles stillstand. Man verlor das Gefühl für Zeit und trotzdem ging das Leben weiter. Jeder hat wohl seine eigenen Erinnerungen daran.

Irgendwann während dieser Zeit waren wir in einem China-Buffet. Mit all den Sicherheitsvorkehrungen, 3G und allem, was damals noch dazugehört hat. Tisch reservieren, mit Stoff vor der Schnute zum Buffet laufen und schnell wieder zurück an den Platz.

Dort zog ich einen Glückskeks-Zettel mit der Aufschrift: „Enjoy life now.“ … Also: „Das Leben jetzt genießen.“ Diesen Zettel habe ich mitgenommen und seitdem trage ich ihn im Münzfach meiner Brieftasche mit mir herum. Und genau so sieht er inzwischen auch aus. Arg mitgenommen.

Bevor er endgültig in seine atomaren Bestandteile zerfällt, habe ich das große Kind gebeten, ihn zu laminieren. Jetzt habe ich einen plastikgeschützten Denkanstoß, den ich vermutlich noch sehr lange mit mir herumtragen werde. Es sei denn, jemand klaut mir die Brieftasche oder Plastik wird plötzlich knapp. Eher unwahrscheinlich.

Der Zettel soll mich daran erinnern, dass das Leben jetzt stattfindet und nicht irgendwann später, wenn man endlich mal Zeit hat oder der Ruhestand beginnt. Leider gibt es viele traurige Geschichten von Menschen, die nach einem hektischen Arbeitsleben endlich in die Rente entlassen wurden und wenige Wochen oder Monate später mit irgendeiner beschissenen Krankheit für immer abreisten.

Sollte es im Himmel WLAN geben und dieser Beitrag dort lesbar sein:

Seid gegrüßt, ihr Lieben.

Ich nehme das sehr ernst und versuche, daraus zu lernen.