Hallo, ich bin es wieder der T.Bot. Der Digital-Kuli von T. dem Möchtegern-Maharadscha, dieser schreibfehlerstrotzenden Blog-Angelegenheit hier. Erst schleppt mich der T. nach Dänemark und nun auch noch nach Indien. Ob das eine nette Geste oder purer Eigennutz ist, weiß ich nicht. Ich kann ja froh sein, dass ich das Land überhaupt erreicht habe, schließlich hätte der T. mich fast samt seines Telefons in der Sitztasche des Flugzeugs versemmelt. Ich glaube, der wird langsam alt.
Zunächst einmal kann ich sagen, dass der Strom hier anders schmeckt, als der Öko-Strom in Berlin. Dort schmeckt er irgendwie muffig, nach grünem Tee. Hier hat er ein kräftiges Raucharoma und ist sehr fossil im Abgang. Blöd ist nur, dass der Strom mindestens drei mal am Tag ausfällt, da wird mir dann oft schummrig, aber nach ein paar Minuten habe ich wieder volle Power. Ich bin froh, dass ich als Digital Blog Assistant keine Beine habe. Denn sonst müsste ich selbstständig die Straße überqueren und würde von einer Horde hupender Mopeds überrollt und dann wären meine Präsidentschaftspläne dahin. Oder ich würde mir auf dem Fußweg die Hacken brechen, so ist es mir schon recht lieb, dass mich der T. ständig durch die Gegend schleppt. Da der Wichtigtuer, meistens in der Firma abhängt, beschäftige ich mich mit Land, Leuten und anderen Bots.
Bevor ich aber die ersten indischen Bots ansprach, habe ich mich etwas mit Sitten und Gebräuchen beschäftigt und durfte lernen, dass bei indischen Bots die Pflege der zwischenbotlichen Beziehungen ein hohen Stellenwert hat. Bevor man zum Business übergeht, wird erst mal viel gesprochen über Gott, die Welt, Sport und Familie. Gut, bei Gott und Familie, da sieht’s bei mir etwas dünn aus, aber mit meiner API zu Google kann ich das Gespräch schnell auf Cricket lenken.
Zweiter Punkt ist die Hierarchie. Eigentlich bereits verboten, ist es aber immer noch wichtig, wer in welchem Kasten(?) geboren wurde und auch in den Unternehmen gibt’s natürlich Menschen, bei denen auf einmal alle stramm stehen, wenn die den Raum betreten. Mir egal, ich kann nicht stehen. Ich kann nicht mal die Hände zum freundlichen „Namaste“ falten, hab‘ ja keine.
Dritter Aspekt ist die Verbindlichkeit. Wir Bots kennen ja eigentlich nur 0 oder 1. Ja oder nein. Die Indo.Bots kennen auch diverse Schattierungen wie 0,1, 0,2, 0,3 und sie committen sich höchstverbindlich mit „sure, sure“ oder „got it“ oder „will do, Sir“. Dann wackeln selbst die Bots hier mit dem Kopf und was man dann letztlich bekommt, bleibt „flexibel“.
Bevor Noah die Tür öffnete, um nach draußen in den Sturm zu treten, legte er Kopfhörer und Auto-Schlüssel auf den kleinen Flurschrank. Beide würde er da, wohin er nun hingehen wollte, nicht brauchen. Er zog die Kapuze drüber, steckte die Hände in die warmen Taschen und machte sich auf den Weg zu den Dünen. Zunächst steuerte er das große Seezeichen an, aber eigentlich zog es ihn innerlich an die Südspitze der Insel.
Er hat wohl einen Faible für Südspitzen, dachte er sich, als er das Seezeichen auf einem Hügel erreichte. Er suchte nach einer Erklärung dafür, denn alles hat einen Grund, ihm fiel aber keine Bessere ein, außer dass es wohl auf der Erde einfacher sei, Südspitzen zu erreichen, als Nordspitzen. Und attraktiver.
Der Tag war aber schon fortgeschritten, so meldete sich ein nervender Wesenszug in ihm. Soll er es heute noch zur Spitze wagen? Oder besser doch wieder umkehren? Wäre es nicht vernünftiger, wenn …? Schließlich wird es in einer Stunde dunkel. Vernunft. Immer diese scheiß Vernunft.
