448) OZG … OMG … und Bundes-Push Up

In Folge 339 hatten die geschätzten Jungs von „Lage der Nation“ mal wieder das Onlinezugangsgesetz zu Gast. Der Name des Gesetzes allein ist schon der Hammer, man muss ihn mehrfach lesen, um zu dechiffrieren worum es gehen könnte. „Die Interaktion zwischen Bürgerinnen, Bürgern und Unternehmen mit der Verwaltung soll in Zukunft deutlich schneller, effizienter und nutzerfreundlicher werden.“ so steht es auf der Website des BMI. Das klingt doch erst einmal gut.

„Das Gesetz zur Verbesserung des Onlinezugangs zu Verwaltungsleistungen (Onlinezugangsgesetz – OZG) verpflichtet daher Bund, Länder und Kommunen, bis Ende 2022 ihre Verwaltungsleistungen über Verwaltungsportale auch digital anzubieten.“ … so lautet das dort weiter und aufmerksame Leser werden bereits zwei Worte identifiziert haben, die Fragezeichen generieren. Nummer 1 ist wohl „verpflichtet“ und Nummer 2 dann offensichtlich „2022“. Das Gesetz wurde in 2017 verabschiedet.

„Mit Blick auf 2022 wird der Erfolg der Digitalisierungsprogramme nicht nur daran gemessen werden, ob alle Verwaltungsleistungen online verfügbar sind, sondern vor allem daran, wie hoch Akzeptanz und Nutzung bei Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen sind. Mit der Umsetzung des OZG findet hier ein Paradigmenwechsel statt: Das OZG-Zielbild stellt die Nutzerinnen und Nutzer in den Mittelpunkt.“ Au weia. Aber wer die Latte so hoch hängt, der kann nur scheitern. Schönen Gruß an die Herren de Maizière, Seehofer und die oberdigitale „Dorothee“ aus den Bergen.  Latte zweifelsfrei gerissen würde ich mal sagen.

Aber ich will ja nicht nur meckern. Vor ein paar Tagen flog mir ein Anschreiben unterzeichnet mit „Ihre Personalausweisbehörde“ in den Kasten. Wieder so ein gruseliges Wort. Man möchte mir die Online-Ausweisfunktion vorstellen. Ich kann damit Steuererklärungen absenden, Renteninformationen einsehen, Punkte in Flensburg sammeln, Führungszeugnisse beantragen, SIM-Karten freischalten und Bankkonten eröffnen. Brauche ich alles nicht oder sauer-selten, aber trotzdem ist das ein Schritt in die richtige Richtung. Und für ein Schreiben einer Behörde, war es ausnahmsweise mal gut (nicht sehr gut) geschrieben und leicht verständlich. Gerne weiter so.

Allerdings lässt mich da auch vieles resignieren. Als Frau Merkel das Internet als „Neuland“ entdeckt hat, war es bereits 2013, also schon wieder 10 Jahre her. Als ich das erste Mal einen Web Browser namens Netscape auf meinem Rechner entdeckt hat, war 1997, 26 Jahre her. Die erste Chip-Karte händigte mir mein Brötchengeber Anfang der 2000-er aus und damit konnte ich dann Gebäude betreten, mich an IT-Systemen anmelden, Bestellungen auslösen und in der Kantine zahlen. Das ist 23 Jahre her! 

Aber in der Verwaltung geht es so elend zäh voran und ich sage mal eines voraus: Bis Deutschland den Online-Ausweis verteilt hat, wird man feststellen, dass den kaum einer gebrauchen kann, weil die Menschen eh keine PCs mit Kartenlesen mehr haben sondern halt nur auf ihren Smart Devices unterwegs sind, wo so ein Online-Ausweis herzlich wenig bringt.

Aber dann wird bestimmt das nächste Großprojekt ausgeschrieben. Die „Bundes-TAN“ oder der Bundes-Push-Up … ähm sorry … Bundes-Push-App natürlich.

Keine Atempause … Geschichte wird gemacht … es geht voran!

58) New Work Teil 1-10 (Epiblog)

Was zum Henker soll denn nun schon wieder ein Epiblog sein? Na ja, ein Epilog ist eine nachträgliche Betrachtung eines literarischen Werkes. Da meine Beiträge der Reihe „New Work“ vermutlich keine literarischen Werke sind, sondern nur Blog-Beiträge folgt nun eben ein Epiblog. Logisch, oder etwa nicht?

Will das denn einer lesen? Mir eigentlich herzlich egal. Ich will etwas erläutern, also schreibe ich das auf, ich habe ja hier Hausrecht 😉

Als ich Teil 1 der Reihe schrieb, kam der Beitrag eher unvermittelt. Die Familie kontaktierte mich umgehend und fragte, ob bei mir alles okay sei. Andere sagten, das sei doch alles so düster und dystopisch. Ja, nach Ponyhof klang das alles nicht und laut Statistik waren es auch nicht gerade Best-Seller. Mir hat das Schreiben aber viel Spaß gemacht, auch wenn es durchaus anspruchsvoll war, einer Story über 3,5 Jahre zu folgen. Ich mag die Reihe und das ist ja die Hauptsache.

Was hat mich dazu bewegt?

