71) Clicks for Future !

Berlin. Einem findigen IT Consultant aus Berlin Prenzlauer Berg ist eine bahnbrechende Erfindung gelungen. Er kann mit den Millionen seiner täglichen Mausklicks nun grünen Strom erzeugen und damit einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten. Auf die Frage, wie er denn auf diese Idee kam, berichtete er dem Blatt, dass sein Brötchengeber einen Software-Vertrag (Saas) mit einer namhaften US-Firma abgeschlossen hat. Die Konfigurationsmöglichkeiten dieser Software sind schier endlos. Leider ließen sich all die Features aber nur mit der Maus verwalten, die gewohnten Tastenkombination die er von Windows und anderen Anwendungen kannte, funktionieren da nicht.

Also klickte er von früh bis abends, seine Unterarme wurden dick wie die von Popeye, die Orthopäden im Kiez schlugen die Hände über dem Kopf zusammen und lehnten jegliche Behandlung ab.

Mit seiner neuen Erfindung jedoch, kann er nun nebenbei das ganze Wohnhaus mit Strom versorgen, auch die E-Autos der Nachbarschaft laden ihre Batterien über seinen Unterarm. Er sei wohl bereits in Verhandlung mit dem Wirtschaftsministerium, so behauptet er. Der Wirtschaftsminister war schnell begeistert und stellte umfangreiche Förderungen in Aussicht. Das Zieldatum für die CO2-Neutralität Berlins wurde sogar von 2030 auf 2027 vorgezogen.

Leider stellte der IT Consultant erst nach Vertragsunterzeichnung fest, dass seine Erfindung einen Haken hatte, so jammert er nun. Schließlich würde mit dieser Idee nur Strom erzeugt, wenn er auch weiterhin klicken würde.

Und wenn er nicht gestorben ist, dann klickt er wohl noch heute.

Klicker (m/w/d) gesucht!

592) Einfach tauschen

Heute habe ich mal wieder einen Radio-Schnipsel aufgeschnappt, bei dem es um die Frage ging, ob es nicht auch eine Idee wäre, die deutschen Tankstellen mit austauschbaren Akkus auszustatten, statt (nur) das ganze Land mühsam mit Ladesäulen vollzustellen?

Die Idee war mir jetzt nicht so neu, aber natürlich, drüber nachdenken kann man ja mal und in China praktiziert man das wohl bereits. Und selbst hierzulande gab‘s das alles schon mal (Batteriepacks zum Einsetzen in Laptops und Mobiltelefone) und gibt es noch (Gaskartuschen für den Wasserfilter, genormter Bierkasten).

Und mit dem Konzept „Einfach tauschen“ entstehen viele neue Ideen:

  • Statt Handy laden einfach tauschen
  • Statt Wohnung putzen, einfach tauschen
  • Statt Magen füllen, einfach tauschen
  • Statt Zähne putzen, einfach tauschen
  • Statt Nägel pflegen, einfach tauschen
  • Statt Kinder großziehen, einfach tauschen
  • Statt Beziehung pflegen, einfach tauschen
  • Statt Mitarbeiter coachen, einfach tauschen
  • …
  • Statt Kopf zerbrechen, einfach tauschen

Juhu. Wie praktisch.

563) Wortwahl: normal

Aus irgendeinem Grund habe ich in den letzten Wochen einen Sensor für das Wort „normal“ entwickelt. Und zwar genau dann, wenn „normal“ den Status Quo beschreibt und das andere, dass unnormale, für die eigentliche Innovation oder Verbesserung gewählt wird. In Zeiten, wo jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird, fände ich eigentlich gut, wenn man das etwas neutralisieren würde. Nein, ich will nicht die Sprach-Polizei spielen, aber warum denn eigentlich …

  • Redet man von normalem Bier und alkoholfreiem Bier? (Ich auch …)
  • Sprechen selbst Bundesminister von dem normalen Bürger, der eine Gasheizung installiert hat?
  • Unterscheidet man normalen Burger und Veggie-Burger?
  • Wählt man zwischen normaler Gurke und Bio-Gurke? Ist denn nicht eigentlich die Bio-Gurke die normale Gurke?
  • Gibt es normale Autos und E-Autos?
  • Kennen wir normale Zigaretten und E-Zigaretten, Normal-Benzin und E-Fuels, normale Brötchen und die „dunklen“ …
  • …

Bin mal gespannt, wann all das „unnormale“ zum „normalen“ wird, und wie die Welt dann aussehen wird.

