115) Irgendwas mit Dinkel

Alle paar Monate sitzen an der Supermarkt-Kasse auf einmal andere Menschen, meistens junge Leute, die offensichtlich gerade erst angefangen haben. Das erkenne ich an ihren Bewegungen, den Abläufen die noch nicht ganz rund laufen. Damit kann ich leben, jeder hat mal irgendwo angefangen, nach ein paar Tagen läufts schon besser.

Was ich aber überhaupt nicht abkann ist, dass sie verwundert in meine Brötchentüte gucken und mich dann fragen, was das ist.

Er: Die habe ich ja noch nie gesehen, wissen Sie wie die heißen?
Ich: Nein tut mir leid, das ist mir auch herzlich egal.
Mein Güte, früher gab‘s „Schrippe“ oder „Doppelte“ oder „vom Vortag“. Ihr macht das doch so kompliziert …nicht ich.

Er: Mhm …
Ich: Irgendwas mit Dinkel … oben links im Regal.
Gleich neben den anderen, deren Name ich auch nicht weiß.

Er: Wissen Sie zufällig den Preis?
Ich: Nein, auch den weiß ich nicht.
Ihr ändert den sowieso andauernd.

Hinter mir bildet sich bereits eine nervöse Schlange an Menschen. Der neue Mitarbeiter erhebt sich aus dem Stuhl, geht rüber in die Gemüseabteilung und fragt den Chef, aber auch der kann nicht helfen.

Also tappert der Kassierer bis ins hintere Ende des Supermarkts und macht sich auf die Suche, nach dem Namen meines EINEN Brötchens.

Er watschelt zurück, setzt sich wieder und tippt schweigend in die Kasse.

Ich: Und, wie heißt es nun?
Er: Bio-Dinkel-Krüstchen
Ich: Aha
Aber, glaub‘ mal nicht, dass ich mir das merke.

Den Hinweis, dass ich schon mehrfach vorgeschlagen habe, doch mal vorn im Kassenbereich ein paar Bilder der Backwaren auszuhängen, schlucke ich runter. Bringt nix.

Ich gehe nach Hause und esse jetzt mein …

wie hieß es doch gleich? 

Irgendwas mit Dinkel … oben links im Regal.

PS 1: ich könnte es mir auf den Unterarm tätowieren lassen

PS 2: Titelbild via KI

85) Abseits – Vol 6

Noah war vielleicht gerade mal ein Drittel der Wanderung um den Glendalough Upper Lake gelaufen. Es ging bergauf, Stein um Stein. Mühsam. Sonnig und heiß war es … ungewöhnlich für einen Irischen Sommer, aber so sind die Dinge nun mal heutzutage.

Um etwas zu verschnaufen nahm er Platz auf einem Stein. „Alter, ist der heiß“ …  entfuhr es ihm und er sprang wieder auf. „Ja, was soll ich ich denn sagen“ … erwiderte der Stein.

Noah: Tach‘ Stein.

Stein: Hija Mensch, how are you?

Noah: Mir geht‘s gut … und was machst du hier so?

Stein: Ich liege hier so herum.

Noah: Würde ich auch gern mal.

Stein: Sicher?

Noah: Na klar doch, ich meine einfach nur hier so rum …

Stein: Ich habe alle Hände voll zu tun, selbst wenn ich keine habe.

Noah: Wie das?

Stein: Immer einen stabilen Eindruck machen, denn wenn nicht, zerstückeln die mich und machen aus mir … Straße.

Noah: Ja, gut aber ich meine … trotzdem … ist es doch recht … locker hier … oder?

Stein: Von wegen, entweder ist es kalt, nass oder heiß … und rückt mir ein Nachbar auf die Pelle, werde ich den lange nicht mehr los.

Noah: Ja, so einen habe ich auch.

Stein: Und wenn das hier alles ins Rutschen gerät, muss ich aufpassen, dass ich von denen da oben nichts aufs Dach kriege und ich trotzdem genug Steine unter mir habe, um weiterhin weit genug oben zu bleiben.

Noah: Selbst hier?

Stein: Gerade hier!

