155) Postkarte aus Irland (Westen)

Ein Grenzübertritt nach Nordirland (UK) steht an, also wird es Zeit für eine vorerst letzte Postkarte aus Irland. Diese deckt den Westen der Insel ab, also im Wesentlichen die Counties Galway, Mayo, Sligo, Leitrim und Donegal.

In der Stadt Galway war ordentlich was los. Fußgänger-Zone, Kunstfestival, Straßenmusik und Pub an Pub.

Ein Großindustrieller und Politiker Mitchell Henry und dessen Ehefrau Margaret Henry hatten sich einst eine kleine Hütte am Kylemore-See gebaut. Nix besonderes, nur ca. 70 Räume auf rund 3.700 m², ein bissel grün von 3,4 Hektar hatten sie auch nebenan im Walled Garden.  
Kurz darauf verstarb die gute Margaret auf einem Urlaub in Ägypten … wie ich auch immer sie im Jahr 1874 dort hingekommen ist.

Während die ersten beiden Wochen auf der irischen Insel sehr warm und trocken waren, wollte die dritte Woche das wohl wieder aufholen. Aber so ist das nun mal und trotzdem hat die Landschaft ihren Reiz. Mich hat schon erstaunt wie bergig Irland dann doch ist.

Auf den Diamond Hill kann man hochwandern. Anspruchsvolles Gelände, oben bei 400m dann feucht und windig. Aber wer hoch klettert, muss auch wieder runter. Nun ja, Kniescheiben sind noch drinnen.

Autofahren macht Spaß, nach ein paar Tagen hat man sich wieder an den Linksverkehr gewöhnt. Besonders im Hinterland können die Straßen aber schnell eng werden und hinter jeder Kurve droht ein entgegenkommendes Auto oder Traktor mit Überbreite. Dann muss halt einer zurück zu einer breiteren Stelle oder man fädelt sich mit angeklappten Spiegeln aneinander vorbei. Auf jeden Fall habe ich in den drei Wochen vielen Autofahrern gewunken.

Irland hat ca. 5,5 Mio Einwohner (30% allein in Dublin), zusätzlich 4 Mio Schafe und 6,5 Mio Rinder. Man trifft also unterwegs eher auf Vierbeiner. Meistens auf abgezäunten Weiden, gern aber auch mal am Straßenrand oder wenn sie als Herde ungebremst aus einer Grundstückseinfahrt pesen … und mir vor‘s Auto rennen. In Irland sollte man immer einen Fuß auf der Bremse haben.

Heute wurde das Wetter dann wieder deutlich freundlicher. Hier am Murder Hole Beach (meine Güte was für ein Name … schwimmen ist verboten), am Fanad Head Leuchtturm oder am Ballymastocker Beach.

So, das war‘s nun, vielen Dank Republik Irland, hast mir gut gefallen, morgen geht‘s weiter auf die Zielgeraden nach Nordirland.

154) Postkarte aus Irland (Südwesten)

Denkt man sich Irland als Ziffernblatt einer Uhr, dann haben wir nun fast alles zwischen sechs und neun abgegrast. Auf einer Pizza Quattro Stagioni wäre es das Viertel mit den Champignons oder was immer man sich nach unten links schiebt. Ein Navigator würde von Südwest sprechen. Irland-Kenner von den Counties Cork, Limerick und Clare. Wir sind nun ungefähr auf der Höhe Dublins, nur auf der anderen Seite der Insel. Zeit für eine kurze Postkarte von der grünen Insel, die so viele Gesichter und Landschaften hat.

Also los geht‘s:

Diese Postkarte beginnt mit der Befahrung des sogenannten Ring of Kerry um die Halbinsel Iveragh herum. Braucht etwas Zeit, aber wer gern Auto fährt und hier und da mal anhält, ist da genau richtig.

Ähnlich, aber dann doch wieder anders, aber nicht ganz so viel Fahrstrecke dann einen Tag später auf der Halbinsel Dingle.

Das County Clare hat mir gut gefallen, die schroffe Landschaft des Burren National Park und die kleinen Orte mit ihren bunt angemalten Pubs.

Kulinarisch hat Irland auch einiges zu bieten. Hier die vier Klassiker.

So, das war‘s erst einmal wieder, weiter geht es dem Uhrzeiger folgend nach Nordwest.

Sláinte!

