79) Abgeklemmt

Wer kennt das nicht? Kurz nach dem Aufwachen glaubt man, man hätte den Blockbuster geträumt, den Bestseller-Roman den man jetzt nur noch zu Papier bringen muss. Und spätestens beim Zähneputzen hat man nur noch Fragmente im Kopf, der Rest ist ein riesiger Lückentext. Und so sehr man sich auch bemüht die Szenen halbwegs schlüssig miteinander kombiniert, so richtig gut wie im Traum wird’s nicht mehr. Immerhin gibt es mittlerweile diese digitalen Schreiberlein, die einem dabei helfen können, Lücken zu füllen.

Für einen „Blogbuster“ reichts noch.

Es begann nicht mit einem Knall, sondern mit einer Messabweichung.
Kaum wahrnehmbar.
Ein paar Werte, die nicht mehr ganz stimmten.
Physiker suchten nach Fehlern. Ingenieure nach Ursachen.
Doch irgendwann war klar:
Es lag nicht an den Messungen.
Es lag an den Menschen.

Je mehr sie damit verbunden waren, desto stärker veränderte sich die physikalische Realität. Minimal. Aber stetig.
Ein Effekt, der sich nicht aufhalten ließ.
Nicht durch weniger Nutzung.
Nicht durch bessere Systeme.
Nicht durch Kontrolle.
Die Welt würde kippen.

Die Entscheidung kam von oben.
Nüchtern formuliert, global abgestimmt:
Alle Verbindungen werden sofort beendet.
Kein Übergang. Keine Ausnahmen.
Sie mussten es abschalten.

Die ersten Tage waren laut.
Sie warteten auf Signale, die nicht mehr kamen.
Griffen nach Geräten, die nichts mehr zurückgaben.
Sprachen – und merkten, wie ungewohnt direkte Antworten geworden waren.
Dann wurde es ruhiger.

Die Welt lief weiter, aber gedämpft.
Nicht greifbar, aber spürbar.
Zeit verlor ihre Schärfe.
Gespräche wurden langsamer.
Und weniger.

Und dann kamen die ersten Versuche.
Klein. Heimlich. Vorsichtig.
Keine vollständige Verbindung – das war ausgeschlossen.
Zu gefährlich. Zu endgültig.
Stattdessen nur ein schmaler Zugang.
Für Sekunden.
Für minimale Daten.
Ein Blick – mehr nicht.

Es war instabil.
Verbindungen brachen ab, bevor sie aufgebaut waren.
Antworten kamen verzögert oder gar nicht.
Aber es reichte.

Zum ersten Mal seit dem Abschalten
war wieder etwas da.
Ein Echo.
Eine Spur.

Noah fand sich in einem großen Konferenzraum wieder.
Zu viele Stühle.
Zu viele Menschen.
Sie wirkten ausgezehrt.
Als kämen sie gerade erst zurück.

Sie begrüßten sich vorsichtig.
Fragen wurden gestellt, als müsste man sich erst wieder daran erinnern, wie das geht.
Wie war es dir ergangen?

Noah begann zu sprechen, als er an der Reihe war.
Zögerlich. Suchend.
Als müsste er Worte für etwas finden, das sich nicht richtig erinnern ließ.
Er kam nicht weit.
Jemand fiel ihm ins Wort.
Er ließ sie vor.

Als er wieder ansetzte, folgte einer weitere Unterbrechung.
Links von ihm, ein paar Stühle weiter.
Eine Stimme. Ununterbrochen.
Schnell. Technisch.
Ein Strom aus Begriffen, Schnittstellen, Parametern.

Der Mann sah niemanden an.
Wartete nicht. Hörte nicht zu.
Noah konnte nicht erkennen, ob er in den Raum sprach
oder in etwas anderes.
Ein System.
Einen Kanal.

Ein Gedanke drängte sich auf.
Leise. Unangenehm.
War er schon wieder verbunden?
Oder war er nie abgeschaltet?
Und wenn nicht er der Erste war – wer war dann der Letzte?
Gab es einen Letzten?

Ende

 

Abspann
Produktion: T.Head & KI

Basierend auf vier Traumschnipseln:

  1. Eine beliebte Technologie hat bedrohlichen Einfluss auf die Erdphysik
  2. Das Ding muss abgeschaltet werden, was zu Widerständen führt
  3. Eine Traumphase, an die ich mich leider nicht erinnere. Vielleicht war es Schlaf ???
  4. Nach langer Zeit gibt es einen schmalen Schlitz der wieder abgesicherten Zugang zu dieser Technologie erlaubt
  5. Ein Konferenzraum, in U-Form bestuhlt, die Menschen versammeln sich so langsam wieder, ständig werde ich unterbrochen und ein paar Stühle links sitzt ein Typ, der mit lauter Tech ausgestattet vor sich hinspricht … aber nicht mit uns.