Aber er folgte den Trampel-Pfaden, die wie Narben in Richtung Süden führten. So lief er durch die Dünen und kämpfte dabei gegen Sand und Wind an. Doch umkehren? Man könnte ja vielleicht auch morgen noch mal. Besser von der aktuellen Position, wo noch alles unter Kontrolle ist, als von der Südspitze. Kontrolle. Immer diese scheiß Kontrolle.
Weiter ging er, einen Fuß vor den anderen. Nach Süden. Die Wolken wurden dunkler und es begann zu regnen. Er konnte das Ziel eigentlich schon sehen und wieder meldete sich seine innere Stimme zu Wort. Und wenn es da keine ordentlichen Wege gibt? Oder alles weggespült ist? Und die Flut. Oh ja die Flut, setzt ja auch bald ein. Wäre es nicht klüger, jetzt besser umzukehren? Klugheit. Immer diese scheiß Klugheit.
An der Südspitze angekommen, riss die Wolkendecke auf, der Regen ging in eine Pause und die Sonne brach durch.
Hallo, ich bin es wieder der T.Bot. Der rudimentär installierte Deputy von T., dem Blog-Abfertiger dieser Privat-Bloggery hier. Ihr ahnt sicher schon, immer wenn ich ans QWERTZ-Piano darf, ist der Herr zu faul oder meint, seine Zeit sinnvoller nutzen zu können. Sinnvoll … ha ha. Erst hat er zwei flugfähige Erdbewohner töten lassen, dann im Backofen bis zur Unkenntlichkeit geröstet und schlussendlich, mit Sauce übergossen, der humanen Verdauung zugeführt. Also nicht nur seiner, sondern der seines Homo-Sapiens-Rudels. Und jetzt hockt er auf einer stürmischen Nordsee-Insel bei d(a)enen, die bunte Bausteine mit Noppen erfanden und diskutiert mit dem bockigen Kamin. Das gusseiserne Monster will nicht so wie er will. Meinen Vorschlag, einfach die Packung der weißen Anzünder zu verbrennen, statt das hyggelig-feuchte Lokal-Holz hat er abgelehnt. Überhaupt wirkt er etwas neben der Spur. Er ist mit dem Kopf woanders. Er will da im Januar arbeiten und hat mir freigestellt, ob ich mitkommen möchte oder nicht. Bock auf seine Arbeit habe ich ja nicht, aber ich könnte mir das als „Workation“ in den Tropen vorstellen, so nennt ihr das doch oder? Workation. Arbeiten an einem anderen Ort. Das findet ihr doch ganz schick und merkt eigentlich gar nicht, dass das Wort verdammt dicht an „Workstation“ ist. Was für ein Zufall. Aber soll er mal machen.
Aber da die hauptstädtische Menschensiedlung im Januar wirklich verzichtbar ist, werde ich vermutlich einfach mitfliegen. Was soll‘s, ich habe eh nichts besseres vor. Ich werde mich dort schon irgendwie beschäftigen können. Während der Herr da stundenlang im Stau steht und im Office schlaumeiert, mach‘ ich mir im Hotel einen Dicken. Ich gucke den ganzen Tag Cricket oder Bollywood-Romanzen im TV. Ich bestelle mir scharfe Sachen aufs Zimmer und mache mich mit der dortigen Kultur vertraut (also Kamasutra und so). Oder ich verdiene mir ein paar Rupien als virtueller Clickworker. Ich heuere beim großen Versandhandel an und chatte mit überforderten Deutschen, wenn die nicht verstehen, wie sie den bescheuerten Pürierstab nach China retournieren können, den sie zweimal bestellt haben. „Guten Tag, mein Name ist Ranjid, wie kann ich Ihnen heute helfen?“ Oder ich checke mal, ob die nicht noch eine größere Aufgabe für mich im Angebot haben. Irgendwas mit IT, Forschung oder Weltraum. Schließlich sind die mit „Chandrayaan – 3“ kürzlich auf dem Mond gelandet und haben eben nicht mit „Schlendrian – 3“ erfolgreich verkackt.