—> mehr aus er Reihe „Wortwahl“ gibts hier

536) Von alten Steinen lernen

Gurkt man durch Griechenland (hier speziell Peloponnes) muss man sich schon sehr blöd anstellen, um nicht an ΑΡΧΑΙΟΛΟΓΙΚΟΣ ΧΩΡΟΣ vorbeizukommen. Das ist kein Nationalgericht mit Knoblauch, sondern heisst so viel wie „archäologische Fundstätte“. Akropolis, Korinth, Olympia zum Beispiel. Und da raunt es bereits „Oaaaah neee, wie langweilig, schon wieder alte Steine“. Zugegeben, ich muss alte Steine nun auch nicht jeden Tag haben, aber eindrucksvoll sind die Anlagen schon. Und Minderjährige aus der EU zahlen keinen Eintritt. Juchuuuu, hoch lebe die EU!

Und sie zeigen, zu was Homo Sapiens in der Lage ist, selbst ohne elektrischen Strom, Baumaschinen, Planfeststellungsverfahren, 3D-Druck und WLAN.

Allein schon den Ort für solch eine Stadt auszumachen. Gefälle, Boden, Baumaterial … da scheitern viele Menschen heute schon bei der Wahl des richtigen Camping-Platzes.

Dann die durchdachte Planung für Straßen, Wege, Plätze, Zu-und Entwässerung, Versorgung, Anbau  und Verteidigung.

Und natürlich all die schweren Quader, Säulen … die zuvor irgendwer aus Stein gekloppt hat, der irgendwo aus dem Berg gebrochen, irgendwie dahin gebracht und dann mit irgendwelchen Mechanismen zu Häusern, Tempeln und sogar Badeanstalten gestapelt wurde … und am Ende noch alles zusammenpasste.

Alter Grieche, Respekt!

Es würde mich nicht wundern, wenn man hier in der Gegend noch einen Flughafen ausbuddelt.

Das alles gibt mir Hoffnung, zu was Zweibeiner mit drei Pfund Hirn zwischen den Ohren fähig sind. Gleichzeitig zeigt es aber auch, mit welch Blödsinn „wir“ uns teilweise beschäftigen und womit „wir“ uns vom Finden geeigneter Lösungen für die Herausforderungen der Zeit ablenken.

487) Immer locker bleiben – 3

Bei uns im Kiez gibt’s ein neues Locker-System. Was es von den anderen unterscheidet? Nun, man kann auch was abgeben und nicht nur abholen und verschiedene Anbieter teilen sich diesen Schrank. Vernünftig. Nachteil ist aber immer noch, dass man da hin laufen muss, aber das wird sich in der Zukunft auch noch ändern.

Man muss es nur konsequent weiter denken und dezentralisieren. Aus der Elektromobilität gibt es ja schon die Idee, Elektroautos nicht nur als individuelles Mobil zu betrachten, sondern als öffentlich zugängliche Batterie. Wenn alle Elektroautos so konzipiert würden, entstünde ein riesiges dezentrales Lade-Netzwerk. Man kann sein Auto quasi überall laden, auch am nächsten Auto. Vielleicht muss man dann auch nicht jeden Quadratkilometer mit Ladesäulen vollpflastern. Zwei Leser hier werden sich an eine angeregte Diskussion im >Harz erinnern. Grüße gehen raus.

Ähnliches könnte man sich ja auch als dezentrales Locker-System vorstellen. Jedes Auto erhält künftig ein von außen zugängliches Schließfach, was von den autorisierten Lieferanten, Autobesitzern aber auch anderen Menschen der Nachbarschaft genutzt werden kann. Wenn man es richtig smart anstellt, muss die DHL auch nicht wegen jedem Kleinkram über alle Dörfer gurken. Die arbeitende Bevölkerung bewegt sich ja tagsüber auch mobil bzw. findet Mobilität ja so oder so statt. Man denke da an Pflegedienste, Busfahrten, Uber, Schulbusse. Dann könnte man denen die Pakete mitgeben bzw. unterwegs umladen. Express-Lieferungen übernehmen Polizei und Feuerwehr, denn die dürfen mit Blaulicht fahren, sensibles Frachtgut übernehmen die Krankentransporte, Wertsachen nehmen die Geldtransporter mit.