Noah: Ok, ich muss weiter.

Stein: Ihr Menschen müsst immer irgendwohin. Ich muss dafür sorgen, dass ich hier bleiben kann.

84) Abseits – Vol 5

Noah hatte sich am Nationalpark sattgesehen. Das Moor. Die kleinen Wasserlöcher, in denen sich die Wolken und der blaue Himmel spiegelten. Die wenigen Birken, die hier fast fehl am Platz wirkten.

Schön war es.

Wieder einmal fühlte er sich bestätigt. Eigentlich brauchte es gar nicht viel.

Er ging zurück zum Camper und rumpelte über die holprige Piste zur Hauptstraße. Die Fenster blieben geöffnet. Erst sollte die Hitze aus dem Wagen verschwinden.

Etwa auf halber Strecke sah er eine großgewachsene, blonde Frau am Wegesrand. Irgendetwas stimmte nicht. Im selben Moment hob sie die Hand. Noah hielt an.

Ob er sie bis zum Bahnhof im Ort mitnehmen könne? Der Staub mache ihren Kontaktlinsen zu schaffen.

“No issue. Jump in.”

Noah stellte sich kurz vor und erzählte, was er mit seinem Camper fernab der Heimat in dieser Ecke machte.

„Breakout. Einfach mal dem Irrsinn entfliehen.“

Die Frau lächelte. Sie sei Niederländerin. Und, wie sie selbst sagte, Nomadin. Ebenfalls auf einem Breakout. Allerdings schon seit vier Jahren.

Seit der Scheidung habe sie sich von fast allem Materiellen getrennt. Sie ziehe einfach umher. Am Bahnhof warte ihr kleiner Acht-Kilo-Koffer. Alles, was sie wirklich brauche, passe hinein. Die Wintersachen lägen bei ihrer Tochter in Südholland. Ein paar andere Dinge bei ihrem Sohn auf Bali, der dort mit seinem Laptop arbeite.

Sie lebe bescheiden. Reist zu Fuß, mit Bus oder Bahn. Ihr Budget verdiene sie als Psychotherapeutin über Videokonferenzen mit ihren Klienten.

Mehr brauche sie nicht. Sie sei glücklich.

Sie erreichte den Bahnhof früher als geplant. So blieb noch etwas Zeit. Sie plauderten eine Weile. Über das Unterwegssein. Und darüber, wie wenig es eigentlich braucht.

Nach einer waren Begegnung im Ķemeri Nationalpark, Lettland, 02.07.26

Nur der Camper wurde hinzugedichtet und der Name des Fahrers.

741) Workoholix

Wenn wir diesen Wohlstand erhalten wollen, dann müssen wir mehr arbeiten, weniger krank sein und wir dürfen die Maloche nur noch verlassen, wenn die Mutter im Sterben oder das Kind in vollen Windeln liegt. Und das Ganze soll nicht nur „erhalten“ bleiben. Es soll auch noch wachsen. Wachstum, Wachstum. Ich kann es nicht mehr hören. Das einzige was Bitteschön nicht wachsen soll, ist der Pickel auf der Nase oder ein Tumor im Kopf. 

Wachstum und Wohlstand werden als „gegeben“ inszeniert, als gäbe es keine anderen Wege ein glückliches, gesundes und erfülltes Leben zu führen.

  • Wenn wir beispielsweise mal nur 10% weniger Produkte und Dienstleistungen konsumieren, würden wir weit weg von irgendwelchen Mangelerscheinungen sein.Wenn wir nur 10% der Arbeit weglassen, weil sie völlig blödsinnig ist und nur deshalb gemacht wird, weil man sie schon immer gemacht hat.
  • Wenn man die verbleibende Arbeit nur 10% effizienter erledigt, mit Maschinen und Computern automatisiert.
  • Wenn man weitere 10% an Produkten nicht nur für sich anschafft, sondern mit der Community um sich herum teilt.

dann komme ich alleine schon mit dieser Milchmännchen-Rechnung auf stolze 40% Arbeitsleistung, die man weniger arbeiten könnte.