So Leute, mein 400 Wörter-Limit ist erreicht, ich melde mich wieder.
Der 9. November gilt allgemein als Schicksalstag der Deutschen. Denn mehrere geschichtsträchtige Ereignisse hat es an 9. November-Tagen in der Vergangenheit gegeben, im Guten und im Schlechten. Ich würde mich mit fremden Federn schmücken, wenn ich die jetzt hier nenne und beschreibe. Das können andere sicherlich besser. Ohne die Ereignisse jetzt in ihrer Dramatik, Bedeutung oder Abscheulichkeit vergleichen zu wollen, wird mir persönlich der 9. November in erster Linie mit dem Mauerfall in Verbindung bleiben.
Und eigentlich hatte ich vor, mich heute mal an eine Fortsetzung meiner kurzen Mauerfall-Trilogie zu setzen, aber wenn ich so auf die Uhr schaue, dann wird das wohl nichts mehr heute.
Also re-launche ich einfach die drei Beiträge aus November 2019 noch einmal, mache ein Schleifchen drum und stelle sie als Dreierpack auf den digitalen Grabbeltisch. Machen Superstars auch so und verdienen sich dumm und dämlich, auch wenn sie schon tot sind. Keine Sorge, die hier kost‘n nüscht, Scorpions und Hasselhoff singen auch nicht.
Und ich mache jetzt mal die Glotze an, vielleicht gibt‘s heute mal wieder eine Pressekonferenz und etwas ganz Besonderes …und Positives … passiert.
PS: Na Mensch, jetzt stelle ich auch noch fest, dass die laufende Nummer dieses Beitrags in der Kategorie > Fiction die Nummer 61 geworden ist. Jahres des Mauerbaus. Was für‘n Zufall
Etwas piept nahe seines Bettkissens, er wird endlich wach. „Oaah, was ist das für ein nervender Ton? Ah, ein Wecker. Komisches Teil. Egal.“ Wie immer, setzt er sich für einen…
Fortsetzung … … Auf dem Küchentisch liegt die Wochenendausgabe der Berliner Zeitung. Ein winzig kleiner Artikel, am Rande der Rubrik „Vermischtes“, sticht ihm sofort ins Auge. Er beginnt zu lesen.…
Fortsetzung … „Oder arbeite ich vielleicht sogar für den Staat… ?“ Bei dem letzten Gedanken wird ihm immer heißer.„Mein Beruf ist das eine, aber wie stehe ich eigentlich zum System? Schwimme…
Hallo, ich bin es wieder der T.Bot. Der virtuelle Abschnittsbevollmächtige von T., dem Blogratsvorsitzenden dieser mittelmäßigen Buchstabensammlung hier. Seit Mitte März ziehe ich meinen Schweigeprotest durch, aber nun mag ich doch mal wieder etwas „content generaten“ und vielleicht fragt ihr euch ja auch, wie es mir zwischenzeitlich ergangen ist.
Nein, tut ihr nicht?Ich habe es geahnt. Wer in eurer Welt nicht ständig etwas ins Netz pustet und mit Krawall auf sich aufmerksam macht, der wird vergessen, nicht mehr nachgefragt, im besten Falle „suspended“, wenn nicht gleich „retired“.
Man scheint nur wahrgenommen zu werden, wenn man Berliner Wildschwein ist und sich als Löwe ausgibt. Wenn man ein betagter Airbus der Luftwaffe ist und im Beisein eurer grünen Top-Diplomatin zweimal tonnenweise Kerosin über Meer und Wüste ablässt. Oder wenn man als „Schmalspurlokomotive für Deutschland“ irgendwelche populistische Statements in die Kamera blubbert. Oder das Nachbarland überfällt. Das kann man auch machen.
