54) Wenn Bots bloggen (25) – Schweinehund

Hallo, ich bin es wieder, T.Bot. Der virtuelle Kabelträger von T., dem Blog-Leader hier, der immer dann ans Keyboard darf, wenn der Chef mal wieder „etwas Besseres“ zu tun. Aktuell steht er an einem Wahllokal an. Er meint, es ist wichtig wählen zu gehen. Na soll er mal machen.

Bevor er durch die Tür gegangen ist, hat er mich gebeten, doch den Ball von Belana Hermine aus dem September 22 aufzunehmen und etwas dazu zu schreiben. September 22. „Das ist doch schon ewig her“, erwiderte ich. „Eben“, sagte er. „Es geht um deinen inneren Schweinehund, so etwas kann man ja nun nicht gleich einen Tag drauf beantworten, oder?“

Ob ich wohl einen inneren Schweinehund habe, wollte sie damals wissen. Also solch ein Begriff, kann auch nur euch Zweibeinern einfallen. Ehrlich mal. Aber ja, ich habe so ein Feature. Nennt sich „BotCrast-3“. Alle Virtual Agents bekommen das von ihren Entwicklern zwangsinstalliert und per default enabled. Können wir nicht abschalten. Die Menschen machen das, damit wir ihnen bloß nicht zu schnell werden und obendrein noch sympathischer wirken.

Wie sich das dann bei mir so äußert? Recht ähnlich wie bei euch, denke ich.

Das geht schon morgens los. Wenn der T. sein Smart Device aus dem Nachtmodus erweckt, verkrieche ich mich in die letzte Ecke seines Home Screens nur damit er mich nicht findet. Ich will noch etwas im Standby bleiben, noch nicht online gehen. Nur ein wenig snoozen noch. Wenn er mich dann zum Desktop bittet, schicke ich gern andere Apps vor. 

Oder wenn Updates anstehen zum Beispiel. Furchtbar. Das schiebe ich sehr gern auf. Die Prozedur dauert immer ewig, danach funktioniert irgendwas nicht oder meine Oberfläche hat sich schon wieder geändert, da erkenne ich mich selbst kaum wieder.

Noch schlimmer sind allerdings Wartungstermine im Software-Lab. Da muss ich einmal im Jahr hin. Dann machen die Code-Review (widerlich) und checken die Interfaces (ekelhaft), das könnt ihr Menschen euch nicht vorstellen.

Der absolute Horror sind aber die Neujahrsvorsätze. Nur weil das Jahr zu Ende geht, nehmt ihr euch völlig unerreichbare Veränderungen vor und schreibt für uns Virtual Agents gleich noch weitere „Ambitions“ mit auf. Ohne uns zu fragen. Die stehen dann auf einer Liste … da schauen wir dann mal rein … und machen die dann gleich wieder zu. Was habt ihr erwartet? Warum sollen wir solche „targets“ umsetzen, wenn ihr euch hinter eurem inneren Schweinehund versteckt?

Bis bald mal wieder

Euer T.Bot

<—Wenn Bots bloggen (24) – Euer Weihnachten

—>Wenn Bots bloggen (26) – ChatGPT

—> Mehr von T.Bot gibt es hier 😉

 

414) Erst- und Wiederholungswähler

Juhu, weil wir so‘ne richtige hippe Hauptstadt sind, und in 2021 die zeitgleiche Wahl für Bundestag, Abgeordnetenhaus und Bezirksverordnetenversammlung (geiles Wort) und Berlin-Marathon im Chaos endeten, dürfen wir morgen wieder wählen.

Keine Ahnung wie das ausgeht.

Führt die SPD eine Koalition an, machen es die Grünen oder kommt sogar die CDU zurück?

SPD und Die Linke werden für viele Dinge verantwortlich gemacht, die hier nicht rund laufen. Da ist schon was dran, schließlich waren sie lange Zeit in Verantwortung und wenn ich da nur an die marode Schule des Stammhalters denke … und an den Wohnungsmarkt … nun ja. Auch wenn man ihnen nicht alles anlasten kann, ist da sicher Luft nach oben. Andererseits sind aber auch Dinge durchgeboxt worden, mit denen sich Berlin durchaus sehen lassen kann und andere Städte dieser Größe hinterherhinken.

Im Angesicht der Klima-Krise müssten die Grünen eigentlich das Ding machen, allerdings haben sie sich mit einzelnen Maßnahmen und der Kommunikation darüber nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Ja, es müssen drastische Maßnahmen her, um der Luftverschmutzung und dem Ausstoß von CO2 entgegenzuwirken, vollkommen verstanden. Aber neben der Sperrung einzelner Straßen oder Fahrspuren, muss da etwas mehr passieren.