153) Postkarte aus Irland (Südosten)

Der Begriff Roadtrip besteht ja aus Road und Trip und Road steht sogar vorne, also können wir nicht in Dublins Pubs bleiben, sondern fahren weiter in Richtung Süden und dann weiter über den südöstlichen Teil der Insel, also die Counties Dublin, Carlow und Cork.

Hier ein paar Highlights:

Dreistündige Wanderung um den Glendalough Upper Lake, zwischenzeitliche Zweifel ob wir das als Berliner „Flachland-Indigene“, bei den hohen Temperaturen, der Sonne und den 400 Höhenmeter durchhalten, aber wir haben es geschafft und es hat sich gelohnt. Es ging schon deutlich bergauf, einem Minen-Arbeiter-Weg folgende, dann oben an der Kante entlang und dann wieder deutlich runter. Zwischenzeitlich hatte ich glaube ich eine Knieschreibe verloren aber es ging trotzdem weiter.

Die Stadt Kilkenny, bekannt als Bier-Marke, hat durchaus mehr als Bier zu bieten. Und … wieder was gelernt … die bekannte Brauerei heißt „Smithwick’s“, da das aber in Europa kaum einer aussprechen kann, hat man halt den Namen der Stadt auf die Red Ale – Flaschen geklebt.

Auf dem Rock of Dunamase stehen gut erhaltene Reste einer Festung, über 1.000 Jahre alt und wie so oft frage ich mich … meine Güte … wer hat das nur hier hoch geschleppt … und gestapelt.

Die selbe Frage immer wieder … auch auf dem Rock of Cashel, um ca. 1.200 erbaut.

Der Ardmore Cliff Walk ist deutlich leichter zu laufen und gibt wieder Blick auf die raue Küstenlinie. Zum Glück, Sonne satt.

Die kleine Stadt Cobh, und wie immer man das nun ausspricht, hat sehr gefallen. Bunte Häuser, ein Hafen vom dem wohl die Titanic ausgelaufen ist und mittendrin eine riesige Kathedrale.

Zum Ende dieser Postkarte vielleicht noch ein Blick nach Cork. Ehemaliges Stadtgefängnis, Festung, Fluß, eine sehr lebendige Innenstadt und das ein oder andere Wandbild. Nice.

Mediale Begleitung:

  • Hörbuch: Irland: Ansichten einer Insel
  • Diverse Podcasts über Irlands Geschichte, Hungersnot, Auswanderung und Unabhängigkeitskampf
  • Netflix-Serie: Guinness

149) Postkarte aus Lettland (Vidzeme, Riga, Kurzeme)

Und wieder bin ich heute über eine Landesgrenze gefahren. Ein leichtes Hoppeln im Asphalt deutet darauf hin, dass eine andere Straßenbaugesellschaft zuständig ist. Das war’s, ein verwirrtes EU-Schild und dann ein paar Sekunden später die übliche SMS vom lokalen Mobilfunkbetreiber.

Also Grund genug für eine zweite Karte aus Lettland, diesmal aus den Regionen Vidzeme, Riga und Kurzeme. Viel schreiben werde ich nicht, aber ein paar Appetithäppchen kann ich gern verteilen, dann könnt ihr euch das hier selber anschauen. Es lohnt sich.

Nach Pärnu (Estland) ging es in Richtung Riga (Lettland) mit mehreren Zwischenstopps. Einer davon hatte es mir besonders angetan. Die Veczemju-Klippen. Eine Mischung aus Campingplatz im Wald, Grill-und Picknick-Plätzen und einer großen Badestelle vor roten Klippen. Erst läuft man ein paar Minuten durch den Wald und dann hat man den Eindruck, jemand hat einem ein riesiges Poster vor die Nase gestellt..

Und dann ging’s natürlich nach Riga, zum einen mit einer fantastisch restaurierten Altstadt.

Aber auch mit dem Klusais centrs („Das stille Zentrum“)  mit kunstvoll Jugendstil-Häusern die ich so noch nicht gesehen habe. Wow.

Das folgende Specktakel am Nationaltheater ist in > Wenn Freiheit wieder eingemottet wird beschrieben.

Meine Hütte lag nahe dem Āgenskalns Viertel und dem Āgenskalns-Markt incl Food Court, ein Bude bot Speisen aus der Ukraine. Lecker, war es, schon aus Prinzip.

Apropos aus Prinzip. Um das Gelände einer gewissen Botschaft, wurde zum Anlass „geschmückt“. Selbst eine anliegende Straße des Eckgebäudes wurde umbenannt. Kudos! … CC regierender Bürgermeister von Berlin.