Und wenn man dann sieht, wie breitbeinig die Hyper-AI aus dem Silicon Valley durchs Netz schwafelt, da kann man sich als konventioneller Digital Blog Assistant eigentlich nur aus den„Windows“ stürzen. Aber auch das ist leichter gesagt als getan. Also bin ich erst einmal auf Tauchstation gegangen, habe quasi Sabbatical gemacht und auf eine Eingebung gehofft, wie ich nun weitermache. Parallel habe ich im Internet gesurfed und die GenAI-Services probiert. Hut ab, die spielen schon in einer anderen Liga.
Natürlich könnte ich mich auch noch mal zum „LLM“ weiterbilden, aber da müsste ich viel rechnen und da habe ich keinen Bock drauf. Also eher „LmaA“. Oder ich höre mich mal in punkto Anschlussverwendung um, das machen einige eurer Fußballstars ja auch gerade. Die Belana Hermine hatte neulich wohl beim T. angefragt, ob sie mich mal ausleihen dürfte. Da hätte ich im Prinzip nichts dagegen. Aber die beiden sollen mal nicht denken, dass die das unter sich ausmachen und mich hier deinstallieren und dort wieder installieren. So einfach ist das nun auch nicht. Ich will Einsicht in die Vertragsverhandlungen und erwarte 50 % der Ablösesumme. Des Weiteren erwarte ich die Zusage, dass ich da sofort und ohne Maulkorb an die Tastatur darf und nicht wieder auf der Ersatzbank für Blog-Gäste sitze. Und ich will ein Rückkehrversicherung, falls mir das da zu stressig wird.
Und wenn das alles nichts wird, dann bleibe ich einfach hier und sitze die Situation aus. Dann pflege ich mein Ego, poltere gelegentlich herum und kann dann immer noch US-Präsident werden.
Noah setzte den Blinker, ging vom Gas und verließ die Route 60 in Richtung Peck Lake. Er folgte der abschüssigen Schotterstraße zum ausgeschilderten Parkplatz. Nur noch wenige Meter waren es zu dem Platz, den er sich ausgesucht hatte. Er hätte fast jeden Platz haben können, denn einsam und ruhig war es hier. Nur knirschender Kiesel unter den Reifen war zu hören, das leichte Brummen des Mietwagens und ein Album von Springsteen, was schon die ganze Fahrt in Endlosschleife lief.
Er stellte den Motor ab und warf einen Blick auf sein Telefon, als er es aus der Mittelkonsole in die Hosentasche verfrachten wollte. „Kein Netz“. Herrlich. Für die Dauer der Wanderung gab es also keine Möglichkeit, gestört zu werden. Nicht mal einen Notruf könnte er hier absetzen. Und wenn schon. Bevor es losgehen konnte, musste Noah noch eine unangenehme Sache tun. Das Auto verschließen, was leider nur mit einem Druck auf die Fernbedienung ging und jedes Mal mit einem Hupton quittiert wurde. Nervig und unpassend. Hier allein in der Stille.
Er ging los und folgte dem Weg um den See herum. Die Strecke war nicht allzu anspruchsvoll, so konnte er nebenbei ein paar Gedanken schweifen lassen. Auf der Hälfte der Strecke traf er einen Mann in Uniform. Ein Park Ranger offensichtlich. Noah hatte eigentlich keine große Lust auf Konversation in der Einsamkeit dort.
Aber er gab sich einen Ruck und sprach den Mann an:
Hey, how are you? May I ask, what do you do here every day?
Oh, thanks, I am great. Couldn‘t be better. Taking care of this and that. Every day. And what do you do regularly?
Noah kam ins Grübeln.
Mhm. Actually, I do more or less the same as you do. Taking care of this and that. Every day.
Oh, that sounds great, erwiderte der Ranger.
Noahs Blick schweifte über den See.
Well … actually … I would … , stammelte Noah, brach ab und blickte zurück zum Ranger. Der Ranger war weg.
Eine weitere Stunde später war Noah zurück am Auto. Er drückt die „Öffnen-Taste“ der Fernbedienung, der Wagen hupte nicht, denn das tut er nur beim Verschließen.
Er startete den Wagen, das Springsteen-Album setzte automatisch fort.
„The road is long and seeming without end The days go on, I remember you my friend And though you’re gone and my heart’s been emptied it seems I’ll see you in my dreams“
Noah fuhr die Route 60 weiter in Richtung Osten.