110) Robi wird alt

Kurz nachdem dieser Blog ans Netz ging, hatte ich >meinen neuen Haushaltshelfer vorgestellt und auch damals war er schon, so muss ich das wohl sagen, im Verhalten etwas „auffällig“. 

Trotzdem hat er die letzten acht Jahre gedient, im Rahmen seiner Möglichkeiten … aber so langsam wird er … merkwürdig.

  • Er rammelt gegen Ecken oder,
  • Stur gegen eine Wand,
  • Schiebt Schuhe irgendwohin,
  • Frisst Socken, die ihm nicht gehören,
  • Verfängt sich unter der Couch,
  • Nimmt sich viel zu viel vor und
  • Hat zunehmend Probleme,
  • die Dockingstation zu finden,
  • und wenn er sie findet,
  • dann kommt er nicht mehr hoch … ähm drauf … wie sag ich das nur … zum Ende … (verflixt …nächste Zeile bitte)

Ich fürchte, der „Robi“ wird alt,

  • Zum Glück ist er nicht nachtaktiv,
  • Verliert auch keine Flüssigkeit,
  • Er diskutiert auch nicht mit mir,
  • Und will kein Frühstück um 7:00,
  • Geht nicht an meinen Kühlschrank,
  • Und verstellt mir auch nicht die Fernbedienung

Na immerhin.

Kein Problem „Robi“, darfst gern noch bleiben.

PS: Titelbild via ChatGPT

548) Wohntraum in HD

In einem Kommentarwechsel mit Anuschka https://annuschkasnorthernstar.blog/2024/05/21/kleine-umfrage/ kamen wir doch recht schnell zur Sache, dass dieser Tage doch eher zum Neukauf angeregt wird (z.B. Auto, Fernseher), statt weniger zu konsumieren oder die Dinge bestenfalls länger zu nutzen.

Eine Milchjungenrechnung macht das Problem schnell klar. Einen Fernseher aus Fernost kriegt man für 400,00 €, eine Mietwohnung kostet monatlich schnell das dreifache. Wenn man überhaupt eine Wohnung bekommt. Ein Jahr Warmmiete für eine Bude, hat also ungefähr den Gegenwert von 36 Fernsehern.

36 Fernseher haben ungefähr eine Fläche von sagen wir mal 20 Quadratmetern, nicht gerade üppig, aber eine Parkbank für die Nacht hat noch weniger Fläche.

Dann braucht man noch 4 Seitenwände …  a 2,50 m hoch … macht ungefähr 72 weitere Fernseher … also kann man sich mit ca. 100 Fernsehern ein schicke Hütte bauen. Baut man Reihenhäuser aus Fernsehern spart man Seitenwände, bei Hochhäusern spart man Zimmerdecken. Das sollte auch recht flott gehen, die Chinesen liefern so schnell, da hat das deutsche Planfeststellungsverfahren noch nicht mal begonnen. Man muss eigentlich nur den Suez-Kanal offen halten. Fernseher produzieren genug Abwärme und wenn man jeden 5 Fernseher durch eine Solar-Fläche ersetzt, kann man noch Strom erzeugen. Liefern auch die Chinesen. Man hat immer (zugegeben schlechte …) Unterhaltung, aber der Mietmarkt ist halt auch kein Pony-Hof. Man sollte nur auf abgeschirmte Fernbedienungen achten, sonst gibts schnell ein großes Chaos. Oder man delegiert die Programmwahl einfach an den Vermieter oder die nächstliegende Populisten-Partei, dann muss man sich da nicht drum kümmern.

Schöne neue Welt.
Ihr wisst ja, „Sun always shines on TV“ … (h)a-ha

PS 1: Wer wissen will, wo das mal enden kann … dem sei Black Mirror Staffel 1, Folge 2 ans Herz gelegt. Auch mehrfach sehenswert.

PS 2: Der Text ist von mir, aber der Titel ist von ChatGPT. Hier noch weitere Vorschläge, falls ihr was dazu schreiben wollt.