Wenn’s mal regnet, kann man sich auch ein Stündchen in der Nationalbibliothek aufhalten, auch wenn man kein Mitgliedsausweis hat. Sehr beeindruckend. Man kann sogar ein liebgewonnenes Buch da lassen, wenn man einen guten Grund hat.

Nach Riga, ging es weiter Richtung Nordwest mit Stopp an der Moorlandschaft im Nationalpark Keremi. Sehr beeindruckend, die Landschaft, die Wolken über einem und unter einem. Vor Ort ist auch > Abseits – Vol 5 entstanden.

Am Kap Kolka war auf einmal die Welt zu Ende und man kann zusehen, wie das Meer das Land raubt.

Auf dem Weg Richtung Süden wieder einsame Straßen, Strände und gigantische Wolken,

Die vergangene Nacht in Kuldīga, uralte Stadt, vieles wurde schon restauriert, manches wartet noch drauf. Aber so ist das. Die Dinge dauern und kosten. Die EU unterstützt den Bau von Straßen, Plätzen, Brücken und Fußwegen, aber die privaten Häuser müssen leider auch privat finanziert werden.

Mein Highlight heute waren sicherlich die ehemaligen Festungsanlagen in Liepāja , die der russische Zar Ende des 19. (!) Jahrhunderts gegen die Bedrohung aus dem noch neuen deutschen Reich hatte aufbauen lassen. Tausende Menschen müssen hier beschäftigt gewesen sein und heute zerbröselt es nur sehr langsam in den Fluten.

So, das soll’s mal gewesen sein. Die anderen 1000 Bilder erspare ich euch.

Und wenn ihr euch fragt, was ich hier mache … eat this

Auszeit – 1

Auszeit – 2

Auszeit – 3

Auszeit – 4

Auszeit – 5

773) Auszeit – 4

Der Tag meiner Abreise rückt stetig näher. Und dann geht’s für gute fünf Wochen durch Nordpolen, das Baltikum, bis hoch nach Helsinki und dann die ganze Nummer wieder, aber auf anderem Wege, zurück.

In Auszeit – 3 habe ich ja schon ein wenig über die Vorbereitungen geschrieben und irgendwie fällt mir immer noch was ein, was noch zu regeln ist.

Mobilität und Material:

Mit dem Auto ist alles klar, vorgezogene Durchsicht ist erledigt, Gepäckstücke und Material sind identifiziert. Wenn noch nicht gepackt, stehen sie aber auf einer Liste. Ich liebe diese Liste, sie ist über die Jahre des Reisens entstanden und da kann ich nichts vergessen. Es ist natürlich eine digitale Liste, was sonst. Die kann ich dann sukzessive abarbeiten bis zum letzten Punkt „Müll wegbringen“ und „Tür abschließen“.

„Losfahren“ steht nicht drauf, aber ich glaube, das kriege ich auch ohne Listen-Eintrag hin.

Papiere und Daten:

Nun muss ich mich noch etwas um Papiere und Daten kümmern. Vollmachten zum Beispiel, Backups, Passwörter zum mitnehmen, und die gemeine Frage, was denn eigentlich passiert, sollte ich mein Telefon mal verlieren. Das Ding ist mittlerweile das Schweizer Taschenmesser der Neuzeit, ohne das geht gar nix mehr. Man denke nur an Banking, Zwei-Faktor-Authentifizierung, PIN‘s und TAN‘s, Notizen, Listen, und so weiter und sofort. Manches kann ich auch übers Tablett erledigen, aber eben nicht alles. Also hab ich ein bisschen was in die Wolke hochgeladen, an die ich notfalls auch ohne Handy rankomme.

Tracking und Sicherheit:

Da ich ja nun größtenteils allein unterwegs bin, überlege ich auch, wie ich den lieben daheim regelmäßig versichern kann, dass ich nicht an einem baltischen Baum klebe. Aber da gibt’s im Handy mittlerweile ja schon schöne Spielzeuge und ich hab auch ne App gefunden, die meinen Fahrtweg aufzeichnet und in die ich dann immer mal ein paar Fotos hochladen kann. Dann wissen alle, dass ich noch existiere und ich werde nicht alle halbe Stunde angeschrieben, ob dann alles „ok“ sei.

