12) Klangmoment: Plätschern am Waldplatz in Soala

Es wird so viel geredet. Übereinander, gegeneinander, nebeneinander und häufig drumherum.

Hier machen wir für eine Minute (heute sogar für zwei Minuten) das Gegenteil.

Mal einen Moment die Klappe halten, vielleicht Kopfhöher auf und „play“ drücken … sonst nichts.

Dieser Klangmoment stammt aus Estlands Westen, kurz vor Soela Sadam, ungefähr hier. https://maps.app.goo.gl/nSDt7CUsznnz9b3c9?g_st=ic Ich war auf der Küstenstraße 128 Richtung Norden unterwegs. Der Landstreifen zwischen Straße und Ufer war so schmal, dass man beim Vorbeifahren durch die Bäume das Ufer sehen konnte. „Mensch, hier muss es doch mal eine Möglichkeit geben … zu … halten.“ Und da war sie. Eine kleine Einfahrt. Also Blinker setzen, bremsen, abbiegen. Motor aus. Ruhe. Allein. Ein schmaler Weg führte zum Wasser, über mir die Vögel. Am Ufer plätschern kleine Wellen an Land. Eine Böe streicht durch die Baumkronen. Doch das Plätschern holt sich die Bühne zurück.

Soala, 26.06.2026

Blogbeiträge aus Estland:

146) Postkarte aus Estland (Tartu, Peipsiveere, Kõrvemaa, Tallinn)

148) Postkarte aus Estland (Harjumaa, Läänemaa, Saaremaa, Pärnu)

11) Klangmoment: Malaysier in Lettland mit Bohemian Rhapsody

Es wird so viel geredet. Übereinander, gegeneinander, nebeneinander und häufig drumherum.

Hier machen wir für eine Minute (heute sogar für zwei Minuten) das Gegenteil.

Mal einen Moment die Klappe halten, vielleicht Kopfhöher auf und „play“ drücken … sonst nichts.

Dieser Klangmoment stammt aus Kuldīga in Lettland. Eigentlich freute ich mich nach der Fahrerei des Tages auf einen faulen Abend im Hotel, aber die Dame an der Rezeption berichtete von einem kleinen Musik-Event am selben Abend bei den Kaļķu ielas kvartāls (The Kalku Street Quarter). Jemand aus Schweden sollte spielen mit einem Malaysier im Vorprogram. Ein Malaysier in Lettland? Ok. Da hatte es mich dann doch noch mal rausgetrieben, auf ein Bierchen im Kalku Street Quarter. Ein paar Songs verfolgte ich auf dem Hof dort. Elton Johns „Sorry seems to be the hardest word“, dann Johnny Cash‘s „Folsom Prison Blues“ and finally „Bohemian Rapsody“ von Queen. Und dann ging er zur Pause und ich zum Hotel. Großartig.

Thanks to Sherman Tan from Malaysia, You touched my heart.

Kuldiga, 03.07.2026

Blogbeiträge aus Lettland:

Postkarte aus Lettland (Latgale, Vidzeme)

Postkarte aus Lettland (Vidzeme, Riga, Kurzeme)

3) Klangmoment: Vogelgerede bei den Līgatne Nature Trails

Es wird so viel geredet. Übereinander, gegeneinander, nebeneinander und häufig drumherum.

Hier machen wir für eine Minute das Gegenteil. Heute sogar mal zwei Runden

Mal einen Moment die Klappe halten, vielleicht Kopfhöher auf und „play“ drücken … sonst nichts.

Diese beiden Klangmomente stammen von den Līgatne Nature Trails, einem Naturpark in Lettland. Auf dem Parkplatz standen zwei Autos. Das der Dame am Ticketschalter und meins.

Līgatne Nature Trails, 18.06.2026

6) Klangmoment: Zum Kuckuck in Sietiņiezis

Es wird so viel geredet. Übereinander, gegeneinander, nebeneinander und häufig drumherum.

Hier machen wir für eine Minute das Gegenteil.