Und der ganze Billigschrott kann direkt in Müllautos umgeladen werden, da erspart man sich das Auspacken.

Juhuu, das wird lustig.
Aber programmieren will ich diese App nicht 😉

89) Deinventing the e-mail

Die Menschheit hat nun wirklich tolle Dinge erfunden. Einige bahnbrechende Ideen und Entdeckungen will ich heute nicht mehr missen. Das Rad zum Beispiel, das Klo, die Küchenrolle, den Dübel, den Strom und mein Tablet natürlich. Die Liste könnte ich endlos fortsetzen. Es gibt aber auch Erfindungen, die könnte man gern wieder ungeschehen machen.

Ganz oben auf der Liste stehen die Atombombe und die Landmine, gleich danach kommen Nazis und Rechtspopulisten jeglicher Art, dann SB-Kassen, Fahrkartenautomaten, Social Media Foren, E-Roller und e-mails.

Ja e-mails. Na ja, vielleicht nun doch nicht alle e-mails. Die e-mails, die einen klassischen Brief ersetzen oder eine lästige Warteschlange abkürzen dürfen gern bleiben. E-mail-Kampagnen können gern „rückerfunden“ werden. Gibt‘s das Wort? Nicht „inventing“, „reinventing“, sondern „deinventing“. Wieder ein Wortkreation die ich mein eigen nennen kann!

Einige paar Beispiele aus den letzten Tagen:

  • Der Fußballclub aus Köpenick, der ja nun wirklich alle meine Sympathien hat, bietet mir in drei e-mails Tickets für die Champions-League an. War wohl ein Versehen. Die e-mails hätten nur an Mitglieder rausgehen sollen. „Ob Mitglied oder ohne, sie kommen hier nicht rein“. (Udo Lindenberg). Es folgten drei Entschuldigungen. An eurer IT müsste ihr noch arbeiten Jungs, Eiserne Grüße nach Köpenick!
  • Ich buchte eine Reise für Anfang nächsten Jahres. Modul auswählen, Beginn und Ende festlegen, Kreditkarte … fertig. Großartige Erfindung! Mittlerweile habe ich sieben e-mails von denen. Vier davon sind „Itineraries“, sollte man also lesen, könnten Überraschungen drinstecken.
  • Bett und Dach müssen gefunden werden für ein Advents-Wochenende. Klick, klack, einfach, gebucht. Supi. Gefolgt von fünf e-mails … Anreisehinweise … wir freuen uns …es dauert nich mehr lange … wunderbar … begrüßen … bald ist es so weit … bei Fragen … jederzeit. Hey. Ich will euch nicht heiraten. Ich will nur bei euch pennen!
  • Die Inbox des Arbeits-Accounts wird geflutet durch Newsletter, bescheuerten Meldungen von Microsoft und Kollegen, die „ Ich hab da mal `ne Frage“ in den Betreff schreibe. Nee, Leute. So nich‘!
  • Der Ober-Stressor ist aber die große Buchungsplattform, die mich seit Rückkehr aus Kanada mit Feedback-und Bewertungs-Anfragen für die Unterkünfte nervt. Alter … geht mir nicht auf die Ketten!

Tolle Erfindung, aber bisschen übers Ziel hinaus. Ganz zu Schweigen davon, was das alles an Geld, Strom und Nerven kostet … letztlich gelöscht zu werden.

Brauch‘ ick nich‘.