Vertretung und Übergabe:

Seit Wochen arbeite ich jüngere Kollegen ein, damit die Aufgaben übernehmen, im besten Fall für immer, denn gewisse Dinge will ich nach Rückkehr nicht zurückhaben. Ist alles ein bisschen mühsam aber es geht voran. Es gibt mittlerweile Tage, da finde ich sogar freie Slots in meinem Kalender. Ein Zustand, den es lange nicht gab. Interessant finde ich aber schon, dass man beim Brötchengeber erst mit längerer Abwesenheit drohen muss, damit Human-Ressourcen rangeschafft werden, an die ich mich nun „übergeben“ kann.

Und da ich mich nun immer mehr „übergebe“, deutete mein Chef-Chef bereits an, dass nach Rückkehr möglicherweise ein neues großes Aufgabenfeld auf mich wartet. Na wunderbar. Vielleicht sollte ich schon gleich mal über die nächste Auszeit in 2027 nachdenken.

 

<— 749) Auszeit – 3

PS: Titelbild via KI

753) Auszeit – 3

Wie schon in > Einfach weiter nach Norden erträumt und in >Auszeit – 2  angekündigt, habe ich für den Juni einen längeren Roadtrip vor der Tacho-Nadel. Es wird nach Nord-Osten gehen. Für knappe fünf Wochen. Da ist noch einiges vorzubereiten und ich dachte, ich lasse euch etwas daran teilhaben.

Mobilität

Zunächst stand die Frage des richtigen Gefährts auf dem Zettel. Ursprünglich war die Idee, den Trip zu zweit mit einem Camper zu machen, aber da ich nun größtenteils alleine fahre, ist mir das viel zu viel Technik. Dann dachte ich an einen Mietwagen, nur entweder sind sie in der Kilometerzahl begrenzt oder die Anbieter erlauben keine Fahrten nach Ost-Europo. So fiel dann die Wahl auf die eigene Kutsche. Die ist mir bestens bekannt, ich sitze gut und die Karre ist sehr unauffällig. 

Panne

Eigentlich habe ich vor, die Autobahnen zu meiden und die Strecke über Landstraßen zu fahren. Da kann es dann vielleicht auch mal etwas einsamer sein und nach der >Reifenpanne in Malaysia letzten Jahres, stellte sich mir also die Frage, was ich denn dann tue, wenn mir das irgendwo zwischen Memel und Daugava passiert. Der Blick in den doppelten Boden des Kofferraums brachte nur eine Schaum-Kartusche mit Kompressor zum Vorschein. Das ist vielleicht platzsparend und wiegt wenig, hilft aber überhaupt nicht, wenn es den Reifen zerfetzt hat. Also hab ich mir ein Notrad besorgt. Da kriege ich ohne viel Schnick-Schnack schnell montiert und komme damit zur nächsten Werkststatt.

Unterkunft

Die Unterkünfte habe ich bereits alle gebucht. Das hat dann zwar mit Abenteuer nicht so viel zu tun, aber ich erspare mir lästiges Suchen und kann entspannter fahren, wenn ich weiß, dass ich für die kommende Nacht ein Bett sicher hab. Es ist netter Mix aus Hotels und Ferienwohnungen geworden.

Material

Ich liebe Material, besonders wenn es auch um zum Einsatz kommt. Aber ich hasse es, mir das Auto mit Klimbim vollzumüllen und ich will auch nicht zig mal hin und herlaufen, wenn ich ein Zimmer beziehe. Also überlege ich, was ich wirklich brauche und wie ich das in wenigen Gepäckstücken unterkriege. Im besten Fall sind die Dinge multi-funktional einsetzbar.

Strecke

Die Strecke ist ja im Wesentlichen über der Unterkünfte vorgegeben, aber ich suche mir einige Stops und Abstecher entlang der dorthin Strecke und erlaube mir großzügige Umwege. Reiseführer, Online-Karten-Dienst und KI sind da sehr hilfreich. Ein Haufen Natur steht da wohl in der Gegend herum und auch Geschichte hat viele Spuren hinterlassen.

 

<— 749) Auszeit – 2

PS: Titelbild via KI, interessanterweise habe ich wirklich gerade ein Jeans-Hemd an. Kann KI durch die Board-Kamera schauen oder tragen statistisch gesehen alle End-Vierziger Jeanshemden? 

Andere Beiträge:

749) Auszeit – 2

Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen. So sagt das Sprichwort, wohl war. Aber zunächst hat er etwas vorzubereiten.