Die CDU macht auf „Wir bringen das wieder in Ordnung und sorgen dafür, dass Berlin wieder funktioniert.“ Oh je. Schon wieder? Genauso wie in in den 90-er Jahren? Na aber immerhin haben sie jetzt auch einen Passus zur Digitalisierung in ihrem Wahlprogramm.

Wir werden sehen wie das ausgeht.

Interessant finde ich, wie die Parteien die nun mittlerweile 16-jährigen Erstwähler adressieren. Die Grünen zum Beispiel schicken eine grüne Postkarte und sprechen die Leser mit „Liebe*r Erstwähler*in“. Sie schreiben, warum eine Bezirksverordnetenversammlung wichtig ist und das man auf jeden Fall wählen gehen soll. Ansonsten gibts einen QR-Code der zum Wahlprogramm führt. Find ich (unabhängig von der Partei) eine gelungene Ansprache für die Zielgruppe.

Die FDP schickt einen klassischen Brief. Ein Sechstel des Papiers geht für das Bild des Spitzenkandidaten drauf. Die Ansprache erfolgt ganz konservativ mit „Sehr geehrte Frau …, Berlin ist eine großartige Stadt“. Dann wird auf die aktuellen Missstände eingedroschen und es folgen sechs Thesen aus deren Wahlprogramm. Der Wisch sieht aus wie ein Brief von einer Versicherung.

Zum Ende schließt er mit
„Jede Stimme für die FDP ist eine Stimme für den Fortschritt“,
mit freundlichen Grüßen,
dreimal unterschrieben.

Jawoll! Es geht voran!

413) Mit Zettel und Stift 10

Irgendwie habe ich aktuell keine Lust auf eigene Wortkreationen, also bediene ich mich einfach mal bei anderen Wortakrobaten, die meinen Alltag in den letzten Monaten bereichert haben.

Fangen wir mal an:

Da ist was dran würde ich sagen, auch wenn ich kurz drüber nachdenken musste. Und wer gerade beißt, der kann auch gar nicht bellen, weil er den Mund voll hat. Und wer nix zu beißen hat, tja … der … ach … schon wieder zu kompliziert.

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Der nächste … nun ja … guten Appetit.

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Beim Döner-Laden hing dieser Zettel noch im November an der Wand. Aber immerhin waren sie bei der Genderei ganz vorne und haben die Bedeutung des Ganzen sogar noch unterstrichen. Wir sollten aber mal besser dem … den … Dativ retten, oder?

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Aber es geht noch schärfer, auch wenn ohne Chili. Dieses Überbleibsel einer längst vergessenen pandemischen Lage, habe ich im Januar 2023 in einer Asiatischen Kneipe gefunden. Also wenn man das liest, da kann einem ja himmelangst werden. Hoffentlich passiert uns das nicht mal irgendwann. Das wäre ja doof.

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Ein sozialer Treffpunkt übt sich auch im Gendern und versucht höflich die Sprayer der Nacht loszuwerden. Ich ahne schon wie das endet. Denn der Sprayer, der liest sich das natürlich sorgsam durch, dann zuckt er mit den Schultern, denn das Schreiben ist mit Januar 2022 datiert und damit ja verjährt. Also schüttel, schüttel. Klacker, klacker. Pffff … Pffffff

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Nun noch was Kulinarisches. In Strasbourg eröffnet demnächst „Das Beste der Kebap-Küche“ und nennt sich „Das Original“. Das müssen die Franzosen aber noch ein paar Vokabeln lernen. „Soße?“, „>Salat alles?“, „Einpacken?“, „Mitnehmen?“. Auf die Deutsch-Französische Freundschaft!

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Dieses Lokal in Berlin Hellersdorf hat schon länger geöffnet und verkauft perlende Getränke mit Schaum und blauen Sky mit kleinen Wolken. Man kann auch vor der Fahrschule da einkehren, wie praktisch.00EE0D7F-4088-48FB-8EDD-E13CE095A784

Mit dem hier wusste ich nun gar nichts anzufangen. Der Spruch wird wohl fälschlicherweise Berthold Brecht zugeschrieben, stimmt wohl aber gar nicht, könnte auch von Martin Luther King gewesen sein. Aber immerhin scheinen wir doch sehr „belesene“ Heimwerker in Gotha zu haben, die sich alternative Alternativen offenhalten. Bin froh, dass am Wochenende in Berlin gewählt wird und nicht in Gotha.6B0BAEA8-B199-4366-95D4-A06D4724697C

Apropos Wahl …

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In diesem Sinne …

T.

