28) Klassen-Chat

Neulich saßen wir wieder einmal in einer Elternversammlung. Diesmal war es die erste Elternversammlung einer frisch zusammengewürfelten siebten Klasse. Die Stühle waren mir immer noch zu klein. Da hatte sich im Vergleich zur Grundschule nicht viel geändert. Aber die Eltern und Lehrer wirkten hoch motiviert, die Versammlung zügig über die Bühne zu bringen. Sehr gut, denn wir hatten Hunger. Die ersten Tagesordnung-Punkte vergingen wie um Flug. Elternsprecher-Wahl, Bericht über Klassen-Zusammensetzung, anstehende Ausflüge und andere organisatorische Dinge. Beim letzten Thema allerdings, gab es aber eifrige Diskussionen. 

Tagesordnungspunkt: Soll es einen Klassen-Chat geben?

Zwei Drittel der Eltern raunten sofort so etwas wie „…das haben die Kids doch eh schon…“ in den Raum. Das letzte Drittel wusste entweder nicht, was solch ein Chat eigentlich ist oder boykottierte WhatsApp als Facebook-Produkt grundsätzlich. Für Letzteres habe ich ja durchaus Sympathie. Nicht aber dafür, dass mit dieser ablehnenden Haltung, das ganze Thema vom Tisch zu kippen drohte. Genauso wie unser Abendessen. Ich halte Instant Messaging für zeitgemäß, die Kids sowieso. Würden wir einen offiziellen Klassen-Chat haben, dann hätten wir vielleicht noch etwas Einblick, was da so abgeht. Zumindest könnten wir uns damit eine Weile beruhigen, wohlwissend, dass die heißen Themen vermutlich woanders diskutiert würden. Unter diesen Voraussetzungen jedoch, würde es keinen flächendeckenden Klassen-Chat geben. Oder es musste ein Kompromiss gefunden werden. Und der Weg dahin, der sah nun wirklich sehr skurril aus. Zunächst sollten die Elternhäuser Handzeichen geben, die nicht über WhatsApp erreichbar sind. Ein Wunder, dass die sich nicht noch erheben oder sogar nach vorne an die Tafel kommen sollten. Als die Hände der Eltern nun oben waren, war die Gruppe der „Offliner“ damit klar identifiziert. Sie hatten ein Gesicht bekommen, jeder wusste WER das nun war. Sie blieben aber bei ihrer Haltung, was ich konsequent fand. Aber wie bindet man nun diese Kinder in die digitale Kommunikation ein? Nun, man diskutierte …? Na…? Patenschaften! Logisch. Die Kinder ohne WhatsApp sollten anderen Kindern zugewiesen werden, die WhatsApp-Zugang hatten. Ungefähr so ähnlich, wie wir als Kinder früher gern zu Mitschülern nach Hause gingen, die eine Sat-Antenne auf dem Balkon oder die Bravo abonniert hatten. Mensch, die armen Kinder! Tut das denen doch nicht an! Wie gesagt, ich kann die kritische Haltung gegenüber WhatsApp verstehen. Aber ist es echt nötig, die eigenen Kinder so zu stigmatisieren und auch noch andere Kinder damit zu beschäftigen, die Kommunikation in die analoge Welt zu „übersetzen“? Es gibt doch zwischen Schwarz und Weiß auch immer noch ein Grau. Die Kids müssen ja nun nicht gleich persönliche Details über WhatsApp teilen, aber ein Foto einer zu erledigenden Hausaufgabe empfangen, müsste doch auch den Eltern gefallen. Außerdem glaube ich, dass die Eltern das Spiel nicht gewinnen können, wenn sie das digitale Zeug einfach ignorieren und zu Hause verbieten. Nein. Die Kinder sollten wissen, was es ist, wie man es nutzt und was man eben nicht tut, oder?