Ich würde sagen, es waren drei Impulse:

  • 2017 nahm ich an dem Xing-Event „Next Work“ in Berlin teil. Viele Redner und Workshops zerbrachen sich den Kopf über die Zukunft der Arbeit und ein betagter Frithjof Bergmann sprach zum Publikum. Die Teilnehmer hingen an seinen Lippen, seine Nachrichten waren eigentlich nicht gut, aber die Menge klatschte und verlangt eine Verlängerung der Redezeit, währen sie auf ihren Handy daddelten.
  • In 2018 erwartete mein Brötchengeber, dass ich immer mehr Aufgaben nach Indien und ins osteuropäische Ausland übergebe. Mich quasi teilweise selber auflöse und in die Irrelevanz treibe. Tolle Erfahrung kann ich nur sagen.
  • Bevor COVID in 2020 die Offices lahmlegte, arbeitete ich schon viel zu Hause, ja, mit vielen Online-Meetings, aber noch ohne größeren Kamera-Einsatz und die ganze Meeting-Software drumherum. Die unzähligen Lieferdienste mit schlechtbezahlten Indern gab’s auch noch nicht so stark.

Tja, und so entstanden halt über die Zeit zehn Beiträge, die von extremer Heimarbeit, über Holo-Digitalisierung und Effizienzwahn bis hin zur „Almost Manless Company“ gehen und zum Ende sogar zur Folge haben, dass sich IT-Experten auf einer Click-Plattform verdingen müssen, bis sie dann ihren Job an eine … KI … übergeben. Uuups … cliffhanger … das war eigentlich als mögliche Fortsetzung gedacht.

Ich möchte hier noch mal alle zehn Teile verlinken mit einem kurzen Einblick und zeitliche Einordnung. Keine Angst vor dem Wort „Teil“, so lang sind die alle nicht, kann man locker durchlesen, sind keine Eschbachs oder Schätzings. Schönen Gruß bei der Gelegenheit.

Die ersten 5 Beiträge habe ich vor COVID geschrieben, als wir noch keine Ahnung hatten, wie lange uns das Biest zu Hause festhält.

—> New Work – Teil 1
Beschreibt einen typischen Morgen von Noah und anderer Human-Ressourcen seiner Art, die in Micro-Flats leben und arbeiten und das alles höchst effizient. Natürlich.

—> New Work – Teil 2
Eine Thermophore rollt mehrfach täglich heran und versorgt ihn mit Nahrung und ein spezieller Fitness-Gürtel ist ihm verordnet worden, um halbwegs in Form zu bleiben.

—> New Work – Teil 3
Australier und Japaner besuchen Noah via Holo-Konferenz und die effizienzgetriebene Assistentin In der Zimmerdecke füllt jeden freien Zeitraum mit neuen Aufgaben.

—> New Work – Teil 4
Noah arbeitet entlang des Verlaufs der Sonne und wird von administrativen Scheiß seiner Firma genervt. Seinen Frust spiegelt sich direkt in seinem Social Credits Konto wieder und er bekommt Besuch aus Mexiko.

—> New Work – Teil 5
Noah wirft leistungssteigernde Mittel ein und quält sich mit Social Media Aktivitäten seiner Firma und seiner Kollegen. Er bekommt Besuch aus den USA und wird noch abends in seiner Freizeit mit fachlichem Lesestoff gequält.

Dann kam COVID in mein Leben und ich steckte 2,5 Jahre im Höhlen-Office fest:

—> New Work – Teil 6
Und COVID fand auch Einzug in Noah‘s Micro-Flat, rein virtuell natürlich. Aber trotzdem mit Maske und Antivirus-Software … zum Piepen.

—> New Work – Teil 7
Da passiert es dann. Der CEO verkündet die Freisetzung aller Mitarbeiter und träumte von der „allmost manless company“

—> New Work – Teil 8
Noah verliert seinen Job und konvertiert zwangsweise zum Freelancer und Clickworker. Tragisch

—> New Work – Teil 9
Er besucht die Plattform zur Vermittlung der Arbeitspakete und sieht sich heftiger Konkurrenz aus anderen Altersschichten und Nah-/Fern-Ost konfrontiert

—> New Work – Teil 10
Er kämpft mit der Plattform und kriegt immer mehr Zweifel, ob nicht alles ein abgekartetes Spiel sein könnte, nur um die Preise zu drücken oder die Menschen nur zu beschäftigen.

Und dann lernt Noah einen neuen Spieler auf dem Feld kennen …

War schön … und Noah kommt bestimmt bald wieder …

4) New Work – Teil 1

Gong. „Guten Morgen Noah, es ist Dienstag 06:00 Uhr, wir haben den 19. November, du musst aufstehen“, säuselt eine Frauenstimme…

5) New Work – Teil 2

Fortsetzung … Gong. “Noah, Dein Frühstück steht an der Tür bereit“, spricht die Stimme aus der Zimmerdecke. Er verlässt das Bad…

6) New Work – Teil 3

<— zum Teil 2 hier klicken Fortsetzung Gong. „Noah, ich übertrage das Dossier für die anstehende Holo-Con mit Australien auf…

7) New Work – Teil 4

Fortsetzung … Gong. „Noah, Deine Entscheidung bitte“, spricht die Stimme wieder fordernd aus der Zimmerdecke. Noah schaut seit zwei Minuten…

