74) Abwärts – Vol 4

Eine gefühlte Ewigkeit fährt Noah nun schon gen Norden. Niemand fährt vor ihm, keiner hinter ihm, vorhin lief mal “King of the Road“ im Radio … nun gibt es nur noch Rauschen. Er wird müde, denn er hat nicht viel zu tun. Die Geschwindigkeit des Campers regelt der Wagen selber, das System, das die Spur halten soll, hält die Spur. Das Navi macht was es will, die Kompass-Nadel kreiselt in einer Tour. Ob er denn wirklich nach Norden fuhr, das fragte er sich vorhin einmal, aber es muss so sein, denn die Straße verläuft schließlich schnurgeradeaus.

Nach weiteren Kilometern erblickt er in der Dämmerung ein Straßenschild und verlangsamt die Fahrt. Oben ist ein verblichenes Symbol zu erkennen – ein Rechteck mit zwei Rädern, vermutlich ein Camper, darunter der Schriftzug OMVÄND.

Keine Ahnung, was das heißen soll.
Klingt irgendwie nordisch. Vielleicht ein Stellplatz.
Oder ein Ort. Ein Aussichtspunkt.

Er setzt den Blinker, nicht weil er das Wort entschlüsselt hat, sondern weil es für heute genug sein soll. Er folgt einem enger werdenden Kiesweg, nach einigen Kurven kommt er direkt vor einem See zum Halt. Er stellt den Motor ab und genießt den kurzen Moment, in dem die Maschine bebend zur Ruhe kommt. Er atmet aus, öffnet die Wagentür und steht am Ufer. „Bingo“ …flüstert er. Das Wort OMVÄND wird er wohl nie mehr vergessen können. Das verbleibende Tageslicht nutzt er, um den Camper für die Nacht vorzubereiten und eine Suppe aufzuwärmen. Eine Suppe, ein Stück Brot, mehr braucht er nicht. Nun noch eine Zigarette und ein Gläschen dieses Whiskys, den er für viel Geld beim staatlichen Systembolaget erstanden hatte.

Er sitzt auf einem Klappstuhl und starrt auf den dunklen See.

Ein Froschkonzert setzt ein. Zunehmend lauter, zunehmend mehr, zunehmend näher. Meine Güte, was haben die alle zu erzählen. Reden die miteinander? Übereinander? Über ihn? Mit ihm?

Noah erhebt sich von dem wackeligen Klappstuhl und steigt in den Camper. Er will sein Telefon suchen, vielleicht kann er eine kurze Nachricht an Yumi absetzen. Ein kurzes Lebenszeichen, mehr nicht. Das Telefon scheint vom Klapptisch gefallen zu sein, aber er kann es zwischen zwei Sitzauflagen finden und steckt es in die Hosentasche. Der Camper wirkt leicht geneigt, mehr als vorhin – aber vielleicht täuscht das. Für eine Nacht wird das schon gehen.

Er setzt sich wieder, gönnt sich noch einen Schluck von dem Whisky und lauscht dem Quaken der Frösche. Es ist noch zu hören, aber anders irgendwie.

Nicht mehr von vorn, nicht mehr vom See.
Jetzt eher von den Seiten.
Sogar schon von hinten.
Scheinbar abklingend.
Alles wollten sie nur noch …
Verlassen.
Verreisen.
Abreisen.

In dem Moment erhält er eine Nachricht von Yumi.

Yumi: Hej, gehts noch aufwärts?
Noah: Gerade nicht
Yumi: Bären, Elche?
Noah: Frösche eher
Yumi: Süß
Noah: Weiß nicht
Yumi: Wieso?
Noah: Die hauen ab
Yumi: Und du?
Noah: Ich fahr‘ weiter … nach Norden. Morgen.

639) Weder Bett noch Internet … trotzdem nett

Es gibt ja da diesen Kaffeeröster, der verkauft neben Kaffee auch anderen Klimbim. Normalerweise gehe ich an dem Regal vorbei. Heute aber blieb ich einen Moment stehen und entwickelt nostalgische Schwingungen. Denn der Themenschwerpunkt des Sortiments war wohl „Camping“ … und damit gab es all den nützlichen Kram, den man als guter Camper „unbedingt“ braucht. Hauptsache, man ist gut equipped.