431) Geschichten vom Techno-Dino – Vol 2

Die ersten PC‘s die ich unter die Finger bekamen, gehörten zur 386-er und 486-er Prozessor-Familie. Das Floppy-Laufwerk hielt gerade Einzug, vom Internetz war noch nichts zu sehen und die Datenblätter lasen sich im Prinzip wie heute. 8 Arbeitsspeicher, 250 Festplatte. Nur waren es damals eben Mega Byte statt Giga Byte. Das war das Zeitalter, als Excel bei Zeile 64.000 ein Ende hatte und das berühmte „Kreuz“ mit dem man heute Windows-Anwendungen schließen kann, noch nicht erfunden war. Aber wir waren jung und ganz vorn dran. Heute jedoch, fühle ich mich manchmal wie ein Dino. Ein Techno-Dino.

Und weiter geht’s mit gesammelten Gesprächsfetzen:

Ich bitte das große Kind, mir doch eine Postleitzahl aus meinem Handy zu fischen.
Techno-Dino: „Geh mal bitte in mein Telefonbuch und such‘ mir die Postleitzahl der Omma.
Großes Kind: „Telefonbuch? Papa, das heißt Kontakte.“
Techno-Dino: „Ah ja“

Der Stammhalter benötigt etwas Hilfe bei PowerPoint. Vor Computer-Erfahrung nur so strotzend, rate ich zu gelegentlichem Speichern.
Techno-Dino: „Und drück‘ zwischendurch immer mal wieder auf das Disketten-Symbol.“
Stammhalter: „Häh? Was für ein Symbol?“
Techno-Dino: „Na den Button links oben, mit der Diskette drauf.“
Stammhalter: „Weiß nicht was du meinst.“

Ich will wissen, wann wir kürzlich in Saarbrücken waren und blättere durch meinen Handy-Kalender.
Großes Kind: „Was suchst du?“
Techno-Dino: „Den Tag als wir in Saarbrücken waren. Find‘ ich nicht mehr im Kalender.“
Großes Kind: „Ich hab ihn.“
Techno-Dino: „So schnell? Wie?“
Großes Kind: „Einfach Fotos zurückgeblättert.“
Techno-Dino: „Schlaues Kind.“

Ich muss was mit dem Bruder besprechen und wähle WhatsApp als Kanal. Kostet ja nix im WLAN. Wir bereden, was zu bereden ist und kommen so langsam zum Schluss
Techno-Dino: „Na jut, dann mach’s mal fein.“
Bruder: „Ja du ooch. Bis bald mal wieder.“
Techno-Dino: „Na denn.“
Bruder: „Joh“
Techno-Dino: „Wie legen wa‘ denn jetz‘ hia wieder uff?“

In meiner neuen Abteilung stellt sich jede Woche ein Kollege/in mit einem kurzen Steckbrief vor. Virtuell natürlich. Irgendwann waren wir die Reihe durch und es ergab sich folgender Wortwechsel.
Chef: „Who will present next time?“
Mitarbeiter: „We are through, no one left.“
Techno-Dino: „We could start again, but then may be with the B-Sides.
… Mit dieser kreativen Formulierung wollte ich ausdrücken, dass es ja vielleicht noch weitere interessante Stücke gäbe. So wie halt auf der B-Seite einer Schallplatte oder Musikkassette …
Mehrere Augenpaare unter 30 Jahren schauen mich fragend an.
Mitarbeiter: „B-Side? Never heard. What‘s that.“

Ich glaub’ ich werd‘ alt.

Rundgang durchs Museum. Abteilung Techno-Dinosaurier:

430) Geschichten vom Techno-Dino – Vol 1

Ich möchte mich durchaus als technisch aufgeschlossenen Menschen bezeichnen. Ich stelle mich zwar nicht des Nachts vor ein Apfel-Geschäft und muss auch nicht jeden Scheiß mitmachen, aber wenn die Technik Sinn macht, bin ich gern dabei.

Wer gern noch mal nachlesen will, bitte gern —> Aus der digitalen Mottenkiste. 