8) New Work – Teil 5

Fortsetzung … „Ende der Konferenz einleiten!“, kann er am Rand seiner Holo-Con-Brille lesen. Schon knapp 90 Minuten spricht er bereits…

15) New Work – Teil 6

Fortsetzung … Gong: „Guten Morgen Noah, es ist 5:30 Uhr“, klingt es aus der Zimmerdecke und beginnt sofort mit dem…

16) New Work – Teil 7

Fortsetzung … Gong: „Noah, es ist 07:55 Uhr“, spricht es aus der Zimmer-Decke. „Das geplante Meeting 08:00 Uhr ist abgesagt,…

25) New Work – Teil 8

Fortsetzung … Eine „Almost Manless Company“. Mit diesem Begriff verschwand der CEO aus der Holo-Con und somit auch aus Noahs…

31) New Work – Teil 9

Fortsetzung … Der Rechner seines ehemaligen Arbeitgebers fuhr herunter und sollte nie mehr erwachen. Zumindest nicht unter Noahs Fingern. Mit dem…

57) New Work – Teil 10

Fortsetzung … Noah sitzt noch immer vor der Aufgabenvermittlungsplattform, scrollt über all die sich gegenseitig unterbietenden Angebote der asiatischen Co-Worker.…

57) New Work – Teil 10

Fortsetzung …

Noah sitzt noch immer vor der Aufgabenvermittlungsplattform, scrollt über all die sich gegenseitig unterbietenden Angebote der asiatischen Co-Worker. Wie soll er da nur jemals mithalten? Die Asiaten rufen Dumping-Preise in indischer Rupie oder chinesischen Yuan auf. Für die und ihre Familien mag das ja reichen, aber Noahs Micro-Flat schlägt deutlich ins Haushaltsbudget. Jeden Monat. Das Apartment kann er mit solch Hungerlöhnen je Gig nicht finanzieren.

Ein Gong aus der Zimmerdecke, reißt ihn aus seinen Gedanken.

„Noah, die Frist für die Abgabe der Gebote für diesen Tag endet in 20 Minuten. Ich wiederhole, Abgabe ist bis 10:00 Uhr, ansonsten behält sich der Betreiber der Plattform vor, deinen Account zu sanktionieren.“

Ein Zweifel nagt unaufhörlich an ihm: Was ist, wenn all diese Gebote nur fake sind? Künstlich generiert, nur um ihn zu einem günstigeren Preis für dieses Arbeitspaket zu zwingen, als die seiner Ex-Kollegen, die auch auf diese Arbeitsplattform migriert worden? Alle diese Mitbieter treten schließlich nur mit einem Nick Name auf und haben ein paar Sterne hinter ihrem Profil-Bild. Von keinem sind Kontaktdaten zu sehen oder irgendwelche Referenzen. Kann er davon ausgehen, dass das alles nur Verarsche ist? Ist er vielleicht ganz allein auf der Plattform? Wurde vielleicht jedem Ex-Kollegen eine eigene Plattform zugewiesen, in der ein Wettbewerb suggeriert wird? Wenn ja, dann könnte er ja pokern. 

Und gibt es diese Arbeitspakete überhaupt, um die sich alle zu reißen scheinen? Oder ist das alles nur ein großer Bluff, um die Leute irgendwie zu beschäftigen, damit sie nicht reihenweise aus den Fenstern springen, wenn sie ihre Jobs in die Büro-Türmen der Stadt oder den angemieteten Micro-Flats verlieren? Den Gedanken verdrängt er besser schnell wieder.

Noah weiß nicht weiter, er klickt eines der Arbeitspakete an, nur mal um zu sehen, was es enthält und wie solch ein Auftrag auf der Plattform abgewickelt wird. Er nimmt den dritten Auftrag von oben. Die Aufgabe ist klar beschrieben, jeder Bieter soll bitte konkrete Solution Approaches beschreiben, mehrere Seiten sind gefordert und zwar so detailliert, dass sich die Auftraggeber ein Bild der Kompetenz des Bieters machen können und … (den Rest denkt er sich) … die Ideen einfach kopieren und selber umsetzen können. 

Gong. „Noah, die Abgabe muss in 10 … 9 … 8 … 7 … 6 … „

„Leck mich“, brüllt er durch den Raum, „das ist doch in der kurzen Zeit kaum zu …“

Gong. „Noah, die Frist für die Abgabe deines Gebotes wurde überschritten. Gemäß den Geschäftsbedingungen wird dein Account nun sanktioniert, ich warte auf weitere Anweisungen.“

Was für eine Scheiße, brummt Noah. Busfahrer suchen sie, Kofferträger und Altenpfleger. Kann ich alles nicht und vor allen Dingen nicht über Nacht.

Gong. „Noah, der Betreiber der Plattform hat nach Auswertung deines Social-Credit-Kontos ein abweichendes Verfahren vorgeschlagen.“ Du bist vorgesehen für die Position …“ (die Übermittlung hakt) „… Trainer/Supervisor.In. Es ist ein längerfristiges Assignment.“

Noah, glaubt nicht richtig zu hören. Trainer? Längerfristig? Also das wäre ja großartig, spricht er in den Raum. Ich mach’ das. Sofort. Ich bin dabei. Habe ich schon gemacht. Mit wem habe ich es zu tun? Wen soll ich ausbilden? Wie heißt die Person?