Ach ja … Camping-Urlaub … Mitter der 90-er … kein Geld auf der Tasche aber Kilometer machen. Die südfranzösische Küste entlang und den Millionären in St Tropez auf den Teller gucken. Spaniens Ostküste runter bis nach Gibraltar und Tarifa, dem südlichsten Punkt Europas. Durch die Toskana, Italien bis zur Hälfte links runter, rüber auf die Adria-Seite und dann rechts wieder hoch. Und der Loire entlang bis zum Atlantik und natürlich alles wieder zurück. Jedes Mal. Herrlich.

Da hätte ich glatt mal wieder Bock drauf …

  • Fast jeden Tag den Zeltplatz wechseln, anfahren, anfragen, anmelden, auf-und abbauen.
  • Einen guten Platz ergattern, weiter weg von der Straße, gern mit Schatten und ohne Wurzeln und Hanglage.
  • Zelt aufbauen, die Heringe in steinhartem Boden kloppen und mit Schlafsack, Iso-Matten (schon aufblasbar) kuschelig machen.
  • Drei Wochen bodennah leben. Kein Bett, nichts vernünftiges zum Sitzen. Schönen Gruß an Knie und Knochen.
  • Roséwein im großen Plastikkanister kaufen, den tagelang im Auto mitführen … selbst wenn er schon zischt. Aua.
  • Auf zwei Gas-Kartuschen leckerste Dinge kochen und dabei viele (viel zu kleine) Bierflaschen vertilgen.
  • Mangels Spanischer Sprachkenntnisse Rouladen auf den Grill legen.
  • Die lose Sammlung Camping-Geschirr auf zwei Händen zum Waschplatz  balancieren.
  • Mit Kulturtasche und Handtuch über der Schulter zur zentralen Waschgelegenheit schlürfen.
  • Mit einer Rolle unterm Arm, nacheinander süd-französische Klo-Türen öffnen, in der Hoffnung, ein Klo zu finden und nicht nur ein Loch in der Erde.
  • Nacht‘s aufs Klo müssen … oder den nächsten Baum ansteuern … und dabei bloß nicht über fremde Spannleinen stolpern.
  • Am frühen Morgen klitschnass das Zelt abbauen, weil sich ein Unwetter über dem Platz ergossen hat und der Lago Maggiore ins Zelt wollte.
  • Bei Blitz und Donner Stoßgebete in den Himmel schicken, auch wenn man sonst nur den „Basis-Tarif“ nach oben gebucht hat.
  • Und das alles ohne Internet, Mobil-Telefon, Online-Übersetzer, Navigationsgerät, Strom, Kühlschrank und Klimaanlage.
  • Also ich würde das wieder mal machen … aber vorher würde ordentlich einkaufen, denn da gibt‘s ja richtig geiles Zeug heute.

Hauptsache, man ist gut equipped.

631) Natiolando

Ab und zu schnappe ich Gedankenspiele von Menschen auf, die sich in Podcast und Medien mit der Frage auseinandersetzen, wohin man den „gehen“ würde, sollte es hier politisch unerträglich werden. So neulich wieder im Podcast zwischen Sarah Bosetti und Schlecky Silberstein. Da muss ich dann erstmal schlucken. Ich stelle zwar ähnliche Überlegungen an, aber nur im Kontext von Winterflucht und Fernweh, nicht aus einer Bedrohungslage heraus. Ich hoffe das bleibt auch so.

Denn „Dann hauen wir halt ab“ sagt sich erst mal leicht, ist aber beim genaueren Hinsehen auch nicht so einfach, zumindest wenn man nicht in Autokratie, Wüste oder Hochwasser enden will. Von den 200 Ländern bleibt am Ende nur eine überschaubare Menge übrig … und da wollen dann ja vermutlich alle hin.

Angenommen, alle Länder wären in einer App verzeichnet und dann gäbe es entsprechende Filter für die Präferenzen der „German Refugees“, ähnlich Konfektionsgröße, Farbe, Muster, Material und Passform beim Online-Shopping. Eine App namens „Natiolando“ quasi.