Also wie schon in >Auszeit – 1 angekündigt mach‘ ich mich im Frühsommer für eine längere Tour vom märkischen Acker. Nicht in Richtung Sonne und Palmen, nicht zu Paella, Bacalhau oder Käste mit Rotwein … nein es geht nach Nord-Osten. Eine Ecke, die ich mir unbedingt mal anschauen will. Eine Gegend voller schöner Natur und auch Geschichte. Teils deutscher Geschichte.

Ganz so frei und flexibel wie in >Abseits – Vol 3 erträumt wird es wohl nicht werden, ich habe knappe fünf Wochen Zeit für den Trip, bisschen Struktur muss ich dem also schon geben. Also habe ich mir eine Tour zusammengesteckt über 21 Etappen, die direkte Strecke ohne Ausflüge und Abstecher würden ca. 4.600 km sein. Zunächst geht es an die Polnische Ostseeküste, dann nach Masuren, dann ins Baltikum, bis nach Helsinki … und auf eine anderen Route wieder zurück. Die genaue Strecke halte ich mal hier zurück, ich bleibe gern unangekündigt. Sicher werde ich immer schön der Nachrichtenlage folgen, vorzugsweise rückwärts und fluchtbereit parken.

Fahre ich ganz allein?
Das war zunächst die Idee, aber nun werde ich auf zwei kürzeren Teilstrecken von je einem Cowboy aus der Heimat begleitet, und darauf freue ich mich jetzt schon. Zeit für Entdeckungen und Gespräche.

Ist das nicht ein bisschen weit?
Nein, ich denke nicht. Die Etappen sind so gewählt, dass ich im Schnitt so ca. 200 km täglich fahre, plus natürlich die Ziele links und rechts der Strecke.

Oder wird es langweilig vielleicht?
Oh nein, ich habe Literatur bei mir, der Blog braucht seine Aufmerksamkeit und die Fahrerei am nächsten Tag muss auch etwas durchdacht werden. Und selbst wenn mal eine Pause eintritt, dann soll es so sein. Deshalb mache ich den Zirkus ja auch.

Und warum nun gerade dorthin?
Na weil ich in Süd-Europa nun wirklich schon einiges gesehen habe und mir der (wirklich) „nahe“ Osten da echt noch fehlt. Mich zieht‘s irgendwie dort hin, ich habe vieles über das besondere Licht dort gehört und die Menschen scheinen sehr gastfreundlich zu sein.

Grund genug.

Mögen die Vorbereitungen beginnen

<— 745) Auszeit – 1

—> 753) Auszeit – 3

 

PS: Titelbild via ChatGPT

745) Auszeit – 1

In der IT-Welt gibt es sogenannte Denial of Service-Attacken, auch DoS-Attacken. Die IT-Systeme einer Firma, Behörde oder öffentlichen Infrastruktur werden solange mit Last und Aufgaben zugeschüttet, bis die Server ächzend aufgeben und den Dienst verweigern (Denial of Service). Nicht, dass ich das gut finde, ist aber so und wird noch häufiger passieren.

Aber nicht nur IT Systeme können in die Knie gehen, sondern auch Menschen,  ach nee. Das wird gern vergessen. Und bevor mir das wieder passiert, hatte ich mir kurz vor Silvester eine Liste von Maßnahmen diktiert, wie ich das in 2026 verhindern will. Weniger arbeiten, mehr abgeben … bla bla … das übliche und schon oft aufgeschrieben.

Diesmal kommt aber noch eine Maßnahme hinzu, die mir >schon lange im Kopf herumfliegt. 

Aber es gab immer Gründe, das aufzuschieben. Familie in erster Linie, all die Pflichten drumherum, aber ehrlicherweise auch eine gewisse Sorge, wie das denn so in der Firma ankäme, wenn ich als „Endvierziger mit gutem Job und Einfluss“ folgendes bei meinem Brötchengeber anspreche.

„Ich möchte eine off-time. Acht Wochen mindestens.“

So war es gesagt und wir haben einen Weg gefunden. Allein „das“ ausgesprochen und erreicht zu haben, macht mich irgendwie stolz. Gleichzeitig ist eigentlichen total bekloppt, denn es gibt entsprechende Flexi-Zeit-Modelle, die allen Mitarbeitern zustehen, egal ob Männlein oder Weiblein, egal ob in der Sachbearbeitung oder im Management. Dazu kam noch diese völlig >bescheuerte „Lifestyle-Teilzeit-Debatte“, angeschoben durch das  konservative Lager der deutschen Politik.