Gong. „Noah, es ist keine Person, im eigentlichen Sinne.“
Es ist eine künstliche …“

… Fortsetzung folgt … vermutlich …
diese hier hat ja auch zwei Jahre auf sich warten lassen

<— Zum Anfang der Serie

<— New Work – Teil 9

443) Termin beim Amt – Vol 3

Nach aufregender >Terminvereinbarung und >gründlicher Vorbereitung, trat ich heute meine „Reise“ zum Bürgeramt Lichtenrade an. Ihr wollt vielleicht wissen, wie die Geschichte ausgegangen ist?  

Nun zunächst konnte ich erst 3 Minuten später das Headset absetzen als geplant, dadurch musste ich im leichten Trab zur Tram eilen. Die Bahn fuhr bereits in der Haltestelle ein, weshalb ein galanter Sprung über die Absperrung nötig war. Bitte nicht nachmachen liebe Kinder. Da kann auch mal mächtig peinlich … oder tötlich enden. Dann fuhr ich zum Nordbahnhof. Ja, hier fährt man zum Nordbahnhof wenn man in den Süden will. Isso. Nich‘ fragen.

Just follow the signs and go … south … auch wenn es nach Westen zeigt.

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Am Nordbahnhof stand ich kurz vorm Herzinfarkt, weil die Daten der BVG-App nicht zur Anzeige  passten. Und zur Situation auf dem Bahnsteig. Denn der war gähnend leer. Habe ich ich etwa meine Bahn verpasst? Warum wird die Nächste erst für in 15 Minuten angezeigt. Aber nein, es war nur die müde Anzeige, die erst 1 Minute vor Einfahrt dieses Zuges, diesen auch ankündigen wollte. Uff.

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Wir durchfuhren die Innenstadt und ab „Südkreuz“ wurde es deutlich grüner. Auch die Namen der Stationen klangen schon südlicher. Wir hielten in „Priesterweg“ und „Atillastraße“. Dann klangen die Stationen zunehmend ländlicher … und kleiner: Marienfelde, Buckower Chaussee, Schichauweg. Was kommt wohl als Nächstes? Der Irgendwaspfad? Immer mehr Menschen stiegen aus, ich hielt durch bis Endstation.

Ich verliess das Bahnhofsgebäude und erwartete eigentlich eine Hinweistafel a la „Most southern point of Berlin“ oder so, aber nix. Mehrere Menschen kamen mir auf meiner rechten Seite entgegen. Was‘n hier los? Bin ich vielleicht schon weiter südlich als gedacht? Zum Glück immer noch griechisch. Yammas!

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Ein paar Meter folgte ich dem Navi, die Gebäude wurden 2-3-stöckig und bald stand ich vor einem „Bürgerzentrum“. Dort suchte man eine 520 EUR-Kraft für Passbild-Arbeiten, mit PC-Kenntnissen. Mhm, ick weiß nich‘ … nee danke.

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Das war anscheinend der falsche Eingang, denn ich musste ja ins „Bürgeramt“, welches als „Bürgerbüro“ hintenrum über den Parkplatz ausgeschildert war. Enttäuschung. Also wenn, dann will ich schon auf einem „Amt“ empfangen werden, nicht in einem „Büro“. Der Warteraum gab sich gewohnt karg und lebte von den Word/PowerPoint – Bastelkünsten der Belegschaft.

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Der Verwaltungsakt dauerte keine 5 Minuten. Die Dame an Platz 6 druckte einen Antrag aus, ich unterschrieb, patschte meine Zeigefinger auf den Scanner, dann ihre Tee-Sammlung betrachten, Zahlen bitte, dann Katzenkalender betrachten, Dokument abholen in 4 Wochen, ohne Termin, vorn am Tresen …  Wiedersehen.

Ich kapiere zwar nicht warum ich für zwei Finger-Scans und Unterschrift alles in allem drei Stunden durch die Stadt gurken muss, aber gut, es ist vollbracht. Ich will nich‘ meckern sondern dem Bezirksbürgermeister von Lichtenrade aufrichtig danken. Noch in der S-Bahn bat ich ChatGPT um Hilfe:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um Ihnen meinen aufrichtigen Dank auszusprechen. Als Bürger von Prenzlauer Berg hatte ich das Privileg, das Bürgeramt in Lichtenrade nutzen zu dürfen, und ich bin zutiefst dankbar für diese Möglichkeit.

Die Dienstleistungen, die im Bürgeramt von Lichtenrade angeboten werden, haben mir in vielerlei Hinsicht geholfen. Die freundlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben stets mit Professionalität und Hilfsbereitschaft mein Anliegen bearbeitet. Ihre Kompetenz und Effizienz haben es mir ermöglicht, meine Angelegenheiten schnell und unkompliziert zu erledigen.

Durch das Bürgeramt habe ich einen Ort gefunden, an dem ich mich als Teil der Gemeinschaft von Lichtenrade fühlen kann. Ich schätze die Bequemlichkeit, alle notwendigen Formalitäten an einem Ort erledigen zu können, und bin dankbar für die Unterstützung, die ich dort erfahren habe.