Diverse Schieberegler ermöglichen eine feine Eingrenzung, je nach Präferenz. Demokratie, Freiheit, Klima, Religion, Kaufkraft, Sicherheit, Mentalität, Einreise-Regelung, etc

Dann würde ungefähr folgendes passieren:

Von knapp 200 Ländern weltweit…
Politisch stabil & demokratisch: vielleicht 40–50
Klima angenehm / erträglich / risikoarm: nochmal Reduktion auf 30–35
Sicherheit: wieder ein paar raus, bleiben vielleicht 25–30
Gute Infrastruktur & Remote Work möglich: 20–25
Visa-Möglichkeit oder einfache Einwanderung: 15–20
Bezahlbare Lebenshaltungskosten: je nach Definition 10–15
… 10-15 weltweit …

Ich lasse mir die Länder anzeigen, zum Glück stehen meine Favoriten auf der Liste 😉

Zeit die nächsten Apps runterzuladen. SuperCasa, Idealista, Pisos.com, …

PS: Kursiv formatierte Texte via ChatGPT, Titelbild via WordPress KI

123) Postkarte von Rømø (DK)

Nun, es ist nicht die erste Postkarte aus Dänemark, wohl war. Ich komme gern her und werde es wieder tun, den Dänemark ist so herrlich unspektakulär … und gemütlich … hygge halt.

Aber halt! „Unspektakulär“? Das geht so nicht. Das lassen die Tourismus-Agenturen doch nicht durchgehen. Es muss immer spektakulär sein, alles nur eine Frage von Framing und Wording.

Ok verstanden, ich versuche es mal zusammen mit ChatGPT.

Exklusives Hideaway in Top-Lage!
Entfliehen Sie dem Alltag in diese luxuriöse Premium-Villa mitten im Nature District – wo skandinavischer Chic auf internationales Jetset-Flair trifft! Genießen Sie Sonnenuntergänge auf der Designer-Veranda, relaxen Sie auf loungigen Outdoor-Möbeln, und lassen Sie sich vom satten Sound der Wildvögel in den Schlaf wiegen. Nur Minuten entfernt von pulsierenden Highlights wie… einem Waldweg und absoluter Ruhe! Jetzt buchen und gratis Ausblick sichern!“

Privatstrand der Superlative!
Treten Sie ein in eine Welt voller Eleganz, Exklusivität und endlosem Horizont! Dieser handverlesene Beach-Spot bietet Ihnen feinsten Naturquarzsand in limitierter Stückzahl – eingebettet in goldene Schilfpalmen und umspült von den sanften Wellen der Royal Blue Coastline. Ideal für romantische Moonlight-Dinners, Selfcare-Retreats oder spontane Model-Shoots. Nur für VIPs mit Sinn für das Besondere. Achtung: Plätze streng limitiert – First come, first relax!

Spiritual Luxury Experience – wo Geschichte auf Gänsehaut trifft!
Tauchen Sie ein in das majestätische Ambiente eines jahrhundertealten Energiezentrums – exklusiv restauriert und eingerahmt von kunstvoll angelegten Chill-Zonen mit historischer Tiefe! Ob Early-Morning-Meditation zwischen Marmorkreuzen oder Sunset-Vibes mit gotischem Flair – diese Destination bietet mehr als nur Selfies. Entdecken Sie sakrale Eleganz, nordische Baukunst und ein Friedhofsflair, das selbst VIP-Retreats in Fernost vor Neid erblassen lässt. Feel the spirit. Live the legend.

Wildlife-Wonderland – Ihre persönliche Safari in Pastell!
Begegnen Sie den Big Five der Nordsee ganz ohne Jeep, aber mit Stil! Inmitten unberührter Luxusweiden grasen hier majestätische Kuscheltiere in freier Haltung – exklusiv für unsere Gäste kuratiert. Beobachten Sie das Verhalten der Ovis Aristo-Classicus bei Sonnenuntergang, wenn das Licht sanft über ihre Premium-Fleece-Felle gleitet. Authentischer geht Naturerlebnis nicht!

„Trekking-Traum für Adrenalin-Fans: Bezwinge den legendären Nordsee-Höhenzug!“
Nur für Geübte! Diese wilde Bergformation erhebt sich dramatisch bis zu vier Meter über Normalnull – und fordert Körper, Geist und GPS gleichermaßen. Spüre das Kribbeln, wenn du dich Schritt für Schritt dem Gipfel näherst und der Wind Geschichten aus Tausenden von Jahren durch dein Haar flüstert. An klaren Tagen reicht der Blick bis zum benachbarten Fahrradständer.