Die Menschen haben doch nicht Dampfmaschinen und Supercomputer erfunden, damit sie weiterhin 40 – 50 Stunden die Woche ackern und sich dann noch vom querfinanzierten Regierungschef und dem fränkischen Lederhosen-Heini sagen zu lassen, dass sie zu faul sind.

Was soll das?

Danke an FreeDobby für die intensiven Gespräche heute auf der Auto-und Wandertour.

PS: Titelbild via ChatGPT

680) Die allerschlimmste Krise

Nach dem Krieg gab’s nichts zu futtern und kein Brennholz, man sagt heute noch: „Sie hatten ja nüscht.“

In den Siebzigern wurde der Sprit knapp und teuer, es wurden sogar Fahrverbote verhängt, also Tempolimit 0.

In den Achtzigern gab’s rechts von der Mauer Erdbeeren, Kirschen und Fernseher nur auf Zuteilung, Ananas aus Dosen für zwölf Mark, Bananen überhaupt nicht.

Zu Beginn der Pandemie fehlten Masken, und später haben sich die Menschen sogar noch ums Klopapier geprügelt. Zeitweise gab’s kein Sonnenblumenöl, keine Nudeln, nicht mal mehr meinen Lieblingssenf.

Auch beim Mineralwasser war’s zeitweise dünn, und die Amerikaner haben nun keine Eier mehr (uuups. sprachlicher Ausrutscher)

Wir haben gelernt, damit umzugehen, alles ist irgendwie verzichtbar.

Aber nun, liebe Landsleute, ist das Maß voll … beziehungsweise leer.

Eine Krise ungeahnten Ausmaßes steht bevor, und wird in die Annalen eingehen. Als hätte die geplagte deutsche Bevölkerung mit Ukraine-Krise, Nahost-Kriese, Zoll-Krise, Klima-Krise etc. nicht schon genug zu „kämpfen“ rutscht das Land des Reinheitsgebots nach Hunderten Jahren in ein echtes Versorgungsproblem.

Es scheint, Deutschland wird von einer Bierkrise heimgesucht. Mit erheblichen wirtschaftlichen Folgen, sozialem Unfrieden und politischen Verwerfungen.

Bestimmt sind die Grünen schuld … die wollen uns wieder „maß“regeln und den Spaß verderben 😉

Herr Söder was sagen sie dazu?

Frühere Beiträge zum „Mangel“:

645) Biete alles, Suche nichts

Einmal pro Woche komme ich am „Suche & Biete Board“ im großen Supermarkt vorbei. Üblicherweise wird vieles geboten, aber keiner sucht was. Das an sich, ist doch schon ein Zeichen, dass irgendetwas nicht stimmen kann. Nehmt bitte meinen Krempel, aber verschont mich vor neuem.

Da wo ich groß geworden bin, wurde immer irgendwas gesucht.

… Ein Auto (in den nächsten Monaten, nicht erst in Jahren), ein paar Kisten Fliesen (Farbe egal) oder eine Tapezierplatte (auch leihweise). Oder die Dinge und Dienstleistungen wurden einfach getauscht. Konzert-Karte gegen Moped. Einmal Malern gegen Zahnriemen. Doppelbett gegen Lichtmaschine.

Das scheint heute alles Geschichte zu sein. Die ewig jammernden Menschen scheinen alles zu haben. Früher lagen in den feuchten Kellern maximal Kohlen, Holz und tote Mäuse, heute sind die Kellerabteile voll bis unter die Decke. Kaum öffnet man die Gitter-Tür, fällt einem alles entgegen … und insgesamt wünscht man sich, dass doch endlich mal jemand einbrechen sollte und den ganzen Scheiß mitnimmt. Und weil das so ist, verdienen Self-Storage-Häuser ganz gutes Geld damit, ihre Kapazitäten an platzmangelnde Haushalte zu vermieten.

Ein ex-DDR-Büro-Platten-Bau an einer großen Ausfall-Straße Richtung Ost, dient statt als  Wohnheim als Lagerhaus. Papp-Kartons verstellen seit Jahren die Fenster. Da kann mir doch keiner sagen, dass das alles „Weltreisende“ sind, die ihren Krempel „zeitweise“ unterbringen müssen. Blödsinn.