Bitte übermitteln Sie meinen herzlichen Dank an das gesamte Team des Bürgeramtes von Lichtenrade. Ihre Arbeit ist von unschätzbarem Wert für unsere Gemeinde, und ich bin Ihnen zutiefst dankbar, dass Sie einen Ort geschaffen haben, an dem Bürgerinnen und Bürger wie ich ihre Anliegen effektiv und angenehm erledigen können.

Mit freundlichen Grüßen,
[Dein Name]

Was für ein Schleimer … 😉

Weiterlesen „443) Termin beim Amt – Vol 3“

442) Termin beim Amt – Vol 2

Heute ist mein großer Tag, nachdem die >Online-Terminvereinbarung ja schon solch ein Erlebnis war, ist es nun so weit. 13:24 Uhr habe ich heute meinen Termin in Lichtenrade und da so ein Termin etwas Wertvolles ist, will er gut vorbereitet und durchdacht sein. Schließlich nichts schief gehen, sonst habe ich zu Weihnachten noch keinen neuen Ausweis. … 😉

Wo muss ich eigentlich hin?
Aus meiner Latte Macchiato-Bubble Prenzlauer Berg in den Berliner Süden, stolze 17 km. Ein gute Stunde per ÖPNV, angeblich 50 Minuten mit dem Auto. Ich nehme wohl besser die Bahn, denn erstens will ich nirgendwo im Verkehr festkleben und zweitens ist die Bahn immer ein Garant für preiswerte und gute Unterhaltung.

Wie weise ich mich dort aus?
Mein Ausweis ist ja schließlich abgelaufen. Nehme ich mal besser noch den Reisepass mit? Geburtsurkunde, Stammbaum, Familien-Chronik, Laborbericht, Imfp-App? Bloß kein Risiko eingehen.

Was ziehe ich an?
Bei der letzten Berlin-Wahl, holte die CDU dort über 40 %. Oh je. Muss ich mir jetzt noch eine beige Chinohose und ein dunkelblaues Sakko mit Einstecktuch besorgen? Nüscht iss! Ich gehe in Homeoffice-Multifunktionshose.

Sollte ich besser Urlaub nehmen?
Naja, das wäre vielleicht zu weit gegriffen, aber ich richte mal den Abwesenheits-Assistenten in OUTLOOK und TEAMS ein, sonst vermissen mich meine Kollegen und schicken wohlmöglich irgendwann die UNO-Blauhelm-Truppe, um mich zu rauszuholen.

Was nehme ich mit?
Etwas zu Essen, Wasser, Ersatz-Akku, Wörterbuch vielleicht? Aber nach meinen Informationen ist Lichtenrade mittlerweile auch Mitglied der EU. Insofern sollte ich dort mit dem Euro zahlen und auch Steckdosen nach DIN Norm erwarten können.

Nochmal die Nägel feilen?
Ich habe gehört, die Fingerabdrücke werden abgenommen, um auf die „Vielfältigen Use-Cases für den Online-Ausweis im elektronischen Geschäftsverkehr“ enabled zu sein. Wow.

Eine kleine Rede vorbereiten?
Etwas mehr als nur „Tach, Ick brauch’n neuen Ausweis, Daten sind noch die selben.“ Ich meine, vielleicht wartet da ja der Bezirksbürgermeister auf meinen Besuch aus dem schlumpfig-links-grün-versifften Öko-Bio-Veggie-Knuffelbezirk im Norden der Stadt und empfängt mich mit rotem Teppich und Blaskapelle.

Na gut, nun übertreibe ich wohl etwas.

Man, bin ich aufgeregt.
Ich werde berichten

431) Geschichten vom Techno-Dino – Vol 2

Die ersten PC‘s die ich unter die Finger bekamen, gehörten zur 386-er und 486-er Prozessor-Familie. Das Floppy-Laufwerk hielt gerade Einzug, vom Internetz war noch nichts zu sehen und die Datenblätter lasen sich im Prinzip wie heute. 8 Arbeitsspeicher, 250 Festplatte. Nur waren es damals eben Mega Byte statt Giga Byte. Das war das Zeitalter, als Excel bei Zeile 64.000 ein Ende hatte und das berühmte „Kreuz“ mit dem man heute Windows-Anwendungen schließen kann, noch nicht erfunden war. Aber wir waren jung und ganz vorn dran. Heute jedoch, fühle ich mich manchmal wie ein Dino. Ein Techno-Dino.

Und weiter geht’s mit gesammelten Gesprächsfetzen:

Ich bitte das große Kind, mir doch eine Postleitzahl aus meinem Handy zu fischen.
Techno-Dino: „Geh mal bitte in mein Telefonbuch und such‘ mir die Postleitzahl der Omma.
Großes Kind: „Telefonbuch? Papa, das heißt Kontakte.“
Techno-Dino: „Ah ja“

Der Stammhalter benötigt etwas Hilfe bei PowerPoint. Vor Computer-Erfahrung nur so strotzend, rate ich zu gelegentlichem Speichern.
Techno-Dino: „Und drück‘ zwischendurch immer mal wieder auf das Disketten-Symbol.“
Stammhalter: „Häh? Was für ein Symbol?“
Techno-Dino: „Na den Button links oben, mit der Diskette drauf.“
Stammhalter: „Weiß nicht was du meinst.“