Aber manchmal komme ich mir dann halt doch vor wie ein alter Techno-Dino. Hier fünf gesammelte Kommunikationsfetzen der letzten Zeit. Weitere werden folgen 😉

Großes Kind: „Kannst mir mal die Mail-Adresse sagen?“
Techno-Dino: “sowieso@yahoo.de“
Großes Kind: „Jahu … was? Wie schreibt man das?“

Techno-Dino: „Wie soll ich dir das schicken? What’s App, Threema, Mail?“
Stammhalter: „Mail? Nee, da guck‘ ich nich‘ rein.“

Zusammen mit dem großen Kind blättere ich im Papier-Katalog des Wein-und Spezialitätenlieferanten aus der Toskana.
Techno-Dino: „Als du noch klein warst, da waren wir mal dort. Haben einen Bollerwagen voll Wein gekauft, habe dich sogar oben auf die Kisten gesetzt.
Großes Kind: „Echt? Sieht schön aus da.“
Techno-Dino: „Ich glaube ich bestell‘ uns was schönes.“
… in diesem Moment rutscht der Bestellzettel aus dem Katalog und fällt zu Boden …
Großes Kind: „Wie? Kann man das einfach so ausfüllen?“

Ich gehe mit dem Stammhalter zum roten Elektro-Markt, will mich nach einem Headset umschauen. Der Stammhalter zeigt mit der Hand ans andere Ende des Ladens.
Stammhalter: „Da lang. Headsets. Da steht‘s.“
Techno-Dino: „Häh? Wo denn?“
Stammhalter: „Na daaaaa! Auf dem Schild steht‘s doch.“
Techno-Dino: „Mein lieber Sohn, da steht Herdsets“.
Stammhalter: „Was ist das?“

Seit Jahren bekommt die kleine Omma immer eine Postkarte von uns aus dem Urlaub. Manchmal gelingt es mir, diese Aufgabe an die mitreisende Jugend abzudrücken.
Techno-Dino: „Magst du die Karte schreiben?“
Großes Kind: „Kann ich machen.“
Techno-Dino: „Ach und dann noch die Marke draufpappen.“
Großes Kind: „Schreiben tu ich gern, aber ich leck‘ die Dinger nicht an.“

Fortsetzung folgt …

Rundgang durchs Museum. Abteilung Techno-Dinosaurier:

359) Die neue Auto-App

Das Urlaubs-Auto war voll gestopft mit Elektronik, ständig bimmelte, gongte und leuchtete etwas und verlangte meine Aufmerksamkeit. Vorbei die Zeit von „Aufschließen, Einsteigen, Anmachen, Losfahren.“ Was die heute alles so an Elektronik in die Autos packen … meine Güte.

Wo das wohl mal noch hinführen wird:

  • Atlas unterm Sitz ist out, macht die Navi-App
  • Schlüssel braucht man nicht, übernimmt die Finger-Print-App
  • Kleingeld in der Mittelkonsole unnötig, macht die Park-App
  • Tankloch bald überflüssig, läuft über Volt-App
  • Türgriffe nicht aerodynamisch, also Private-Key-App
  • Sanifair-Bons fliegen im Auto rum, ab in die Wallet-App
  • Rückspiegel machen das Auto breit, also Kamera-App
  • Innenbeleuchtung teuer, nun Taschenlampen-App
  • Sani-Kasten kostet Geld und läuft ab, besser Health-App
  • Armaturenbrett muss man putzen, Armaturen-App
  • Lenkrad völlig überbewertet, wischen über Wheel-App
  • Motorgeräusche gibts nicht mehr, geht mit Vintage-Sounds-App
  • Frontscheibe teuer, nun also Windows-App, stürzt hoffentlich nicht ab
  • Reiseproviant vergammelt schnell, also besser Apple und Cookies mitnehmen

Irgendwann besteht das ganze Auto nur noch aus Apps, dann baut man keine Elektronik mehr in die Autos rein, man schraubt einfach vier Räder an eine App. Die Auto-App. Aber immerhin darf ich noch selber „fahren“ 😉

Und all das braucht Strom …
.. ach herrje …
… Spielverderber!

PS: Also ich muss mich jetzt ja mal selber loben … das mit Windows, Apple und Cookies … ist schon genial und verdient APPlaus.

269) Digitales Lernen 1 – Eine Bestandsaufnahme

Schon wieder sitzen wir im Distanzunterricht. Nein, nicht wegen Corona, sondern weil es in der Schule gebrannt hat und bis auf Weiteres dort nicht unterrichtet wird. So etwas kann man schlecht vorhersehen, genauso wie die Pandemie, heißt es da schnell. Das stimmt schon, aber man kann sich darauf vorbereiten, seine Hausaufgaben machen.