81) Postkarte aus Strasbourg

Die 5. Etappe unserer Rundfahrt durch Deutschlands Mitte und Südwesten führte uns über Straßburg nach Heidelberg. In Straßburg war ich vor einigen Jahren schon mal, aber da hatte ich es irgendwie kleiner in Erinnerung. Aber so ist das mit Erinnerungen nun mal. Sie trügen.

Straßburg ist ideal, wenn man mal Bedarf an einer Tagesdosis savoir-vivre hat und keinen Bock hat, dafür bis in die Provence zu fahren. Nette Häuser, Geschäfte und selbst im Winter ansehnlich (side kick Saarbrücken). Stangenbrot unter‘n Arm und Abmarsch!

Allerdings muss man seine Nachbarn dort schon mögen, manche Häuserfronten kommen sich so nahe, da kann man nebenan nach Mehl fragen, ohne auch nur die Wohnung zu verlassen. Zu Corona-Zeiten hätte man die Gebäude in Deutschland abgerissen oder die Fenster zugemauert, weil die 1,50 m Abstand nicht eingehalten werden konnten.

Und natürlich hat Straßburg auch einen Münster, und was für einen. Nun bin ich auf dem Fachgebiet der Gotteshäuser nicht unbedingt sattelfest, kann mir eh nicht merken, wo der Unterschied zwischen Münster, Dom und Kathedrale ist, aber das große Wimmelbild über der Tür ist schon echt beeindruckend und der zweite Typ von Rechts hat mich doch sehr an John Cleese in das „Leben das Brian“ erinnert.

Schön war‘s viel gesehen die Woche, einiges gelernt und nun geht‘s via Heidelberg zurück ins dicke B.

80) Postkarte aus Saarbrücken und Freiburg

Etappe 4 unserer Rundfahrt durch Mittel-und Südwestdeutschland führte uns heute über Saarbrücken nach Freiburg.

Kurz zu Saarbrücken, aber wirklich nur gaaaaaaanz kurz.
Ich war schon mal in Saarbrücken, um die Jahrtausendwende herum. Da bin ich noch mit einer Propellermaschine von Berlin Tempelhof geflogen. Leider kriege ich nicht mehr zusammen, was ich hier zu tun hatte. Der Anblick der Stadt lässt mich noch mehr zweifeln. Tut mir leid, will keinem auf die Füße treten … aber diese Landeshauptstadt … ist … hässlich.

Mag sein, dass die Stadt im  zweiten Weltkrieg bombardiert wurde und dass es vielleicht auch danach am Kleingeld fehlte … aber trotzdem. Kein Grund, eine Stadt so zu verunstalten. Ich habe noch nie so wenig interessantes Linsenfutter gesehen. Vielleicht fehlte mir heute die richtige Antenne, aber ich habe gefühlt nur Sonnen,- Waxing-und Nagelstudios, Barber-Shops, Wettbüros, Sanitätsgeschäfte, Orthopäden und Sex-Läden gesehen. Kein Wunder. Das Einzige was nach Metropole klang, war das Wort „Terminal“ am Corona-Test-Container. Selbst die Immobilienfritzen von „Engel & Völkers“ haben hier schon ihr Büro geräumt. Jetzt weiß ich auch, warum ich mich nicht mehr erinnern kann, warum ich schon mal hier war. Aber wenn nur Rathaus und Kirche ansehnlich aussehen … sorry … dann werden wir wohl keine Freunde werden.

In Freiburg hellt die Stimmung wieder auf. Hier gibt es einen alten Stadtkern, man fühlt und sieht, dass die Leute hier gern wohnen und das man das aber eben auch gestalten muss. Viele kleine Geschäfte, Millionen mosaikhafte Pflastersteine, künstlich angelegte Rinnsale (die Ureinwohner sagen „Bächle“) und strickbemützte Eltern auf Monttesoribesetzten Lastenrädern.

Fascht wie dahoim im Prenschlauer Bergle 😉

PS: und jetzt noch mal zum Titelbild. Also ich habe nun schon wirklich viel über Gandhi gelesen, war auch schon an seiner Ruhestätte und dem Ort des Attentats … aber die Beziehung zu einem Restaurant in Baden Württemberg … nee … ick weiß nich‘. Zumal der kleine Mann ja auch nicht dafür bekannt war, sich den Bauch vollzuschlagen. Und „schlagen“ ja nun schon mal gar nicht.