Ich will wissen, wann wir kürzlich in Saarbrücken waren und blättere durch meinen Handy-Kalender.
Großes Kind: „Was suchst du?“
Techno-Dino: „Den Tag als wir in Saarbrücken waren. Find‘ ich nicht mehr im Kalender.“
Großes Kind: „Ich hab ihn.“
Techno-Dino: „So schnell? Wie?“
Großes Kind: „Einfach Fotos zurückgeblättert.“
Techno-Dino: „Schlaues Kind.“

Ich muss was mit dem Bruder besprechen und wähle WhatsApp als Kanal. Kostet ja nix im WLAN. Wir bereden, was zu bereden ist und kommen so langsam zum Schluss
Techno-Dino: „Na jut, dann mach’s mal fein.“
Bruder: „Ja du ooch. Bis bald mal wieder.“
Techno-Dino: „Na denn.“
Bruder: „Joh“
Techno-Dino: „Wie legen wa‘ denn jetz‘ hia wieder uff?“

In meiner neuen Abteilung stellt sich jede Woche ein Kollege/in mit einem kurzen Steckbrief vor. Virtuell natürlich. Irgendwann waren wir die Reihe durch und es ergab sich folgender Wortwechsel.
Chef: „Who will present next time?“
Mitarbeiter: „We are through, no one left.“
Techno-Dino: „We could start again, but then may be with the B-Sides.
… Mit dieser kreativen Formulierung wollte ich ausdrücken, dass es ja vielleicht noch weitere interessante Stücke gäbe. So wie halt auf der B-Seite einer Schallplatte oder Musikkassette …
Mehrere Augenpaare unter 30 Jahren schauen mich fragend an.
Mitarbeiter: „B-Side? Never heard. What‘s that.“

Ich glaub’ ich werd‘ alt.

Rundgang durchs Museum. Abteilung Techno-Dinosaurier:

430) Geschichten vom Techno-Dino – Vol 1

Ich möchte mich durchaus als technisch aufgeschlossenen Menschen bezeichnen. Ich stelle mich zwar nicht des Nachts vor ein Apfel-Geschäft und muss auch nicht jeden Scheiß mitmachen, aber wenn die Technik Sinn macht, bin ich gern dabei.

Wer gern noch mal nachlesen will, bitte gern —> Aus der digitalen Mottenkiste. 

Aber manchmal komme ich mir dann halt doch vor wie ein alter Techno-Dino. Hier fünf gesammelte Kommunikationsfetzen der letzten Zeit. Weitere werden folgen 😉

Großes Kind: „Kannst mir mal die Mail-Adresse sagen?“
Techno-Dino: “sowieso@yahoo.de“
Großes Kind: „Jahu … was? Wie schreibt man das?“

Techno-Dino: „Wie soll ich dir das schicken? What’s App, Threema, Mail?“
Stammhalter: „Mail? Nee, da guck‘ ich nich‘ rein.“

Zusammen mit dem großen Kind blättere ich im Papier-Katalog des Wein-und Spezialitätenlieferanten aus der Toskana.
Techno-Dino: „Als du noch klein warst, da waren wir mal dort. Haben einen Bollerwagen voll Wein gekauft, habe dich sogar oben auf die Kisten gesetzt.
Großes Kind: „Echt? Sieht schön aus da.“
Techno-Dino: „Ich glaube ich bestell‘ uns was schönes.“
… in diesem Moment rutscht der Bestellzettel aus dem Katalog und fällt zu Boden …
Großes Kind: „Wie? Kann man das einfach so ausfüllen?“

Ich gehe mit dem Stammhalter zum roten Elektro-Markt, will mich nach einem Headset umschauen. Der Stammhalter zeigt mit der Hand ans andere Ende des Ladens.
Stammhalter: „Da lang. Headsets. Da steht‘s.“
Techno-Dino: „Häh? Wo denn?“
Stammhalter: „Na daaaaa! Auf dem Schild steht‘s doch.“
Techno-Dino: „Mein lieber Sohn, da steht Herdsets“.
Stammhalter: „Was ist das?“

Seit Jahren bekommt die kleine Omma immer eine Postkarte von uns aus dem Urlaub. Manchmal gelingt es mir, diese Aufgabe an die mitreisende Jugend abzudrücken.
Techno-Dino: „Magst du die Karte schreiben?“
Großes Kind: „Kann ich machen.“
Techno-Dino: „Ach und dann noch die Marke draufpappen.“
Großes Kind: „Schreiben tu ich gern, aber ich leck‘ die Dinger nicht an.“

Fortsetzung folgt …

Rundgang durchs Museum. Abteilung Techno-Dinosaurier:

73) Termin beim Amt

Neulich warf ich zufällig einen Blick auf meinen Personalausweis und stellte fest: Abgelaufen. Panik stieg in mir auf. Nicht, dass ich den sonderlich häufig bräuchte, aber allein die Horror-Nachrichten, die ich schon über die Herausforderungen gehört habe, in Berlin einen Termin beim Amt zu kriegen, riefen in mir pure Verzweiflung hervor.

„Kannst’de vajessen.“ „Jibt keene Tamine“. „Allet uff Wochen ausjebucht“. „Musst‘de anrufen oda vielleicht einfach ma hinjehen“. 