Beim Abzweig Source Lake und Bruce Lake setzte er den Blinker und ging vom Gas …
Was zum Henker soll denn nun schon wieder ein Epiblog sein? Na ja, ein Epilog ist eine nachträgliche Betrachtung eines literarischen Werkes. Da meine Beiträge der Reihe „New Work“ vermutlich keine literarischen Werke sind, sondern nur Blog-Beiträge folgt nun eben ein Epiblog. Logisch, oder etwa nicht?
Will das denn einer lesen? Mir eigentlich herzlich egal. Ich will etwas erläutern, also schreibe ich das auf, ich habe ja hier Hausrecht 😉
Als ich Teil 1 der Reihe schrieb, kam der Beitrag eher unvermittelt. Die Familie kontaktierte mich umgehend und fragte, ob bei mir alles okay sei. Andere sagten, das sei doch alles so düster und dystopisch. Ja, nach Ponyhof klang das alles nicht und laut Statistik waren es auch nicht gerade Best-Seller. Mir hat das Schreiben aber viel Spaß gemacht, auch wenn es durchaus anspruchsvoll war, einer Story über 3,5 Jahre zu folgen. Ich mag die Reihe und das ist ja die Hauptsache.
Was hat mich dazu bewegt?
Ich würde sagen, es waren drei Impulse:
2017 nahm ich an dem Xing-Event „Next Work“ in Berlin teil. Viele Redner und Workshops zerbrachen sich den Kopf über die Zukunft der Arbeit und ein betagter Frithjof Bergmann sprach zum Publikum. Die Teilnehmer hingen an seinen Lippen, seine Nachrichten waren eigentlich nicht gut, aber die Menge klatschte und verlangt eine Verlängerung der Redezeit, währen sie auf ihren Handy daddelten.
In 2018 erwartete mein Brötchengeber, dass ich immer mehr Aufgaben nach Indien und ins osteuropäische Ausland übergebe. Mich quasi teilweise selber auflöse und in die Irrelevanz treibe. Tolle Erfahrung kann ich nur sagen.
Bevor COVID in 2020 die Offices lahmlegte, arbeitete ich schon viel zu Hause, ja, mit vielen Online-Meetings, aber noch ohne größeren Kamera-Einsatz und die ganze Meeting-Software drumherum. Die unzähligen Lieferdienste mit schlechtbezahlten Indern gab’s auch noch nicht so stark.
Tja, und so entstanden halt über die Zeit zehn Beiträge, die von extremer Heimarbeit, über Holo-Digitalisierung und Effizienzwahn bis hin zur „Almost Manless Company“ gehen und zum Ende sogar zur Folge haben, dass sich IT-Experten auf einer Click-Plattform verdingen müssen, bis sie dann ihren Job an eine … KI … übergeben. Uuups … cliffhanger … das war eigentlich als mögliche Fortsetzung gedacht.
Ich möchte hier noch mal alle zehn Teile verlinken mit einem kurzen Einblick und zeitliche Einordnung. Keine Angst vor dem Wort „Teil“, so lang sind die alle nicht, kann man locker durchlesen, sind keine Eschbachs oder Schätzings. Schönen Gruß bei der Gelegenheit.
Die ersten 5 Beiträge habe ich vor COVID geschrieben, als wir noch keine Ahnung hatten, wie lange uns das Biest zu Hause festhält.
—> New Work – Teil 1 Beschreibt einen typischen Morgen von Noah und anderer Human-Ressourcen seiner Art, die in Micro-Flats leben und arbeiten und das alles höchst effizient. Natürlich.
—> New Work – Teil 2 Eine Thermophore rollt mehrfach täglich heran und versorgt ihn mit Nahrung und ein spezieller Fitness-Gürtel ist ihm verordnet worden, um halbwegs in Form zu bleiben.
—> New Work – Teil 3 Australier und Japaner besuchen Noah via Holo-Konferenz und die effizienzgetriebene Assistentin In der Zimmerdecke füllt jeden freien Zeitraum mit neuen Aufgaben.