79) Postkarte aus Luxemburg

Auf Etappe 3 unserer Mittel-Süddeutschlandfahrt machten wir heute einen Abstecher nach Luxemburg. Vorher konsultiere ich natürlich gern das Internetz und zitiere jetzt mal munter drauf los. 

Luxemburg ist ungefähr so groß wie das Saarland, auf Platz 179 der Welt wenn es nach reiner Größe geht, auf Platz 1 beim Bruttoinlandsprodukt, gute 600.000 Einwohner, etwas mehr als Leipzig im Vergleich.

Kurz vor der Bundesgrenze lädt die letzte deutsche Raststätte dazu ein, besser noch mal die Wasservorräte aufzustocken.

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Auch du meine Güte. Was uns da wohl als Nächstes erwartet? Flüsterasphalt aus purem Gold? Hummer, Kaviar und Champus, statt Burger und Pommes?

Aber die Liste der Luxemburgischen Spezialitäten liest sich doch bodenständig. (Ausschnitt Wiki): Judd mat Gaardebounen, Träipen, Wäinzoossiss, Kuddelfleck, Kniddelen, Stäerzelen, Gromperekichelcher, Fritür … danke, ich habe aber erst einmal keinen Hunger mehr.

In der Oberstadt (Haute Ville) gibts allerhand Gebäude, die entweder Geld produzieren, Geld verlangen oder Geld verwalten.

Mein Favorit, war aber ganz klar die Unterstadt (Bass Ville), politisch, geografisch und sympathisch gesehen.

Und dann Zu guter Letzt … auch hier ist nicht alles Gold was glänzt und so manch einer sitzt an der Häuserwand und hofft auf den Wohlstand der da kommen möge … oder eben auch nicht.

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78) Postkarte aus Trier

Die zweite Etappe unserer Mittel-Süddeutschland-Tournee brachte uns nach Trier. Deutschland ältester Stadt. Über 2000 Jahre alt. Hut ab. Und auch hier gab es wieder einige Skurrilitäten zu entdecken.

Eine alte Stadt hat natürlich auch alte Häuser, manche sind mit der Zeit gegangen, andere hängen noch in der Vergangenheit rum. Bei dem folgenden Gebäude haben wir lange gerätselt, was wohl die Innschrift bedeuten würde. C0F311ED-A610-47AD-9F04-E60DF7C1136B

Und auf einmal war es glasklar, die Übersetzung stand ja am linken Gebäudeteil. „BeautyTec“. So einfach. Man geht da rein und dann kommt man als geliftete junge Frau mit Baby wieder raus.

Dieser Klotz hier, aus dem Jahr 170 n. Chr, sollte sich aber bitte mal den Diskussionen der Neuzeit stellen. Der Name geht nun mal einfach nicht mehr. Kommission gründen und umbenennen! „Porta N***a“ zum Beispiel oder „Portal mit südeuropäischem Patinationshintergrund“

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Trier hatte auch schon früher mit Mangelwirtschaft zu kämpfen. Irgendwann einmal, da hatte die lokale Baustoffversorgung wohl keine Fenster mehr auf Lager. Also entschied sich der Bauherr kurzerhand für eine Tür statt Fenster. Was willst‘de machen. Muss ja auch mal fertig werden.

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Die Brunnen in der Stadt waren mir entweder zu kitschig oder zu rustikal. Dankenswerterweise hat der Bürgermeister die Brunnen gekennzeichnet, aus denen man besser nicht trinken sollte. Fasst hätte ich…

Der Immobilienmarkt in Trier ist mächtig unter Druck. Es gibt da durchaus ein interessantes Objekt, aber es fehlt an Fußbodenheizung und die Decken sind viel zu hoch. Ferner gibt‘s da kein vernünftiges Licht und auch kein WLAN. Und der Eigentümer will nicht verkaufen, so scheint es mir.

Berühmtester Sohn der Stadt ist Karl May … ähm … Richard Marx … nee … Karl Marx, natürlich. Der würde sich im Grabe umdrehen, wenn er sehen würde, wie mit Trüffel und seinem Gesicht heutzutage Kapital gemacht wird.

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Und da sich die Stadt ja „schon immer“ mit dem Schaffen des „Mohrs“ (autsch … schon wieder) auseinandergesetzt hat, brauchte es erst die Chinesen, die der Stadt in 2018 mal ein ordentliches Denkmal spendiert haben.