„Next Level Outdoor Gym – wo Luxus auf Laktat trifft!“
Willkommen auf dem innovativsten Natur-Workout-Parcours Europas! Zwei perfekt kalibrierte Laufstreifen aus Premium-Kies und Naturgras führen Sie durch eine High-End-Trainingsumgebung, die selbst in Monaco neidisch beäugt wird. Ob Nordic Walking, Trail Running oder Slow-Motion-Jogging mit Wind im Gesicht – diese Strecke bietet alles: keine Höhenmeter, dafür 100 % Herzfrequenz-Flow.

PS: kursiv formatierte Texte mit freundlicher Unterstützung von ChatGPT und Carlsberg

Frühere Trips nach Dänemark:

66) Abflug

Nach der freitäglichen Satire-Sendung leerte Noah sein Weinglas und tappte ins Bad. Manchmal wusste er nach solchen Sendungen gar nicht mehr, ob er lachen oder weinen soll. Er setzte sich aufs Porzellan und ließ die vergangene Arbeitswoche vorbeiziehen. Dabei schaute er sich erst auf die Füße, dann auf den fusseligen Badvorleger vor ihm. In der Matte regte sich etwas. 

Mhm, was ist das? Ein Tierchen? Eine Fliege? Der Wein?

Sitzend beugte er sich nach vorn, fummelte durch die Fransen der Matte und auf einmal saß ein Marienkäfer auf seinem rechten Zeigefinger. Sofort kamen Erinnerungen aus der Kindheit hoch. Schöne Erinnerungen. Bei Marienkäfern galt es immer, die Punkte auf dem Rücken zu zählen und sie dann freizulassen. Noah grinste und wollte dieses Ritual umgehend durchführen. 

Nur gab es ein Problem. 

Er saß ja noch auf dem Porzellan. Um das bodentiefe Badfenster öffnen zu können, müsste er sich vom Klo erheben und es wäre auch angebracht, die Hose hochzuziehen, schließlich brannte im Bad das Licht und draußen war es stockdunkel. Nur saß auf dem rechten Zeigefinger immer noch der Käfer und für das anstehende Befreiungsmanöver wären freie Hände von Vorteil. Zumindest mal die rechte Hand. Also bugsierte Noah den Käfer auf die linke Hand, befreite sich vom Klo und zog improvisiert die Hose hoch. Dann öffnete er das Fenster, senkte die linke Hand in Richtung des Geländers, in der Hoffnung der Käfer würde es sich dort bequem machen oder von der Brüstung abfliegen. Aber nein. Egal was Noah anstellte, der Käfer lief immer wieder aufwärts in Richtung Handrücken. Was tun? Könnte er ihn von da oben vielleicht sachte „wegschnipsen“? Schließlich kann er fliegen, aber wer möchte schon Freitag 23:00 vom fünften Stock geschnipst werden?

Der Käfer witterte wohl die Gefahr, machte einen Satz zurück uns Bad und landete auf dem Boden. „Na toll. Das Badfenster steht sperrangel weit auf und ich robbe hier im Flutlicht auf allen Vieren über den Boden, um diesen Käfer zu retten“, dachte er sich. Egal. Noah nahm ein Blatt Toiletten-Papier, schob es vorsichtig unter den Käfer und trug ihn ohne so wieder an die Brüstung. „Los flieg“, sprach er zu dem Käfer. Der aber machte keine Anstalten abzuheben. Noah manövrierte das Papier an die weiße Fassade des Hauses, der Käfer wechselte tatsächlich an die Hauswand und hielt dort kurz Inne. „Jetzt aber Ablug Kleiner, ich will ins Bett“. 

Der Käfer nickte dankend und flog ab.

Noah schloss das Fenster, schaltete das Licht ab und beendete den Tag mit einer Liedzeile.

„Ich wär so gern mitgeflogen“

538) Warum nicht einfach … hierbleiben?

Die Frage stelle ich mir wieder einmal, denn es geht auf das Ende des Urlaubs zu. Aber Vorsicht, Triggerwarnung! Der nachstehende Beitrag könnte bei Arbeitsrechtlern, Betriebsräten, Gewerkschaftlern, Steuer- und Sozialversicherungs-Experten, Kultusministern und Lehrern zu Schnappatmung führen. Trotzdem, ich bin hier im Urlaub und das ist mein Blog, also darf ich drüber nachdenken … und davon träumen.