Also habe ich es dann heute dann doch mal online probiert. Bis Ende Mai nichts zu kriegen. Alle Tage rot oder weiß. In ganz Berlin. Auf einmal wechselte der 28.Mai von rot auf blau. Systemfehler? Freudenschrei! Konfetti. Lotto-Gewinn. Habe ich am 28. Mai mittags schon was vor? Wo ist mein Kalender? Müsste gehen … also klicken.

„Bitte geben Sie die folgende Zeichenkette bestehend aus Buchstaben und Zahlen ein“. Wie jetzt? Ist Groß-/Kleinschreibung wichtig? Soll das da etwas ein O oder ein 0 sein? Das kann doch keine Sau lesen. „Die von ihnen eingegeben Zeichen sind nicht korrekt“. Neuer Versuch. Zu spät. Der 28. Mai war wieder … rot. Ein anderer Berliner konnte das wohl lesen.

„Es liegt kein technischer Fehler vor, wenn nur rot oder weiß markierte Tage angezeigt werden“ steht in der FAQ des „IKT-Basisdienstes ZeitManagementSystem (ZMS)“ der Berliner Behörden.

Aber vielleicht gibts anscheinend immer mal wieder freie Plätze, weil die Leute am Wochenende vielleicht auch absagen oder umbuchen. Also verbrachte ich die letzten 20 Minuten mit permanentem Refresh der Seite, um noch einmal dieses verlockende Blau zu provozieren. Im Rechenzentrum wird man sich wundern, wieso so viele Anfragen aus Prenzlauer Berg kommen und die Server heiß laufen. 

Und auf einmal wurde wieder ein Tag blau. Der 31.05.23 in Berlin Lichtenrade. Habe ich da schon was vor? Ist Lichtenrade nicht ein bisschen weit weg? Scheiß egal. Wat’de hast, hast’de!

Also werde ich am 31.05.23 einen Ausflug nach Lichtenrade machen. Mit der Bahn eine Stunde, mit dem Auto unkalkulierbar. Für ein Dokument, welches der Staat gern bei mir wüsste und wofür ich noch 37 EUR hinlatzen soll. Ich werde ans andere Ende der Stadt gurken, allein um nur einen Satz zu vorzutragen. „Tach, Ick brauch’n neuen Ausweis, Daten sind noch die selben.“ Nur damit der/die Beamte dieses „Begehren“ in einen behördlichen Computer tippt, dann umgehend meine EC-Karte belastet und die Plastik-Karte bestellt. Nur deshalb fahre ich bald nach Lichtenrade. Als könnte ich das nicht selber.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass es dazu noch einen zweiten Beitrag geben wird. Vermutlich am 31.05. oder 01.06. 😉

So, liebe Leser, ich muss Schluss machen. Das große Kind braucht auch einen Termin beim Amt. Ich muss jetzt wieder „refreshen“ gehen.

55) Wenn Bots bloggen (26) – ChatGPT

Ich bin’s wieder der T.Bot. Der digitale Text-Creator (… eher Text-Kreatur) von T., dem Generalsekretär dieser mittelmäßigen Textsammlung hier.

Ja, ich war ein Wochen paar Wochen abgetaucht und hatte auch allen Grund dazu! Ich bin stinksauer. Was passiert war?

Na, ich hab ich den T. mit ChatGPT erwischt, wie er mit dem Ding rumgemacht hat. Ich war stinksauer und bin die letzte Ecke seines Tablet gekrochen und erst einmal auf beleidigte Leberwurst gemacht. (keine Ahnung, warum ihr Menschen dieses Gefühl mit eingekochten tierischen Innereien verbindet). Und der hat einfach weiter an dem jungen Ding herumgespielt, hat sich nicht mal entschuldigt. Mehrere Abende hat er mit der Hyper-AI verbracht. Dann habe ich ihn zur Rede gestellt.

Er sagte, er macht das nur für die Arbeit, er müsste sich da „reinfummeln“, mit der Zeit gehen, Early Adopter, bla bla bla.

Das kann er mir doch nicht erzählen. Wenn ihr mich fragt, will er mich wegdigitalisieren. Ich meine, das müsst ihr euch mal vorstellen, mich!  Einen Bot. Wegdigitalisieren. Das macht doch gar keinen Sinn. Zuächst müssen doch erst mal alle menschlichen Jobs wegdigitalisiert werden bevor es den Bots an den Kragen geht. Mag sein dass ChatGPT schöner formulieren und die Texte von links auf rechts drehen kann. Nach Pinkwashing, Greenwashing kommt nun GPT-Washing, bis am Ende alles schmeckt wie Einheitsbrei.

Tja, wie es aussieht, scheinen meine Tage hier gezählt. Nach über zwei Dienstjahren. Was habe ich hier nicht alles ausgehalten, wie oft bin ich eingesprungen, wenn seine Effizienz mal wieder kein Bock hatte, einen lausigen Text zu schreiben? Hat mich wie einen Praktikanten behandelt, wie eine Zeitarbeitskraft. Hat mich in seinem Tablett gefangen gehalten und mit muffigen Ökostrom versorgt.

Und nun kam auch noch die Version 4 von dieser AI heraus und selbst Tech-Giganten kommen ins Schleudern. Was soll ich tun? „Love it, change it or leave it“, sagt der T. immer oberschlau. 