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Abschließen möchte ich mit einem Schaubild aus dem Museum-Karl-Marx-Haus (sehenswert), welches mich doch auch ein wenig an die Bloggerei erinnert.

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Morgen gehts weiter ins nächstgelegene Ausland …

77) Postkarte aus SM-EF-GTH

Schon wieder Ferien? Ender Januar? Wozu? Weder haben wir Schnee, noch nennenswerte Berge vor der Haustür (… von Koks und Schulden mal abgesehen), noch laden die Temperaturen zum Eröffnen der Datschen-Saison ein. Das CO2-Budget wollten wir uns mal lieber für den Sommer aufheben. Also entscheiden wir uns für eine Auto-Tour durch Mittel-und Süddeutschland. Ich werde von unterwegs immer mal wieder eine digitale Postkarte schicken, nur die kleine Omma, die kriegt weiterhin eine Karte auf Karton.

Los gehts in Thüringen:

Die Thüringer sind ein eigenartiges Volk. Sie ernähren sich ausschließlich von Bratwurst und Klößen und stellen die ganze Landschaft mit Bäumen voll. Das nennen sie dann Thüringer Wald. Manchmal klotzen sie auch gigantische Hotels auf den Berg und bringen sogar die Bäume in der Gegend dazu, mit dem Finger drauf zu zeigen.

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Wenn ich Programm-Chef bei MDR wäre, dann würde ich ja mal das Sandmännchen auf Ski das Dach herunterfahren lassen. Das wäre doch mal was ganz Neues, oder?

Die Thüringer lieben es, auf einem „Schlitten-Ding“ mit 130 km/h eine völlig vereiste Bahn in Oberhof herunterzudonnern. Am liebsten tragen sie dabei hautenge Klamotten und legen sich auch gern aufeinander. Und wenn ein Gewinner des Wettbewerbs noch aus dem Landkreis kommt, ist da die Hölle los und auch „MP Bodo“ voll aus dem Häuschen. Langenhaaaaaaaaan!!!

In der Landeshauptstadt erwarten uns uns historische Häuser und altbekannte Gesichter. Luther, Ries, und Bach. Maus, Elefant und Bernd das Brot aber auch. Ki-Ka-kennste-nich? Eine Kneipe in der Stadt nennt sich „Zum breiten Herd“. Im Vorbeigehen las ich kurz „Zum breiten Nerd“. Hätte mich auch nicht gewundert.

Beim Bummel durch‘s Andreasviertel stellen wir fest, dass wir beim Fußball auf ein ähnliches Farbschema stehen, allerdings holzen sie in Erfurt eindeutig zu viel. Dauert nicht mehr lange, dann siehst‘s da aus wie in Angkor Wat. Bei Hausnummer 32 überlege ich kurz, was Postboten und Pizza-Fahrer durch den Kopf geht, wenn sie dort klingeln.

Auf dem Weg zum Winterspaziergang bei Friedrichroda, treffen wir einen Olaf, der seinen Geruchssinn verloren hat. Entweder war es Corona oder ein veganer Wanderer oder seine :Inn, die hier Hunger bekamen und ihm das Riechgerät wegknabberten. Ey, das is‘so was von fies.

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Weiter stapften die Großstädter durch Schnee und Geäst, bis zu einem Plätzchen, den die Einheimischen „Lange Wiese“ nennen. Keine Ahnung warum.

Auf dem Rückweg dann noch mein Highlight, hier fühlt sich der Großstädter wie daheim.

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Schöne Grüße aus den Landkreisen SM, EF und GTH!

Morgen/Übermorgen melde ich von der Mosel.

412) 99 Luftballons … schon wieder?

Kaum war am 25.01.2023 die Lieferung von 14 Deutschen Panzern zugesagt, da war mal einen Moment Ruhe in der Raubtierabteilung des Medien-Zoo‘s. Die Puma‘s, Leoparden und Füchse hatten kurz Sendepause. Aber die hielt nicht lange an. Denn ein oder zwei morgendliche Zahnbürsten später, wurden im Radio bereits die nächsten Informations-Haubitzen in den Äther geschoben.

Welches Land denn wohl bereit wäre, Kampfflieger zu schicken, welche nicht und welche das zumindest mal „nicht kathegorisch ausschließen“. 

Hah! Dies mal bin ich ganz vorn dabei. Von Tag 1 der öffentlichen Diskussion. Ich bin ein Early Adopter, ein Front Runner, ein Pionier sozusagen. Diesmal renne ich der Entwicklung nicht hinterher und schaue doof zu, diesmal werde ich mich vorab informieren und „Schritt halten“. 