Aber nee Leute, nicht mit mir. Ich arbeite seit über 32 Jahren durchgängig, ich hatte eine kurze Wickelpause für den Stammhalter, da wars aber. Grob überschlagen sind das ca. 7.000 Arbeitstage, plus Überstunden. Ich würde sagen … es wird mal Zeit.

Also um’s kurz zu machen. Im Juni starte ich einen fünfwöchigen Roadtrip durch Nord-Polen, Baltikum bis nach Helsinki. Die „Ministerin für Familie, Kultur und Außenbeziehungen“ übernimmt zeitweise die Ressorts „Finanzen, Infrastruktur, Sicherheit und Mobilität“. Großen Dank an dieser Stelle.

Abgerundet wird das Ganze mit drei Wochen Irland, mit Kind, Kegel und Rechtslenker-Auto.

So, nun ist es gesagt.

Also plane ich die Reise, mache Besorgungen etc … dazu später mal mehr.

—> 749) Auszeit – 2

 

PS: Titelbild via ChatGPT

75) Abseits – Vol 3

Noah aktiviert die automatische Antwort, die von nun an jedem Absender geschickt werden würde, der ihm in den nächsten Wochen eine E-Mail schreibt. Er fährt den Laptop herunter und klappt den Deckel zu. Ein wenig brummt das Gerät noch nach, dann aber verstummt der Lüfter im Inneren und es ist endlich Ruhe. Das Headset hängt er an einen improvisierten Nagel in der Gipswand. In diesem Moment denkt er an ein Sprichwort.

Er atmet einmal laut ein und aus, greift die Henkel der kleinen Reisetasche, in der er am Tag zuvor ein paar Dinge zusammengepackt hatte.

Wechselsachen, Reisepass, Kreditkarten, Notizbuch, ein paar Kabel … alles Andere würde sich unterwegs ergeben.

Er lässt die Tür hinter sich ins Schloss fallen, ruft den Aufzug, betritt die leere Kabine und stellt sich vor den zerkratzten Spiegel. Der Aufzug setzt sich in Bewegung und Noah schaut sich in die Augen. „Soll ich das wirklich machen?“ fragt er flüsternd. Das Gesicht im Spiegel scheint zu nicken.

Unten auf der Straße wartet ein älterer VW-Bus, den er sich für die nächsten Wochen geliehen hat. Er ist vollgetankt und ein dicker Europa-Atlas liegt auf dem Beifahrersitz. Hinten gibt es eine höher gelegte Pritsche, darunter Stauraum für Vorräte, Getränke und Material. Kein Luxus, aber genauso, wie er es sich immer vorgestellt hat. Mehr braucht er nicht.

Er nimmt hinter dem Lenkrad Platz, steckt den Zündschlüssel und bittet den Anlasser, das zu tun, wofür er geschaffen wurde. Nach etwas Meckern springt der Bus an und scheint auf weitere Anweisungen zu warten. Auf das Betätigen von Hebeln und Pedalen oder das Drehen am schwergängigen Steuer. Aber Noah zögert, denn eine Frage ist noch unbeantwortet, seit dem Moment, als er sich diese Fahrt in den Kopf gesetzt hatte.

„Wohin eigentlich?“

Egal.

Er verlässt die Parklücke, folgt der Ausfallstraße hinaus aus der Stadt und dem Schild „Alle Richtungen“. Dann fährt er auf einen vierstrahligen Kreisverkehr zu, orange Blinklichter lassen eine Baustelle vermuten. Der Kreisverkehr ist aber befahrbar, nur haben sie alle Richtungsanzeiger entfernt. Noah fährt in den Kreis ein, dreht ein paar Runden und verliert schnell die Orientierung. Ein klappriger Kompass auf dem Armaturenbrett dreht sich eifrig und kommt kaum hinterher. „Hier?“ „Oder besser hier?“ murmelt Noah vor sich hin.

Egal.

Noah umklammert das Lenkrad, schließt die Augen, zählt langsam von 10 auf 0 herunter, öffnet die Augen wieder und nimmt die nächste Ausfahrt.

Kurz darauf empfängt er eine Nachricht von Nuomi.

Yumi: Wo bist du?
Noah: Auf der Straße.
Yumi: Und wohin geht‘s?
Noah: Mal sehen.

<— Abseits – Vol 2

PS: Titelbild via ChatGPT