Eine andere Stichprobe in der Berliner Innenstadt: 4,9 quadrat / 13,7 kubik für 48,78 EUR … pro Woche … schlappe 200 Lappen pro Monat, 2.400 Euronen im Jahr. Not too bad.

Bei der Suche nach Räumen >30 qm komme ich nicht weiter, keine Ergebnisse in ihrer Umgebung.

Vermutlich wurden die schon als „Ein-Zimmerwohnung mit Außen-Klo“ vermietet.

PS: Titelbild via ChatGPT … weil ich erst später zum Supermarkt komme …

543) Brauch‘ ick nich‘ – Vol 6

Ich hab mich ja schon in der Reihe >„Brauch‘ ick nich‘  hier darüber ausgelassen, welch Dinge permanent angeboten werden, ich aber nicht brauche. Dabei ging es im wesentlichen um Geräte und anderen Nonsens, der uns täglich in die Regale gestellt wird. Und da der Bedarf an Hardware irgendwann gesättigt ist, geht’s mittlerweile immer häufiger um „experiences“, also Erlebnisse „just for fun“ oder neue „Lifestyles“ die es zu versilbern geht.

Fangen wir mal an:

Ich bin noch nie an einem Gummiseil kopfüber eine Schlucht hinunter gesprungen, geschweige mit einem Fallschirm aus einem Flugzeug gehüpft. Ich brauche kein Paragliding, kein Banana-Speedboat am Strand, keinen Escape-Room oder eine Nacht im Knast. Das wird sich auch nicht ändern. Ich werde mich nie in einem Käfig zu den Haien bringen lassen, noch werde ich mit Schlangen oder Spinnen schmusen. Ich muss auch kein Klavier aus dem Fenster schmeißen, um Spaß und Thrill zu empfinden.
Und ich lebe noch

Bislang habe ich noch nicht auf einem E-Roller oder Flyboard gestanden, habe es aber auch nicht sonderlich vermisst. Bin eigentlich froh, dass ich zwei Beine habe. Eine Drohne muss ich nicht fliegen, hier unten gibt‘s genug zu sehen … und zu tun. Habe nie gekifft, noch war ich im Puff, ging auch ohne. Meine Haut ist nicht mit Tinte unterfüttert, habe keinen Ring in der Lippe, noch habe ich riesige Löcher in den Ohren. Die einzigen Löcher, die ich in meinen Ohren habe, sind für die Kopfhörer.
Und ich lebe noch.

Ich habe auch noch nie einen Inder auf einem Fahrrad zu mir nach Hause gebeten, um mir eine Tüte Milch zu bringen, nur weil ich zu faul oder blöd war die selber zu besorgen. Ich habe keinen Spotify-Account, noch eine Alexa, denn ich entscheide lieber selber, welche Musik ich höre oder wer das Licht anmacht. Wenn ich in einen Starbucks gehe, bestelle ich Espresso oder „einfach nur‘n Café“, sonst nix. Ich saß nie in einer Stretch-Limo, nie in einem Hummer, noch in einem Ferrari.
Und ich lebe noch.
Vielleicht auch deswegen.

Mag langweilig und öde klingen, ist es aber wahrlich nich‘.

PS: und dass alles noch ins geliebte Bruttosozialprodukt einfließt … und auch noch Steuereinnahmen beschert … und von einem hohem BSP auch noch Staatsschulden eher für ok befunden werden …  davon will ich gar nicht erst anfangen

> hier gehts zur Reihe „Brauch‘ ick nich

497) Brauch‘ ick nich‘ – Vol 5

Ein Zufall hat mir am Wochenende eine Tageszeitung ins Haus fliegen lassen. In der Mitte eingeschlagen fand ich mal wieder so einen schnuckeligen kleinen Geschenke-Katalog. Herrlich. Das ist wie Ostern, Weihnachten und Geburtstag zusammen. Wie ein Döner-Teller, ein Shawarma-Menü, das jemand vor mir auf dem Tisch abstellt. Zum Reinbeißen.