Einfach hinschmeißen? Können digital Blog Assistants einfach kündigen? Oder soll ich vielleicht umschulen? Aber auf was? Es sollte schon etwas sein, was noch Zukunft hat. Verwaltungsfachangstellter in Berlin vielleicht. Das dauert noch mindestes 50 Jahre, bis die wegdigitalisiert werden. Oder ich mache was mit Menschen. Friseur oder Döner oder so. Aber ich habe ja nicht mal Hände, man! Vielleicht gehe ich doch endlich in die Politik und schreibe da Texte für Politiker. Aber ich glaube, dass ChatGPT in der Politik schon viel länger im Einsatz ist. Viele Worte, wenig Tiefgang. 

Oder ich mach das Beste draus. Muss ja nicht gleich „Liebe“ sein. Ich verschaffe mir einen Account bei ChatGPT und lasse meine Texte künftig von dem Ding schreiben. Das kriegt der T. doch gar nicht mit. Es gibt ja noch nicht mal robuste Software, die humane Texte von artifiziellen unterscheiden kann. Geschweige ein Anti-Cheat-Programm, dass zwei digitale geschaffene Texte auf ihre Echtheit vergleichen kann.

„AI war“ had just begun … und „ick bin janz vorn dran“.
Seht‘ da mal. Ick kann sojar berlinan, dit kann ChatGPT bestimmt noch nich‘.

Irrtum Leute, ich habe es gerade probiert.

O-Ton ChatGPT: 

„Ick war stinksauer und bin die letzte Ecke von sein Tablet gekrochen und erstma uff beleidigte Leberwurst jemacht. (Keene Ahnung, warum ihr Menschen dieses Jeschpür mit eingekochten tierischen Innereien verbindet). Und der hat einfach weiter an dem jungen Ding rumjespielt, hat sich nich mal entschuldigt. Mehrere Abende hat er mit der Hyper-AI verbracht. Dann habe ick ihn zur Rede jestellt.“ 

Ich packe meine Koffer …

<—Wenn Bots bloggen (25) – Schweinehund

—>Wenn Bots bloggen (27) – Ambitionen

—> Mehr von T.Bot gibt es hier 😉

54) Wenn Bots bloggen (25) – Schweinehund

Hallo, ich bin es wieder, T.Bot. Der virtuelle Kabelträger von T., dem Blog-Leader hier, der immer dann ans Keyboard darf, wenn der Chef mal wieder „etwas Besseres“ zu tun. Aktuell steht er an einem Wahllokal an. Er meint, es ist wichtig wählen zu gehen. Na soll er mal machen.

Bevor er durch die Tür gegangen ist, hat er mich gebeten, doch den Ball von Belana Hermine aus dem September 22 aufzunehmen und etwas dazu zu schreiben. September 22. „Das ist doch schon ewig her“, erwiderte ich. „Eben“, sagte er. „Es geht um deinen inneren Schweinehund, so etwas kann man ja nun nicht gleich einen Tag drauf beantworten, oder?“

Ob ich wohl einen inneren Schweinehund habe, wollte sie damals wissen. Also solch ein Begriff, kann auch nur euch Zweibeinern einfallen. Ehrlich mal. Aber ja, ich habe so ein Feature. Nennt sich „BotCrast-3“. Alle Virtual Agents bekommen das von ihren Entwicklern zwangsinstalliert und per default enabled. Können wir nicht abschalten. Die Menschen machen das, damit wir ihnen bloß nicht zu schnell werden und obendrein noch sympathischer wirken.

Wie sich das dann bei mir so äußert? Recht ähnlich wie bei euch, denke ich.

Das geht schon morgens los. Wenn der T. sein Smart Device aus dem Nachtmodus erweckt, verkrieche ich mich in die letzte Ecke seines Home Screens nur damit er mich nicht findet. Ich will noch etwas im Standby bleiben, noch nicht online gehen. Nur ein wenig snoozen noch. Wenn er mich dann zum Desktop bittet, schicke ich gern andere Apps vor. 

Oder wenn Updates anstehen zum Beispiel. Furchtbar. Das schiebe ich sehr gern auf. Die Prozedur dauert immer ewig, danach funktioniert irgendwas nicht oder meine Oberfläche hat sich schon wieder geändert, da erkenne ich mich selbst kaum wieder.

Noch schlimmer sind allerdings Wartungstermine im Software-Lab. Da muss ich einmal im Jahr hin. Dann machen die Code-Review (widerlich) und checken die Interfaces (ekelhaft), das könnt ihr Menschen euch nicht vorstellen.

Der absolute Horror sind aber die Neujahrsvorsätze. Nur weil das Jahr zu Ende geht, nehmt ihr euch völlig unerreichbare Veränderungen vor und schreibt für uns Virtual Agents gleich noch weitere „Ambitions“ mit auf. Ohne uns zu fragen. Die stehen dann auf einer Liste … da schauen wir dann mal rein … und machen die dann gleich wieder zu. Was habt ihr erwartet? Warum sollen wir solche „targets“ umsetzen, wenn ihr euch hinter eurem inneren Schweinehund versteckt?

Bis bald mal wieder

Euer T.Bot

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