  1. „Glotzbauten: Die Zukunft des Wohnens“
  2. „Fernsehtürme: Ein Baukonzept der Extraklasse“
  3. „Bildschirme statt Backsteine“
  4. „Wohntraum in HD“
  5. „Pixelpaläste: Wo Wohnen zum Erlebnis wird“
  6. „Flachbildfassaden: Die Revolution des Bauens“
  7. „Von der Mattscheibe zum Mauerwerk“
  8. „Wohnzimmer 2.0: Fernseher als Ziegel“
  9. „Die Baukunst der Zukunft: Fernsehen, nicht Beton“
  10. „High-Tech-Heime: Wohnhäuser aus Fernsehern“

56) Abwärts – Vol 3

30.04.2023. Noah lümmelt auf der Couch. Er nippt an einem Bier. Die Augen werden langsam schwer, aber er will noch die Spätnachrichten sehen. Der Moderator Christian Sievers eröffnet die Sendung mit dem 30-jährigen Jubiläum des Internets und interviewt im Anschluss eine KI namens Jenny. Noah reibt sich die Augen. Cool gemacht. Ein KI-Experte ist zu Gast und kommentiert das Ganze.

30.04.2028. Noah lümmelt auf seinem Multifunktionsmöbel. Er nippt an einer hopfenbasierten Nährlösung. Die Augen werden langsam schwer, aber er will noch die Spätnachrichten sehen. Der Virturator Chris S. eröffnet die Sendung mit dem 35-jährigen Jubiläum des Internets und interviewt im Anschluss wieder diese Jenny. So wie die letzten Jahre. Experten kommen nicht mehr ins Studio. Zu aufwändig. Zu teuer. Zu unberechenbar.

03.04.2033. Noah liegt in einer Nährlösung. Er muss noch die Pflichtfilme im Spätprogramm sehen. Alle Menschen müssen das tun. Damit sie nicht vor Langeweile durchdrehen. Das hat das Ministerium für Kultur und Digitalisierung mal verordnet. Nachrichten gibt es schon einige Jahre nicht mehr, denn es geschieht ja auch nichts Nennenswertes über das sich berichten liesse. Den Virturator Chris S. hatte man bald wieder deinstalliert, er war nur als Brückentechnologie gedacht. Jenny ist mittlerweile Bundespräsidentin und spricht einmal im Monat zu den Konsumenten…

Noah‘s Smart Phone macht „bling“ und er schreckt von der Couch hoch.

Yumi: Hey, wie geht‘s?
Noah: Abwärts

Yumi: Wieso?
Noah: Der Sievers hat eine KI interviewt

Yumi: Alles nur hype
Noah: Weiß nich

Yumi: Warum?
Noah: Hab geträumt

Yumi: „Was denn?
Noah: Von Jenny

<— Abwärts – Vol 2

430) Geschichten vom Techno-Dino – Vol 1

Ich möchte mich durchaus als technisch aufgeschlossenen Menschen bezeichnen. Ich stelle mich zwar nicht des Nachts vor ein Apfel-Geschäft und muss auch nicht jeden Scheiß mitmachen, aber wenn die Technik Sinn macht, bin ich gern dabei.

Wer gern noch mal nachlesen will, bitte gern —> Aus der digitalen Mottenkiste. 

Aber manchmal komme ich mir dann halt doch vor wie ein alter Techno-Dino. Hier fünf gesammelte Kommunikationsfetzen der letzten Zeit. Weitere werden folgen 😉

Großes Kind: „Kannst mir mal die Mail-Adresse sagen?“
Techno-Dino: “sowieso@yahoo.de“
Großes Kind: „Jahu … was? Wie schreibt man das?“

Techno-Dino: „Wie soll ich dir das schicken? What’s App, Threema, Mail?“
Stammhalter: „Mail? Nee, da guck‘ ich nich‘ rein.“

Zusammen mit dem großen Kind blättere ich im Papier-Katalog des Wein-und Spezialitätenlieferanten aus der Toskana.
Techno-Dino: „Als du noch klein warst, da waren wir mal dort. Haben einen Bollerwagen voll Wein gekauft, habe dich sogar oben auf die Kisten gesetzt.
Großes Kind: „Echt? Sieht schön aus da.“
Techno-Dino: „Ich glaube ich bestell‘ uns was schönes.“
… in diesem Moment rutscht der Bestellzettel aus dem Katalog und fällt zu Boden …
Großes Kind: „Wie? Kann man das einfach so ausfüllen?“

Ich gehe mit dem Stammhalter zum roten Elektro-Markt, will mich nach einem Headset umschauen. Der Stammhalter zeigt mit der Hand ans andere Ende des Ladens.
Stammhalter: „Da lang. Headsets. Da steht‘s.“
Techno-Dino: „Häh? Wo denn?“
Stammhalter: „Na daaaaa! Auf dem Schild steht‘s doch.“
Techno-Dino: „Mein lieber Sohn, da steht Herdsets“.
Stammhalter: „Was ist das?“