Mal einen Moment die Klappe halten, vielleicht Kopfhöher auf und „play“ drücken … sonst nichts.

.

Dieser Klangmoment stammt vom Sietiņiezis Felsen in Lettland. Wieder war ich ganz allein und lief oben im Wald zurück zum Auto. Der oder die Kuckuck wollte mir anscheinend eine Menge berichten, aber weiß der Kuckuck was … vielleicht vom Esel?

Sietiņiezis, 19.06.2026

785) Wenn Freiheit wieder eingemottet wird

Heute Morgen konnte ich vor dem lettischen Nationaltheater in Riga ein herrliches Schauspiel beobachten. An der Fassade hing eine riesige US-Flagge, dazu die Aufschrift „250“ und das Wort „Freedom“. Macht ja Sinn, wenn man sie schon am 1. Juli aufhängt. So hat man bis zum großen Moment noch ein paar Tage Luft.

Doch aus irgendeinem Grund machten sich plötzlich Techniker daran, das Ganze wieder abzubauen.

Wurden die Feierlichkeiten zum 250. Jahrestag der USA kurzfristig abgeblasen?
Hat jemand spontan das Programm geändert?
Oder ist Freiheit inzwischen aus der Mode?
Vielleicht ist auch der Hauptdarsteller der Freiheit erkrankt und auf die Schnelle war kein Ersatz mehr zu finden?

Wie auch immer: Der Mann oben in der Kanzel des Baukrans dachte sich offenbar, er könnte das obere Ende der Flagge einfach vorsichtig herablassen, sodass sie sich unten quasi von selbst zusammenrollt. Wahrscheinlich hätte ich das genauso gemacht.

Nur leider erwies sich die Freiheit als genauso widerspenstig wie ein Stück Frischhaltefolie, in das man ein belegtes Brötchen einwickeln möchte. Sie macht eben was sie will und am Ende bleibt ein Haufen zerknitterter Folie übrig.

Die Flagge rollte sich jedenfalls nicht sauber nach unten ab. Stattdessen bildete sich in der Mitte eine Falte, die weder der Mann oben in der Krankanzel noch sein Kollege unten am Boden so einfach wieder herausbekamen. Es benötigte mehre Anläufe.

Was lernen wir daraus?

Mit Freiheit muss man vorsichtig umgehen.
Man muss sie mit Bedacht behandeln.
Und sie bleibt hartnäckig

Am Ende lag die Freiheit ausgebreitet auf dem Gehweg, damit sie sie wieder glattziehen konnten. Zum Glück kam niemand auf die Idee, einfach darüberzulatschen. Die Menschen in Riga wissen, warum.

145) Postkarte aus Lettland (Latgale, Vidzeme)

Und schon wieder steht ein Grenzübertritt an, aber vorher soll es noch eine kurze Postkarte aus Lettland, und zwar den Regionen Latgale und Vidzeme sein.

Und los geht‘s

Latgale so nennt sich die Region im Osten, hat eine eigene Sprache und grenzt an Weißrussland und Russland. Also bei Kreisverkehren immer schön aufpassen, wohin man abbiegt.

Latgalle hat alles zu bieten für Leute, die mal ein bisschen Ruhe haben wollen. Entweder liegt es am Reiseziel oder noch am Reise-Monat Juni, aber an vielen Orten bin ich total allein. Und das war wirklich herrlich. Und Latgale ist etwas für Menschen, die gerne Autofahren und auf dramatische Himmel stehen.

Die Region Vidzeme, mit der Stadt Cēsis hatten es mir sehr angetan. Hier ein Rundgang durch Cēsis mit Bauten aus allen möglichen Epochen und auch mit entsprechender Geschichte dazu. Sehr nett hier.

Für den Gauja-Nationalpark um die Ecke sollte man zwei Tage einplanen. Lohnt sich wirklich.

Am Tag 1 noch etwas schattig und auch mal regnerisch.