Frühere Beiträge zum Thema Handy & Co:

11) iTunes Synch

Gelegentlich fällt mir ein, mein iPhone mal wieder an unseren Mac mit der iTunes-Datenbank zu stecken. Einfach nur, damit die sich mal wieder sehen. Meistens bereue ich das ganz schnell wieder. Besonders dann, wenn die Zeit knapp ist. Also immer. Ich verbinde beide Geräte per USB und dann beginnt das Feuerwerk der Meldungen schon. Ein erstes Pop Up springt mir entgegen und informiert, dass ein BackUp zu machen ist. Zeitgleich zählt iTunes oben in der Hauptnavigation die Titel, die synchronisiert werden müssen. Schon springt mir das nächste Fenster ins Gesicht und fragt, ob „mobil“ gekaufte Titel in die iTunes-Mediathek kopiert werden sollen. Die darauf folgende Nachricht sagt mir, dass der Mac selbst ein Update benötigt. Auf diesen Ego-Zug springt natürlich iTunes dann auch noch auf und meckert mit mir herum, dass alle anderen Aktivitäten abgebrochen werden, wenn ich nun das iTunes-Update mache. Was natürlich zunächst heruntergeladen werden muss und leider „etwas“ Zeit benötigt. Oh je, mir wird ganz schwindlig. Am liebsten würde ich alles abbrechen, aber das traue ich mich schon gar nicht mehr. Das mögen Computer nicht. Und schon weiß ich bereits, wie es ausgehen wird. 

1. manche Titel werden doppelt sein, andere fehlen

2. meine Playlists werden verschwunden sein

3. die nächsten zwei Abende werde ich vor iTunes hocken, um es wieder zu reparieren 

Mensch Steve, früher war alles so einfach…

Frühere Beiträge zum Thema Handy & Co:

10) Kleine fiese Wolke

Es kann man ich an den Rand der Verzweiflung bringen. Dankend lehne ich am Flughafen jegliche kostenlose Zeitungen, Werbe-Zettel, Kreditkarten-Anträge und anderes Papier-Zeug ab. Denn, ich habe ja ein neues Hörbuch auf dem Telefon, auf das ich mich schon richtig freue. Ich brauche also gar kein Lesematerial in Papier. Ich habe eine ganze Stunde in der Luft vor mir, nur für mich und mein Hörbuch. Das Kabinen-Personal vollführt sein Sicherheits-Ballett und weist noch auf einmal auf den Flugmodus für die Smartphones hin. Selbstverständlich. Es ist nur eine Wischbewegung auf dem Glas des Telefons und schon heben wir ab in die Luft. Der nächste Gong befreit die Flugbegleiter aus ihren Sitzen und fordert sie auf, den Getränkewagen flott zu machen. Gute Idee, sage ich mir. Ein kaltes Getränk ist ein wunderbarer Begleiter für ein neues Hörbuch. Aber ich sitze in der Mitte des Fliegers, daher wird es noch etwas dauern, bis der Wagen bei mir angekommen ist. Derweil will ich schon einmal das Hörbuch öffnen, bekomme dann aber ein Wolken-Symbol auf dem Buch-Cover angezeigt. Panik steigt in mir auf. Das ist ein schlechtes Zeichen. Trotzdem tippe ich drauf und dann passiert genau das. Eine Meldung erscheint: „Sie haben keine Verbindung zum Internet“. Und auch kein kaltes Getränk.

8) Watt, Volt, Ampere, Prozent

Erinnere ich mich an den Physik-Unterricht, gab es damals folgende Einheiten für elektrischen Strom: Watt, Volt und Ampere. Anscheinend gibt es neuerdings auch noch „Prozent“. Das Verlangen nach diesen „Prozent“ kann ein Schlechte-Laune-Garant für die Familie werden, wenn es im Hotel nur eine erreichbare Steckdose gibt. Ja, das gibt es noch. Dummerweise schaltet der Strom ab, wenn man das Zimmer verlässt und die Geschäfte in der Gegend haben schon geschlossen. Vier Smartphones, zwei Tablets und zwei Power Banks dürsten aber nach „Prozent“. Ich weiß, das ist wohl eher ein Wohlstandsproblem und Familien auf indischen Dörfern haben wahrlich andere Sorgen. Um nun aber dicke Luft zu vermeiden, gibt es nicht viele Optionen. Da wären Verzicht und Kompromiss oder halt eine geeignete „Ladestrategie“ auszuarbeiten. Letzteres sieht dann ungefähr so aus: Handy-Strom sparen und mit Hilfe der wenigen vorliegenden Adapter ein Versorgungsnetz  aufbauen, welches so viele Geräte wie möglich mit „Prozent“ versorgt.
Und in der Familie knobeln, wer nachts aufsteht und das System umsteckt….