Auf Seite 3 geht’s schon gut los. „Inspiriert von edlen Rebsorten: The Real Wine Soap (R). Lifestyle-Neuheit und Luxus-Wellness für Weinliebhaber.“ …“Von Pariser Seifenmeistern, handgemacht.“ Seife Typ Sauvignon Blanc oder Merlot für 13,95 EUR. Prost!

Auf Seite 5 gibt’s noch was für die gestressten Manager: ein Stapelturm-Spiel aus 54 Acrylbaustein. „Den glasverkleideten Wolkenkratzern weltweiter Metropolen gleich, schimmert die transparente Bauweise des Turms.“ Also wenn ich dafür mal Zeit hab, dann gebe ich mit Sicherheit nicht 129 € für solchen Blödsinn aus.

Auf Seite 9, was für die Kids: Ein „Climbing Car: spannende Autorennen an Wand und Decke.“ „Bis zu 15 Minuten Fahrspaß … wie ein in einem Trickfilm … saust ein Auto Funkgesteuert an ihrer Zimmer-Decke entlang.“ Nein, wird es nicht!

Seite 11: „Plüschweisch. Kuschelwarm. Sorgfältig. Tierfreundlich. Und doch so schwer zu finden.“ Regenbogen-Ringelsocke für 19,95 EUR. Das Paar nehme ich mal an.

Seite 17: „Im Bett, auf der Couch, im Wohnmobil, … Ihr mobiler Schreibtisch sorgt für entspannte Laptop-Arbeit.“ … „Ergonomisch geeignet. Ideal zum entspannten Tippen, Browsen und Lesen – auch im Garten, Wohnmobil, beim Camping am Klapptisch…“ Laptop-/Lesekissen für 39,95 EUR. Ach das meinen die mit Work-Life-Balance. Verstanden.

Seite 39: eine „Genial selbstschärfende Maniküre-Schere – nach dem Vorbild der Natur. Innovative Technologie nach dem Biberzahn-Prinzip. Qualität und Präzision „made in Germany“.“ Gruselig … ich sehe mich schon mit „abbe“ Finger und dann ist Schluß mit der Privat-Bloggerei.

Seite 46: Ein „Nasen-und Ohrhaarschneider: wasserfest und hygienisch.“ …“Immer hygienisch sauber“ …  „Einfach die Spitz mit weich gerundeter Krone einführen“ … oah nee, bitte nicht … „Gerät anstellen – schon sind die lästigen, unschönen Haare verschwunden.“

Brummmm.

Kopf-Kiiiiiiiiinooooooooooooooooo

Nein!!!!!!

<— 353) Brauch‘ ick nich‘ – Vol 4

Andere Beiträge zum Thema:

477) T.Party

„Unser Ende wird nicht der Mangel sein, sondern die Auswahl“. Es ist nicht das erste Mal, dass ich das hier schreibe. Jetzt, wo wir auf den November zueilen und es schattiger wird, beobachte ich an mir, dass ich häufiger Tee mache. Irgendwann müssen die Vorräte dann mal aufgestockt werden. Und dann stehe ich vor diesem Riesenregal und schwelge in Erinnerungen, wie einfach das doch mal alles früher mal war: Pfefferminz, Kamille, Früchte, Kümmel, Fenchel … Schwarz … das war‘s …  würde ich mal sagen. 

Und natürlich der Wald-und Wiesentee, der aus riesigen Kesseln auf Klassenfahrten oder im Ferienlager ausgeschenkt wurde. Dessen Geruch, gemischt mit dem von gebohnertem Linoleum und Großküche, den kriege ich wohl nie mehr aus meinem Kopf raus.

Heute, da stehst du vor dem Teeregal wie vor der chinesischen Mauer und kriegst den Mund vor Staunen nicht mehr zu. Man sollte besser einen Wecker stellen, um nicht zu vergessen, das Parkticket zu verlängern.

„Gute Nacht-Tee“, „Einschlaf-Tee“, „Auszeit-Tee“, „Powerfrau-Tee“, „Figur-Tee“, „Nerven-Tee“, „Fettverdauungstee“ … meine Güte … was es nicht alles gibt. Am besten fand ich noch den „Lebenstee“, da sollte ich mir gleich mal ein paar Kilo mitnehmen. Kann ja nich‘ schaden.