Am Tag 2 dann mit bombastischen Wetter und typischem „Nord-Ost-Europa“-Licht. Gibt es das? Oh, das gibt es.

Aber kurz hinter Cēsis, stoppte ich noch an den Sietiniezis Felsen. Früh am Morgen und wieder war ich ganz allein. Wunderbar.

Und weiter ging es, mit ein paar Stopps, durch Vidzeme in Richtung Estland.

Durchfahrt durch Seda, eine sowjetische Planstadt aus 1954. Es sieht so aus, als wären sie gestern erst abgereist. Das zieht mich runter, ich steige nicht aus und fahre gleich weiter.

Bye Bye Lettland, hast mir echt gefallen, aber ich komme ja bald, habe noch Pfandbons in der Tasche 😉

Und wenn ihr euch fragt, was ich hier mache … eat this

Auszeit – 1

Auszeit – 2

Auszeit – 3

Auszeit – 4

82) Abseits – Vol 4

Noah setzte den Blinker und ging vom Gas. Laut Navigationssystem sollte in 100 Metern der Abzweig zum Čertoks-See folgen. Und tatsächlich: Ein Holzschild wies nach links zum Waldsee.

Er bog ab und folgte langsam dem Schotterweg. Er ließ die Fenster herunter. Das machte er immer so. Er hatte dann das Gefühl, näher an der Außenwelt zu sein. Außerdem liebte er das Knirschen der Steine unter den Reifen.

Etwa hundert Meter weiter tauchte ein kleiner Parkplatz auf. Kein anderes Auto hatte sich hierher verirrt. Noah schloss die Fenster wieder und stellte den Motor ab.

Nur wenige Meter trennten ihn vom See. Tatsächlich war er komplett allein. Da er gut in seinem Zeitplan lag, entschied er sich, einmal um den See zu laufen.

Der See war klein. Und tief. Und schön.

Auf dem einen Ohr hörte Noah das Zwitschern der Vögel, auf dem anderen das Quaken der Frösche. Er ging in Richtung der Frösche.

Meistens kann man Frösche gut hören, aber nur schwer sehen. An diesem Tag geschah jedoch etwas Besonderes.

Ein kleiner grüner Frosch sprang direkt vor Noahs Füße auf den Weg. Noah blieb abrupt stehen. Schließlich wollte er ihn nicht zertrampeln.

Der Frosch schaute Noah in die Augen und begann zu sprechen.

Frosch: Was machst du’n hier?

Noah: Nur mal gucken.

Frosch: Und wieso?

Noah: Na, ist doch schön ruhig hier. Ganz allein, kein Lärm. Die Vögel singen, ihr Frösche quakt, überall Wasser und Wald. Ist doch herrlich.

Frosch: Herrlich?

Noah: Ja klar. Oder etwa nicht?

Frosch: Ich sag dir mal eins. Immer dieses scheißkalte Wasser an den Schenkeln, der Lärm der Nachbarn, das ständige Gehabe der jungen Männer hier, meine Kinder, die permanent irgendetwas wollen, und dann das ganze Viehzeug rundherum, das uns an die Gurgel will. Und weißt du, was am schlimmsten ist?

Noah: Nee, sag mal.

Frosch: Na, dieser ganze Konkurrenz-Mist.

Noah: Konkurrenz?

Frosch: Ja, Konkurrenz. Jeder gegen jeden. Wer quakt am lautesten, wer schnappt sich den besten Platz, wer kriegt die Damen, wer kommt zuerst an die Fliege. Immer geht es darum, sich durchzusetzen und zu beweisen.

Noah: Hier auch?

Frosch: Vor allem hier. Wenn du nicht mithältst, bist du weg. So einfach ist das.

Noah: Oh. Ich fahr dann besser mal weiter.

Frosch: Na dann viel Glück. Meld‘ dich mal wenn du …

Noah: Na klar doch.

Der Frosch sprang ins Wasser und Noah ging zum Auto.

PS:

Inspiration, Idee und Umsetzung: T.Head

Kursive Textteile: KI