Aber schon wieder läuft der Distanz-„Unterricht“, extrem schleppend an. Wieder finden Videokonferenzen extrem selten oder gar nicht statt, wieder tröpfeln Aufgaben sehr unsortiert über die Lernplattform zu den Kindern, wieder sind Abgabetermine schwer zu erkennen, wieder führt man parallel Listen, um nicht den Überblick zu verlieren. Für Kinder und Eltern eine Zumutung.

Ich habe schon in >Corona-Lektion 17, >Corona-Lektion 77 und >Corona-Lektion 79 meinen Frust dazu abgelassen.

Diesmal will ich aber gar nicht so sehr schimpfen, sondern offen drüber nachdenken und diskutieren. Ich kann dabei nur aus der Erfahrung mit zwei Gymnasien und einer Grundschule in Berlin sprechen und habe auch nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen. Ich bin kein Bildungsexperte, arbeite aber seit Jahren in virtueller Umgebung, mit viel Distanz, sowohl räumlich, sprachlich und kulturell. Leser oder Leserinnen arbeiten vielleicht selber an einer Schule oder kennen sich in der Thematik besser aus. Fühlt euch frei, zu kommentieren oder zu korrigieren.

In dem heutigen Beitrag will ich etwas über die aktuelle Situation schreiben, wie ich sie so wahrnehme. In einem zweiten Beitrag dann über mögliche Ursachen und Hindernisse nachdenken, in vielleicht einem dritten Beitrag mögliche Ideen einbringen. Mal sehen, ich will mich da noch nicht festlegen.

Bestandsaufnahme:

Das Haupt-Problem scheint mir zu sein, dass man das Digitale Lernen von zu Hause überhaupt nicht haben, ja nicht mal denken, will. Schon beim Begriff Homeschooling schrillten die Alarmglocken, weil Homeschooling (also Hausunterricht) eine besondere, aber möglich Form von Unterricht durch Privat-Lehrer oder Eltern ist (siehe Wiki) weil es an einem Ort z.B. keine Schule mit deutschem Lehrplan gibt. Dann wurde hastig der Begriff Distanzunterricht entwickelt, aber nur, um die geltende Schulpflicht zu unterstreichen und die Lehrkräfte offiziell in Verantwortung zu haben, statt Eltern oder eben Privatlehrer in der Ferne. Dass Unterricht in häuslicher Umgebung kein Dauerzustand sein soll, ist glaube ich jedem klar, aber deshalb die Option komplett zu ignorieren oder zu verschleppen, ist aus meiner Sicht der falsche Weg.

Und weil das Digitale Lernen scheinbar nicht gewollt ist, haben auch die Lehrkräfte einerseits wenig Rückendeckung, neue Lernmethoden zu probieren, aber auch wenig Motivation sich dieser Herausforderung zu stellen. Nicht falsch verstehen, es gibt Lehrkräfte die sind da super-engagiert, ich kenne aber auch genügend, die bei dem Thema gern den Kopf einziehen. Als ich Anfang November 2021 in einer Elternversammlung saß und dort die Frage von Eltern kam, wie man sich denn auf einen  möglichen weiteren Lockdown vorbereitet, kam nur Achselzucken und eine Antwort á la „Wir denken nicht über solche Eventualitäten nach, stattdessen konzentrieren wir uns lieber auf die Vermittlung von Stoff, so lange es geht“. Das klingt im ersten Schritt logisch, ist aber exakt die Haltung, die uns in die Corona-Misere geführt hat. Auch da wusste man vorher, dass es Pandemien geben wird. Ähnlich bei der jüngsten Wetter-Katastrophe mit vielen Toten und gigantischen Schäden im Westen Deutschlands. Auch da war erkennbar, dass solche Unglücke passieren werden, dass Häuser an gefährlichen Stellen stehen, weil Flüsse zu stark eingeengt wurden etc. Aber dann begräbt man die Toten und bebaut das Gebiet wieder, weil es ja ein „einmaliges Ereignis“ war. Aber ich schweife ab.