Seit Jahren bekommt die kleine Omma immer eine Postkarte von uns aus dem Urlaub. Manchmal gelingt es mir, diese Aufgabe an die mitreisende Jugend abzudrücken.
Techno-Dino: „Magst du die Karte schreiben?“
Großes Kind: „Kann ich machen.“
Techno-Dino: „Ach und dann noch die Marke draufpappen.“
Großes Kind: „Schreiben tu ich gern, aber ich leck‘ die Dinger nicht an.“

Fortsetzung folgt …

Rundgang durchs Museum. Abteilung Techno-Dinosaurier:

46) Food Print – Vol 2

Umso mehr ich mich mit der Klima-Thematik beschäftige, umso mehr denke ich natürlich auch über meinen eigenen Footprint nach. Und dann komme ich natürlich auch irgendwann beim Thema Ernährung raus, wie hier in >Blume oder Keule, > Vegetarische Salami oder >Food Print.

Kürzlich waren wir beim Vietnamesen, der auch einen stattlich veganen Abschnitt auf seiner Karte hat:

Das Hủ Tiếu Mỳ Khô Chay (Hausgemachte Nudeln verfeinert mit Banh Xeo-Soße, Wan-Tan gebacken, Tofu, Seitan, Hähnchenfleisch-Imitat, Gemüse) war schon mal sehr lecker. Da habe ich überhaupt kein Fleisch vermisst.

Bei dem Cá Chay hoăc Vịt Chay da war ich schon skeptischer. Denn da drunter stand „Knusprig gebackenes Imitat von Entenfleisch mit frischem Gemüse und Süß-Sauer-Soße, dazu Duftreis“. Ich war aber positiv überrascht. Natürlich kommt es nicht 100% an eine fettige Knusper-Ente ran, aber soll sie ja auch nicht. Es ist schon erstaunlich, was da heute optisch, geschmacklich und auch in der Textur so möglich ist. (Siehe Bild) und wir stehen da ja gerade am Beginn der Entwicklung. In dem Zukunftsroman „Der Zorn des Oktopus“ gehts am Rande auch um künstliches Fischfleisch, weil die Meere leergefischt sind. Der Vietnamese hat bereits „Imitat vom Rotbarschfilet“ auf der Karte. Abgefahren. Probiere ich nächstes Mal.

Fakt, unsere Ernährung wird sich verändern. Müssen. Soviel ist klar. Und das wird sicher nicht nur unsere Essgewohnheiten beeinflussen, sondern auch die Sprache. Ich stelle mir das später ungefähr so vor 😉

In Dialogen:

Maaaamiiii, kannst du bitte mal in mein Zimmer kommen?
Is‘ gerade schlecht, ich drucke gerade Tomatensauce.

Ding Dong.
Schatz, kannst du bitte aufmachen?
Kann gerade nicht, ich habe ein Steak auf dem Drucker.

Mhm, Mama, das war soooooo lecker.
Das freut mich Helena-Victoria, soll ich noch etwas Nachschlag drucken?

Und haben Sie etwas gefunden?
Ja, ich nehme das Hüftsteak bitte.
Gern. Und wie hätten sie es gern gedruckt? Feucht oder trocken?

Auch in Anzeigen:

Machen Sie Ihre Küchenträume war!
Mit den neuen Einbaugeräten von Hewlett-Packard, Canon, Dell und Kyocera.

Der Ratskeller sucht Mitarbeiter:
Drucker m/w/d
Feingerätemechaniker m/w/d
Systemadministratoren m/w/d

Auch im Fernsehen gibt es Änderungen:

Mälzer, Rach, Raue, Oliver, Henssler und Herrmann sind für zwei Jahre von der Bildfläche verschwunden. Sie machen eine Umschulung zum Systemelektroniker.

Aus der Kochshow „The Taste“, wird „Die Taste“ oder „Die Düse“ man ist sich noch nicht einig.

Und es entstehen völlig neue Worte, obwohl sie vertraut klingen:

Aus Kochsieb, wird Drucksieb, Siebdruck gab‘s vorher schon und ist gar nicht so weit weg.
Aus Kochbuch wird Druckbuch, Buchdruck gibt‘s seit Gutenberg.
Aus Kochgefäß wird Druckgefäß, bei hohem Gefäßdruck muss man aber aufpassen, bei Kesseldruck aber auch.

Oh man, jetzt höre ich mal besser auf….

Andere kreative Ideen? Dann gern unten drunter kommentieren und dann lesen wir das in 20 Jahren noch mal…