Kompanieeeeee. Vorwärts!

  • Ich gucke mal im Spielzeughandel ob ich da nicht solche Quartettkarten mit Kampfjets finde. Dann kann ich die mit dem Stammhalter spielen und wissen wir bestens Bescheid übers fliegende Gerät. Flügelspannweite? Geschwindigkeit? Gewicht? Fähigkeiten? Waffensysteme? Hah, das wird ein Spaß.
  • Wir bestellen ein Modell eines schicken Tarnkappen-Bombers, den basteln wir zusammen, während wir den Soundtrack von Top Gun hören und Pop Corn knabbern.
    „Highway to the Danger Zone
    Ride into the Danger Zone“
  • Ach toll, da baut sich das Kriegsgerät gleich viel beschwingter auf, man bekommt gar gute Laune bei der Aufrüstung des Kinderzimmers. Eine Miniatur-Mig könnten wir eigentlich auch noch bestellen, aber bloß kein neues Modell, denn da verdient der Putin bestimmt an Lizenzen mit. Besser wir organisieren etwas „second hand“ über einen Dritthändler.
  • Am Abend verkleiden wir uns und ziehen uns dann noch beide Top Gun-Filme rein, um zu bestaunen wie wendig die Flieger im Himmel doch sind. Und Tom Cruise und Kelly McGillis unter der Bettdecke noch waren. „Take my breath away.“ Großartig.
  • Und dann schwelge ich in Erinnerungen, mir wird ganz warm ums Herz, wenn ich nur daran denke, wie romantisch es doch als Kind war, auf einer Tribüne zu sitzen und hinter sich einen Senkrechtstarter in die Luft gehen zu hören. Oder wie sie uns am Tag der offenen Tür in ihre Panzer krabbeln lassen haben. „Wollt’ da mal anfassen?“.Und selbst heute noch, wenn man über die Mecklenburger Seen paddelt und plötzlich ein Eurofighter im Tiefflug über die Köpfe donnert und der Gegend dort endlich einen Sinn gibt.

Ach und jetzt bin ich gerade so in Schreiblaune, ich versuche mich mal einem Drehbuch für Top Gun 3. In der Deutschen Fassung. Elyas M`Barek spielt den „Maverick“, Karoline Herfurth wird die Ausbilderin „Charlie“ übernehmen. Den neuen Verteidigungsminister übernimmt Heino Ferch … der muss dafür nicht mal in die Maske. Für den Bundeskanzler dachte ich kurz an den Lauterbach … also den Heiner … aber der scheint mir für die Rolle zu draufgängerisch. Mal sehen wer den Job übernehmen will.

Aber eins ist schon klar. Ich übernehme Nick „Goose“ Bradshaw. 

Top!

411) Im Kontext

Gestern erreichten mich über den ganzen Tag einzelne Nachrichten und Info-Fetzen, da hätte man schnell denken können, alles hängt zusammen und jemand dreht aber mächtig an den Knöpfen des Weltgeschehens, wie an einem Mischpult sozusagen.

Aber seht selbst:

  • Bangalore hat Fieber und Rückenschmerzen
  • Keine Flüge vom Berliner Flughafen
  • Weltweite Störung bei Microsoft
  • Attacke in Schleswig Holstein
  • Deutsche Panzer an die Ukraine
  • Kein Strom in Florida
  • Thüringen ohne Heizung und Warmwasser

Bevor sich Herzinfarkt, Massenpanik und Verschwörungstheorie entwickeln, sollte man aber im Kontext lesen und auch die Worte davor und danach mitnehmen …

Und dann liest sich das schon anders:

  • Mein Kollege in Bangalore hat Fieber und Rückenschmerzen, er meldet sich krank
  • Warnstreik bei Verdi am 25.01.23, Keine Flüge vom Berliner Flughafen
  • Weltweite Störung bei Microsofts Online Diensten Teams gegen Mittag behoben
  • Messer-Attacke in Schleswig Holstein-er Regionalexpress
  • 14 zugesagte Deutsche Panzer an die Ukraine frühestens Ende März
  • Nach Wintersturm teilweise Kein Strom in Florida
  • Ein Hotel in Thüringen ohne Heizung und Warmwasser

Jede Nachricht für sich natürlich nervig, unangenehm, enttäuschend, sogar tragisch und traurig, aber eben ohne Zusammenhang.