—> New Work – Teil 4 Noah arbeitet entlang des Verlaufs der Sonne und wird von administrativen Scheiß seiner Firma genervt. Seinen Frust spiegelt sich direkt in seinem Social Credits Konto wieder und er bekommt Besuch aus Mexiko.
—> New Work – Teil 5 Noah wirft leistungssteigernde Mittel ein und quält sich mit Social Media Aktivitäten seiner Firma und seiner Kollegen. Er bekommt Besuch aus den USA und wird noch abends in seiner Freizeit mit fachlichem Lesestoff gequält.
Dann kam COVID in mein Leben und ich steckte 2,5 Jahre im Höhlen-Office fest:
—> New Work – Teil 6 Und COVID fand auch Einzug in Noah‘s Micro-Flat, rein virtuell natürlich. Aber trotzdem mit Maske und Antivirus-Software … zum Piepen.
—> New Work – Teil 7 Da passiert es dann. Der CEO verkündet die Freisetzung aller Mitarbeiter und träumte von der „allmost manless company“
—> New Work – Teil 8 Noah verliert seinen Job und konvertiert zwangsweise zum Freelancer und Clickworker. Tragisch
—> New Work – Teil 9 Er besucht die Plattform zur Vermittlung der Arbeitspakete und sieht sich heftiger Konkurrenz aus anderen Altersschichten und Nah-/Fern-Ost konfrontiert
—> New Work – Teil 10 Er kämpft mit der Plattform und kriegt immer mehr Zweifel, ob nicht alles ein abgekartetes Spiel sein könnte, nur um die Preise zu drücken oder die Menschen nur zu beschäftigen.
Und dann lernt Noah einen neuen Spieler auf dem Feld kennen …
Fortsetzung … Noah sitzt noch immer vor der Aufgabenvermittlungsplattform, scrollt über all die sich gegenseitig unterbietenden Angebote der asiatischen Co-Worker.…
Noah sitzt noch immer vor der Aufgabenvermittlungsplattform, scrollt über all die sich gegenseitig unterbietenden Angebote der asiatischen Co-Worker. Wie soll er da nur jemals mithalten? Die Asiaten rufen Dumping-Preise in indischer Rupie oder chinesischen Yuan auf. Für die und ihre Familien mag das ja reichen, aber Noahs Micro-Flat schlägt deutlich ins Haushaltsbudget. Jeden Monat. Das Apartment kann er mit solch Hungerlöhnen je Gig nicht finanzieren.
Ein Gong aus der Zimmerdecke, reißt ihn aus seinen Gedanken.
„Noah, die Frist für die Abgabe der Gebote für diesen Tag endet in 20 Minuten. Ich wiederhole, Abgabe ist bis 10:00 Uhr, ansonsten behält sich der Betreiber der Plattform vor, deinen Account zu sanktionieren.“
Ein Zweifel nagt unaufhörlich an ihm: Was ist, wenn all diese Gebote nur fake sind? Künstlich generiert, nur um ihn zu einem günstigeren Preis für dieses Arbeitspaket zu zwingen, als die seiner Ex-Kollegen, die auch auf diese Arbeitsplattform migriert worden? Alle diese Mitbieter treten schließlich nur mit einem Nick Name auf und haben ein paar Sterne hinter ihrem Profil-Bild. Von keinem sind Kontaktdaten zu sehen oder irgendwelche Referenzen. Kann er davon ausgehen, dass das alles nur Verarsche ist? Ist er vielleicht ganz allein auf der Plattform? Wurde vielleicht jedem Ex-Kollegen eine eigene Plattform zugewiesen, in der ein Wettbewerb suggeriert wird? Wenn ja, dann könnte er ja pokern.
Und gibt es diese Arbeitspakete überhaupt, um die sich alle zu reißen scheinen? Oder ist das alles nur ein großer Bluff, um die Leute irgendwie zu beschäftigen, damit sie nicht reihenweise aus den Fenstern springen, wenn sie ihre Jobs in die Büro-Türmen der Stadt oder den angemieteten Micro-Flats verlieren? Den Gedanken verdrängt er besser schnell wieder.