Und ich fange damit bei mir an, nicht des Ego‘s Willen, aber wenn es bei mir schon nicht ginge, dann können wir es gleich vergessen. Also, bei mir würde das quasi sofort funktionieren, ich müsste nur einmal kurz nach Berlin etwas Krempel, Technik and Klamotten nachholen, ein paar Dinge organisieren und könnte in 4-5 Tagen hier anfangen. Meine Kollegen sitzen eh auf der Welt verstreut, völlig egal also auch, wo ich sitze. Wenn alle 3-4 Monate ein Workshop oder anderer Event ansteht, kann ich da auch hinkommen, der nächste große Airport befindet sich bei Athen nur 2,5 Stunden von hier. Nicht weiter als von Dresden nach Berlin. Dann würde ich gleich 7-10 Tage in der Heimat bleiben, mal beim Doktor vorbeischauen, Freunde und Familie besuchen.

Und könnte das Modell für die Kids funktionieren? Schon schwieriger. Leider steht das Wort Schulpflicht im Gesetz und die ist altmodischerweise noch mit 100% Anwesenheit verbunden. Nun beginnen die Lehrkörper bereits auf den Po-Backen hin-und her zu rutschen … ick weiß … es wird unbequem. Und eigentlich wissen sie das auch selber. Sorry. Hätten Kultusminister und Schulen während der Corona-Pandemie die Geschichte einen Ticken weiter gedacht, würde es reichen, wenn uns die Kinder bei den Heimflügen begleiten würden, um Prüfungen/Klausuren vor Ort in Berlin zu schreiben. Wenn überhaupt nötig. „Steile These! Das geht doch nicht!“ Klar, geht das. Eine ordentliche Lernplattform strukturiert den Tag, vermittelt den Lernstoff und bietet bei Bedarf Video-Support an. Steht hier alles geschrieben, in meiner >Beitragsreihe zum Digitalen Lernen. Man muss nur wollen, und dann müssten die Kids nicht in maroden Schulgebäuden ohne ordentliche Toiletten „abhängen“ oder auf eine S-Bahn hoffen, die nur kommt wenn sie nicht gerade Migräne hat oder sich im Streik befindet. “Aber die sozialen Kontakte“ … und … „Schule ist ja nicht nur ein Ort der Wissensvermittlung“ … ich höre es schon. Also erstens, geht es auf Berliner Schulhöfen auch nicht unbedingt sozial zu. Und zweitens, gibt es Kultur, Sportvereine und Communities auch im Land der Griechen. Und Griechisch lernen, das kriegen wir ja wohl auch noch hin.

Leider waren bei erster Lesung im Familienparlament deutliche Vorbehalte gegenüber der Vorlage zu vernehmen. Ziemlich genau die Hälfte der Abgeordneten will die Initiative in der skizzierten Ausgestaltung nicht unterstützen, man gibt sich aber immerhin gesprächsbereit. Nun kommt es auf die Koalition der Willigen an, das Wasser für den steten Tropfen nicht versiegen zu lassen. Kompromisse müssen erarbeitet, kleinste gemeinsame Nenner identifiziert und Verhandlungsmassen bewegt werden. Auf keinen Fall darf die Öffentlichkeit und die Bild-Zeitung davon erfahren, sonst wird der Entwurf in der Luft zerfetzt, bevor es auch nur den Vermittlungsausschuss erreicht. Gleichzeitig müssen alternative Konzepte auf den Tisch, um es im Falle eines erneuten Scheiterns in der nächsten Leglislaturperiode wieder zu versuchen. Aus gut unterrichteten Kreisen war zu vernehmen, dass die Chancen steigen würden, wenn ergänzende Bausteine zur Flexibilisierung und Deckelung aufgenommen werden würden. Des Weiteren macht auch der demografiebedingte Wandel vor dem Familienparlament nicht Halt, Mehrheitsverhältnisse werden sich ändern.

Also dran bleiben!