Und obwohl es dort schon so viele Sorten gab, da fallen mir glatt noch mehr ein:

  • „Schon-wieder-Montag-Tee“
  • „Nervende-Kollegen-ertragen-Tee“
  • „300 E-Mails-bewältigen-Tee“
  • „MS Teams-Marathon-verkraften-Tee“
  • „Hochzeitstag-nicht-vergessen-Tee“
  • „Paket-wiederfinden-Tee“
  • „Reifenwechseltermin-ausmachen-Tee“
  • „Akku-am-Tablet-tauschen-Tee“
  • „Elternversammlung-überstehen-Tee“
  • „Voll-Honks-in-der-Stadt-ertragen-Tee“

… ich komme mir gerade vor, wie Bubba von Forrest Gump, als er die Schrimps-Rezepte aufzählt.

Aber eigentlich bräuchte ich nur ein Sorte. Voll auf mich zugeschnitten.
Den Individual-Tee.

Den T.ee 😉

Und wieder einmal schließe ich einen Beitrag mit einem Zitat aus „Essentialism: The Disciplined Pursuit of Less“ von Greg McKeown

As Peter Drucker said, “In a few hundred years, when the history of our time will be written from a long-term perspective, it is likely that the most important event historians will see is not technology, not the Internet, not e-commerce. It is an unprecedented change in the human condition. For the first time – literally – substantial and rapidly growing numbers of people have choices. For the first time, they will have to manage themselves. And society is totally unprepared for it.

Ähnliche Beiträge:

82) Mit Tragegriff und Zugband

Kommen wir heute neben all den großen Themen auf der Weltbühne, mal zu den kleinen aber fiesen Angelegenheiten. Das sind Momente und Entscheidungen, die mich an den Rand des Wahnsinns treiben.

Mülltüten kaufen.

  • Es beginnt schon bei der Größe. Welche brauchen wir da noch mal? Eine Zeit lang, konnte ich mir eine Eselsbrücke über mein Alter bauen, aber ich merke zunehmend, dass das nicht mehr funktioniert.
  • Und dann die Bauart: Mit Tragegriff, ohne Tragegriff, mit Zugband, mit Fixierband
  • Und dann die Farbe: grün, blau, grau, gelb, blickdicht, transparent
  • Und der Duft: Zitrone, Orange, Lemon
  • Und die Umwelt nicht vergessen: Bio, kompostierbar, recyclebar, klimafreundlich
  • Und dann noch weitere Attribute: reissfest, flüssigkeitsdicht, anti-rutsch und mit Geruchsstop.
  • Dann gibts noch welche mit Erdbeer-Geschmack, Noppen … ach nee … ich bin wohl zu weit gelaufen … ich stehe mittlerweile vor dem Regal „Zweisamkeit“ in der Herrenkosmetik.

Aber jetzt beginnt der Einkauf, doch noch lustig zu werden. Der Frust, der mit der Auswahl von Mülltüten einhergeht, verschwindet und macht Platz für Späßchen.

Ich stelle mir die oben genannten Eigenschaften für das Regal des „Naturkautschuks“ vor. „Mit Tragegriff und Zugband“, „anti-rutsch und kompostierbar“ … ich hau‘ mich weg.  

Die Dame, die nebenan die Regale einräumt, schaut skeptisch rüber …

Und wieder einmal schließe ich einen Beitrag mit einem Zitat aus „Essentialism: The Disciplined Pursuit of Less“ von Greg McKeown

As Peter Drucker said, “In a few hundred years, when the history of our time will be written from a long-term perspective, it is likely that the most important event historians will see is not technology, not the Internet, not e-commerce. It is an unprecedented change in the human condition. For the first time – literally – substantial and rapidly growing numbers of people have choices. For the first time, they will have to manage themselves. And society is totally unprepared for it.

Die Menschheit wird nicht am Mangel zu Grunde gehen, sondern an der Auswahl.