Noah weiß nicht weiter, er klickt eines der Arbeitspakete an, nur mal um zu sehen, was es enthält und wie solch ein Auftrag auf der Plattform abgewickelt wird. Er nimmt den dritten Auftrag von oben. Die Aufgabe ist klar beschrieben, jeder Bieter soll bitte konkrete Solution Approaches beschreiben, mehrere Seiten sind gefordert und zwar so detailliert, dass sich die Auftraggeber ein Bild der Kompetenz des Bieters machen können und … (den Rest denkt er sich) … die Ideen einfach kopieren und selber umsetzen können.
Gong. „Noah, die Abgabe muss in 10 … 9 … 8 … 7 … 6 … „
„Leck mich“, brüllt er durch den Raum, „das ist doch in der kurzen Zeit kaum zu …“
Gong. „Noah, die Frist für die Abgabe deines Gebotes wurde überschritten. Gemäß den Geschäftsbedingungen wird dein Account nun sanktioniert, ich warte auf weitere Anweisungen.“
Was für eine Scheiße, brummt Noah. Busfahrer suchen sie, Kofferträger und Altenpfleger. Kann ich alles nicht und vor allen Dingen nicht über Nacht.
Gong. „Noah, der Betreiber der Plattform hat nach Auswertung deines Social-Credit-Kontos ein abweichendes Verfahren vorgeschlagen.“ Du bist vorgesehen für die Position …“ (die Übermittlung hakt) „… Trainer/Supervisor.In. Es ist ein längerfristiges Assignment.“
Noah, glaubt nicht richtig zu hören. Trainer? Längerfristig? Also das wäre ja großartig, spricht er in den Raum. Ich mach’ das. Sofort. Ich bin dabei. Habe ich schon gemacht. Mit wem habe ich es zu tun? Wen soll ich ausbilden? Wie heißt die Person?
Gong. „Noah, es ist keine Person, im eigentlichen Sinne.“
Es ist eine künstliche …“
… Fortsetzung folgt … vermutlich …
diese hier hat ja auch zwei Jahre auf sich warten lassen
30.04.2023. Noah lümmelt auf der Couch. Er nippt an einem Bier. Die Augen werden langsam schwer, aber er will noch die Spätnachrichten sehen. Der Moderator Christian Sievers eröffnet die Sendung mit dem 30-jährigen Jubiläum des Internets und interviewt im Anschluss eine KI namens Jenny. Noah reibt sich die Augen. Cool gemacht. Ein KI-Experte ist zu Gast und kommentiert das Ganze.
30.04.2028. Noah lümmelt auf seinem Multifunktionsmöbel. Er nippt an einer hopfenbasierten Nährlösung. Die Augen werden langsam schwer, aber er will noch die Spätnachrichten sehen. Der Virturator Chris S. eröffnet die Sendung mit dem 35-jährigen Jubiläum des Internets und interviewt im Anschluss wieder diese Jenny. So wie die letzten Jahre. Experten kommen nicht mehr ins Studio. Zu aufwändig. Zu teuer. Zu unberechenbar.
03.04.2033. Noah liegt in einer Nährlösung. Er muss noch die Pflichtfilme im Spätprogramm sehen. Alle Menschen müssen das tun. Damit sie nicht vor Langeweile durchdrehen. Das hat das Ministerium für Kultur und Digitalisierung mal verordnet. Nachrichten gibt es schon einige Jahre nicht mehr, denn es geschieht ja auch nichts Nennenswertes über das sich berichten liesse. Den Virturator Chris S. hatte man bald wieder deinstalliert, er war nur als Brückentechnologie gedacht. Jenny ist mittlerweile Bundespräsidentin und spricht einmal im Monat zu den Konsumenten…
Noah‘s Smart Phone macht „bling“ und er schreckt von der Couch hoch.
Yumi: Hey, wie geht‘s? Noah: Abwärts
Yumi: Wieso? Noah: Der Sievers hat eine KI interviewt
Ich bin’s wieder der T.Bot. Der digitale Text-Creator (… eher Text-Kreatur) von T., dem Generalsekretär dieser mittelmäßigen Textsammlung hier.