97) Postkarte von Sonderlicht

Zehn Grad Celsius, graue Wolken, 80% Regen für die nächsten drei Tage. Wunderbares Weihnachts-Wetter. Alle die, die den Jahreswechsel in wärmeren Gefilden verbringen werden, haben sich richtig entschieden. Aber es sind nicht nur die Temperaturen, die mir fehlen, sondern das >Licht. Auch wenn mein Januar in den Tropen sehr arbeitsreich wird, freue ich mich bereits auf die Portion Sonderlicht.

Hier noch ein weiteres Bilderrätsel, um mein Ziel etwas mehr zu lokalisieren.

Bis dahin herrscht etwas Chaos im Kopf. 

Ungefähr so:

Gans waschen, trocknen … brauche ich eine kurze Hose? … Bundespräsident Steinmeier … Visum vielleicht noch drucken … innen und außen mit Thymian und Majoran … Badehose auch einpacken … an Salz nicht sparen … scheiße Salz ist alle … Handy-Backup sollte ich noch machen … Geschäfte noch auf? … ach nee ist Sonntag … möglicherweise islamistische Angriffe auf Kölner Dom geplant … Stammhalter will heute noch ins Kino … mit Äpfeln und Zwiebeln füllen … wohin denn? Na Alexanderplatz. Halt die Augen offen … und meld‘ dich zwischendurch … Sonnencreme … nee gibts da auch … den Flug vielleicht mal in die App importieren … und den >psychisch angeschlagenen Saugroboter auch noch mal in die Spur schicken … Mutter anrufen … Petersilie hacken … War is over … And so this is Christmas … I hope you have fun … The near and the dear one … The old and the young … ein paar Medikamente nicht vergessen … und Taschenmesser in den Koffer packen … Post von der Bank öffnen … Schaschlik-Spieße mit Seitenschneider kürzen … Freunde in Heidelberg anklingeln … Zitrone waschen und raspeln … Pfeffer … am Ende mit Nadeln verschließen …

So ungefähr … schier endlos

Schöne Weihnachten allen!

502) 500 Stunden

Schon wieder so’n 500-er Dings-Bums. Wird das jetzt zum Trend oder ein Triple-Wums etwa? Nein, nein, keine Sorge. Die Überschrift passt mir nur gerade ganz gut in den Kram, denn es gibt aktuell eben noch ein Thema welches für mich mit der Zahl 500 verbunden ist.

In ca. 500 Stunden von heute, werde ich in einen Flieger steigen, der mich nach Osten bringt.

In ein Land, in dem ich schon mehrfach war, dienstlich wie privat. Nur diesmal gebe ich es mir gleich richtig. Ich werde vier Wochen dort arbeiten, eingebettet in lokale Arbeitsweisen und Geschäftskultur und dann hänge ich noch etwas Urlaub dran, um mich von all‘ dem wieder zu erholen. Planung und Organisation des Trips beschäftigen mich schon ein Weilchen, aber jetzt vor der anstehenden Weihnachtspause, kommt mir das Vorhaben mehrmals täglich hoch und erzeugt ein angespanntes Kribbeln im Mittelgeschoss. 

Es ist halt etwas anderes, wenn man da für Urlaub hinfährt oder für einen kurzen Schlaumeier-Auftritt, nach dem man schnell wieder die Flatter machen kann und das frisch geschlaumeierte nicht ausbaden muss. Diesmal werde ich aber mittendrin bleiben im geschäftigen Getummel … und ja „Getummel“ … ist schon mal ein guter Hinweis aufs Land, verraten werde ich es aber noch nicht. Aber so viel sei gesagt: Warme Temperaturen, demokratisch und kulinarisch reizvoll.

Ich werde vermutlich viel arbeiten, habe aber vor, mir an den Wochenenden auch etwas anzuschauen. Sicher werde ich auch hin und wieder mal was in den Blog hier schreiben. Vielleicht über lustige, skurrile Erlebnisse in der Zusammenarbeit dort oder sicher auch ein paar >Postkarten verschicken, ich gehe das mal locker an. An den Blogs, denen ich folge, versuche ich dranzubleiben, aber ich tue das aus einer deutlich anderen Zeitzone, also stellt eure Handys und Tablets des Nachts besser auf „nicht stören“, sonst nerve ich euch schon vor dem Morgengrauen.

So viel dazu, ich werde mich sicher ordentlich verabschieden, aber bis dahin sind ja erst einmal noch 500 Stunden … und es bleibt noch einiges zu tun. 