Wenn Unterricht vor Ort nicht funktioniert, kann das zum Beispiel wegen einer Pandemie, aber auch wegen eines Brandschaden oder Rohrbruchs sein. Es können aber auch gewöhnlichere Ereignisse sein. Lehrkräfte fallen mal aus oder müssen auf Weiterbildung, es gibt Bauarbeiten im Gebäude, der Nahverkehr streikt, es gibt Unwetter oder Hitzewellen. Und leider gibt es auch ganz schlimme Anlässe wie z.B. Terror-Anschläge und Amokläufe.

Aber schauen wir nicht nur auf die Einmal-Ereignisse, sondern auch auf alle anderen Gründe, warum Schulen nicht begehbar oder schwer erreichbar sind. Denken wir an den ländlichen Raum, wo zwischen Wohnsitz und Schule täglich viele Kilometer zu fahren sind, denken wir an gehbehinderte oder sonstig eingeschränkte Kinder, oder Kids die für Wochen ans Bett gefesselt sind, weil sie sich ein Bein gebrochen haben. Und denken wir bitte auch an die banale Erkältungswelle, wo es eigentlich vernünftig wäre, nur mal ein paar Tage Abstand zu halten. Und da haben wir noch gar nicht über Reduzierung von Verkehr und Schulbussen gesprochen oder von der Frage, warum Kinder eigentlich jeden Tag um 06:30 Uhr aufstehen müssen.

Warum reite ich so lange auf all diese Gründen herum? Eigentlich nur, um deutlich zu machen, dass es diverse gute Gründe gibt, sich dem Thema zu stellen. Wie auch an anderen Stellen, hat Corona die Mängel hier „endlich“ sichtbar gemacht, Corona ist aber nicht der Grund für Distanzunterricht und man soll bitte nicht so tun, als kämen wir schon irgendwie durch die Pandemie und dann ist alles wieder gut. Nichts ist gut.

Denn immer wenn ein solche Situation auftritt, und ich glaube künftig häufiger, dann entsteht eine planlose Hektik, weil durch dieses „unvorhersehbare“ Ereignis der Unterricht spontan „irgendwie“ ins Netz verlagert werden muss. Das erzeugt extreme Reibung, vertrödelt wertvolle Zeit und sorgt für zahlreiche Konflikte zu Hause, die eigentlich überhaupt nicht sein müssten, wenn man Schule komplett digitalisieren würde.

Ich meine explizit nicht die Abschaffung von Präsenzunterricht, ich meine eher, den Lernstoff komplett digital vorzuhalten und so aus der Schule oder aus der Distanz abrufbar zu haben. Dann wäre es völlig egal, warum das Schulgebäude nicht betreten werden kann und der Unterricht kann in wenigen Stunden woanders hinverlagert werden. Wir dürfen nicht analogen Unterricht planen und ihn dann kräftezehrend, zeitweise digitalisieren. Wir müssen grundsätzlich digitalen Unterricht planen, selbst wenn ein Großteil des Jahres Präsenzunterricht herrscht. Nur so kann es gehen. Nur so werden wir flexibel, agil und resilient. Nur so kann Inklusion von Benachteiligten funktionieren, nur so kann auch das Bildungswesen einen Beitrag zur Verkehrsreduzierung leisten.

Fazit für heute:

Warum tut man sich in Deutschland nach zwei Jahren immer noch so schwer?

Darüber will ich im nächsten Beitrag nachdenken.

Die anderen beiden Beiträge der Reihe:

271) Digitales Lernen 3 – Ein paar Ideen

Mit >Beitrag 1 der Reihe habe ich die Situation zum Digitalen Lernen an unseren Schulen aufgenommen, in >Beitrag 2 dann überlegt, wo eigentlich das Problem liegt. Wer beide noch nicht…

308) Digitales Lernen 4 – Konzepte

Nach dem ich den Beitrag >Digitales Lernen – Teil 3 zu Beginn des Jahres veröffentlicht hatte, begab ich mich auf Netz-Recherche. Ich wollte wissen, welche Maßnahmen dazu so in der…