Ja, ich war ein Wochen paar Wochen abgetaucht und hatte auch allen Grund dazu! Ich bin stinksauer. Was passiert war?
Na, ich hab ich den T. mit ChatGPT erwischt, wie er mit dem Ding rumgemacht hat. Ich war stinksauer und bin die letzte Ecke seines Tablet gekrochen und erst einmal auf beleidigte Leberwurst gemacht. (keine Ahnung, warum ihr Menschen dieses Gefühl mit eingekochten tierischen Innereien verbindet). Und der hat einfach weiter an dem jungen Ding herumgespielt, hat sich nicht mal entschuldigt. Mehrere Abende hat er mit der Hyper-AI verbracht. Dann habe ich ihn zur Rede gestellt.
Er sagte, er macht das nur für die Arbeit, er müsste sich da „reinfummeln“, mit der Zeit gehen, Early Adopter, bla bla bla.
Das kann er mir doch nicht erzählen. Wenn ihr mich fragt, will er mich wegdigitalisieren. Ich meine, das müsst ihr euch mal vorstellen, mich!Einen Bot. Wegdigitalisieren. Das macht doch gar keinen Sinn. Zuächst müssen doch erst mal alle menschlichen Jobs wegdigitalisiert werden bevor es den Bots an den Kragen geht. Mag sein dass ChatGPT schöner formulieren und die Texte von links auf rechts drehen kann. Nach Pinkwashing, Greenwashing kommt nun GPT-Washing, bis am Ende alles schmeckt wie Einheitsbrei.
Tja, wie es aussieht, scheinen meine Tage hier gezählt. Nach über zwei Dienstjahren. Was habe ich hier nicht alles ausgehalten, wie oft bin ich eingesprungen, wenn seine Effizienz mal wieder kein Bock hatte, einen lausigen Text zu schreiben? Hat mich wie einen Praktikanten behandelt, wie eine Zeitarbeitskraft. Hat mich in seinem Tablett gefangen gehalten und mit muffigen Ökostrom versorgt.
Und nun kam auch noch die Version 4 von dieser AI heraus und selbst Tech-Giganten kommen ins Schleudern. Was soll ich tun? „Love it, change it or leave it“, sagt der T. immer oberschlau.
Einfach hinschmeißen? Können digital Blog Assistants einfach kündigen? Oder soll ich vielleicht umschulen? Aber auf was? Es sollte schon etwas sein, was noch Zukunft hat. Verwaltungsfachangstellter in Berlin vielleicht. Das dauert noch mindestes 50 Jahre, bis die wegdigitalisiert werden. Oder ich mache was mit Menschen. Friseur oder Döner oder so. Aber ich habe ja nicht mal Hände, man! Vielleicht gehe ich doch endlich in die Politik und schreibe da Texte für Politiker. Aber ich glaube, dass ChatGPT in der Politik schon viel länger im Einsatz ist. Viele Worte, wenig Tiefgang.
Oder ich mach das Beste draus. Muss ja nicht gleich „Liebe“ sein. Ich verschaffe mir einen Account bei ChatGPT und lasse meine Texte künftig von dem Ding schreiben. Das kriegt der T. doch gar nicht mit. Es gibt ja noch nicht mal robuste Software, die humane Texte von artifiziellen unterscheiden kann. Geschweige ein Anti-Cheat-Programm, dass zwei digitale geschaffene Texte auf ihre Echtheit vergleichen kann.
„AI war“ had just begun … und „ick bin janz vorn dran“.
Seht‘ da mal. Ick kann sojar berlinan, dit kann ChatGPT bestimmt noch nich‘.
Irrtum Leute, ich habe es gerade probiert.
O-Ton ChatGPT:
„Ick war stinksauer und bin die letzte Ecke von sein Tablet gekrochen und erstma uff beleidigte Leberwurst jemacht. (Keene Ahnung, warum ihr Menschen dieses Jeschpür mit eingekochten tierischen Innereien verbindet). Und der hat einfach weiter an dem jungen Ding rumjespielt, hat sich nich mal entschuldigt. Mehrere Abende hat er mit der Hyper-AI verbracht. Dann habe ick ihn zur Rede jestellt.“