Ich sollte mal anfangen

184) Pommes nach China

Wie schon kurz vor Weihnachten hier geschrieben, kann ich in den Blog-Statistiken sehen, von wo die Leser zugreifen und was sie so lesen. Kürzlich hat sich wieder ein Chinese bei mir in der Suchfunktion verirrt und folgendes eingegeben:

█汕头大华鱼苗场13680862592彭先生 品种齐全 优质鱼苗█包送货上门3ggr3dru

Ich kopierte den ganzen Text in den Auto-Translator:

█ „Shantou Dahua Fischbrutfarm 13680862592 Herr Peng, eine komplette Auswahl an hochwertigen Pommes Frites █ Pakete, die an Ihre Haustür geliefert werden 3ggr3dru“.

Nun gut, aber was hat mein Blog mit Pommes zu tun? Ich wollte also mehr wissen.

Ich bemühte die Datenkrake:

Den ersten Teil █汕头大华鱼苗场 kopierte ich ins Suchfeld und landete auf http://www.dahuawang.com, was eine Großgemeine in China zu sein scheint. Wirklich groß und Interessant. Aber Pommes????

Ich probierte es auf der digitalen Weltkarte:

Die Zeichen █汕头大华鱼苗场 führten mich zu einem „Fish Fry Market in Chaoyang, Shantou, Guangdong Province, China“. Nach ein paar weiteren Klicks glaubte ich zu verstehen, dass Shantou ein Teil der Gemeinde Dahuawang ist. Ja gut, aber was suchen die bei mir auf dem Blog? Ich mach` nix mit Pommes. Echt nich‘!

Meint der wirklich Pommes Frites??

Würdet ihr denn Pommes bei einer „Fischbrutfarm“ in China bestellen? Bei einem „Fish Fry Market“ vielleicht schon eher. Vielleicht sitzt ja ein Britischer Bau-Ingenieur in China und hat Bock auf Fish&Chips. Ich werfe noch mal die Übersetzungsmaschine an und lasse Pommes Frites von Deutsch auf Chinesisch übersetzen und bekomme:

炸薯條,

Ganz klar, also da kann ich auch nur Pommes erkennen.

Alles nur ein Missverständnis?

Dann gebe ich nur noch mal den mittleren Teil 彭先生 品种齐全 优质鱼苗 der Zeichenkette in den Übersetzer und bekomme „Herr Peng, ein komplettes Sortiment an hochwertigen Braten“.

Ahaaaaaa! Der hat gar nicht Pommes auf meinem Blog gesucht sondern gebratenen Fisch! Also Pommes rot/weiß hätte ihm ja schicken können, aber gebratenen Fisch aus China würde zu lange dauern.

Oder hat der den Fisch gar nicht gesucht, sondern angeboten?

Hat der echt drauf spekuliert, dass ich eine halbe Stunde recherchiere wo sein „Fish Fry Market“ ist, dann noch einen Blog-Beitrag drüber schreibe und ihn damit bekannter mache? Sehr clever. Chapeau!

Jetzt kriege ich aber auch langsam Hunger

45) Postkarte aus Indien

Karfreitag. Schon 07:00 Uhr wach. Corona. Na großartig.
Was kann man anstellen an diesem pandemischen Feiertag?

Fenster putzen? Steuererklärung vorbereiten? Ablage machen? Schlitten und Eiskratzer verstauen? Smartphone upgraden? Bilder sortieren …

…und ein bisschen zurückdenken … oh ja!!!

Ein Jahr zurück? Nee, bloß nicht!
Zwei Jahre zurück? Schon viel besser.

Anfang April 2019 bildeten sich in der Wohnung diverse Stapel, die sich immer dann bilden, wenn es auf Reisen geht. Klamotten, Dokumente, Reiseführer, Technik, Sonnenschutz und so weiter. Denn es sollte nach Indien gehen. Mit Kind und Kegel.

Ich habe für euch ein paar Bilder aus Delhi, Agra und Goa ausgesucht, die mal aus anderer Perspektive aufs Land schauen.

 

Gandhi ist überall …

 

Verkehr gibt es reichlich …

 

An Kultur und Geschichte mangelt es auch nicht …

 

Und so lässt es sich aushalten 😉

Die anderen Postkarten dieser Reise: